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THERMOGRAFIEKAMERAS: Eiskalt oder verdammt heiß?


St.GEORG - epaper ⋅ Ausgabe 10/2019 vom 17.12.2018

Immer häufiger tauchenTHERMOGRAFIEKAMERASin Ställen auf. Die bunten Bilder faszinieren. Jeder schaut auf das Display und hat sofort eine Idee, was sich dort darstellt. Aber was bedeuten die Farbwelten wirklich? Wir haben Experten zur Expedition in den Stall gebeten


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Dieses Pferd leidet unter Arthrose in der Halswirbelsäule. Deutlich sind die stärker durchbluteten Bereiche zu sehen.


Fotos: Dethloff

Zwei Experten , Thomas Dethloff, Sachverständiger für Thermografie, und Kathia Kanitz, Pferdepyhsiotherapeutin, Buchautorin und Reiterin, opfern uns ihre Zeit, um unsere 1000 Fragen zum Thema Thermografie zu ...

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Zwei Experten , Thomas Dethloff, Sachverständiger für Thermografie, und Kathia Kanitz, Pferdepyhsiotherapeutin, Buchautorin und Reiterin, opfern uns ihre Zeit, um unsere 1000 Fragen zum Thema Thermografie zu beantworten. Erste Frage:

WIE KALT IST ES IM STALL?

DIE SITUATION: Im Stall wollten wir mit der Thermografiekamera herausfinden, ob sich Zugluft aufdecken lässt oder ob es Kältebrücken gibt, an denen sich Feuchtigkeit sammelt und sich Schimmel bilden könnte. In der Nacht hatte es Frost gegeben, gerade zeigt das Thermometer 5 Grad an. Auf dem Geesthof der Familie Behrmann in Hamburg, wo wir heute messen dürfen, sind alle Fenster und Tore der Stallungen weit geöffnet. In allen Gebäuden messen wir eine Temperatur von etwa 8 Grad – optimal, denn in Pferdeställen soll die Innen- der Außentemperatur folgen. Nur extreme Unterschiede sollte man abmildern – was nötig sein kann, damit die Tränken nicht einfrieren. Ansonsten ist frische Luft das A und O, um die Pferde gesund zu halten. Viele Besitzer fürchten jedoch, dass ihr Pferd bei eisigen Temperaturen im Zug steht, wenn das Fenster geöffnet ist. „Fenster sollten wenn möglich immer geöffnet sein. Ob man sie schließt, macht man nicht an der Temperatur fest, sondern an punktuellemZug“, erklärt Haltungsexpertin Dr. Christa Finkler-Schade. Wurde das bei der Planung des Stalls nicht berücksichtigt, kann man nachrüsten, indem man z. B. nur eine Seite des Stalls öffnet, um Durchzug zu vermeiden, rät die Expertin. Ein Luftstrom, der das ganze Pferd trifft, ist nicht schädlich, sondern trainiert die Thermoregulation. „Pferde stehen gerne im Wind, aber nicht wenn der wie durch einen Kanal durchzieht.“ Dann wird die Immunabwehr geschwächt, das Risiko für Atemwegsinfektionen steigt und es können muskuläre Probleme entstehen.

Die Thermografie-Kamera zeigt eine gleichmäßige Temperatur im gesamten Stall. Gut so!


IST EISKALTE ZUGLUFT MESSBAR?

Punktuelle Zugluft im Stall ließe sich mittels der Thermografiekamera nur bei extremen Unterschieden zwischen Außen- und Innentemperatur darstellen. Die gibt es im Stall Behrmann glücklicherweise nicht – ebenso wenig wie Kältebrücken, wo sich Feuchtigkeit ansammeln kann.

DIE SITUATION: Zugluft im Stall lässt sich mit einer Thermografiekamera leider nicht messen. Zumindest nicht in dieser konkreten Situation. „Um mit einer Thermografiekamera Zug erfassen zu können, müsste der Temperaturunterschied zwischen Außen und Innen viel größer ausfallen und die kalte Luft nur durch eine kleine Öffnung nach innen strömen“, erklärt Thomas Dethloff von der Firma Schultze Anlagentechnik in Hamburg. Deswegen wird vor allem in Wohnhäusern mit der Thermografie untersucht, wo Schwachstellen bzw. Undichtigkeiten sind. Etwas, das aber in Wohnräumen wie im Stall nichts zu suchen hat, sind Nässe und daraus resultierend Schimmel. Eng mit der Temperatur und Luftbewegung im Stall verbunden ist die Luftfeuchtigkeit, die im mittleren Bereich optimal für Pferde ist. Folgt die Temperatur im Stall der Außentemperatur, ist davon auszugehen, dass sich kaum Kondenswasser bildet, zumal über geöffnete Fenster und Tore ein guter Luftaustausch stattfindet. In geschlossenen Ställen ist die Luftfeuchtigkeit höher. Schimmelpilze können sich bilden und Krankheitserreger sowie Parasiten fühlen sich dann besonders wohl und breiten sich aus. So kriechen beispielsweise die Larven der Strongyliden aus dem Kot an feuchten Wänden hoch. Unsere Messungen vor Ort zeigen, dass es an keiner Stelle Kältebrücken gibt, wo sich Feuchtigkeit und Schimmel bilden könnten.

ABER MEIN PFERD HAT ES DOCH GERNE KUSCHELIG…

DIE SITUATION: Als nächstes sehen wir uns die Einstreu an. Gerade im Winter möchten viele Pferdebesitzer eine trockene, aber auch gut isolierende Schicht in der Box haben, und greifen zu viel Stroh. Nehmen wir einen Strohballen unter die Lupe, so hat er die gleiche Temperatur wie im Stall herrscht – das ist klar, denn mit einer Thermografiekamera lässt sich nur die Temperatur der Oberfläche messen. Teilt man den Ballen jedoch, so ist er in der Mitte wärmer.
Wir machen einen Test: In einer Box, die eben gerade leer gemistet und frisch mit Stroh eingestreut wurde, ist die Oberfläche ebenso kalt wie der daneben angrenzende Betonboden. Auch beim Durchwühlen der Box messen wir kein anderes Ergebnis. In der zweiten Versuchs-Box liegt Heu und Stroh nur in den Ecken zum Fressen bereit. Die Box ist ansonsten mit Holzpellets eingestreut. Urin und Kot werden täglich entfernt, so dass sich eine gepflegte Matratze bildet, die alle sechs Wochen komplett herausgenommen und erneuert wird. An der Oberfläche messen wir auch hier einen Wert von etwa 8 Grad. Schiebt man mit den Schuhen die Einstreu etwas zur Seite, zeigen sich jedoch gleich andere Werte: 15 Grad. „Das ist ganz klar, denn in der Matratze kommt es zu bakteriellen Umsetzungen, bei denen Wärme erzeugt wird“, erklärt Dr. Finkler-Schade, die das Kriterium „warme Einstreu“ bzw. Isolierung aber nicht für entscheidend hält. „Das ist eher vermenschlicht. Alte Pferde oder Pferde mit Arthrose profitieren von Wärme. Bei allen anderen hingegen ist es wichtiger, dass die Einstreu elastisch ist und beim Liegen keinen starken Druck auf einzelne Körperstellen ausübt.“

Ohne Matratze folgt die Temperatur der Einstreu der Umgebung.


In der Matratze sorgen Bakterien für Wärme.


THERMOGRAFIE

Die Thermografie ist ein bildgebendes Verfahren, das Aufschluss darüber gibt, wie warm die Oberfläche eines Objekts ist. Jeder Körper, jedes Material sendet elektromagnetische Strahlung ab. Die Thermografiekamera wandelt die Strahlung in Temperaturanzeigen um. Aussagen über die Temperatur tieferliegender Bereiche sind immer schwierig. Wenig behaarte Bereiche wie z. B. rund um die Augen erscheinen nur wärmer, weil hier weniger isolierendes Fell ist. Sollte aber ein bestimmter Bereich des Körpers auf der einen Seite mehr Wärme abstrahlen als auf der anderen, sollte man das gegebenenfalls genauer betrachten.

WAS SAGT DAS WÄRMEBILD GENERELL ÜBER DAS PFERD AUS?

So soll es sein: Bei dem jungen Wallach bietet sich ein recht gleichmäßiges Bild. Dass Hüfte, Hals, Brust und die Innenseiten der Beine mehr Wärme abstrahlen, ist normal. Wichtig ist, dass sich ein gleichmäßiges Bild zeigt.


DIE SITUATION: Es sind vier Grad Außentemperatur, draußen ist es windstill. Die Pferde, die wir uns mittels der Thermografiekamera anschauen wollen, sind alle noch nicht geschoren. Allerdings sind sie schon seit längerem eingedeckt und ihr Fell ist schon etwas länger und dichter. Um zu sehen, inwiefern das Pferd eventuelle Ungleichmäßigkeiten im Wärmebild zeigt, kennt Kathia Kanitz keine Gnade. „Mindestens eine Stunde vor dem ersten Thermografiebild muss die Decke abgenommen sein. Außerdem empfiehlt es sich, Mähne und Schweif einzuflechten.“ Aus Erfahrung weiß Kanitz, wie stark Wärme unter dem Langhaar gehalten wird und so die Bilder verfremdet werden können. Weil es draußen eine windstille Nische gibt, entscheiden wir uns, draußen zu thermografieren. „Eigentlich ist es aber empfehlenswert, drinnen zu arbeiten“, sagt Kanitz, „schon ein kräftiger Windstoß im Fell oder die Einstrahlung der Sonne können kurzfristig die Wärmeabstrahlung verfremden.“ Das Pferd, ein noch in der Entwicklung stehender Wallach, zeigt ein gleichmäßiges Bild. Schulter, Hals und Hüftpartie strahlen mehr Wärme ab als der Rumpf. „Gleichmäßig“ ist das entscheidende Wort. Unregelmäßigkeiten wollen untersucht sein – aber schon häufig hat sich ein punktuell warm leuchtendes Buggelenk lediglich als eine von der Decke abgescheuerte Fellecke herausgestellt – was zeigt, weshalb Decken genau passen sollten!

Thermografie kann immer nur Zusatzinformationen liefern. Auf einem Anamnesebogen markiert Kathia Kanitz Auffälligkeiten.


Gut zu sehen: Eine längere Mähne deckt viel vom Hals ab. Der Hals ist von dieser Seite nicht zu beurteilen.


Die Aufnahmen vom Rumpf dieses Pferdes zeigen keine großen Abweichungen, sowohl auf der linken Seite …


… als auch rechts ist die Schulter flächig warm. Die dünne und empfindliche Haut an Ellenbogen und Schlauch strahlt die meiste Wärme ab.


Bei einer weiteren Aufnahme der Schulterpartie ist allerdings rechts die Wärmeentwicklung größer als links. Dafür kann es zwei Gründe geben. Kathia Kanitz hatte beobachtet, wie der Wallach in der Box nach Heu gehangelt und sich dabei nach rechts gebeugt hatte, also die rechte Seite deutlich mehr bewegt hatte. Dies allein könnte schon für das abweichende Wärmemuster verantwortlich sein.


Die linke Schulter stellt sich kühler dar. Die Besitzer des Wallachs berichten, dass sie schon seit längerem den Eindruck haben, dass der Wallach in der rechten Schulter weniger beweglich ist, als in der linken. Weitere Bilder können hilfreich sein. Eine tiefergehende Anamnese sollte hier Klärung verschaffen.


HOTSPOTS: WARUM ES AN BESTIMMTEN STELLEN HEISSER SEIN KANN

DIE SITUATION: Es ist wichtig, „das große Ganze“ nicht aus dem Auge zu verlieren. Jedes Thermografiebild ist eine Momentaufnahme, warnt Expertin Kathia Kanitz. Ein Pferd hat sich gescheuert, oder es hat an einigen Stellen – etwa durch Narben – weniger Haarwuchs. Diese Faktoren können sich im Bild wiederfinden. „Außerdem ist es zwingend notwendig, die Temperaturskala im Auge zu behalten! Was auf dem Bild weiß, rot oder grün so unterschiedlich aussieht, dokumentiert manchmal weniger als zwei Grad Unterschied.“

Deutlich zeichnet sich die Markierung ab. Im hinteren Bereich der Sattellage tritt vermehrt Wärme auf. Röntgenbilder zeigen, dass der Wallach leichte Kissing Spines an der Brustwirbelsäule aufweist.


Dasselbe Pferd nach dem Reiten: Die Sattellage ist stärker durchblutet, strahlt mehr Wärme ab. Auch hier ist die heißeste Stelle jener Bereich, der schon vorm Reiten zu erkennen war.


Unterhalb des Karpalgelenks am linken Vorderbein strahlt es auf einem Streifen deutlich mehr ab als in der Umgebung. Die Besitzer zucken zusammen. In diesem Bereich hat das Pferd Probleme am Fesselträger gehabt. Aber die sollten eigentlich Geschichte sein. Kathia Kanitz guckt genauer hin und …


Kathia Kanitz in Aktion: Hier wird der Rücken aufgenommen. Eine Markierung hinter der letzten Rippe hilft später, auffällige Bereiche auf den bunten Bildern präzise einzugrenzen.


… wird schnell fündig: „Hier hat der Tierarzt für den letzten Kontrollultraschall das Fell geschoren gehabt. Daher der Temperaturunterschied.“ Die Besitzer atmen auf.


Suchspiel: Dieses Pferd hat ein Hufgeschwür. Wo befindet es sich? Richtig! Im linken Vorderhuf.


Beim Reiten und im Stall stellen sich die Vorderbeine unterhalb des Karpalgelenks kaum dar. Das Pferd geht aber nicht lahm. Kathia Kanitz weiß, bei Pferden, die auch nach der Arbeit eine eingeschränkte Durchblutung aufweisen, liegt oft ein osteopathisches Problem vor. Auch ein nicht korrekter Beschlag kann verantwortlich sein. Fazit: Genauer untersuchen!


BEIM REITEN UND DANACH: ALLES UNTER DER LUPE

DIE SITUATION: Dressurmäßige Arbeit in windgeschützter Halle. „In Bewegung sind das vor allem bunte Bilder“, sagt Kathia Kanitz. Aber wir wollen trotzdem sehen, ob uns die Kamera vielleicht Dinge aufzeigt, die wir nicht verstehen oder aber die uns Hinweise geben. Dabei geht das Pferd mit verschiedenem Beinschutz, daher die unterschiedliche Wiedergabe der einzelnen Beine (s. unten).

Ein Pferd im Dressurtraining. Das linke Hinterbein ist „nackt“, sprich ohne Beinschutz unterwegs und strahlt entsprechend mehr Wärme ab.


Direkt nach dem Absteigen muss der Reiter vor die Kamera. Die Aufnahme von Gesäß und Oberschenkeln zeigt rechts eine ausgeprägtere Wärme.


Keine großen Auffälligkeiten auf den ersten Blick bei der Betrachtung der Hinterbeine. Doch wer genau hinschaut, kann erkennen, dass das rechte Bein an einigen Stellen etwas wärmer ist, als das linke. „Kann es sein, dass das Pferd generell hinten rechts eher bereit ist, vermehrt Last aufzunehmen?“, möchte Kathia Kanitz wissen. Volltreffer – die Reiterin bestätigt, dass das Pferd von Anfang an rechts seine Schokoladenseite hatte. Kanitz achtet darauf, dass die Reiter ihre Pferde gleichmäßig auf beiden Händen arbeiten, denn ist der Reiter vermehrt auf einer Hand geritten, bewusst oder unbewusst, kann schon das die leicht unterschiedliche Wärmeverteilung erklären.


Links: Am rechten Sattelblatt und -kissen zeigt sich mehr Wärme, was für eine größere Auflagefläche spricht. Links vorne zeigt sich deutlich mehr Wärme und auch am Rückenbild (rechts) sieht es so aus, als würde der Sattel beim Reiten mehr nach rechts-vorne rotieren, somit vorne links mehr Druck auf den Widerrist ausüben. Hier muss die Reiterin ihr Reitgefühl überprüfen, ggf. sollte der Sattel justiert und die Sattelunterlage überprüft werden: Falten z. B. können das Wärmebild beeinflussen. Die Sattelthermografie ersetzt nicht die haptische Überprüfung, ist aber ein wertvolles zusätzliches Instrument in der Sattelkontrolle.

HEISSE BEINE/KALTE BEINE – WAS MACHT WELCHER BEINSCHUTZ?

DIE SITUATION: „Die Sehnen werden gekocht“, immer noch gibt es diese (Binsen-)Weisheit. Wir wollten es genau wissen: Je mehr Unterleglappen, Bandagen und Co, desto heißer – heißer, nicht nur etwas wärmer! – das Bein? Die Sehnen, die Bänder – so „gut durch“ wie ein Steak „well done“? Wir haben, um sicherzu sein, mehrere Pferde mit unterschiedlichem Beinschutz geritten. Vorne mit einer Bandage und einem Unterleglappen plus Bandage, hinten mit einer Hartschalengamasche und einem ungeschützten Bein. Damit alles unter vergleichbaren Bedingungen getestet wird, hat ein- und dieselbe Person das jeweilige Bein auf dieselbe Art „präpariert“. Das Ergebnis war überraschend: Nicht etwa die textile Hochrüstung mit Lappen und Bandage sorgt für die meiste Wärme, sondern die reine Bandage. Dann folgten bei allen Pferden jeweils die Lappen-Bandagen-Kombination und die Hartschalengamasche. Wenig überraschend: Das ungeschützte Bein war am kühlsten nach dem Reiten.

Direkt nach dem Reiten haben wir den unterschiedlichen Beinschutz (siehe kleines Bild oben) den Pferden abgenommen und sofort mit der Thermografiekamera von allen Seiten Bilder gemacht.


Bei Bandage plus Unterlage wurden am wärmsten Punkt 31,7 Grad gemessen…


… ungefähr ein Grad weniger haben wir unter der Gamasche gemessen (30,8 Grad).


Der Höchstwert von 33 Grad wurde unter der Bandage ohne Unterlage gemessen.


Wo nichts ist, kann auch nichts wärmen: 20,1 Grad, also immerhin zehn Grad weniger als unter den anderen Varianten, die sich nur um Nuancen unterschieden, zeigte die Skala am ungeschützten Bein. Allerdings sind diese Messungen von drei Pferden auch nur eine kleine Stichprobe. Um endgültige Aussagen zu treffen, müssten weitaus mehr Pferde untersucht werden.


DECKE AB? DANN BEKOMMT MEIN PFERD JA EINEN KÄLTESCHOCK!

DIE SITUATION: Die Sache mit der Thermoregulation haben wir gelernt. Das Pferd kann das besser als fast jedes andere Lebewesen, Trampeltiere ausgenommen. Aber gilt das auch, wenn der Mensch durch Eindecken in den Thermo-Haushalt des ursprünglichen Steppenbewohners schon im September eingreift? Die eigentliche Frage dahinter war aber die, ob es nicht herzlos ist, die wärmende Decke zum Putzen herunterzureißen, ohne den Rücken weiter warmzuhalten. Diesen Test haben wir im Stall durchgeführt, um jeglichen Einfluss von Wind ausschließen zu können.

Die Decke hält die Wärme. Dort wo sie am meisten aufliegt, im Bereich rund um den Hüfthöcker, dringt die Körperwärme etwas nach draußen. Auch der Schultergürtel zeichnet sich ab.

Die weißen Flächen sind die, die meiste Wärme abstrahlen. Die Schulterpartie, die nahezu unbehaarten Bereiche an der Innenseite von Oberschenkel und Unterarm sind am wärmsten.


Nach 15 Minuten beginnt das Pferd im Halsbereich auszukühlen. Kruppe und Nierenpartie sind auch zehn Minuten nach dem „Striptease“ noch fast so warm, wie im Moment des Ausdeckens.


25 Minuten später: Die Bereiche, die nach dem Ausdecken noch um die 24 Grad warm abstrahlten, sind nun bei ungefähr 21 Grad angekommen. Jetzt wird es auch auf dem oberen Rücken allmählich kälter. Hatte das Thermometer zu Anfang der Messungen hier noch ca. 18 Grad festgestellt, sind es jetzt noch 16 Grad. Richtig ausgekühlt ist damit der Rückenbereich sogar nach einer knappen halben Stunde nicht.


DANKESCHÖN!

Unser Dank gilt der Firma Schultze Anlagentechnik für die Messungen mit der Thermografiekamera sowie dem Geesthof in Hamburg, wo wir die Stall-Messungen durchführen durften.

Thomas Dethloff ist Automatisierungstechniker bei der Schultze Anlagentechnik GmbH und hat eine zusätzliche Ausbildung als VdS Sachverständiger der Thermografie.


Dr. Christa Finkler-Schade ist promovierte Agrarwissenschaftlerin. Sie betreibt das auf Pferdebetriebe spezialisierte Beratungsunternehmen „Schade und Partner“ in Verden.


Kathia Kanitz hat sich der Pferdepysiotherapie und Reitlehre verschrieben. Sie nutzt eine Thermografiekamera in ihren Trainingseinheiten.