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The way old friends do


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Siegessäule - epaper ⋅ Ausgabe 11/2021 vom 28.10.2021

MUSIK

Illustration: BBMAA – Benny, Björn, Magnus, Anni-Frid und Agnetha

ABBA: Voyage (Polar Music/Universal), ab dem 05.11. erhältlich

Artikelbild für den Artikel "The way old friends do" aus der Ausgabe 11/2021 von Siegessäule. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Ein wunderschöner Spätsommerabend in Berlin. Ich sitze auf dem Fahrrad, fahre dem Sonnenuntergang entgegen und weiß: Dies ist ein besonderer Moment. Neue Songs von ABBA. Keine unnötigen Remixes oder so was, sondern richtig neue Musik, entstanden im Hier und Jetzt. Wahnsinn! „Wer hätte gedacht, dass das jemals passieren würde“, denke ich, dem Livestream lauschend, und als die Sonne hinter dem Fernsehturm verschwindet, sieht ...

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... die Karl-Marx- Allee aus, als hätte sie jemand extra zu diesem Anlass mit Gold überzogen. Mit ABBA Gold. Dann setzt der Refrain ein. Und ich muss anhalten.

Ich meine – ich fand diese Band schon immer toll. Hardcore-Fans allerdings, das waren eher die anderen. So wie Tante Marion zum Beispiel. Die war ein richtiger ABBA-Ultra. „Chiquitita“ und Haselnusslikör im Partykeller – so bin ich großgeworden in den 80ern. Überhaupt scheinen Familienfeste und ABBA-Musik untrennbar miteinander verbunden zu sein. Die meisten meiner Freunde teilen die Erfahrung, wie es ist, mit irgendeiner aufgedrehten entfernten Verwandten zu „Super Trouper“ in aufgezwungener Paartanzformation in die Heckenrosen zu fallen. Da musste man einfach durch. Und als homosexueller Mann gehören ABBA-Songs sowieso zum Soundtrack des Lebens, ob man will oder nicht. Es gibt Videoauf- nahmen, auf denen ich mit einer Handvoll erwachsener Männer an der Pissrinne im SchwuZ stehe und „Dancing Queen“ singe. Mehrstimmig. Okay – ist halt die Musik meiner Generation, könnte man da sagen. Als 1982 die letzte ABBA-Single erschien, war ich allerdings gerade mal zwei Jahre alt. Und da stehe ich nun, knapp 40 Jahre später, mitten auf der goldenen Karl-Marx-Allee, und mir laufen die Tränen übers Gesicht. Warum zur Hölle berührt mich das so?

Ein kurzer Blick in YouTube verrät: geht mir nicht alleine so. Menschen von überall auf der Welt halten ihre Reaktionen auf die neuen ABBA-Songs auf Video fest. Viele von ihnen weinen, viele von ihnen sind jünger als ich. Und das belegt zweifelsfrei: Die ABBA-Formel funktioniert generationenübergreifend. Songs wie „The Winner Takes It All“ oder „One Of Us“ berühren die Menschen heute genauso wie in den 70ern. Warum ist das so? Klar – ABBA-Songs sind eingängig, man kann toll mitsingen und dabei ins Rosenbeet fallen. Aber ABBA sind so wahnsinnig viel mehr als Partypop-Band. Sie haben es stets verstanden, Musik zu konzipieren, die weit über das Label „Popmusik“ hinausgeht. Ich kann jedem nur wärmstens ans Herz legen, sich auch mal die etwas unbekannteren Album-Tracks wie „I Let The Music Speak“ oder „Arrival“ zu Gemüte zu führen. Das hatte mit Pop eigentlich nur noch wenig zu tun. Und von der Popmusik von heute ist ABBA meilenweit entfernt.

Ganz bewusst unmodern

ABBA von 2021 ist eine Band, die offenbar überhaupt nicht zeitgemäß klingen will, die ihre Musik einfach genauso weitermacht, als wäre 1982 gerade erst gestern gewesen. Und doch gibt es sie: diese Momente, in denen sich nicht verbergen lässt, dass seit damals fast ein halbes Jahrhundert vergangen ist. Winzig kleine Momente, in denen Agnethas Stimme kurz bricht und offenbart, dass sie eben keine 25 mehr ist. Einen anderen Verweis auf die Gegenwart gibt es in der neuen ABBA-Musik nicht. Und tatsächlich ist es genau das, was mich dabei am allermeisten berührt. Also wische ich mir die Tränen aus dem Gesicht, steige zurück aufs Rad und freue mich, in einer Zeit zu leben, in der neue Musik von ABBA so klingt, als sei sie schon immer da gewesen.

Hoffentlich hört Tante Marion auch zu und stellt den Haselnusslikör kalt.

Magnus von Keil