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Tierschutz: Das ist meine Milch!


Ein Herz für Tiere - epaper ⋅ Ausgabe 1/2021 vom 11.12.2020

In Deutschland leben etwa 4,3 Millionen Milchkühe. An der Milchproduktion hängt unendlich viel Tierleid, und das Bild von glücklichen Mutterkühen und ihren Kälbchen auf der grünen Wiese ist eine seltene Ausnahme …


Artikelbild für den Artikel "Tierschutz: Das ist meine Milch!" aus der Ausgabe 1/2021 von Ein Herz für Tiere. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Ein Herz für Tiere, Ausgabe 1/2021

HERZLOS BERAUBT
Kälber werden früh von ihrer Mutter getrennt und mit Ersatznahrung versorgt, damit Menschen ihre Muttermilch konsumieren können


TRÜGERISCHES IDYLL
Hinter einem Glas Milch steckt meist eine Menge Tierleid


Ein Kälbchen ruft verzweifelt nach seiner Mutter. Der Bauer wirft es in eine kalte Schubkarre und bringt das herzzerreißend muhende Tier immer weiter weg. Es ist gerade mal ...

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... einen Tag alt, und seine Nabelschnur hängt noch an seinem Bäuchlein. In ein kaltes, hartes Kälberiglu gesperrt, ruft es allein und verlassen Stunde um Stunde – bis es heiser ist und nur noch ein Krächzen erklingt. Was die beiden Tiere nicht wissen: Sie werden sich nie wiedersehen.

Ein Abschied für immer

Milch ist gesund – das wurde uns schon als Kind erzählt. So war ein Glas Kuhmilch beim Frühstück eine Selbstverständlichkeit. Es sei gut für das Wachstum, für die Knochen und die Zähne, hieß es. Damit wir jedoch Kuhmilch trinken können, muss die Kuh erst einmal ein Kälbchen zur Welt bringen. Sie gibt nicht einfach so von allein Milch. Doch sobald das Kalb geboren ist, wird es ihr entrissen. Schließlich soll das Kälbchen nicht seine Muttermilch trinken, sondern der Mensch. Dabei leiden die sensiblen Tiere enorm. Verschiedene Studien zeigen, dass die Kleinen ohne ihre Mutter an chronischem Stress leiden und sogar noch als erwachsene Tiere Verhaltensauffälligkeiten aufweisen können. Zur Ernährung eines Kälbchens würden acht Liter am Tag reichen – die hochgezüchteten Kühe geben heutzutage sogar bis zu 50 Litern Milch täglich. Doch für die Milchindustrie zählt die höchste Milchleistung – zugunsten der Zweibeiner … Gewinn vor Trennungsschmerz.

Lebende Milchmaschinen

Dabei sehen die meisten Kühe der rund 71.000 Betriebe nie die Sonne: 58 Prozent aller Milchkühe in Deutschland kommen in ihrem Leben kein einziges Mal auf die Weide. Sie stehen das ganze Jahr über im Stall. Etwa ein Drittel der Milchkühe wird zudem noch in der Anbindehaltung in den Ställen gehalten. So ist die Bewegungsfreiheit extrem eingeschränkt; die Tiere können nicht umherlaufen, sich nicht umdrehen, sondern nur stehen und liegen. „Verbrauchern wird eine Idylle mit glücklichen Kühen und grünen Wiesen vorgegaukelt. Die Gefangenschaft ist für Rinder unabhängig von der Haltungsform immer mit körperlichem und psychischem Leid verbunden, aber in der Anbindehaltung werden ihre Bedürfnisse komplett ignoriert“, erklärt Dr. Edmund Haferbeck, Leiter der Rechts- und Wissenschaftsabteilung von der Tierschutzorganisation Peta Deutschland e.V. Laut einer aktuellen Studie der EU ist die Haltung von Kühen in Deutschland mangelhaft. Das bringt nicht nur Tierleid, sondern auch Krankheiten mit sich: Entzündete Euter, lahmende Tiere und Verhaltensstörungen sind keine Seltenheit, was leider immer wieder bei Undercover- Recherchen aufgedeckt wird.

Damit die weiblichen Kühe fast durchgängig Milch produzieren, werden sie immer wieder künstlich befruchtet. Sie durchlaufen ihr Leben lang einen Kreislauf aus Zwangsbesamung, Schwangerschaft, Geburt, Trennung von ihren Kälbern und erneuter Besamung. „Diese Form der Zucht auf Hochleistung ist aus unserer Sicht ethisch nicht tragbar. Die Gesundheit und das Wohl der Tiere müssen im Vordergrund stehen“, so Nutztierexpertin Ina Müller- Arnke der Tierschutzstiftung Vier Pfoten.

INDUSTRIE-PRODUKT
Ein Blick in die Realität vieler Milchbetriebe: ungemütliche Ställe und wenig Tageslicht. Gemolken wird heute mit Maschinen


MUTTERLIEBE
Kalb und Kuh brauchen sich: Die Bindung stärkt ihr Immunsystem und macht sie stark fürs Leben


TRAURIGE REALITÄT
Die kleinen Kälber werden nach der Trennung einzeln in Plastik-Iglus gebracht


GESUND & LECKER
Milch kann auch pflanzlich hergestellt werden, z. B. aus Hafer, Mandeln, Kokos- oder Haselnüssen


Großes Leid für viele Seiten

Obwohl Kühe normalerweise 20 oder 25 Jahre alt werden können, sind sie meist schon nach fünf Jahren „verbraucht“, und ihre Milchleistung lässt nach. Dann geht es zum Schlachthof. Dieses Schicksal trifft jährlich 1,3 Millionen Milchkühe allein in Deutschland. Das Leiden der Kälber beginnt meist schon am ersten Tag ihres Lebens: Sie werden von der Mutter getrennt und in Kälberboxen oder Kälberiglus gesperrt. Hier verbringen sie vollkommen isoliert und ohne jeglichen Körperkontakt zu anderen Artgenossen ihre ersten Lebenswochen. Gefüttert werden sie natürlich nicht mit Kuhmilch, sondern einer Ersatzmilch. Die Kälber werden schmerzhaft enthornt. Dabei werden ihnen die Hornanlagen meist ohne Betäubung ausgebrannt. „Der Großteil der Kälber ist ein ‚Abfallprodukt‘ der Milchindustrie. Besonders die männlichen Kälber der Milchrassen haben keinen wirtschaftlichen Wert“, erklärt Frigga Wirths, Fachreferentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund. Die männlichen Tierkinder kommen zum Schlachter; die weiblichen werden zu Milchkühen – und der Kreislauf beginnt von vorn. Etwa vier Millionen Kälber kommen in Deutschland jedes Jahr auf die Welt, damit Kühe Milch produzieren. Doch nur einige Hunderttausend weibliche von ihnen dienen anschließend für wenige Jahre als Milchkühe. Alle anderen Kälber werden zu Niedrigstpreisen verkauft, transportiert, gemästet und geschlachtet.

Der Mythos von gesunder Milch

„Doch nicht nur die Tiere leiden, sondern auch die Umwelt. Kühe produzieren nicht nur große Mengen an Treibhausgasen, sondern auch tonnenweise Ausscheidungen in Form von Gülle. Diese Gülle, auf den Feldern überdosiert ausgebracht, gelangen mit Regen und Abwässer in Flüsse, Seen und Meere. Vermehrtes Algenwachstum, Sauerstoffarmut und Massensterben von Wassertieren sind die Folge. Zudem benötigt die Milchindustrie extrem viel Wasser: Für die Produktion von nur einem Liter Milch werden rund 100 Liter benötigt. Auch den Mythos von gesunder Milch haben Forscher inzwischen widerlegt. „Milch mach müde Männer munter“ … Wer kennt solche Sprüche nicht? Fakt ist: Der Mensch trinkt systematisch Muttermilch eines anderen Lebewesens – noch dazu im Erwachsenenalter. Absurd, oder? Gemäß wissenschaftlicher Studien ist dies nicht nur überflüssig, sondern hat möglicherweise sogar negative Auswirkungen auf unseren Körper. So sei Diabetes oft auf Kuhmilcheiweiß zurückzuführen und könne die Entstehung von Allergien und Neurodermitis bei Kindern begünstigen. Zudem bringen Studien den Konsum von Milchprodukten mit einem erhöhten Krebsrisiko in Verbindung. Es gibt jedoch ein Umdenken in der Bevölkerung: Erfreulicherweise nimmt die Anzahl der Betriebe mit Anbindehaltung ab. Einige Höfe bieten Laufställe und eingestreute Liegeboxen. Auch der Verzehr von Milch sinkt. Es gibt mittlerweile zahlreiche Alternativen von Soja- über Kokos- bis zu Hafermilch, veganen Käse und Joghurtalternativen. Um den Kalziumbedarf zu decken, kann man zu Brokkoli, Blattgemüse, verschiedenen Bohnenarten und getrockneten Feigen greifen.


“Es gibt zahlreiche leckere Alternativen zu Milch- Produkten”


Mandelmilch selbst herstellen

Zutaten:
200 g Mandeln
1 Liter Wasser nach Belieben:
1 EL Süßungsmittel (zum Beispiel Ahornsirup)
1 Prise Salz

Zubereitung:
• Mandeln über Nacht in Wasser einweichen und Wasser abgießen und die Haut abziehen.
• Mandeln mit 1 Liter frischem Wasser in den Mixer geben und fein pürieren
• Eine Schüssel mit Sieb und Filtertuch bereitstellen und die Milch durch das Filtertuch gießen.
• Die fertige Mandelmilch in eine gereinigte Glasflasche füllen, Salz hinzufügen und nach Belieben süßen.

Veganer Frischkäse selbst gemacht

Zutaten für 6 Portionen:
0,5 Liter ungesüßte Sojamilch
Saft einer halben Zitrone (ersatzweise ein Schuss Apfelessig)
1 Prise Salz
Gewürze nach Belieben hinzufügen (zum Beispiel Knoblauch, Bärlauch, Schnittlauch, Chili, Pfeffer, Curry, Paprika, Oregano, Thymian), alternativ Blüten hinzufügen (Ahorn, Löwenzahn, Gänseblümchen, Hundsveilchen, Kornblumen, Schlüsselblume)

Zubereitung:
• Sojamilch kurz aufkochen und Zitronensaft zugeben. Dabei so lange rühren, bis die Milch stockt. Sollte sich dieser Prozess nicht komplett vollziehen, noch einmal kurz aufkochen, umrühren und abkühlen lassen.
• Nach circa 15 Minuten die gestockte Masse mithilfe eines Geschirrtuchs absieben.
• Gewürze nach Geschmack hinzufügen oder Blütenblätter verwenden.
• Alles zu einem festen Brei rühren.

Tipp:
Noch streichfähiger wird der Frischkäse mit etwas Öl, zum Beispiel Maisöl.


Fotos: Flechtner, istockphoto.com (2), Shutterstock (7), PETA Deutschland e.V., Compassion in World Farming/Vier Pfoten