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THEMEN&TRENDS: Wird die Welt immer schlechter?


Psychologie Heute - epaper ⋅ Ausgabe 11/2018 vom 10.10.2018

REDAKTION: SUSANNE ACKERMANN

Artikelbild für den Artikel "THEMEN&TRENDS: Wird die Welt immer schlechter?" aus der Ausgabe 11/2018 von Psychologie Heute. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Psychologie Heute, Ausgabe 11/2018

Blick verstellt: Vieles wird besser – nur unsere Einschätzung nicht


Nehmen Armut und Gewalt zu? Viele glauben das. Diese Überzeugung beruht auf einem Denkfehler, den US-Forscher in sieben Experimenten demonstrierten. Demnach neigen Menschen dazu, etwas vor allem dort öfter wahrzunehmen, wo es tatsächlich seltener auftaucht. Kommt etwa ein Verhalten wie Diskriminierung seltener vor, haben wir den Eindruck, es zeige sich häufiger, weil wir plötzlich neutrales Verhalten diskriminierend finden.

Die Forscher baten Erwachsene, aus 200 Punkten mit Lila- und Blautönen nur die blauen zu identifizieren. In einem zweiten Durchgang wiederholten die Probanden diesen Test. Einem Teil von ihnen wurden dabei aber deutlich weniger blaue Punkte als vorher gezeigt. Der Effekt: Diese Gruppe glaubte nun, mehr davon zu sehen als zuvor. Dies passierte sogar, als die Probanden vorher gewarnt wurden, dass sie weniger blaue Punkte sehen würden, oder wenn ihnen Geld dafür versprochen wurde, dass sie ausschließlich blaue Punkte als blau markierten.

In lebensnahen Situationen zeigte sich dieses Muster ebenso. Die Forscher baten Probanden darum, sich 200 Gesichter anzuschauen und zu sagen, welches sie als bedrohlich empfanden. Das Prozedere wurde danach auf gleiche Weise wiederholt, nur dass einem Teil der Teilnehmer deutlich weniger bedrohliche Gesichter gezeigt wurden. Tatsächlich bewerteten sie neutrale Gesichter nun öfter als angsteinflößend.

Zu dem gleichen Ergebnis kamen die Forscher, als sie Probanden Entwürfe für Experimente vorlegten, von denen manche unethisch, andere nur mehrdeutig formuliert waren. Hier hielten die Studienteilnehmer abermals vermehrt harmlose Projekte für unethisch, wenn ihnen weniger davon vorlagen.

Die Befunde erklärten den vorherrschenden Pessimismus, meinen die Forscher: „Die modernen Gesellschaften haben außerordentliche Fortschritte bei einer Vielzahl von sozialen Problemen gemacht, sei es Armut, Analphabetismus, Gewalt oder Kindersterblichkeit. Doch die Mehrheit der Menschen glaubt, dass die Welt immer schlechter wird.“

David E. Levari u a.: Prevalence-induced concept change in human judgment. Science, 360, 6396. DOI: 10.1126/science.aap8731

ë ñ ø æ à Fremdsprachige Akzente lösen offenbar unmittelbar ein Gefühl des Unbehagens in uns aus, fand die Sozialpsychologin Janin Rössel heraus. Dabei sei es egal, um welchen Akzent es sich handle, erklärt die Forscherin. Bisherige Untersuchungen hatten gezeigt, dass wir manche Akzente mögen, andere nicht. Doch offenbar geht dieser Einschätzung immer eine spontane negative Reaktion voraus, so Rössel.

Janin Rössel: How does it matter how you pronounce it? Shedding new light on nonnative accent perception and evaluations of nonnative accented speakers. Dissertation Universität Mannheim

40 % von mehr als 6600 Befragten glaubten, sie erinnerten sich an die Zeit, als sie jünger als zwei Jahre waren – es handelte sich hierbei aber um fiktionale Erinnerungen. Die Forscher hatten die Teilnehmer gebeten, ihre allerersten tatsächlichen Erinnerungen zu schildern. Bei denen, die sich an die sehr frühe Kindheit zu erinnern meinten, fiel auf, dass die Schilderungen weniger individuell waren. Vermutlich setzten sich diese Erinnerungen sowohl aus Fragmenten früher Erfahrungen als auch aus Themen zusammen, über die in den Familien geredet worden war, und aus Fotografien, die die Teilnehmer später gesehen hatten.

DOI: 10.1177/0956797618778831

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