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TIEFENFORSCHUNG


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 90/2021 vom 06.08.2021

MODERNE DIAGNOSTIK

Artikelbild für den Artikel "TIEFENFORSCHUNG" aus der Ausgabe 90/2021 von Mein Pferd. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 90/2021

Moderne, bildgebende Diagnostiken wie hier die CT werden in der Tiermedizin immer beliebter

Wenn das Pferd einen nicht wie gewohnt begrüßt, sondern trüb aus der Wäsche schaut, schrillen bei Pferdebesitzern die Alarmglocken. Wenn das Pferd dann noch lahm aus der Box kommt oder sich humpelnd aus der Offenstall-Gruppe entfernt, ist die Rufnummer des Tierarztes schon so gut wie gewählt.

In den meisten Fällen lassen sich leichte Lahmheiten mit einigen Stehtagen oder leichter Bewegung kurieren, doch es kann auch aufwendiger werden. Die erste Anlaufstelle, egal ob Lahmheit, Kieferoder Zahnprobleme oder Unwohlsein im Rücken, sollte immer der Haustierarzt sein, denn auch mobile Tierärzte verfügen heute häufig über Röntgen- oder Ultraschallgeräte, mit denen sich erste Diagnosen stellen lassen. „Die mobilen, digitalen Ultraschallgeräte sind mittlerweile wirklich gut, so lassen sich auch im heimischen Stall gute Bilder erstellen“, erklärt Felicitas Dengs, Tierärztin in der ...

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... Pferdeklinik Bilsen.

„Bevor ein Pferd in die Klinik gebracht wird, sind häufig im eigenen Stall schon verschiedene Dinge probiert worden“, erzählt die Expertin. Das liegt unter anderem natürlich daran, dass ein Klinikaufenthalt schnell teuer werden kann: „Wir haben wesentlich mehr Personal und aufwendigere Geräte, sodass ein Klinikbesuch entsprechend mehr kostet als der mobile Haustierarzt.“ Dengs lobt die technische Entwicklung vor allem in den Bereichen Ultraschall und Röntgen. „Vor allem die Röntgenbilder können heute direkt angeschaut werden, sodass man schnell zu Ergebnissen kommt“, weiß die Tierärztin.

Der Weg in die Klinik

Führen die ersten Ergebnisse jedoch nicht zur Besserung, sollte man auch den Weg in eine Tierklinik in Erwägung ziehen. „Sprechen Sie dazu mit Ihrem Tierarzt, und erklären Sie, dass Sie bereit sind, weitere Verfahren zu wählen“, rät Felicitas Dengs. In den Tierkliniken stehen heute viele aus der Humanmedizin bekannte Techniken zur Wahl. Doch nicht jedes Verfahren eignet sich für jedes Problem.

Auch in der Klinik wird nach wie vor mit Röntgen und Ultraschall gearbeitet. Vor allem größere Bereiche wie zum Beispiel das Knie lassen sich in der Klinik besser röntgen als zu Hause. „Hier brauchen wir eine sehr große Platte, die auch hoch geschoben werden muss, um das Knie voll zu sehen. Häufig sind die Pferde dann kitzelig, sodass wir die Tiere dann auch sedieren“, erklärt Dengs. Gleichzeitig nimmt sie den Besitzern jedoch die Angst vor der Betäubung: „Vor einer Sedierung werden die Pferde komplett untersucht, messen unter anderem Fieber und beobachten den Allgemeinzustand, sodass die Sedierung kaum Gefahren birgt.“

Die Szintigraphie

Reichen das Röntgen und eine Ultraschalluntersuchung nicht aus, wird in der Klinik Bilsen eine Szintigraphie veranlasst. Hierbei handelt es sich um eine nuklearmedi-zinische Untersuchung, bei der alle Stellen mit erhöhtem Stoffwechsel nachgewiesen werden können. Das Pferd bekommt dazu eine leicht radioaktive Substanz gespritzt. In der Szintigraphie können die Tierärzte dann Befunde feststellen. „Aber ein Befund macht noch keine Diagnose“, warnt die Expertin. „Häufig folgen nach einer Szintigraphie noch weitere Schritte, da hier l ediglich eine vermehrte Darstellung der Aktivität gezeigt wird. Das kann dann sowohl eine Fraktur als auch eine Entzündung oder ein Abszess sein“, fährt Dengs fort. Auch können die aktiven Stellen schon älter sein und nicht der Auslöser des akuten Problems. „Eine Szintigraphie wird immer zu Befunden führen. Diese müssen jedoch nicht immer klinisch relevant werden“, weiß die Tiermedizinerin.

Auch bei einer Szintigraphie werden die Pferde in der Pferdeklinik Bilsen meist sediert, da die Kamera sehr groß ist. „Häufig müssen die Pferde auf Klötzen stehen, damit wir den gesamten Huf abbilden können, damit dann die Bilder scharf werden, werden die Pferde sediert“, so Dengs. Nach einer Szintigraphie müssen die Pferde übrigens zum „Abstrahlen“ in Isolationsboxen gestellt werden. In dieser Zeit werden sie vom Klinikpersonal betreut, da die Besitzer die Pferde nicht besuchen dürfen.

Ursprung in der Humanmedizin

Auch diese Verfahren stammen aus der Humanmedizin und werden dort seit geraumer Zeit erfolgreich eingesetzt. Aktuell rüsten auch viele Kliniken nach und nach mit diesen Gerätschaften auf. Doch die Anschaffung eines Computertomographen (CT) oder Magnetresonanztomographen (MRT) ist teuer und benötigt viel Platz. Felicitas Dengs erklärt: „Ein CT ist im Vergleich am einfachsten zu betrachten. Für einen Menschen braucht man eine recht kleine Röhre, die in jedem Raum untergebracht werden kann. Der Durchmesser für ein Pferd muss entsprechend größer sein, also braucht man auch mehr Raum um das Gerät unterzubringen“.

Ein CT ist prinzipiell eine Weiterentwicklung eines Röntgengeräts. Im Gegensatz zum eindimensionalen Röntgengerät entsteht hier jedoch ein dreidimensionales Bild mit verschiedenen Schichtbildern, die gesondert angesehen werden können. Da Knochen und Weichteile dargestellt werden, lassen sich Auffälligkeiten schnell und genau analysieren und Probleme identifizieren.

Aktuell ist die Technik jedoch noch nicht so weit, dass komplette Pferde dargestellt werden können. Einzelne Bereiche wie Gliedmaßen oder die Halswirbelsäule, aber auch kleine Ponys oder Fohlen sind technisch gut darstellbar. „Das Abdomen eines ausgewachsenen Warmbluts hat aber viel zu viel Masse“, erklärt Dengs.

Trotzdem sieht sie viele Vorteile in einem CT: „Es bietet sehr detaillierte Aufnahmen, und die Bildzeit beträgt nur 45 bis 50 Sekunden“. Während die alten Geräte aus der Humanmedizin noch unbeweglich sind, gibt es mittlerweile auch absenkbare, bewegliche Geräte, die am stehenden Pferd genutzt werden können. Wird ein älterer, nicht beweglicher Tomograph genutzt, muss das Pferd in Vollnarkose gelegt werden. Aber auch hier kann Dengs besorgte Pferdebesitzer ermutigen: „Auch Vollnarkosen sind heute wesentlich besser als noch vor ein paar Jahren. Sowohl die Narkosetechnik als auch die Aufwachboxen sind sicherer. Trotzdem gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich.“ Eine Vollnarkose wird also auch in der Klinik lieber vermieden, wenn es möglich ist.

Auch beim MRT wird das Pferd zumindest sediert. „Die MRTs sind sehr laut, und das Pferd bleibt ein Fluchttier. Hier müssen wir als Tierärzte auch auf die Sicherheit unserer Mitarbeiter achten“, erläutert die Tierärztin. Wird das Pferd sediert, können die Aufnahmen schneller durchgeführt werden, und das Pferd ist ruhig. Denn jede Bewegung sorgt dafür, dass die Bilder unklar werden.

Der Vorteil des MRT gegenüber dem CT ist, dass es komplett ohne Röntgenstrahlung auskommt. Die Aufnahmen mit einem MRT dauern jedoch zwischen 1,5 und drei Stunden, sind also immens zeitaufwendig. Während Aufnahmen des Hufs mit einem CT aktuell teilweise noch schwierig sind, können die dort gelegenen Bereiche mit einem MRT gut dargestellt werden und werden aus diesem Grund häufig bei der Diagnose von Hufrollenentzündungen genutzt.

Der Kostenfaktor

Während beim Röntgen nach Bildern ab gerechnet wird, gibt es für die heutigen modernen bildgebenden Verfahren feste Preise,die jedoch von Region zu Region variieren. Trotzdem sind die Preise dem Aufwand entsprechend hoch. Bei einer Szintigraphie addiert sich zu den Untersuchungskosten auch noch die Unterbringung für die Zeit des Abstrahlens. Die Gesamtkosten aller Verfahren belaufen sich so schnell auf Summen im vierstelligen Bereich.

Doch auch hier hat die Tierärztin Felicitas Dengs einen Rat: „Viele OP-Versicherungen übernehmen, je nach Tarif, auch die Diagnostikverfahren,wenn sie zu einer OP führen.“ Grundsätzlich rät sie Pferdebesitzern zu einer OP-Versicherung, denn die Kosten hier summieren sich schnell! „Zu einer Kolik-OP kann es beispielsweise sehr schnell kommen. Hier liegen die Kosten bei 5.000 bis 6.000 Euro. Mit einer OP-Versicherung kann ausgeschlossen werden, dass das Pferd aus finanziellen Gründen eingeschläfert werden muss“, rät sie. „Wer seinen Tarif kennt, kann dann auch alle Möglichkeiten der Diagnostik ausnutzen.“

ZUR PERSON:

Felicitas Dengs wuchs auf einem Reiterhof mit Tra- kehnerzucht auf. Schon früh unterstützte sie den Tierarzt bei der Betreuung der hofeigenen Pferde. So war der Berufswunsch schon früh klar. Nach einem Studium der Veterinärmedizin in Wien arbeitet sie seit 2018 in der Pferdeklinik Bilsen.

WAS KOSTEN MODERNE DIAGNOSTIKEN?

Die Preise für Szintigraphie, MRT und CT variieren je nach Region. Bei der Szintigraphie kommt es auch darauf an, ob der gesamte Körper oder lediglich ein Bereich gescannt wird. Die Kosten belaufen sich hier jedoch grob auf 300 bis 1.000 Euro.

Auch beim CT richtet sich der Preis je nach untersuchtem Bereich. Kleinere Bereiche, die wenig Bilder benötigen, kosten um die 700 Euro. Wird ein größerer Bereich abgebildet, für den mehr Aufnahmen gemacht werden, steigen die Kosten bis zu 1.300 Euro. MRT-Aufnahmen liegen ebenfalls im vierstelligen Bereich und kosten häufig bis zu 1.500 Euro. Die Kosten für Unterbringung, Sedierung oder Narkose sowie weitere Behandlungen kommen jeweils dazu.

Ausblick

Auch wenn die Technik im Bereich MRT und CT noch nicht so weit entwickelt ist wie in der Humanmedizin, geht Felicitas Dengs davon aus, dass die Techniken auch in der Tiermedizin zunehmen werden. Vor allem bei der CT sieht sie große Chancen, dass diese häufiger genutzt wird, da sie nicht invasiv ist und die Bilder sehr umfassend sind. Doch auch die Szintigraphie und das Röntgen werden die Tiermedizin nicht verlassen: „Die Brustwirbelsäule und ähnliche Bereiche lassen sich so viel besser darstellen, das wird sicher auch noch etwas so bleiben.“

Einen weiteren großen Vorteil an den modernen bildgebenden Verfahren sieht sie in der Zusammenarbeit von Tierarzt und Patientenbesitzer. „Während Röntgenbilder häufig schwer zu interpretieren sind und lediglich auf zwei Ebenen abgebildet werden, bietet die CT dreidimensionale Bilder. Diese sind für den Besitzer viel leichter zu betrachten“, erklärt Felicitas Dengs. So fällt die Kommunikation zwischen Tierarzt und Besitzer leichter, und gemeinsam kann dem Pferd hoffentlich erfolgreich geholfen werden.