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Timothy B. Schmit Day By Day


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Audio - epaper ⋅ Ausgabe 9/2022 vom 12.08.2022
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Bildquelle: Audio, Ausgabe 9/2022

Mit den Eagles beschränkt er sich auf Nostalgie – auf die Songs der 70er/80er. Doch anders als seinen Bandkollegen ist dem 74-jährigen das zu wenig: Timothy B. chmit will neue Musik machen. Das ist ihm eine solche Herzenssache, dass er sich während der Pandemie ein Studio gebaut, ein Label gegründet und zwölf Songs geschrieben hat, die sich nicht nur durch stilistische Vielfalt auszeichnen.

„Day By Day“, sein siebentes Soloalbum, wagt sich an Folk, Rock, Country, Hardrock, Reggae und sogar New Wave, ist zum einen altmodisch und bodenständig, zum anderen überraschend progressiv und vital. Eine Gelegenheit, um sich endlich wieder richtig auszutoben beziehungsweise alles an Ideen umzusetzen, was sich beim Touren mit der Hauptband angesammelt hat. Dazu gehört, vieles selbst zu spielen und sich als Sänger zu behaupten, der für die zweite Reihe hörbar zu gut ist. Mit imposanter Mehr-Oktaven-Stimme singt ...

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... er Texte, die sich als Hommage an seine Ehefrau verstehen, zu größerer Empathie aufrufen, die Einheit der USA beschwören sowie Alter und Tod reflektieren.

Das alles ist so ehrlich wie aufrichtig, zeigt Tim Schmit als engagierten Künstler und wird auch von den Kollegen geschätzt, die ihn auf diesem Album begleiten: Jackson Browne, John Fogerty, Lindsey Buckingham, Benmont Tench und Mitglieder der Beach Boys. Sie alle helfen dabei, ein bockstarkes Spätwerk abzuliefern, das zudem als echtes Klangwunder überzeugt.

Marcel Anders

✪ Eagles, CSN, Jackson Browne

AUDIOPHILE CDS DES MONATS

Paloma

Soul On Soul

Soul

The Audiophile Society (DSD+48/24, HiRes PCM, Streaming, nicht physisch erhältlich)

Paloma, die mit vollem Namen Paloma Dineli Chesky heißt, ist ein Wunderkind. Die junge Dame zählt erst 14 Jahre, aber „Soul On Soul“ ist bereits ihr zweites Album (das Debüt „Thirteen“ erschien 2021). Zudem hört man ihrer ungeheuren, mit enormer Spannweite ausgestatteten, leicht rauen,

Musik: 11110 Klang: 11111 originären Soul-Stimme ihr zartes Alter kein bisschen an. Hier interpretiert Paloma Standards wie „Something’s Got A Hold On Me“, „I Heard It Through The Grapevine“ oder „Nobody’s Fault But Mine“. Sie macht das tatsächlich äußerst kompetent, und das, wo man bei ihr angesichts ihrer Jugend ja noch jede Menge Entwicklung erwarten darf. Wow! Dass dieses Album zudem überirdisch gut klingt, liegt nicht zuletzt an ihrem berühmten Vater David Chesky. Der legendäre Audiophile aus NewYork, selbst Musiker, hat mit The Audiophile Society ein Label gegründet, das auf hochauflösende Dateien setzt – mit Erfolg.

Sebastian Schmidt

✪ Joss Stone, Alicia Keys, Macy Gray

Bruno Bavota & Chantal Acda Singer-Songwriter

A Closer Distance

Temporary Residence/Cargo (CD, LP)

Da haben sich zwei gefunden, um gemeinsame Sache zu machen: Bruno Bavota, der Neo-Romantik-, Klassik-Komponist und Pianist aus Neapel unterfüttert die zärtlich-fragile Stimme der holländischen Singer-Songwriterin Chantal Acda (Alan Sparhawk, Bill Frisell) mit feinfühliger Tastenkultur. „Das hat einen Teil in mir geweckt, der für einige Zeit geschlafen hatte“, so Acda über das fruchtbare Teamwork. Und so betören und becircen die neun Stücke mit feinst gesponnenen fragilen Akustikklängen („Connecting Dots“), charmant gezupfter Gitarre und der hell strahlenden Stimme („Sirens“). Oder es schweben melancholisch-zerbrechliche Melodien durch den Raum und verströmen süßes, sphärischesTraumzeitgift („Still I“, „Slowmotion“, „Lullaby For Loved Ones“). Das Klangbild bildet die künstlerische Intimität wunderbar ab mit prima Auflösung, schönem Raumambiente und feindynamischer Finesse.

Claus Dick

✪ Heather Nova, Tori Amos

David Paich

Forgotten Toys

Softrock

Mascot Label Group/Rough Trade (CD, LP in Blue Translucent Vinyl)

An einer Unmege an Alben hat dieser Mann mitgewirkt, als Keyboarder teils den Sound prägend: bei Steely Dan, Miles Davis, Michael Jackson, Elton John, Don Henley, Aretha Franklin – und natürlich als Songschreiber vonToto. Und jetzt, nach beinahe 50 Jahren im meist kalifornischen Musikbusiness, legt der 68-Jährige sein erstes Soloalbum vor. Höchste Zeit. Hier wallen Hollywood-Blockbuster-Sounds („Forward“) oder es hüpft ein jazziges Piano mit Percussion und Vocals-Einsprengseln um die Wette („Lucy“). Der Hauptfokus der (leider nur sieben) Songs liegt jedoch auf totoesken Sounds – und die wärmen mit sonnigen Refrains und Musik: 11110 Klang: 11110 mehrstimmigen Vocals („Willibelongtoyou“), rockigen Rhythmen inklusive Alan-Parsons-Touch („First Time“) oder hymnenhaften Balladen wie „All The Tears That Shine“. Musikalische Kreativität trifft auf tolle Arrangements mit Old-School-Faible. Fein.

Claus Dick

✪ Toto, Little River Band

Erdmöbel

Guten Morgen, Ragazzi

Jippie! Industrie/Rough Trade (CD, LP)

Wer „von der Birne her top“ ist (Rudi Assauer einst über Jens Lehmann), muss mitunter aufpassen, mit seiner „Checkung“ (Dittsche) nicht zu sehr zu hubern. Erdmöbel-Sänger und -Texter Markus Berges nimmt als Künstler, der er ist, auf solcherlei Überlegungen keine Rücksicht, sondern schreibt Lieder, deren Texte verrätselt sind, Anspielungen und Namen droppen und Titel tragen wie „Bernoulli-Effekt“ oder „Palindrom“. Aber das macht überhaupt nichts, denn die zehn Tracks auf „Guten Morgen, Ragazzi“ sind rührend, swingend, herrlich melodisch, herzergreifend, schön, poetisch und wunderbar. Wenn Berges Sachen singt wie „Das Universum ist meine große Liebe“, unterlegt Musik: 11112 Klang: 111 10 von kein bisschen kitschigen Streichern, geht die Sonne auf („Das Vakuum“). Das beste Erdmöbel-Album seit dem Superklassiker „Altes Gasthaus Love“ von 2003, und das will was heißen. Grandioser Brain Pop.

Sebastian Schmidt

✪ Altes Gasthaus Love (2003), Hinweise zum Gebrauch (2018)

Gretchen Peters

Americana

KLANG TIPP

Proper/Sony Music (Doppel-CD)

The Show: Live From The UK Die 64-Jährige aus Colorado ist bekannter für die Songs, die sie für Faith Hill, Bryan Adams, Shania Twain oder Neil Diamond geschrieben hat, als für die, die sie unter eigenem Namen veröffentlicht hat. Dabei bergen ihre neun Studioalben wunderbare Songperlen zwischen Country, Folk, Pop und Rock. Die garniert sie mit geballter Lebenserfahrung über Liebe, Verlust und Selbstfindung, ist leicht religiös, aber auch feministisch angehaucht und besticht mit starker Stimme und Top-Band. Mit der gastierte sie 2019 auf der Insel – inklusive Streichquartett und Best-Of-Setlist. Der Mitschnitt ist musikalisch wie klanglich eine Offenbarung: Eine 96-minütige Werkschau, die keine Wünsche offenlässt und die Klasse dieser Ausnahmekünstlerin zeigt.

Marcel Anders

✪ Emmylou Harris, Sheryl Crow, Shawn Colvin

Alternative Rock + Pop, Psychedelia

Cass McCombs

Heartmind

Anti/Indigo (CD, LP)

Cass McCombs aus Concord in Kalifornien produzierte das erste Album in drei Jahren – sein neuntes Solowerk – als Therapie für den Verlust von engen Freunden. So variieren die acht Songs zwischen Stimmungen aus Verlust, Trauer und Hoffnung und pendeln durch die Genres. Es startet mit dem sperrigen „Music Is Blue“ und driftet ab in das wavige „Karaoke“. Im pulsierenden „New Earth“ blickt der 54-Jährige endlich nach vorne und begrüßt den neuen Morgen nach vielen trüben Tagen. Im bedrückenden „Unproud Warrior“ erhält er Beistand vom US-Violinisten Charlie Burnham und von der Country-Queen Wynonna Judd. Im flotten Tanzschritt geht’s durch „Krakatau“ und endet im schrägen Soundkosmos des finalen Titelsongs.

Willi Andresen

✪ Tip Of The Sphere (2019)

Walter Trout

Bluesrock

Ride

Provogue/Mascot (CD, Doppel-LP 140g auch Red Vinyl)

Seit Hendrix haben nur wenige Gitarristen derart subtil mit Vverzerrungen gearbeitet wie Walter Trout. Die Intros zu den meisten Songs auf Soloalbum Nummer 30 (!) schmeicheln den Ohren. Doch jedes Mal nach wenigen Takten schlagen der inzwischen 70-jährige Walter Trout und vor allem sein Drummer Michael Leasure mit dem Hardrock-Hammer zu. Am eindrucksvollsten profitiert der Titeltrack „Ride“ von diesem Kontrast: Das auf einer wehmütig bluesigen Mundharmonika gespielte Eisenbahnsignal stellt die Weichen für ein Quartett, bei dem sich Keyboarder Teddy Andreadis mal mit Hammondorgel, mal mit leichtgängigem Honkytonk-Pianoklimpern dem Gitarristen zweckdienlich unterordnet. So packend kann Bluesrock sein.

Winfried Dulisch

✪ Gary Moore, Joe Bonamassa

Giovanni Costello

Italo-Pop, Liedermacher

In Alto Mare

Fine Music/Edel (CD)

Welch herzerfrischende und melodramatische Stücke aus italienisch-heiterer Feder uns ein Lucio Dalla, Eros Ramazotti oder eine Gianna Nannini wie musikalisches Gelati serviert haben! Giovanni Costello führt diese mediterrane Tradition wunderbar fort. Mithilfe von Arrangeur und Produzent Nicolò Fragile tummelt sich der studierte Pianist und Kompositeur, der es 2011 bis ins Halbfinale von „The Voice Of Germany“ schaffte, in verschiedensten Stilen, teils mit Coverversionen, teils mit eigenen Songs. Vom Funky Stuff geht’s über federleichten Crooner-Schmuser bis zum Cantautori-Liedermacher-Stoff. Ein bluesiges Piano rollt vor einer Pop-Disco-Hymne, ein Gitarrenfeuerwerk krönt seine sympathisch angeraute Stimmkunst. Bravo, bravissimo!

Claus Dick

✪ Fausto Leali, Lucio Dalla, Eros Ramazotti

Neil Young + Promise Of The Real

Rock

Noise & Flowers

Reprise/Warner (CD, 2 LPs, Box-Set: 2 LPs, CD, Blu-ray)

Einige werden sich an die Konzerte erinnern, die Neil Young mit Willie Nelsons Söhnen Lukas und Micah und deren Band im Juli 2019 in Dresden, Berlin, Mannheim und München gab. Hier kommen die Highlights in Ton und Bild. Nur zwei Wochen zuvor war sein Manager Elliot Roberts gestorben, und so performte Neil bei dieser Hommage stets neben einem Roberts-Foto. Trauer war wenig zu spüren, nur Respekt und Lebenswille. Griffig und mit Spielfreude rockte die Gang durch Dauerbrenner wie „Mr. Soul“, „Helpless“ und „Rockin’ In The Free World“ sowie neuere Hymnen à la „From Hank To Hendrix“ und den bulligen Saitenstürmer „ThrowYour Hatred Down“. „Noise & Flowers“ ist eine weitere Perle des großen, zeitlosen Country-Rockers.

Willi Andresen

✪ The Monsanto Years (2015), Earth (2016)

Jeff Beck & Johnny Depp

Rock

18

Warner (CD, LP)

Der Gitarrengott und der Hollywood-Bad Boy versuchen sich an elf Covers und zwei Depp-Songs. Die Beach-Boys-Instrumentals von Jeff Beck erinnern an Ricky King, während Johnny Depp für distanzierten Sprechgesang steht. Der funktioniert bei „This Is A Song For Miss Hedy Lamarr“, einem netten Lennon-Plagiat, aber nicht beim blutarmen Industrial-Rock von „Sad Motherfuckin’ Parade“. Diesen Sound bemüht das Duo auch für „Death And Resurrection Show“ (Killing Joke) und „Venus In Furs“ (Velvet Underground) – und liegt da komplett falsch. Gelungen hingegen sind Marvin Gayes „What’s Going On“ und „Ooo Baby Baby“ von den Miracles, bei denen das Depp-Stimmchen irgendwie passt. Eine seltsame Platte eines seltsamen Paars.

Marcel Anders

✪ Jeff Beck, Hollywood Vampires, Ministry

Heather Nova

Singer-Songwriter

KLANG TIPP

Other Shores

OMN Label Services (CD, LP Transparent Orange Vinyl)

Die Singer-Songwriterin von den Bermudas zählt seit den 90ern zu den Großen ihres Genres. AUDIO hat ihren Weg seit Anbeginn begleitet. Nun hat sich Heather Songs von KollegInnen vorgeknöpft und legt mit intimen Coverversionen deren DNA frei – ein zärtliches, von ihrer glasklaren Stimme und der Gitarre geprägtes Unterfangen. Die Bandbreite ihrer Lieblingsinterpreten und -Songs becirct charmant: Da schmeicheln Klassiker wie „Waiting For A Girl Like You“ von Foreigner, „Don’t Stop Believing“ von Journey plus „Sailing“ (Rod Stewart) ebenso wie Modern Rock von The National mit dem Gänsehaut-Song „Fireproof“. Zudem stehen Sting, die Bee Gees, John Lennon, Neil Young und Francoise Hardy auf ihrer tollen 13-teiligen Setlist.

Claus Dick

✪ Laura Veirs, Natalie Merchant

Linda Hoover

Folk Pop, Classic Pop

I Mean To Shine

Omnivore Recordings (CD, LP)

„I MeanTo Shine“ kennen Sie? Richtig: Barbra Streisand sang diesen Titel 1971. Doch Linda Hoover hatte den Walter Becker/Donald Fagen-Song schon ein Jahr zuvor aufgenommen. Producer Gary Katz hatte der begabten jungen Frau einen Plattenvertrag besorgt: Morris Levy von Roulette Records war so frei, verlangte aber die Rechte für die meisten Stücke ihres Debüts. Als Katz nach Songs suchte, empfahl ihm Kenny Vance (Jay & The Americans) zwei Jungspunde, die er managte: Becker und Fagen. Die Herren nahmen mit Hoover fünf Becker/Fagen-Originale und sechs weitere Lieder auf – ein gutes Pop-Album. Doch als Levy entdeckte, dass die Songrechte fast alle längst vergeben waren, zog er wütend die LP zurück. Der Grundstein für Steely Dan mit Fagen, Becker, Katz und dem gleichfalls beteiligten Jeff Baxter (g) war aber gelegt.

Sebastian Schmidt

✪ Another World (2018), Judee Sill, Steely Dan

Madison Cunningham

Soul, Rock, Singer-Songwriter

Revealer

Verve/Universal (CD, LP)

Die 25-jährige Kalifornierin Madison Cunningham ist ein überragendes Talent. Wobei – Talent? Schließlich ist „Revealer“ nach ihrem Super-Debüt „Who Are You Now“ (2019) bereits das zweite vollständig ausformulierte Album dieser begeisternden Songschreiberin, Fender-Jazzmaster-Göttin und tollen Sängerin. Sie weiß, dass man nicht – wie heute üblich – vor sich hinsäuselt, als habe man gar keine Lust. Ihre schöne Stimme ist immer präsent und ausdrucksvoll, ohne sich je aufzudrängen.

Die neuen Songs wirken noch komplexer als vor drei Jahren, ein Hammerhit wie damals „Pin It Down“ ist hier nicht dabei. Aber das Album ist ein Grower und macht bei jedem einzelnen Hören mehr Spaß. Anspieltipp: „Sunshine Over The Counter“.

Sebastian Schmidt

✪ Alex Chilton, The Beatles, Rufus Wainwright

Tommy McLain

Swamp Pop

I Ran Down Every Dream

Yep Roc/Bertus (CD, LP Emerald Green Vinyl)

Wow! Mit 82 Jahren veröffentlichtTommy McLain sein erstes Studiowerk seit 40 Jahren. Der Weg der Louisiana-Legende (größter Hit: „Sweet Dreams“, 1957) war gepflastert mit einem Herzinfarkt, zwei Wirbelstürmen und einem Hausbrand. Kein Geringerer als Elvis Costello motivierte den bärtigen Musiker zu diesem Comeback, unter anderem mit Costello selbst, Nick Lowe, Ivan Neville und Van Dyke Parks. Mit origineller Stimmfarbe lässt McLain die lebensfrohe Atmosphäre seiner Heimat aufblühen und reflektiert persönliche Erlebnisse. In der freudigen Swamp-Hymne „Livin’ On The Losin’ End” jubilieren Akkordeon und Gitarre, für die sumpfige Melodie „Somebody“ gesellt sich sogar Augie Meyers (Sir Douglas Quintet) an seine Seite. Willi Andresen

✪ Tony Joe White, Dr. John, Willy DeVille

Freiraum

AUDIO-Mitarbeiter Winfried Dulisch

hört arabische Laute, finnische Zither und einen Kunstpfeifer

In Finnland ist die Kantele-Zither ein nationales Kulturgut. Die Songtexte der Kantele-Virtuosin Maija Kauhanen lauschen auf ihrem zweiten Soloalbum der Vergangenheit, finnisch: „Menneet“, nach. Trotz aller einschmeichelnd sanften Electrobeatund Percussion-Sounds lässt sie dank ihrer Indiepop-Haltung keine falsche Nostalgie aufkommen. Die CD „Menshen“ ist eine Hommage an die arabische Oud-Laute. Klangtüftler Jean-Pierre Smadj und Gypsy-Punker Medhi Haddab locken als Instrumental-Duo DuOud ihre Hörer zunächst auf den Trance- und anschließend auf den Dancefloor. Mit Jazz-Grooves und räumlich tief gestaffeltem Klangbild weckt das Duo gleichzeitig den Appetit auf Alben, die einen authentischeren Oud-Klang präsentieren. Georg Kreisler mixte jüdischen Humor mit Wiener Schmäh. Zum 100. Geburtstag des Lieder- und Niedermachers überzieht das Osttiroler Volksmusik- und Klassik-Ensemble Franui zusammen mit dem Kunstpfeifer Nikolaus Habjan die legendäre Anleitung zum Taubenvergiften im Park und andere „Kreisler-Lieder“ mit neuem Zuckerguss. Dieser bringt die feinherben Wahrheiten noch deftiger zur Entfaltung. Berühren statt berieseln will die Akkordeonistin Cathrin Pfeifer ihre Hörerschaft. Wer die Quetschkommode bislang nur als Werkzeug lustiger Musikanten erlebt hat, wird von der CD „Quantuum mobilé“ überrascht werden: Cathrin Pfeifers Akkordeon glänzt hier mit einer meditativen Ausdruckskraft, wie sie sonst eher von elektronischen Instrumenten erwartet wird.