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TIERE: Plié auf vier Beinen


Der Spiegel Wissen - epaper ⋅ Ausgabe 2/2018 vom 24.04.2018

Beim Dog Dancing kommen Mensch und Hund zusammen in Schwung.


Artikelbild für den Artikel "TIERE: Plié auf vier Beinen" aus der Ausgabe 2/2018 von Der Spiegel Wissen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Der Spiegel Wissen, Ausgabe 2/2018

Bitte anlehnen! Mit ihrem Königspudel Pharaoh übt Pam Kelley den Freestyle-Tanz.


Perfekte Partner: Kelleys Pudel Dante und Pharaoh warten geduldig auf ihren Einsatz auf der Tanzfläche.


Wen darf ich bitten? Judith Swan tanzt mit den Schipperkes Harry Trotter und Penny sowie dem Mischling Rocky.


ACHT TANZPAARE HABEN sich an diesem Samstag in einer Halle in einem Außenbezirk von Washington, D.C., zum Üben versammelt. Die Blicke konzentriert aufeinandergerichtet, umkreisen sich die Partner zu Pop- und Countrymusik. Steppen vorwärts, rückwärts, ...

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ACHT TANZPAARE HABEN sich an diesem Samstag in einer Halle in einem Außenbezirk von Washington, D.C., zum Üben versammelt. Die Blicke konzentriert aufeinandergerichtet, umkreisen sich die Partner zu Pop- und Countrymusik. Steppen vorwärts, rückwärts, schwingen um die eigene Achse. Manche leichtfüßig, andere weniger. Pam und Dante zählen zu den anmutigs - ten. Und ach, wie Dante stürmisch den Kopf zurückwirft, die Locken so tiefschwarz, dass jeder Latin Lover neidisch wäre.

„Vorsicht“, sagt Pam, „Dante wird rammeln wollen.“ Sie nickt bekräftigend. „Einmal hat er mich mitten in einem Tanzturnier bestiegen.“ Plötzlich hatte er diesen Blick, danach gab es kein Halten mehr. „Ich wollte im Boden versinken.“

Man sollte zu Dantes Ehrenrettung sagen, dass er ein Pudel ist, noch dazu jung und ungestüm. „Canine Freestyle“ nennt sich der Tanzsport, bei dem sich Hund und Besitzer gemeinsam zur Musik bewegen. Erfunden wurde er vor rund 30 Jahren in Amerika. Aber auch in Deutschland hat er Fans gefunden.

Wie beim Dressurreiten führen Tiere beim Canine Freestyle Choreografien zu Musik aus. Doch während der Mensch bei der Pferdedressur ein fast unbeweglicher Befehlsgeber ist, macht er beim Hundetanz aktiv mit. In einem der berühmtesten Auftritte wirbeln die Amerikanerin Carolyn Scott und ihr Golden Retriever Rookie zu den Klängen des Musical-Hits „You’re the one that I want“ umeinander – acht Millionen Menschen haben das Video bereits gesehen.

In der Halle betreten Judith und ihr Hund Harry die Tanzfläche. Der kaum kniehohe Schipperke wirft seinem Frauchen schmelzende Blicke zu. Was wie Leidenschaft wirkt, hat allerdings einen banalen Grund: Viele Besitzer verstecken Leckerli in ihrem Mund, mit dem sie den Hund für Tanzübungen belohnen.

Auch Pams Wange beult sich aus. Sie holt ein Stück Fleischwurst heraus. „Sieht eklig aus, weil ich drauf herumkaue“, entschuldigt sie sich.

Als sie erstmals von Canine Freestyle hörte, dachte Pam: „So ein Blödsinn!“ Dann sah sie eine Vorstellung und war gefesselt. Seit acht Jahren ist sie nun dabei. Pam hat auch ihren zweiten Hund mitgebracht, Pharaoh, ebenfalls ein Königspudel und Dante zum Verwechseln ähnlich. Doch der zehnjährige Pharaoh ist bereits ein Tanzveteran, der sich den höchsten Titel des Sports verdient hat: PDP – Perfect Dance Partner. Der perfekte Tanzpartner also.

Mit Pharaoh übt Pam einen Trick, bei dem sich der Pudel aufrichtet und sie rück- wärts in seine Vorderpfoten sinkt. Eine Art Plié mit Hund.

Kesse Pfote: Shirley Blakely und ihr fünfjähriger Pudelmischling Gigi sind ein gut eingegroovtes Paar.


High Five! Der Briard Ilario beherrscht auch jenseits der Tanzfläche einige Tricks. Küsschen gibt er besonders gern, denn seine Besitzerin Susan von Suhrke versteckt in ihrer Wange ein Leckerli zur Belohnung.


Der Clou: Der Vierbeiner selbst kam auf diesen Dreh. Eines Tages stellte er sich beim Training auf die Hinterbeine und legte Pam die Pfoten auf den Rücken. Es käme oft vor, dass Hunde die Choreografie aktiv gestal - teten, sagen Dog Dancer.

Alle Rassen sind willkommen. Der kleins te Vierbeiner ist an diesem Tag ein knöchelhoher Jack-Russell-Terrier, der permanent wedelt. Der größte ein fast hüft - hoher Briard, der wie ein zotteliger Bär durch die Halle trabt. Auch ein Pitbull ist dabei, eine Rasse, die von vielen als Kampfhund gefürchtet wird.

Monatelang arbeiten Mensch und Hund an ihren Tanzroutinen. Für beide trainiert dies nicht nur Geist und Körper, sondern begründet häufig eine neue Partnerschaft. „Mit meinen früheren Hunden habe ich gespielt, aber zu Pharaoh und Dante ist die Bindung ganz anders. Sie sind wie Seelenverwandte“, schwärmt Pam.

Natürlich ist es auch nicht einfacher, mit Tieren als Partner umzugehen als mit Menschen. Besitzer berichten von Vierbeinern, die im Wettbewerb spontan improvisieren und Kreise drehen, wenn eigentlich eine Bahn eingeübt war. Oder sich plötzlich verabschieden, weil sie in der Hand eines Zuschauers ein Butterbrot erspähen.

Auch Dante hat wieder diesen Blick, der verheißt, dass er an anderes als Tanzen denkt. „O nein“, sagt Pam. „Nein. Dante, nein!“

Ute Eberle war beeindruckt, wie gut Pudel tanzen können. Ihr eigener geht allerdings lieber spazieren.

VIDEO: Tanzende Hunde

http://spiegel.de/ sw022018hunde


FOTOS LEXEY SWALL

LEXEY SWALL / SPIEGEL WISSEN