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Thementeil: Kompetenzerwerb zukünftiger LehrerInnen in der universitären Ausbildung


Zeitschrift für Pädagogik - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 22.07.2019

Olga Zlatkin-Troitschanskaia/Hans Anand Pant/Kai Cortina


Einführung in den Thementeil

Die systematische Erfassung des Lernens und der Lernergebnisse an Hochschulen im Sinne des analytischen pädagogischen Kompetenzbegriffes (vgl. Hartig & Klieme, 2007) wurde in Deutschland, gerade im Kontrast zur Elementar- und Sekundarbereich, über Jahrzehnte vernachlässigt (vgl. Kuhn, Zlatkin-Troitschankaia, Pant & Hannover, 2016). Hierfür gibt es zahlreiche Gründe (vgl. Zlatkin-Troitschanskaia & Pant, 2016): Die akademische Ausbildung istper se viel weniger standardisiert als die Schulbildung und der Feldzugang ist ...

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Die systematische Erfassung des Lernens und der Lernergebnisse an Hochschulen im Sinne des analytischen pädagogischen Kompetenzbegriffes (vgl. Hartig & Klieme, 2007) wurde in Deutschland, gerade im Kontrast zur Elementar- und Sekundarbereich, über Jahrzehnte vernachlässigt (vgl. Kuhn, Zlatkin-Troitschankaia, Pant & Hannover, 2016). Hierfür gibt es zahlreiche Gründe (vgl. Zlatkin-Troitschanskaia & Pant, 2016): Die akademische Ausbildung istper se viel weniger standardisiert als die Schulbildung und der Feldzugang ist wesentlich komplexer, besonders mit Blick auf die Erfassung der Kompetenzerwerbsprozesse. Daraus resultieren konzeptionelle und messtheoretische Herausforderungen, jedoch keine, die grundsätzlich unüberwindbar wären und einer innovationsorientierten Kompetenzforschung entgegenstünden (s. die Beiträge in Pant & Zlatkin-Troitschanskaia, 2016). Dies gilt insbesondere für die Lehrerausbildung, für die Kompetenzzuwächse bildungspolitisch zwar häufig unterstellt, aber jenseits der formalen Kriterien absolvierter Kurse selten überprüft werden. Mehrere Studien belegen den Zusammenhang zwischen den professionellen Lehrerkompetenzfacetten wie fachlichem und fachdidaktischem Wissen und dem Lernerfolg bei SchülerInnen (z. B. die COAKTIV und LINCA Studien). In diesem Kontext wurde auch eine Reihe von Untersuchungen durchgeführt, die sich besonders auf die Modellierung und die Erfassung dieser beiden Lehrerkompetenzfacetten fokussieren. Die Konzeptualisierung und Messung von weiteren zentralen Kompetenzfacetten wie dem bildungswissenschaftlichem Wissen, insbesondere aber die Erfassung von Kompetenzentwicklungsprozessen während der Lehrerausbildung sind erst in jüngster Zeit in den Blick genommen worden (vgl. Kuhn et al., 2016).

Die Artikel des Themenhefts zur Erfassung akademischer Kompetenzen und Lernergebnisse in der Lehrerbildung entstammen Projekten aus dem BMBF geförderten Forschungsprogramm zur „Kompetenzmodellierung und Kompetenzerfassung im Hochschulsektor – Validierung und methodische Innovationen (KoKoHs)“. Aus den insgesamt 16 geförderten Projektverbünden werden in diesem Themenheft fünf konzeptionell und/oder messtheoretisch innovative Studien spezifisch mit dem Fokus auf die Lehrerbildung präsentiert.

Christoph Vogelsang, Andreas Borowski, David Buschhüter, Patrick Enkrott, Maren Kempin, Christoph Kulgemeyer, Peter Reinhold, Josef Riese, Horst Schecker und Jan Schröder präsentieren eine Studie zur Entwicklung von Professionswissen und Unterrichtsperformanz im Lehramtsstudium Physik. Sie stellen in ihrem Beitrag neu entwickelte Instrumente zur validen Erfassung der längsschnittlichen Entwicklung (i) des Professionswissens von Physik-Lehramtsstudierenden im Verlauf des Bachelorstudiums, (ii) ihrer Fähigkeiten zur Planung und Reflexion von Physikunterricht sowie (iii) zum Erklären von physikalischen Sachverhalten vor und nach dem Praxissemester dar. Der Beitrag zeigt, wie mittels dieser validen Messverfahren, d. h. durch Wissenstests und standardisierte Performanztests, Erkenntnisse zur Entwicklung des Professionswissens im Studiumsverlauf sowie zur Ausbildung von Handlungsfähigkeiten gewonnen werden können.

Sabrina Mathesius, Moritz Krell, Annette Upmeier zu Belzen und Dirk Krüger stellen einen neu entwickelten Test zur validen Erfassung des wissenschaftlichen Denkens von Biologie-Lehramtsstudierenden vor. Sie berichten erwartungskonform positive, signifikante Zusammenhänge der Testwerte mit anderen generischen Kompetenzfacetten der angehenden Lehrkräfte wie schlussfolgerndem Denken (verbale, numerische, figurale Intelligenz) und komplexem Problemlösen. Diese Befunde stützen die Annahme, dass diese distinkten Kompetenzfacetten eine verbindende Kernfacette haben. Diese Erkenntnis ist für die Förderung der Kompetenzaspekte im Lehramtsstudium bedeutsam.

Colin Jeschke, Christiane Kuhn, Anke Lindmeier, Olga Zlatkin-Troitschanskaia, Hannes Saas und Aiso Heinze präsentieren eine Studie, in der Zusammenhänge zwischen Fachwissen (content knowledge, CK) und fachdidaktischem Wissen (pedagogical content knowledge PCK) simultan für der Fächer Mathematik und Wirtschaftswissenschaften bei angehenden und praktizierenden Sekundarstufen-Lehrkräften mit dieser Fächerkombination untersucht werden. Sie fokussieren auf die Frage, inwieweit der Wissenserwerb in einem Fach durch die Ausbildung in einem weiteren Schulfach beeinflusst wird. Die Ergebnisse verdeutlichen substantielle Zusammenhänge zwischen CK und PCK innerhalb der beiden Fächer und zwischen den professionellen Wissenskonstrukten über die Fächer hinweg.

Lara Pohle, Georg Hosoya, Catharina Loftfield und Lars Jenßen stellen in ihrem Beitrag die theoretische Herleitung und empirische Testung von Qualitätsindikatoren zur validen Erfassung der Anregungsqualität dar, die der Arbeit frühpädagogische Fachkräfte im Bereich ‚Zählen, Mengen, Zahlen‘ zugrunde liegen. Die Analyseergebnisse zeigen, dass sich mathematische Klarheit, kognitive Aktivierung und konstruktive Lernunterstützung zwischen der Anregungsqualität frühpädagogischer Fachkräfte unterscheiden. Dieser Beitrag verdeutlicht, wie die statische Modellierung der Kompetenzfacetten durch qualitative Betrachtungen angereichert werden kann.

Olga Kunina-Habenicht, Christina Maurer, Franziska Schulze-Stocker, Kristin Wolf, Nora Hein, Detlev Leutner, Tina Seidel und Mareike Kunter fokussieren sich schließlich auf die Erfassung des bildungswissenschaftlichen Wissens im Sinne fächerübergreifenden Grundlagenwissens von (angehenden) Lehrkräften und stellen die Ergebnisse einer Studie zur curricularen Validität eines neu entwickelten Wissenstests vor, der zentrale Inhalte des bildungswissenschaftlichen Studienteils erfasst. Die Studie untersucht, ob die Testinhalte bundesweit dem intendierten Curriculum in der universitären bildungswissenschaftlichen Lehrerbildung entsprechen. Länderspezifische Experteneinschätzungen sowie ein Vergleich der Testinhalte mit bundesweiten Standards für die bildungswissenschaftliche Lehrerbildung weisen darauf hin, dass der Test bundesländerübergreifend anwendbar ist.

Im Rahmen des Themenhefts werden die Potenziale einer validen empirischen Kompetenzerfassung in ausgewählten Feldern der Lehrbildung aufgezeigt und dabei unterschiedliche Bereiche der Lehrerbildung einschließlich der frühpädagogischen Ausbildung in den Fokus genommen. In der Zusammenschau zeigen die Beiträge in diesem Themenheft, dass sich pädagogisch-diagnostische Verfahren sinnvoll für den Bereich der Lehrerausbildung nutzen lassen, wenn sie adäquat entwickelt und validiert werden.

Wir bedanken uns herzlich bei allen AutorInnen für die interessanten Beiträge, bei den GutachterInnen für die kritisch-konstruktiven Rückmeldungen zu den Manuskripten, sowie bei der Redaktion für die Betreuung und Unterstützung bei der Erstellung dieses Themenheftes.

Mainz, Berlin, Ann Arbor
April 2019

Literatur

Hartig, J., & Klieme, E. (2007).Möglichkeiten und Voraussetzungen technologiebasierter Kompetenzdiagnostik. Eine Expertise im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Bonn/Berlin: Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Kuhn, C., Zlatkin-Troitschanskaia, O., Pant, H. A., & Hannover, B. (2016). Valide Erfassung der Kompetenzen von Studierenden in der Hochschulbildung. Eine kritische Betrachtung des nationalen Forschungsstandes.Zeitschrift für Erziehungswissenschaften, 16 (1), 1 – 24.

Pant, H. A., & Zlatkin-Troitschanskaia, O. (2016).Valid Assessment of Student Competencies in Higher Education – Methodological Innovations and Perspectives for Educational Measurement [Special issue of the Journal of Educational Measurement, 53(3)].

Zlatkin-Troitschanskaia, O., & Pant, H. A. (2016). Measurement Advances and Challenges in Competency Assessment in Higher Education.Journal of Educational Measurement, 53 (3), 253 – 264.

Anschrift der Autor_innen

Prof. Dr. Olga Zlatkin-Troitschanskaia, Johannes Gutenberg-Universität Mainz,
Fachbereich 03, Lehrstuhl für Wirtschaftspädagogik,
Jakob-Welder-Weg 9, 55128 Mainz, Deutschland
E-Mail: troitschanskaia@uni-mainz.de

Prof. Dr. Hans Anand Pant, Humboldt-Universität zu Berlin,
Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät, Institut für Erziehungswissenschaften,
Unter den Linden 6, 10099 Berlin, Deutschland
E-Mail: hansanand.pant@hu-berlin.de

Prof. Dr. Kai Schnabel Cortina, University of Michigan,
Combined Program in Education and Psychology, Developmental Psychology,
530 Church St., Ann Arbor, MI, 48109-1043, USA
E-Mail: schnabel@umich.edu