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Tiefsee-Monster


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Blinker - epaper ⋅ Ausgabe 120/2021 vom 05.11.2021

STILLWASSER-QUAPPEN

Ich traute meinen Augen kaum, als ich die Fotos befreundeter Taucher betrachtete. „Matze, was sind denn das für eigenartige Fische?“ – sie zeigten auf die komischen marmorierten Riesenkaulquappen, konnten damit überhaupt nichts anfangen. Ich hingegen musste mich sehr anstrengen, um meine Mundstellung von „offen“ auf „sprechen“ zu wechseln. „Das sind Quappen, aber solche Kaliber habe ich hier nicht für möglich gehalten!“. Ich wusste zwar, dass in dem großen und tiefen Natursee Quappen leben, aber ich fing in der Vergangenheit immer nur vereinzelt kleinere Exemplare um 40 Zentimeter. Auch die anderen Angler, mit denen ich sprach, berichteten eher von kleineren Fische, die beim Aalangeln durch Zufall an den Haken gingen. Die auf den Fotos waren locker doppelt so groß. Für mich waren diese Tiefseemonster absolute Fabelwesen, aber die Fische auf den Bildern und Videos der Taucher ...

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Würden Sie glauben, dass diese 82er Quappe aus einem norddeutschen See stammt? Wir haben anfangs auch gezweifelt, bis wir Matzes ganze Story hörten.
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... waren real.

ERST BRASSEN-PARTY, DANN AUCH NOCH VORFACHBRUCH – DIESEN FEHLER SOLLTEN SIE NICHT MACHEN!

Nach den ernüchternden Versuchen vom Ufer kam ich schlussendlich an ein Boot heran, somit erweiterte sich die Auswahl potenzieller Spots drastisch. Besonders die tief liegenden Wracks mitten im See zogen mich magnetisch an, denn dort hatten die Taucher die Quappen gesehen. Ich fischte, wie ich es von der Oder her kannte, mit einer Wurm- und einer Köderfischrute. Ich verankerte mich auf etwa 26 Meter Wassertiefe (Anker herunterlassen ist witzig, hochziehen nicht so …) in der Nähe mehrerer großer Steine, welche noch aus der letzten Eiszeit übrig geblieben sind. Ein 15 Gramm schweres Birnenblei brachte meine Köder auf Tiefe und ich harrte der Dinge, die da kommen würden.

„Meine größte Quappe maß 82 Zentimeter – und die Taucher berichteten von noch größeren Exemplaren. Unvorstellbar, was?“

Matzes Tipps:

So kommen auch Sie der Riesenquappe ein Stück näher

das Gewässer: ein großer norddeutscher Natursee mit einer Tiefe von über 50 Meter

Stillwasser-Quappen bewegen sich nicht viel – wer falsch sitzt, bleibt Schneider

oberhalb von 15 Metern bissen kleine Fische, das deckt sich mit den Beobachtungen der Taucher

Würmer fingen fast nur Brassen

Köderfische sind top (kleine Maräne, Rotauge, Laube, Güster, Stint, Rotfeder)

Nächte um Neumond waren erfolgreich, helle Vollmondphasen sind schlecht

Quappen sind sensibel gegenüber Fremdgerüchen (Benzin, Zigaretten)

Die erste Nachthälfte lässt sich schnell zusammenfassen, denn die Aalglocke an der Spitze der Wurmrute meldete sich etwa alle halbe Stunde und ich konnte einen großen Brassen nach dem anderen an die Oberfläche pumpen. Es war frustrierend, irgendwann übermannte mich die Müdigkeit und ich schlief einfach ein.

Als ich wieder wach wurde, wollte ich einfach nur noch schnell nach Hause.

Ich holte als erstes die Wurmrute ein, wo natürlich der Haken blankgefressen war. Als zweites nahm ich die Köderfischrute in die Hand und spürte plötzlich lebendigen Widerstand am Ende der Schnur.

Nicht viel, aber da hing deutlich spürbar ein Fisch. Ich pumpte eine große Quappe an die Oberfläche und wollte sie ins Boot heben. Warum ich damals keinen Kescher benutzte, kann ich leider nicht sagen, wahrscheinlich war ich mir meiner Sache einfach zu sicher. Der Fisch bewegte sich auch kein Stück, was sich in dem Moment änderte, als der Kopf der Quappe aus dem Wasser kam. Der Fisch explodierte sofort und das 0,40er Monovorfach zerriss wie ein dünner Bindfaden. Ich ärgerte mich schwarz über den Verlust! Heute, ein Jahr später, ist der große Bootskescher das Erste, was ich aufbaue und das Letzte, was ich wieder abbaue.

MATZES PERSÖNLICHER ENDGEGNER: 82 ZENTIMETER- QUAPPE VOM WRACK

Ein Jahr später kam die nächste Chance, diesmal war ich besser vorbereitet. Von den Taucher-Videos wusste ich, dass auf den Quappentiefen alles voll mit kleinen Barschen war. Jetzt würde es nah liegen, diese auch als Köderfische zu nutzen, aber zum einen genießen die Barsche auch als Köderfische ein Mindestmaß und zum anderen hatte ich Angst, dass mein Köderangebot bei all der Konkurrenz gar nicht auffällt.

Ich senkte mir Rotaugen, kleine Güstern, Lauben und ein paar Rotfedern von etwa zehn Zentimeter Länge. Ich fischte anfangs mit frisch getöteten, ganzen Fischen, welche ich mit der Ködernadel aufzog. Der kräftige Einzelhaken der Größe 1/0 schaute aus dem Maul heraus, ähnlich wie beim Aalangeln.

Ich verwende eine einfache Laufbleimontage mit einem 15 Gramm schweren Birnenblei. Als Vorfach fische ich ein 0,40er Monofil von etwa 30 Zentimeter Länge und als Hauptschnur eine hochwertige 0,35er Monofile. Nachdem die Montage den Grund erreicht, gebe ich übrigens immer noch ein bis zwei Meter Schnur nach; denn das verankerte Boot bewegt sich immer ein wenig und würde mir sonst alles verziehen.

Diesmal lagen die Montagen gerade eine Stunde, als der erste Biss kam. Langsam pumpte ich meinen Kontrahenten nach oben, es war tatsächlich eine Quappe! Sie explodierte wieder, als sie an die Oberfläche kam. Nur diesmal schob ich vorher den Kescher drunter – geschafft, geil! Ich konnte eine fette Stillwasserquappe versorgen und ein kurzes Vermessen ergab eine Länge von 68 Zentimeter.

Für mich war der Abend bereits gerettet und die Mission Großquappe schon ein voller Erfolg, doch es sollte noch dicker kommen. Ich gewöhnte mir an, alle 60 Minuten die Ruten zu kontrollieren und spätestens alle drei Stunden die Köderfische durch frischere zu ersetzen. Und bei genau einer dieser Kontrollen bog sich die Rute wieder in Richtung Grund und starke Kopfschläge kündigten die nächste Quappe an. Diese maß 76 Zentimeter, ihr folgte mein persönlicher „Endgegner“ von 82 Zentimeter Länge. Sie können sich nicht vorstellen, wie gewaltig eine solche Quappe aussieht. Und die Taucher berichteten von noch größeren Exemplaren.

EINFACHES UND STABILES GE- RÄT, AUF SCHNICKSCHNACK KÖNNEN SIE VERZICHTEN

Selbst wenn ich mit Sicherheit ein wenig Glück beim Fangen hatte, so gab es doch ein paar Anhaltspunkte, an die ich persönlich glaube. Der erste Punkt ist der richtige Platz zum Angeln. Ich denke nicht, dass sich die großen Stillwasserquappen über große Strecken bewegen.

Das bedeutet, wer in der falschen Tiefe oder am falschen Platz fischt, wird leider leer ausgehen. Die Plätze, die ich befischt habe, gaben den Quappen immer genügend Versteckmöglichkeiten in großer Tiefe. Der Grund bestand meist aus harten Strukturen und war zu dieser Zeit auch voller Futterfisch. Versuche in Tiefen oberhalb von 15 Meter brachten zwar auch Quappen, aber meist nur kleinere Fische bis 35 Zentimeter. Dieses Phänomen deckt sich übrigens auch mit den Sichtungen von Tauchern.

Wer am richtigen Platz steht, der braucht auch den richtigen Köder. Auch wenn ich Würmer als Quappenköder am Fluss zu schätzen weiß, so funktionieren an meinen Seen nur frische tote Köderfische. Die Art des Köderfisches spielt dabei meist eine untergeordnete Rolle. Ich fing mit kleiner Maräne, Rotauge, Laube, Güster, Stint und Rotfeder etwa gleich viele Fische. Man kann also ruhig das anbieten, was man frisch zum Angeltag besorgen kann. Da man die Quappe schnell aus ihrer Deckung drillen muss, fische ich gern mit einfachem und doch sehr stabilem Gerät. Ein besonderes Augenmerk lege ich auf den Haken. Dieser sollte stabil und sehr scharf sein, da das Maul großer Quappen sehr ledrig wird und ein stumpfer Haken kaum eine Chance hat, sicher zu greifen. Auf leuchtende Perlen und anderen Schnickschnack wie Knicklichter kann meiner Meinung nach getrost verzichtet werden.

BEI VOLLMOND KÖNNEN SIE ZU HAUSE BLEIBEN

Der Platz passt, das Gerät stimmt und der richtige Köder ist gefunden. Und die Zeit? Die ist nämlich auch wichtig! Unsere Zielfische halten sich zwar in großen Tiefen auf, sind aber trotzdem lichtempfindlich.

Helle Nächte mit viel Mondlicht sind zum Schneidern wie gemacht. Ich konnte keinerlei Unterschied zwischen der Windrichtung, der Temperatur oder dem Luftdruck feststellen, den einzigen merkbaren Unterschied machte die Mondphase.

Nächte um den Neumond waren die erfolgreichsten und die gefangenen Quappen waren auch regelmäßig vollgefressen mit frischen Fischen. Ein zweites Phänomen sind feste Beißzeiten. Quappen sind da gerne sehr pünktlich, so dass ich Zufälle für mich ausschließen kann.

Die Quappe findet ihre Nahrung bei völliger Dunkelheit zielsicher. Deshalb verwende ich gern frische Köderfische mit natürlichem Eigengeruch und wechsele diese auch regelmäßig. Doch so gut der Zielfisch auf frische Gerüche reagiert, so schnell macht die Quappe das Maul bei unangenehmen Fremdgerüchen zu. Wer sein Boot vor der Quappennacht noch tanken muss oder wer die ganze Zeit am Rauchen ist und mit diesen Gerüchen seine Köderfische montiert, der muss leider auch mit Schneidernächten rechnen.

Beachten Sie meine Tipps, lernen Sie aus meinen Fehlern, überwinden Sie Ihren inneren Schweinehund, und Sie werden mit einem großen Süßwasserdorsch belohnt.

Noch mehr Quappen-Wissen

… bekommen Sie, wenn Sie den QR-Code mit dem Smartphone scannen. Unter anderem wird in diesem Artikel auch das Angeln am Fluss thematisiert.