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The Ultrasonics


The Unleashed - epaper ⋅ Ausgabe 27/2020 vom 15.06.2020

Stephen Hosick, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Texas Steve hat zwei wunderbare Rockabilly Alben auf Wild Records veröffentlicht, von denen das letzte aber bereits wieder etwa acht Jahre zurück liegt. Umso erstaunter waren wir vom Unleashed als wir feststellten, dass der in Würzburg geborene Texaner ein neues Projekt am laufen hat, das dazu auch noch musikalisch in ein ganz andere Richtung läuft. Grund genug den Frontmann etwas genauer unter unser Ultraschallgerät zu legen.

Stell dich bitte vor. Wie bist du aufgewachsen und was war der Soundtrack deiner Teenager Tage?
Hallo Rock‘n‘Roller. Hier ...

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Bildquelle: The Unleashed, Ausgabe 27/2020

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... ist Texas Steve und ich bin ganz aufgeregt, dieses Interview machen zu dürfen. Ich wurde in Würzburg in einer amerikanischen Militärbasis geboren und wuchs als „Armee Kind” in einer fast schon fanatisch christlichen Familie auf. Rock‘n‘Roll war definitiv DIE Teufelsmusik. Ich durfte keine Musik hören, die nicht von meinen Eltern buchstäblich abgesegnet war. Das bedeutete viel Sixties Zeug aus dem Radio, die Top 40 hauptsächlich. Meine Großeltern hörten sehr viel alte Country Musik und erzählten mir Geschichten, wie sie Hank Williams und Patsy Cline live gesehen haben!! Als ich zwölf Jahre alt war, begann ich heimlich, Musik zu hören, Musik, die nicht vorher von meinen Eltern abgesegnet wurde. Ich entdeckte die Beatles und den frühen Rock‘n‘Roll. Der war roh und einfach. Das war schön anzuhören und ich fühlte mich gut dabei. Dann ging es mit Vollgas weiter. Ich liebte die Bands der ersten Punk Welle, New Wave und Heavy Metal. Ich konnte heraushören, wie sie sich untereinander beeinflusst und entwickelt haben. Wie Künstler das aufsaugten, was sie hörten und dann der Geschichte ihren eigenen Stempel aufgedrückthaben.

Wann hast du dich schließlich ent-schlossen, ein Rock‘n‘Roll Star zu werden und wie bist du zu deinem Pseudonym “Texas Steve” gekommen?
Zu der Zeit, als ich den Rockabilly und die Beatles entdeckt habe. Irgendetwas faszinierte mich an denen und ihrer relativ kurzen Zeitleiste. Da wusste ich, ich will in einer Band sein, ich will das selber machen. Meine erste Band war eine Trash Metal Band und ich war der Schlagzeuger. Zwei Bands später, im Alter von etwa 15 Jahren suchten wir erfolglos einen Sänger. Wir haben geprobt und eine Zigarettenpause gemacht. Ich schnappte mir eine Gitarre und sang ein Lied. Ich kann mich nicht an das Stück erinnern, aber unser Gitarrist sagte: „Warum suchen wir eigentlich einen Sänger und nicht lieber einen Drummer?” An dem Tag wurde ich zum Frontmann und obwohl ich immer noch Schlagzeug spiele, wurde das Singen meine große Leidenschaft! Jedenfalls als mein Vater nicht mehr in der Armee war, ließen sich meine Eltern in Texas nieder und ich beendete dort auch meine schulische Karriere. Deswegen sage ich immer, ich stamme aus Texas. Als ich zwanzig Jahre später nach Kalifornien zog, hatte ich einen Freundeskreis, zudem auch Dustyn Chance gehörte. Ein Freund von Dustyn mit Namen Damon, nannte mich immer Hillbilly. Ich lachte ihn immer aus, da es in Texas ziemlich flach ist (Anmerkung: Hill ist das englische Wort für Hügel). Dann fing er irgendwann an, mich einfach nur Texas zu nennen, daraus wurde dann Texas Steve. Als wir dann das Git Gone Trio gründeten, konnten wir uns auf keinen Bandnamen einigen. Irgendjemand kam dann auf Git Gone Combo, was noch irgendwie am besten klang, aber mich noch nicht restlos überzeugte. Ich schlug dann Texas Steve & The Git Gone Trio vor, weil es sich irgendwie mehr vintage anhörte. Als wir dann unsere Platte aufnahmen, blieben wir dabei.

Wann und warum hast du dich der Wild Records Familie angeschlossen?
Texas Steve: (lacht) Als ich nach Kalifornien zog, lernte ich über einen gemeinsamen Freund Dusty Chance kennen. Dusty und ich haben uns öfter aus Spaß zum Musik machen getroffen und er sagte, dass ich eine Band zusammenstellen soll. Tatsächlich hat er über Craigslist, das ist ein Anzeigenportal, Bands herausgesucht und ich antwortete auf eine der Emails, was letztendlich zum Git Gone Trio führte. Dusty schickte ein paar unserer Aufnahmen zu Reb und so kam es letztendlich zu unserem Album, „At Your Door”.

Neben dem von dir erwähnten Album hast du als Texas Steve noch eine Single und ein zweites Album, das mit einer anderen Begleitband eingespielt wurde. Warum kam es zur Änderung der Begleitband und was sind deine schönsten Erinnerungen an diese Zeit?
Das war einfach eine schleichende Entwicklung. Das Git Gone Trio war fantastisch! Tommy Chiffon am Schlagzeug, Brendan Glueck am Kontrabass und Ried Rogers an der Gitarre. Wir haben uns 2004 gegründet. Wir haben Shows gespielt. Die Leute sind auf unsere Musik abgefahren! Wir haben überall gespielt. Es war geiler, traditioneller Rockabilly. Ich habe es geliebt, aber ich wollte ein bisschen mehr Richtung Rock‘n‘Roll gehen, etwas, das aggressiver war. Um 2009 versuchten wir es mit einem neuen Gitarristen, Steve Merritt. Das funktionierte eine Weile, aber die Luft war irgendwie draußen. Zur selben Zeit ließ ich mich auch scheiden, was zusätzlich viel Zeit in Anspruch nahm. Ich fragte bei Reb nach, ob er Musiker hätte, um mich zu begleiten. Corey Siu von Will and the Hi-Rollers übernahm die Gitarre, Ozzy Chong von den Delta Bombers schlug den Bass und Jeff Gerow bearbeitete das Schlagzeug. Diese Besetzung nahm die “Partyline” Single auf und noch einige Songs, die auf Sampler landeten. Als meine Scheidung sich dem Ende näherte, wollte ich wieder eine richtige Band haben, eine die weniger als 650 km von mir entfernt ist. Ich lernte schließlich Matt Pavlocic kennen, der der ursprüngliche Gitarrist von Dustyn Chance war. Als nächstes fanden wir Pat Kowalski, ein Kontrabass Spieler, der gerade nach San Francisco gezogen war und eine Band suchte. Es fehlte aber immer noch ein Schlagzeuger. Ich gehöre einem „Car Club“ an, den „Last Originals” und eines der Mitglieder Nicky Burns hatte ein verborgenes Talent, nämlich das Schlagzeug spielen (lacht). Wir haben aus Jux eine Jamsession gemacht und Nick hat Schlagzeug gespielt. Nur zwei Monate später haben wir bereits die „Take Cover” CD aufgenommen. Wir hatten drei Jahre lang eine fantastische Zeit. Wir arbeiteten bereits an einem neuen Album, das leider nie zustande kam. Ich heiratete wieder und zog mit meiner neuen Frau etwas weiter weg. Ich fuhr zwar extra zu den Proben einmal die Woche, aber die Shows wurden auch weniger und die Situation belastete jeden einzelnen. Die Magie ging verloren und wir probten immer seltener. Die Wild Records Shows, bei denen ein Haufen Wild Bands spielten, sind meine schönsten Erinnerungen. Wir sind wirklich zu einer Familie geworden. Wir haben zusammen abgehangen, uns zusammen betrunken und sind zusammen durch dick und dünn gegangen. Das war einfach Rock‘n‘Roll.

In den letzten Jahren ist sehr ruhig um dich gewesen. Hat das bestimmte Gründe und was hast du in dieser Zeit gemacht?
Texas Steve: Nachdem die Tornados in die Binsen gegangen sind, habe ich immer nach einem neuen Projekt Ausschau gehalten. Ich habe das ein oder andere mit verschiedenen Musikern ausprobiert, aber nichts davon hat wirklich Früchte getragen. Ich war auch bei einem Projekt von Dusty Chance dabei. Wir nannten uns The Straynge und machten 60‘s Garage, Surf Zeug. Ich war am Bass und übernahm die Backup Vocals. Dusty war der Lead Sänger und spielte eine Farfisa Orgel. Wir haben nie eine Show gespielt oder irgendetwas aufgenommen. Die Musik aber war phänomenal! Ich hoffe, dass irgendwann wenigstens eine Aufnahme davon entsteht. Für The Straynge hatte ich ein paar Songs geschrieben, die aber irgendwie nicht richtig passten. Diese haben wir jetzt für die Ultrasonics übernommen, über die wir hoffentlich gleich auch noch sprechen. Übrigens gibt es einige unveröffentlichte Texas Steve Songs, die für eine komplette LP reichen. Wir werden diese bei Wild Records einspielen und sie sollte nächstes Jahr erscheinen. Es sind auch wieder Texas Steve Shows geplant!

Wie du gerade erwähnt hast, konzentrierst du dich jetzt auf dein neues Projekt, die Ultrasonics. Stelle uns doch bitte einmal die Band vor und wie habt ihr euch gefunden?
Ich bin total begeistert von den Ultrasonics. Neben mir besteht die Band aus Tony Trevino (Gitarre/Vocals), Stephen Meeker (Bass/Vocals) und Ben Stroughter (Drums/Vocals). Unsere Geschichte ist irgendwie total verrückt und beginnt mit Elvis Cantù, der gerade aus Texas nach Kalifornien gezogen war. Wir haben uns getroffen und ein paar Sachen ausprobiert, die ich geschrieben habe. Bei einer Show in Sacramento traf Elvis dann einen Typen, der Schlagzeug spielen konnte. Elvis brachte ihn einmal mit zu einer unserer Sessions. Das war Ben. Es war schon eine Weile her, dass ich mit einem Schlagzeuger zusammen gespielt hatte und ich war begeistert. Ben war es offensichtlich auch und er und ich haben die Session dann uns gerissen. Ich glaub,e das hat Elvis ein wenig angepisst, jedenfalls kam er danach nie wieder auf eine Session vorbei. Ben stammt aus Japan, sein Vater ist Afroamerikaner und seine Mutter ist Japanerin. Mit vierzehn Jahren spielte er bereits in einer Beatles Cover Band in Japan. Unglaublich!
Tony kannte ich bereits seit 16 Jahren und wir sind gute Freunde geworden. Dennoch haben wir uns aus den Augen verloren. Er spielte bei den Pendletons. 2017 sollte ich auf dem Nashville Boogie ein Texas Steve Set spielen und Rockin‘ Rick & The Rhythm Wranglers waren auch gebucht. Da Rick Torres in meiner Gegend wohnt, bat ich ihn und seine Leute, meine Begleitband zu werden. Wir trafen uns zum Proben und ratet mal, wer da an der Gitarre spielte. Das war Tony Trevino! Wir hatten uns fünf Jahre nicht gesehen, aber er wurde wieder zu meinem Kontaktmann für den Nashville Boogie Auftritt. Am Ende kam dieser nie zustande, da der Promoter vergessen hatte, mir die Flugtickets zu besorgen. Ich wollte dann mit den Rhythm Wranglers als Backup mein neues Projekt starten, aber die Verbindung kam nie wirklich zustande. Tony sagte dann irgendwann: “Wir brauchen unsere eigenen Leute, wenn wir mit dieser Geschichte weitermachen wollen.“ Also rief ich Ben an und der war sofort mit an Bord, obwohl wir uns ein Jahr lang nicht gesehen hatten. Es fehlte noch ein Bass Spieler. Nach ein paar Monaten, kam dann Stephen dazu. Tony kannte Stephen schon eine Weile, da Tony bei der Gruppe von Stephen‘s Vater Gitarre spielt. Stephen ist mit Abstand der Jüngste bei den Ultrasonics. Er ist Anfang zwanzig und muss mit lauter Vierzigjährigen spielen (lacht).

Euer Sound ist sehr schwer zu definieren. Es handelt sich irgendwie um eine ungewöhnliche Kombination von Power Pop, 60‘s Garage und 70‘s Punk, angereichert mit anderen Einflüssen, die hier und da auftauchen. Wie siehst du das? Gibt es bestimmte Bands, die euch beeinflussen?
Ja. Wie ich bereits erwähnt habe, wollte ich nicht noch eine weitere Rockabilly Band ins Leben rufen. Ich wollte etwas, das mir mehr Freiräume lässt, vom künstlerischen Standpunkt gesehen. Tony und ich haben einen ähnlichen, breitgefächerten musikalischen Geschmack. Ben stammt aus Japan und ist Beatles Fan, hört aber auch 70‘s Soul & Funk. Stephen mag irgendwie alles. Unsere Musikgeschmäcker spiegeln sich in unserem Songs wieder, die wir schreiben. Wir wissen auch, was der andere am Instrument macht, ohne das wir darüber diskutieren müssen. Das ist sehr angenehm. Die Haupteinflüsse sind schon 60‘s Garage, Pop, Soul und R&B, aber auch 70‘s Punk Rock und New Wave.

The Ultrasonics

Ihr habt gerade euer erstes Album bei Reb Kennedy aufgenommen. Wie lief die Session den ab und was können wir von dem Album erwarten?
Texas Steve: Das war großartig, die beste Aufnahmesession, die ich jemals bei Wild Records hatte. Es war ja nicht nur, dass wir etwas völlig anderes als sonst gemacht haben, sondern auch Reb und Omar (Romero) hatten ihren Spaß und haben sich gefreut, mal etwas außerhalb der Norm aufzunehmen. Jetzt muss die Scheibe nur noch auf den Markt kommen. (lacht) Behämmerter Corona-Virus! Die Platte ist aufgenommen und abgemischt, aber die Produktionsstätten sind im Moment alle still gelegt und wir haben keinen Plan, wann wir die Scheibe zu Gesicht bekommen!
Ich denke, sie wird auch in der Rockabilly, Rock‘n‘Roll Szene gut ankommen. Es wird sicherlich Starrköpfe geben, die damit nichts anfangen können, aber den meisten wird es irgendwie merkwürdigerweise bekannt vorkommen. Als richtiger Musikliebhaber wirst du etwas für dich finden!

Die Corona Geschichte ist ja noch nicht ausgestanden. Gibt es trotzdem noch Pläne für das Jahr 2020?
Texas Steve: Der Virus hat wirklich unser Momentum ziemlich ausgebremst. Das Album hätte im April erscheinen sollen und wir waren auch gut gebucht mit über einem Dutzend Shows und weiteren Anfragen. Wir waren kurz davor, ziemlich durchzustarten. Unglücklicherweise hat dann diese Geschichte angefangen und die Shows wurden und werden eine nach der anderen abgesagt. Wir nehmen im Moment Anfragen für die Zeit ab August wieder an, in der Hoffnung, dass sich die Situation bis dahin normalisiert. Wenigstens gibt das uns auch ein bisschen Hoffnung, dass das Leben wieder etwas normaler werden kann. In der Zwischenzeit arbeiten wir an neuen Songs und proben immer noch. Wenn es dumm läuft, haben wir vielleicht ein zweites Album zum Aufnehmen, bevor das erste überhaupt herausgekommen ist. (lacht)

Gibt es noch etwas, dass unseren deutschen Lesern mitteilen möchtest?
Texas Steve: (spricht deutsch) Macht weiter so! Ich hoffe, wir sehen uns und machen Party! Vergesst nicht, unsere Webseiten zu besuchen. Auf Wiedersehen!

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