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TIBET: Auf dem Dach der welt


Aero International - epaper ⋅ Ausgabe 71/2018 vom 29.06.2018

Der Flughafen der tibetischen Metropole Lhasa und der von Bangda im Osten des Landes gelten als Herausforderung für Pilot und Flugzeug


Eine Fotoreportage von Dietmar Plath

Artikelbild für den Artikel "TIBET: Auf dem Dach der welt" aus der Ausgabe 71/2018 von Aero International. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Aero International, Ausgabe 71/2018

Anflug auf Lhasa International: kein Problem für den „kleinen Europäer“ A319 im tibetischen Hochland.


Premiere für die A319: Erfolgreiche Mission auf 4333 Metern in Osttibet. Bangda ist der am höchsten gelegene kommerziell angeflogene Flughafen der Welt

Airbus-Testpilot Lucien Bénard aus Toulouse mit einem Kapitän von China Southwest. Die chinesische Fluggesellschaft hat die größte Erfahrung mit tibetischen Hochlandplätzen.


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Zwei Mal pro Woche von Lhasa in Tibet nach Katmandu in Nepal mit Boeing 757-200: Bisher hat nur China Southwest die behördliche Genehmigung für Flüge von und nach Lhasa

Schon mal was von Bangda gehört? Keine Schande, wenn es da nicht „klickt“! Im gewöhnlichen Atlas ist der Ort nicht zu finden. Und sehr viele Chinesen dürften es auch nicht sein, die mit dem Begriff etwas anzufangen wissen. Mit Ausnahme von ein paar Beamten und Soldaten vielleicht, die mehr oder weniger regelmäßig nach Bangda abkommandiert werden. Und dann noch einiger Piloten und Mechaniker der beiden großen Flugzeughersteller Boeing und Airbus - sowie einem Fotografen des Magazins Aero International. Bangda liegt im Osten Tibets auf dem „Dach der Welt“, so um die 500 Kilometer Luftlinie östlich von Lhasa, der tibetischen Hauptstadt, „Sonnenstadt“ oder auch „Stätte der Götter“ genannt. Die Airbus-Crew aus dem fernen Toulouse landet gerade mit der A319 von China Eastern, Rufzeichen B-2332. Die Aufsetzgeschwindigkeit liegt bei beängstigenden 196 Knoten. Das aber hat seine gute Ordnung in der dünnen Luft: Bangda liegt auf 4333 Metern (14290 Fuß). Er ist der am höchsten gelegene kommerziell angeflogene Flughafen weltweit.
Zwei wöchentliche Flugverbindungen von und nach Bangda gibt es mit Lhasa in Tibet und Chengdu im chinesischen Kernland. Die Boeing 757-200 von China Southwest ist bis heute das einzige Flugzeug, das auf diesen Strecken eingesetzt wird. Vielleicht ändert sich das in den nächsten Jahren, und vielleicht steigt dann auch die Zahl der Passagiere von und nach Bangda. Bisher sind es 20000 pro Jahr. Die chinesische Regierung hat nämlich gerade damit begonnen, die Infrastruktur der Region zu verbessern.
Die Airbus-Crew ist hier, um die Parameter für die Höhenzulassung zu erfliegen. Der Konkurrent Boeing war mit seiner 737-700 aus denselben Gründen bereits vor knapp einem Jahr ebenfalls in Bangda. Wie damals die Boeing 737 ist auch die A319 natürlich mit Hochgeschwindigkeitsreifen ausgerüstet, die bis zu 225 Knoten verkraften können. Missionspilot Lucien Bénard und seine Mitstreiter aus Toulouse sind sehr zufrieden. Im Gegensatz zum 200-Sitzer Boeing 757, der da oben nur mit 80 Passagieren starten darf, kann die A319 mit voller Nutzlast von der 4200 Meter langen Runway abheben. Die Testläufe haben bestätigt, dass die Vorschrift erfüllt wird, den Airbus notfalls auch mit einem Triebwerk in die Luft zu bringen.
Bangda und der 500 Kilometer westlich auf 3570 Metern Höhe gelegene internationale Flughafen von Lhasa werden grundsätzlich von jeweils zwei Kapitänen im Cockpit angeflogen. Aus Gründen der Sicherheit sind die Piloten verpflichtet, beim Anflug auf Bangda Sauerstoffmasken zu tragen. Für die Kabine gilt, dass Sauerstoffmasken üblicherweise zwischen 12000 und 14000 Fuß Kabinendruckhöhe herausfallen. Damit das nicht ständig geschieht, ist das System in Flugzeugen, die im Hochland von Tibet verkehren, stattdessen auf 16000 Fuß eingestellt.
Vor der Testphase in Bangda war der Airbus A319 für Starts und Landungen bis zu 14100 Fuß zugelassen. Das reicht zwar aus für Lhasa (11700 Fuß) und auch für den am höchsten gelegenen internationalen Flughafen der Welt bei La Paz in den bolivianischen Anden (13330 Fuß), nicht aber für Bangda mit seiner Platzhöhe von 14290 Fuß. Die Prozedur war also erforderlich, um den Chinesen Argumente zu liefern, warum sie mit der A319 gut bedient sind. Und nur denen, denn Bangda wird ausschließlich national bedient, also von Chinesen angeflogen.
Bisher ist China Southwest die einzige Gesellschaft, die Lhasa anfliegen darf. Mit Boeing 757 pendelt sie zwei Mal pro Woche zwischen Katmandu/Nepal und Lhasa (einziger internationaler Flug). China Eastern und China Southern würden gerne mitmischen, haben aber aus Sicherheitsgründen noch keine Genehmigung. Nach Auffassung der Luftfahrtbehörde verfügen nur die Piloten von China Southwest über ausreichende Erfahrung mit dem Platz, der 95 Kilometer außerhalb der Stadt Lhasa liegt und als schwierig gilt. So sind Geschäfte zu machen!
Der 1965 eröffnete Flughafen Lhasa hat im Jahr 2000 fast 250000 Passagiere abgefertigt. Das „Gateway des Tourismus’“ in Tibet wird allein zweimal täglich von Chengdu angeflogen, es gibt Flüge von und nach Kanton/Guangzhou und Xi’an. Bisher tauchen auf dem Platz in Tibet, der unter anderem wegen blitzartiger Wetterveränderungen berüchtigt ist, also nur Flugzeuge der Typen Boeing 757 und Airbus A340-300 von China Southwest auf. Das erfolgreiche A319-Debüt auf dem „Dach der Welt“ gibt zu der Vermutung Anlass, dass sich das bald ändern könnte. Die Piloten des Tibet-Monopolisten China Southwest jedenfalls waren dem Anschein nach ausgesprochen angetan vom kleinen Airbus.

Vier Tonnen Reis, mit Ladegeschirr gesichert, simulieren das Gewicht der Passagiere und sorgen für realistische Testbedingungen.


Start des Airbus A319 auf der 4333 Meter hoch gelegenen Runway von Bangda. Zum Abheben muss das Flugzeug in der dünnen Luft auf 200 Knoten beschleunigen

Lucien Bénard und Jean Michel Roy im A319-Cockpit. In Bangda sind Sauerstoffmasken für die Crew Pflicht. Die Sauerstoffflaschen in der Kabine waren während der Testflüge auf den Sitzlehnen befestigt.