Weiterlesen mit NEWS. Jetzt testen.
Lesezeit ca. 12 Min.

THEMA DES MONATS: RAUS AUS DER GEDANKENFALLE: NEUE WEGE FINDEN: Raus aus der Routine


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 50/2019 vom 12.04.2019

Trauen Sie sich,gewohnte Muster im Trainingsalltag zudurchbrechen! So verbessern Sie nicht nur die Beziehung zu Ihrem Pferd, sondern schaffen auch einepositive Trainingsatmosphäre undneue Motivation. Wie das geht, beschreibt unser Experte Marius Schneider


Artikelbild für den Artikel "THEMA DES MONATS: RAUS AUS DER GEDANKENFALLE: NEUE WEGE FINDEN: Raus aus der Routine" aus der Ausgabe 50/2019 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 50/2019

Bringen Sie Abwechslung ins Training! So bleibt Ihr Pferd motiviert und aufmerksam


Tipps to go Unsere Tipps können Sie gratis auf Ihr Handy laden: Einfach diesen QRCode scannen und Datei speichern!


Zehn Minuten Schrittreiten am langen Zügel, danach Zügel aufnehmen, Antraben und Leichttraben. Wechsel zwischen ganzer Bahn und Zirkel. Irgendwann ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 2,99€
NEWS Jetzt gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Mein Pferd. Alle Rechte vorbehalten.
Lesen Sie jetzt diesen Artikel und viele weitere spannende Reportagen, Interviews, Hintergrundberichte, Kommentare und mehr aus über 1000 Magazinen und Zeitungen. Mit der Zeitschriften-Flatrate NEWS von United Kiosk können Sie nicht nur in den aktuellen Ausgaben, sondern auch in Sonderheften und im umfassenden Archiv der Titel stöbern und nach Ihren Themen und Interessensgebieten suchen. Neben der großen Auswahl und dem einfachen Zugriff auf das aktuelle Wissen der Welt profitieren Sie unter anderem von diesen fünf Vorteilen:

  • Schwerpunkt auf deutschsprachige Magazine
  • Papier sparen & Umwelt schonen
  • Nur bei uns: Leselisten (wie Playlists)
  • Zertifizierte Sicherheit
  • Freundlicher Service
Erfahren Sie hier mehr über United Kiosk NEWS.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 50/2019 von TELEGRAMM. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
TELEGRAMM
Titelbild der Ausgabe 50/2019 von Was wurde aus……dem Orlow- Traber Balagur?. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Was wurde aus……dem Orlow- Traber Balagur?
Titelbild der Ausgabe 50/2019 von VERHALTEN UND KOMMUNIKATION: Die Psyche des Pferdes. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VERHALTEN UND KOMMUNIKATION: Die Psyche des Pferdes
Titelbild der Ausgabe 50/2019 von GLOBETROTTER: Ein neues Leben in Paraguay. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
GLOBETROTTER: Ein neues Leben in Paraguay
Titelbild der Ausgabe 50/2019 von LESERBRIEFE. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
LESERBRIEFE
Titelbild der Ausgabe 50/2019 von NATURAL HORSEMANSHIP: Nicht bloß Spielerei. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
NATURAL HORSEMANSHIP: Nicht bloß Spielerei
Vorheriger Artikel
FAHRT IM ANHÄNGER: Auf Tour gehen
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel THEMA DES MONATS: RAUS AUS DER GEDANKENFALLE: WERTFREI REITEN: Ra…
aus dieser Ausgabe

... kommt der Galopp hinzu. Nach dem Warm-up werden Lektionen geübt. Zum Abschluss folgt ein kurzes Zügelaus- der-Hand-kauen-Lassen. So oder so ähnlich strukturieren viele Reiter nahezu täglich ihre Trainingseinheiten. Doch warum eigentlich? Und muss das überhaupt so sein? Diese Frage haben wir dem klassischen Ausbilder Marius Schneider gestellt. Er ist bekannt für sein vielseitiges, abwechslungsreiches, pferdegerechtes Training. Rassenunabhängig schult er auf Burg Kakesbeck Pferd und Reiter an der Hand, am Boden und unter dem Sattel. Auch Zirkuslektionen und Freiarbeit stehen regelmäßig auf dem Programm.

Muster durchbrechen

Routine ist nicht per se etwas Schlechtes, doch häufig entstehen dadurch festgefahrene Muster, die für wenig Abwechslung im Trainingsalltag sorgen. Wer verschiedene Ausbildungsmethoden kombiniert, motiviert nicht nur sein Pferd, sondern auch sich selbst. Zudem ist es sinnvoll, immer wieder um die Ecke zu denken und das Training zu variieren, um das richtige Programm für das jeweilige Pferd zu finden. So können auch mögliche Probleme, die auftreten, besser gelöst werden. Die meisten Reiter nehmen sich für einen Tag etwas Bestimmtes vor: Entweder sie reiten, longieren oder sie arbeiten am Boden beziehungsweise an der Hand. Bei Marius Schneider sieht das anders aus: Er beginnt zum Beispiel mit einer kurzen Einheit an der Longe, steigt dann in den Sattel und beendet das Training mit einer Übung an der Hand. Wenn er das Gefühl hat, dass ein Pferd unter dem Sattel an einem Tag mit der Konzentration Schwierigkeiten hat oder nicht loslassen kann, dann steigt er ab und ändert die Methode. „Reiter sollten sich trauen, offen für Variationen im Training zu sein, und nicht mit aller Macht an dem festhalten, was sie sich möglicherweise vorgenommen haben“, betont der Ausbilder und fügt hinzu: „Wer es schafft, Gewohnheiten zu erkennen und Muster zu durchbrechen, wird auch die Beziehung zu seinem Pferd verbessern.“

Aufgaben neu stellen

Die Arbeit am Boden kann gut dazu genutzt werden, um das Pferd auf das Reiten vorzubereiten. Umgekehrt empfiehlt Marius Schneider, dem Pferd auch mal eine Aufgabe am Boden zu stellen, die es schon vom Reiten kennt. Wie wäre es zum Beispiel mit einer Traversale an der Hand auf der Diagonalen? Oder mit gezielten Übergängen Galopp – Trab – Schritt – Anhalten – Rückwärtsrichten an der Longe? Durch den Perspektivwechsel vom Sattel zum Boden können auch mögliche Probleme schneller erkannt werden. So haben viele Reiter in den Traversalen Schwierigkeiten, richtig zu sitzen. An der Hand lernt das Pferd Bewegungsabläufe ohne Reitergewicht. Dabei fällt es ihm meist leichter, sich auszubalancieren und Last aufzunehmen. Wenn der Vierbeiner ohne den Reiter auf dem Rücken bestimmte Aufgaben leichter erfüllen kann, dann sollte das zum Nachdenken über den eigenen Sitz und die Hilfengebung anregen. Die Kombination von Reiten und Boden- oder Handarbeit bietet viele Möglichkeiten, um das Training zu optimieren.

Bei Marius Schneider stehen auch Zirkuslektionen regelmäßig auf dem Trainingsplan. Die Pferde haben sichtlich Spaß beim Erlernen und Ausführen von Kompliment, Liegen und Co.


Bodenarbeit aus Sicht des Pferdes

Dem jungen Pferd vermittelt die anfängliche Bodenarbeit am Kappzaum ein Verständnis für die grundlegenden Reiterhilfen. „Was dem Pferd von Anfang an und immer zuerst vom Boden aus beigebracht wird, bekommt man im Idealfall geschenkt, wenn man es später vom Sattel aus abfragen möchte“, so Marius Schneider. „Ich nenne auch die Hilfen in der Bodenarbeit bewusst ‚Reiterhilfen‘, denn ein wichtiger Punkt bei der Arbeit am Boden sollte immer sein, dass die erarbeiteten Hilfen ebenso vom Reiter auf dem Pferderücken eingesetzt werden können.“ Alle verwendeten Hilfen müssen einen logischen Aufbau haben, damit sie vom Pferd verknüpft werden können. Dies bedeutet im Speziellen, dass die Signale während der Bodenarbeit in Funktion und Bedeutung den Hilfen des Reiters ähneln sollten. Zudem ist die Logik der Hilfengebung im Idealfall unabhängig von der Positionierung des Ausbilders, ob nun direkt neben dem Pferd am Boden, am anderen Ende der Longe oder auf dem Pferderücken. „Eine gute Arbeit am Boden sollte nicht nur das Pferd in seinen Fähigkeiten fördern, sondern Pferd und Reiter im allgemeinen Umgang und im Training zu einer verbesserten und verfeinerten Kommunikation verhelfen“, betont unser Experte. Des Weiteren eigne sich das Trainieren ohne Reitergewicht besonders für Rekonvaleszenzpferde und auch alte Pferde.

Reiterliche Fähigkeiten schulen

Die Bodenarbeit kann den Reiter in seinen Fähigkeiten als Ausbilder schulen und ihm dabei helfen, Sehen, Verstehen und Erkennen zu lernen. „Da viele Menschen zu den visuellen Lerntypen zählen, ist es für das Reiten sehr hilfreich, die beobachteten Bewegungsmuster des eigenen Pferdes in Gedanken mit auf den Pferderücken zu nehmen“, erklärt Marius Schneider und ergänzt: „Wenn man nicht weiß, wie eine Lektion aussehen soll, wird es schwer, diese zu reiten, weil ein inneres Bild von der jeweiligen Übung fehlt.“ Doch selbst wenn bereits ein allgemeines, inneres Bild der jeweiligen Übungen vorhanden sei, sollte sich jeder Ausbilder über die Biomechanik des Pferdes, auf dem er gerade sitzt, im Klaren sein. Fragen Sie sich also, wie Ihr Pferd in der jeweiligen Lektion aussieht. Viele Gesamtzusammenhänge werden erst richtig deutlich, wenn man sie im gleichen Moment visualisieren kann. Somit trägt erst das richtige Verständnis dazu bei, dass der Reiter durchdacht und nachhaltig arbeiten kann. „Die oben genannten Schritte sind wichtig, um ein vermehrtes Bewusstsein für das eigene Handeln zu entwickeln“, sagt unser Experte. Die Schulung der eigenen Koordination und des Ausdrucks in der eigenen Körpersprache seien von immenser Bedeutung für eine unsichtbare Kommunikation am Boden. Mit der Zeit lernen Sie, eigene Fehler zu erkennen und diese rechtzeitig zu vermeiden. Auch aufseiten des Pferdes werden Sie zunehmend leichter fehlerhafte Bewegungsmuster oder exterieurbedingte Probleme deuten und mit den richtigen Übungen darauf eingehen können.

Balance in allen drei Grundgangarten

„Die Longenarbeit am Kappzaum befähigt das Pferd, sich in allen drei Grundgangarten in Stellung und Biegung auf gebogenen Linien auszubalancieren. Hierbei wird neben der Balance auch die Tragkraft in erheblichem Maße ausgebildet und somit nicht nur die benötigte Geschmeidigkeit, sondern auch die erforderliche Muskulatur für die Versammlung angesprochen“, sagt Marius Schneider. Aus diesem Grund werde die Bodenarbeit auch vielfach innerhalb der pferdephysiotherapeutischen Bewegungstherapie angewendet.

Marius Schneider kombiniert in einer Trainingseinheit gern Elemente wie Boden- oder Handarbeit, Reiten und Longieren


Bevor das Pferd jedoch am Kappzaum longiert wird, sollten die eben beschriebenen Übungen aus der anfänglichen Bodenarbeit vom Pferd sicher verstanden worden sein. Dies gelte vor allem für die Nachgiebigkeit am Kappzaum sowie für die Gertenhilfen, die die fehlenden Reiterhilfen wie zum Beispiel Schenkel, Zügel oder auch Gewichtshilfen ersetzen. „Demnach muss das Pferd sich um den gedachten inneren Schenkel biegen lassen und auf treibende Hilfen mit seinen Hinterbeinen in Richtung Schwerpunkt reagieren“, erklärt unser Experte. Auch der gedachte innere Zügel als schulterführende Hilfe sollte vom Pferd akzeptiert werden. Erst dann könne sowohl die Remonte als auch das ältere Pferd balanciert auf einer Zirkellinie gearbeitet werden, sodass der Ausbilder in der Lage sei, währenddessen Einfluss auf die Form des Pferdes zu nehmen. Longieren auf Tempo und Zeit mit Druck auf dem Kappzaum ist hingegen alles andere als zielführend. Wenn Sie Ihr Pferd stattdessen sinnvoll in Balance, Nachgiebigkeit und Geraderichtung schulen, dann sind auch jegliche Hilfszügel unnötig. „Diejenigen, die wissen, mit solchen Instrumenten korrekt umzugehen, benötigen sie nicht!“, betont Marius Schneider.

Nicht immer im Schritt starten

Ein weiterer Tipp von Marius Schneider ist, die jeweilige Reiteinheit nicht immer in der gleichen Gangart zu beginnen. Natürlich muss ein Kaltstart vermieden werden. Sie können aber zum Beispiel zunächst eine Runde spazieren gehen und dann das Training im Trab oder Galopp im leichten Sitz beginnen. „Ist Ihr Pferd bestens gelaunt und voller Tatendrang, sollte es nicht von Bewegung abgehalten werden“, sagt der Ausbilder. „Sie können also gerne mal im Galopp die erste Lösungsphase angehen und danach im Schritt und Trab weitermachen.“

Durch diese Art der Variation behält das Pferd den Spaß an der Bewegung und es muss sich zudem mehr konzentrieren, da die einzelnen Trainingseinheiten nicht immer gleich beginnen. Als Reiter haben Sie zudem die Chance herauszufinden, in welcher Gangart sich Ihr Pferd am besten lösen lässt. Während der eine Vierbeiner einen frischen Galopp am Anfang braucht, lässt ein anderer besser im lockeren Trab los. Probieren Sie verschiedene Ansätze aus.

Nicht jeden Tag die Schulbank drücken

Bedenken Sie dabei auch stets Ihre eigene Stimmung und Verfassung. Es gibt Tage, an denen Sie sich besser konzentrieren, während Ihnen an anderen Tagen vielleicht Kraft und Konzentration fehlen. Seien Sie bemüht, Ihr Gefühl für sich selbst und Ihr Pferd zu schulen. Gestehen Sie sich ruhigere Tage ein und wechseln Sie die Umgebung. „Trainieren Sie auch mal auf der Wiese, im Gelände oder auf der Galoppbahn“, empfiehlt Marius Schneider. „Viele Dinge lassen sich wesentlich leichter außerhalb der Reitbahn entwickeln oder stellen das Training in der Reitbahn auf die Probe. Vor allem, wenn Ihr Pferd wenig Vorwärtsdrang hat, kann ein Tapetenwechsel Wunder bewirken.“ Nutzen Sie dabei die Gegebenheiten der jeweiligen Umgebung. Hügeliges Gelände lädt zum Klettern ein, Galoppbahnen zur freien Bewegung im leichten Sitz. Probieren Sie einzelne Lektionen in einem neuen Umfeld aus. Zum Beispiel fliegende Wechsel auf freier Strecke im Wald oder Seitengänge auf einer Wiese.

Vertrautes verlassen und Neues wagen

„Sprechen Sie mit Ihrem Ausbilder über die Möglichkeit, eine neue, spannende Übung zu entwickeln, die gut in Ihren momentanen Ausbildungsverlauf passt“, rät Marius Schneider und fügt hinzu: „Eine Übung, die viel Spaß bringt und damit Motivation bei Ihnen und Ihrem Pferd hervorruft. Beispielsweise ein Terre à Terre oder eine Zirkuslektion.“ Das Training sollte so gestaltet werden, dass das Pferd auch seinen persönlichen Charakter entfalten kann. Ein standardisiertes Ausbildungssystem lässt wenig Spielraum zu und kann dazu führen, dass die Persönlichkeit des Pferdes regelrecht unterdrückt wird. Wer diese allerdings fördert, der kann seinen Vierbeiner zum Strahlen bringen. Jedes Pferd hat seine Stärken und Schwächen. Statt sich über Schwächen zu ärgern und verbissen an einzelnen Themen zu arbeiten, sollten die Stärken zur Motivation genutzt werden. Wenn ein Hengst zum Beispiel gerne imponiert, so kann er über Lektionen wie die Piaffe zur Mitarbeit motiviert werden. Bei schüchterneren Artgenossen ist es wichtig, sie nicht zu überfallen, sondern behutsam mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln. Setzen Sie sich also auch immer mit dem Charakter Ihres Pferdes auseinander.

VERSCHIEDENE VARIATIONEN EINER TRAININGSEINHEIT

Gestalten Sie Ihr Training immer wieder neu. Diese Ideen von Marius Schneider können Ihnen dabei helfen.

VARIANTE 1

1.Warm-up mittels Bodenarbeit am Kappzaum Diese Variante ist vor allem im Winter interessant. Ein weiterer Vorteil: Junge oder stürmische Pferde können am Boden lernen, sich zu konzentrieren, während eher phlegmatische Pferde zur Mitarbeit motiviert werden können.
2.Daraus ins Longieren übergehen, um mehr Bewegung fürs Pferd zu schaffen Eine kurze Einheit an der Longe ist ein gutes Warm-up. Auch hier kann konzentriert an den jeweiligen Herausforderungen, die ein Pferd mitbringt, gearbeitet werden. Nutzen Sie dabei die gesamte Fläche der Halle oder des Reitplatzes, um das Training abwechslungsreich zu gestalten.
3.Anschließend zum Reiten Durch die Vorbereitung am Boden und an der Longe können Sie im Sattel beispielsweise anschließend konzentriert an bestimmten Lektionen arbeiten. So umgehen Sie, immer wieder die gleiche Aufwärmphase zu wiederholen. Zudem können Sie Ihr Pferd vom Boden aus genauer betrachten und ohne das Gewicht im Sattel schulen.

Longieren Sie Ihr Pferd nach der Bodenarbeit und steigen Sie dann in den Sattel


VARIANTE 2

1.Warm-up durchs Reiten Planen Sie die jeweilige Aufwärmphase, schon bevor Sie in den Sattel steigen, und denken Sie noch nicht weiter. Bleiben Sie mit Ihrer Konzentration im Moment und fokussieren Sie sich auf die Losgelassenheit und bestimmte Themen, die gerade aktuell sind, wie die Anlehnung oder Ihren Sitz.
2.Am Ende die Problemgangart an der Longe ohne Reitergewicht trainieren Wechseln Sie an die Longe, wenn Sie bei der Gangart sind, die Ihrem Pferd Probleme bereitet. Ohne das Gewicht des Reiters im Rücken können Sie gezielt an Themen wie zum Beispiel der Balance oder der Losgelassenheit arbeiten.

Starten Sie mit dem Warm-up im Sattel und wechseln Sie dann an die Longe


VARIANTE 3

1.Warm-up durchs Reiten Auch bei Variante 3 beginnen Sie im Sattel mit dem Aufwärmen. Seien Sie stets darauf bedacht, für Abwechslung zu sorgen. Sie können auch Übungen wie Trabstangen oder Slalom um Pylonen hinzunehmen.
2.Schwierige Übungen in der Bodenarbeit üben. Beispiel fortgeschrittenes Longieren Für schwierige Übungen, wie zum Beispiel erste versammelnde Übungen, wechseln Sie zur Bodenarbeit. Hier können Sie die Biomechanik und das Verhalten des Pferdes genau beobachten. Marius Schneider empfiehlt dazu vor allem das fortgeschrittene Longieren.
3.Danach wieder aufsitzen und geritten an der Versammlung arbeiten Nachdem Sie die Versammlung am Boden vorbereitet haben, steigen Sie wieder auf und arbeiten weiter. Intensität und Dauer des Trainings sollten dabei immer individuell auf das jeweilige Pferd abgestimmt werden. Manchmal ist eine kurze Reprise im Sattel besser, als eine intensive Einheit.

Bereiten Sie die Versammlung am Boden vor und steigen Sie dann wieder auf


FRAGEBOGEN

Die Selbstanalyse hilft Ihnen, das Training immer wieder zu optimieren


Marius Schneider hat hilfreiche Fragen für Reiter entwickelt, um die Trainingseinheiten sinnvoll aufzubauen und zugleich abwechslungsreich zu gestalten.

1.Haben Sie für Ihr Pferd einen Wochenplan oder arbeiten Sie immer spontan nach Gefühl? Hilft dabei, die Orientierung im Wochenverlauf nicht zu verlieren.

2.Wie lange können Sie und Ihr Pferd sich effektiv konzentrieren? Hilft, die zeitliche Dauer einer Trainingseinheit besser einzuschätzen.

3.Können Sie oder Ihr Pferd problemlos in allen drei Grundgangarten über einen längeren Zeitraum arbeiten? Hilft zu entscheiden, ob in allen Gangarten überhaupt gearbeitet werden kann oder ob sich diese noch in der Entwicklung befinden.

4.Können Sie oder Ihr Pferd problemlos zwischen den Gangarten wechseln? Vereinfacht die Entscheidung, ob Übergänge als gerittene Arbeit überhaupt sinnvoll sind.

5.Sind Bahnfiguren einfach auszuführen? Falls nicht, sind auch keine komplizierten Veränderungen von Linien möglich.

6.Welche Lektionen sind bei Ihnen und Ihrem Pferd fest verinnerlicht und können jederzeit abgerufen werden? Trägt entscheidend dazu bei, ob eine Lektion allein durch ihr Ausführen einen gymnastizierenden Effekt aufweist oder nicht.

7.Welche Lektionen sind bei Ihnen und Ihrem Pferd noch im Aufbau oder möchten gerne entwickelt werden? Zum Erleichtern können Vorübungen entwickelt oder auch ohne Reiter gearbeitet werden.

8.Kann Ihr Pferd mit und ohne Sattel geritten werden und besteht die Möglichkeit, mit und ohne Gebiss zu arbeiten? Gibt dem Reiter noch mal ein anderes Gefühl, wenn er näher am Pferderücken sitzt oder ohne hilfreiches Metall im Maul auf das Pferd eingeht.

9.Kann neben dem praktischen Reiten auch am Boden gearbeitet werden? Besteht also ein Plan B oder nur ein Plan A.

Reiten Sie auch mal ohne Sattel, so bekommen Sie ein anderes Sitzgefühl


UNSER EXPERTE

MARIUS SCHNEIDER ist klassisch ausgebildeter Berufsreiter mit diversen Zusatzqualifikationen. Als Meister der Akademischen Reitkunst und Bent Branderup Trainer widmet er sich sowohl auf seiner historischen Reitanlage im Münsterland als auch an internationalen Kursstandorten der Ausbildung von Pferd und Reiter.
www.gestuet-moorhof.de

ÜBUNGEN IM DETAIL ERARBEITEN

Vertrauensvoll an die Hand arbeiten Bei der Handarbeit können ein Zügel eingeschnallt oder ein Gebiss hinzugenommen werden. So kann das Pferd lernen, vertrauensvoll an die Hand des Ausbilders heranzutreten. „Während der Kappzaum auf den Nasenrücken des Pferdes einwirkt, liegt das Gebiss im zahnlosen Teil des Pferdemauls und hat somit einen direkten Einfluss auf den Unterkiefer und im weiteren Verlauf auf die Wirbelsäule“, erklärt Marius Schneider.

Verbessertes Führen der Schulter Bei der Handarbeit werde durch den Zügel ein verbessertes Führen der Schulter ermöglicht, womit vor allem die versammelnden Schulübungen verfeinert werden könnten. „Somit kann die Körperlängsachse des Pferdes ideal ausgerichtet werden, um ein vermehrtes Beugen in den Hanken des Pferdes zu schulen“, betont unser Experte.

Mit dem Kappzaum können Sie Ihr Pferd vertrauensvoll an die Hand arbeiten


Sicheres Verständnis schulen Die Positionierung des Ausbilders sowie die Möglichkeit von beiden Seiten, sprich von innen als auch von außen führen zu können, erleichtert es, beim Pferd ein sicheres Verständnis für die Übung zu schulen, so Marius Schneider.

Zwischen den Hilfen einrahmen Das Pferd könne durch die Führposition des Ausbilders, also durch seine Körpersprache, und durch den eingeschnallten Zügel so optimal zwischen den Hilfen eingerahmt werden.

Die Piaffe erarbeiten Für Marius Schneider ist die Erarbeitung der Piaffe als Schlüssellektion eine sehr wichtige Übung in der Bodenarbeit und der gesamten Pferdausbildung. „Diese Übung sollte niemals als Endziel gesehen oder nur der Lektion halber ausgebildet werden. Es ist vielmehr ein Nebenprodukt mit hervorragender gymnastizierender Wirkung, die deshalb so zweckmäßig in der Pferdeausbildung sein kann“, erklärt der Ausbilder.

Individuell ausbilden Die Piaffe sollte individuell ausgebildet werden, was bedeutet, dass die Herangehensweisen an diese Lektion vielfältig und unterschiedlich sein können. „Vorzugsweise wird sie dem Pferd aus dem Trab durch die Erarbeitung des halben Trittes vermittelt. Eine weitere Möglichkeit ist der Schulschritt, der dem Pferd vermehrte koordinative Fähigkeiten und Körpergefühl vermittelt“, sagt Marius Schneider. Natürlich finden auch weitere Möglichkeiten Verwendung, sofern sie im Sinne des Pferdes sind.

Die Schulparade „Um Versammlungsfähigkeit im erheblichen Maße zu fördern, wird die Schulparade an der Hand sowohl Ausbilder als auch Pferd viel Unterstützung bieten“, betont unser Experte. Es gebe kaum eine andere Übung, die mit so viel Ruhe innerhalb der Ausführung ein so großes Maß an Winkelung in den großen Gelenken der Hinterhand des Pferdes bewirke. Hierbei setze sich das Pferd im wahrsten Sinne des Wortes so weit auf die Hinterhand, dass es bei Erhaltung von Stellung und Biegung das inwendige Vorderbein erhebe. Bei einer geradegerichteten Schulparade halten beide Vorderbeine noch leichte Fühlung zum Boden.

Führposition wechseln Die Handarbeit ist am effektivsten, wenn der Ausbilder in der Lage ist, seine Führposition situationsbedingt zu wechseln. Mal vermehrt treibend oder mal vermehrt verhalten agieren zu können, verschafft ihm Variation in seiner Körpersprache. Außerdem erhält er durch die Nähe zum Pferdekörper optimale Erreichbarkeit aller verschiedenen Touchierpunkte. Diese muss er ebenso situationsbedingt wählen können, um das Pferd mit leichten Hilfen zur vermehrten Lastaufnahme zu engagieren.

Die Piaffe ist eine Schlüssellektion in der gesamten Pferdeausbildung

Fotos: Carina Doerfler (2), slawik.com (7), Gabriele Metz (1), Privat (1)