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TIPPS VON SIMONE UND HANS-GÜNTHER BLUM: JUNGSPUNDE WELTMEISTERLICH TRAINIEREN


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 80/2020 vom 10.07.2020

Derzeit dreht sich bei der amtierenden Weltmeisterin im Springreiten Simone Blum und ihrem Ehemann Hans-Günther „Hansi“ Blum alles um den Nachwuchs. Im Fokus steht dabei die kleine Hannah Sophie, die im Februar das Licht der Welt erblickte und nun schon auf dem Arm der Mama die Pferdewelt vor der Haustür erkundet


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Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 80/2020

Springreiterin Simone Blum, die im Jahr 2018 Einzel-Weltmeisterin wurde, hat schon unzählige junge Pferde erfolgreich trainiert


Doch auch den Nachwuchs unter dem Sattel hat das Paar aus Zolling in der Nähe von München fest im Blick. Denn auf der eigenen weitläufigen Anlage befinden sich stets ...

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... mehrere Jungpferde, mit denen insbesondere Hansi Blum als Ausbilder unterwegs ist. Vor der Corona-Pause ging es zur Herbstserie nach Italien, nun werden die Youngster auf Turnieren im Raum München vorgestellt.

Wir haben das Paar bei der Springpferde-Ausbildung beobachtet und einige weltmeisterliche Tipps abgeholt.

Gute junge Pferde finden

Die wunderschöne Anlage in Zolling mit allem, was das Pferde- und das Reiterherz begehrt, gehörte einst Rolf Kauka, bekannt für seine „Fix & Foxi“-Comics. Dann verkaufte er das Gut Eichenhof an Gustav Adolf Blum, Simone Blums Großvater und langjähriger Vorsitzender des Bayerischen Reit- und Fahrverbandes. Später übernahm Simones Vater Jürgen Blum, selbst Teilnehmer an den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta, den Hof. Heute führen ihn Simone und Hansi. Beide betonen, dass sie einen deutlichen Fokus auf das Entdecken und Ausbilden guter junger Pferde legen. Hansi Blum erklärt: „Es ist heutzutage ziemlich schwer, talentierte junge Pferde zu finden. Viele Züchter können sich die Ausbildung ihrer Pferde nicht leisten, und aufgrund der Schnelllebigkeit wird häufig nicht mehr auf eine solide Grundausbildung geachtet. Wir beide bedauern das sehr. Denn nichts ist wichtiger.“

Auf der Suche nach Jungpferden reisen die beiden oft weit. Ihr Ratschlag ist, dass gerade ambitionierte Nachwuchsreiter das Ausland nicht außer Acht lassen sollten. „Oft warten die Talente nicht um die Ecke. Aber wir sagen jedem ambitionierten Reiter, dass er irgendwo das passende Pferd finden wird“, erzählt Hansi Blum. „Gute Beratung und Unterstützung bei der Suche sind wichtig.“

Bei der Auswahl achten die beiden neben dem Sprungablauf insbesondere auf die Qualität des Galopps, die Rittigkeit, ein korrektes Exterieur und gutes Interieur. „Es ist extrem wichtig, welche Einstellung ein Pferd zum Springen hat“, sagt Simone Blum. „Alice war beispielsweise anfangs sehr schwierig, aber ich habe immer bemerkt, wie sehr sie springen möchte. Das war alles eine Frage des Charakters. Ich weiß noch, dass wir mal Reihen geübt hatten, und ich hatte ein bisschen viel Milch getrunken. Ich musste damals absteigen, weil mir schlecht wurde auf Alice, so hoch ist sie gesprungen!“

Sprünge an der Bande

Betritt man bei Blums den Reitplatz oder die Halle, fällt der Blick auf viele niedrige Hindernisse. „Cavalettis kommen bei uns allerdings eher selten zum Einsatz. Das hat aber keinen besonderen Grund, sondern ist eher Zufall“, erklärt Simone Blum. „Wir befürworten ihren Einsatz grundsätzlich sehr. Ich finde, Cavalettis sind eine ganz tolle Möglichkeit, junge Pferde an das Springen heranzuführen, und auch als Ausgleich für die Älteren. Ich finde, dass sie auch für Freizeitreiter bzw. Reiter aller Disziplinen eine ganz großartige Trainingsmöglichkeit darstellen. Das sieht man ja beispielsweise auch an Ingrid Klimke, bei der die Dressurpferde ebenfalls über Cavaletti geritten werden.“ Sie fährt fort: „Meistens fangen wir bei uns mit Sprüngen an der Bande an. Die Pferde sind durch die Wand begrenzt und kennen das in den meisten Fällen vom Freispringen. Oft klappt das dadurch schnell recht gut, und es gibt dem jungen Pferd auch viel Sicherheit.“

Stangenarbeit stellt für jedes Pferd eine sinnvolle Trainingseinheit dar


„Pferde sollten immer Spaß an der Arbeit haben und sich auf das Springen freuen“, so Simone Blum


Kontinuierlicher Aufbau

Simone Blum legt besonderen Wert darauf, junge Pferde auf keinen Fall zu überfordern: „Natürlich muss das Training der jungen Pferde kontinuierlich aufgebaut werden. Die meisten haben schon nach einigen Minuten keine Kraft mehr. Darauf muss man als Reiter immer individuell eingehen und in das Pferd wirklich genau hineinhorchen.“

Hansi Blum ergänzt: „Grundsätzlich ist bei der Ausbildung der jungen Pferde Abwechslung sehr wichtig. Wir reiten beide nicht nur in der Halle oder auf dem Platz, sondern auch auf der Rennbahn und im Gelände. Wenn wir beim Reiten merken, dass es den Pferden gerade schwerfällt, gönnen wir ihnen einen Tag an der Longe oder einfach auf der Koppel. Es ist sehr wichtig, Jungpferden die Zeit zu geben, die sie brauchen. Aber bei den älteren gehen wir ganz genauso vor. Wir sind ja auch manchmal einfach nicht gut drauf. Das müssen wir auch unseren Pferden zugestehen. Dann klappt es am nächsten Tag gut erholt auch meist umso besser! Pausen sind einfach wichtig. Der Reiter darf sich da auch nicht in den Mittelpunkt stellen, selbst wenn er an diesem Tag besonders motiviert ist.“

Der Blick der Blums fällt immer auf jedes

einzelne Pferd, und man sinniert lange

darüber,

auf welche Weise es aufgebaut

werden soll. „Das Training muss immer auf

jedes Pferd individuell angepasst werden“,

betont Hansi Blum. „Grundsätzlich gilt für

uns immer: Vom Leichten zum Schweren

und rechtzeitig aufhören, bevor das Pferd

erschöpft ist! Schlechte Erfahrungen soll

es auf keinen Fall machen. Das klappt nur

mit stetiger Aufmerksamkeit des Reiters

für sein Pferd.“

Dressurarbeit

Die Weltmeisterin Simone Blum erklärt, dass auf alle Pferde täglicher Weidegang sowie Ausritte warten. Außerdem ist ihr Dressurarbeit immens wichtig. „Die Pferde gehen je nach Alter und Ausbildungsstand Traversalen, Schulterherein und viele weitere Lektionen bei uns. Wir trainieren regelmäßig Versammlung, Zulegen – und anders, als vielleicht manch einer denken möchte, geht das auch mit einem Springsattel. Wir finden beide, dass das Training der Pferde mit der passenden Dressurarbeit perfekt unterstützt wird und diese auch die Basis bildet. Unsere Pferde müssen durchgeritten sein. Viele Sprünge trainieren bringt nichts, wenn es an der Rittigkeit des Pferdes hapert.“ Deshalb lautet ihr Tipp, bei jungen und älteren Springpferden regelmäßig Dressurstunden einzubauen und sich gegebenenfalls einen Trainer für diese Disziplin zu suchen. Simone Blum selbst hatte das Glück, durch ihren Vater und ihren Großvater an alle Disziplinen herangeführt worden zu sein. „Es war immer

sehr wichtig, dass ich viel Dressur reite. Dafür bin ich sehr dankbar“, erklärt sie heute. „Heute erkläre ich Schülern immer, dass man lieber eine Stunde mehr Dressur trainieren sollte. Springen klappt bei vielen Pferden sehr schnell, wenn sie dressurmäßig gut gearbeitet sind und perfekt an den Hilfen stehen. Dann muss man mit den Pferden nur noch wenig springen. Mit Alice steht Springtraining beispielsweise vergleichsweise selten auf dem Programm. Das kann sie ja längst.“

Das Training mit einem Jungpferd muss kontinuierlich aufgebaut werden


Dass die Pferde keine schlechten Erfahrungen machen, ist den Blums sehr wichtig


Auch für Hansi Blum ist Rittigkeit das A und O. „Man merkt sofort, wie durchlässig ein Pferd ist, wenn man beispielsweise bei weiten Distanzen den Galoppsprung verlängert oder bei engen verkürzt. Im Parcours beim Turnier wünscht man sich natürlich, dass das Pferd reagiert, auch wenn es unter diesen Bedingungen vielleicht deutlich nervöser ist und daher schneller unterwegs. Genau das schafft eine solide Dressurarbeit.“

„Ganz wichtig ist uns auch, dass die Pferde vor dem Training immer ausreichend gelöst werden. In dieser Phase geht es auch darum, das Pferd auf seine Seite zu holen“, betont Simone Blum. „Unserer Meinung nach sollte man beim Lösen viel leichttraben. Das wird gar nicht so häufig von Trainern empfohlen, ist aber sehr effektiv. Für die Pferde ist es so deutlich leichter, ins Gleichgewicht zu kommen. Wir machen es ihnen sozusagen leichter.“

Spaß und Abwechslung

„Das Pferd soll immer Spaß an der Arbeit haben und sich auf das Springen freuen. Nur mit solchen Pferden kann man auch Höchstleistungen erzielen, das betone ich immer und immer wieder“, erklärt Simone Blum. „Sie sollen gleich morgens auf der Weide die Seele baumeln lassen. Und später den Tag über so viel Bewegung wie möglich haben. Das macht sie fit, und ihnen fällt dadurch natürlich vieles leichter. Meistens reiten wir zwei Tage am Stück, und am dritten Tag bewegen wir sie an der Longe ohne Reitergewicht. Am Nachmittag gehen alle unsere Pferde noch mal raus zum Ausreiten.“

Dabei gehen die Blums gern zum Training an den Berg. „Das hält die Pferde fit, und sie sind von anderen Umwelteinflüssen als auf dem Platz oder in der Halle umgeben“, so Simone Blum.

Spitzenleistung bei schwierigen Pferden

Bekannt wurde die Stute Alice zunächst dadurch, dass sie nicht gerade ein einfach zu reitendes Pferd ist. „Das war aber in ihren jungen Jahren viel komplizierter“, lacht Simone Blum. „Man muss immer individuell abwägen, wie man Topleistungen auch bei schwierig zu reitenden Pferden erlangt. Alice ist beispielsweise ein sehr impulsives und überehrgeiziges Pferd. Wichtig war es, ihr Temperament in den Griff zu bekommen. Da haben Hansi und ich neben dem Training großen Wert auf eine passende Fütterung gelegt und ihr Training so abwechslungsreich wie möglich gestaltet. Das bewirkt unserer Erfahrung nach sehr viel.“

„Uns ist es sehr wichtig, dass wir Pferde mit ,viel Gummi‘, die von sich aus schon viel wollen, auf unsere Seite holen und ihren Ehrgeiz fördern, aber auch in ein für das Pferd sinnvolles Maß kanalisieren“, erläutert Hansi Blum. „Bei jungen Pferden setzen wir darauf, zunächst genau zu testen, wie sie am Sprung oder auch zwischen den Sprüngen reagieren. Es ist auch immer sinnvoll, ehrgeizige Pferde zunächst im leichten Sitz abzugaloppieren, noch bevor sie in den Parcours gehen. Oft beobachtet man ja, dass Pferde im Parcours zu schnell werden. In dieser Hinsicht muss man herausfinden, wie viel Galopp auf freier Strecke sie vor dem Training benötigen, damit es hinterher für sie passt. Auch neigen viele Reiter dazu, das Gesäß eher wegzuziehen, wenn ihr Pferd zu schnell wird. Viel besser ist es, das Gesäß nach vorne zu schieben und zum Treiben zu kommen. Dadurch behält der Reiter die Kontrolle. Pferden, die zum Weggaloppieren neigen, gewinnen dadurch stark an Sicherheit. Man gibt ihnen mit dem Schenkel das Gefühl, dass man da ist und sie ,einrahmt‘. Damit kann man dem jungen bzw. auch schwierigen Pferd unglaublich viel Sicherheit geben.“ Reiterliche Erfahrung

Als ganz besonders wichtig empfindet Simone Blum, dass die Ausbildung von jungen Pferden in erfahrene Hände kommt. Denn wer nicht wirklich weiß, was er tut, weil er noch zu unerfahren ist, der kann viel Schaden anrichten. „Grundsätzlich empfehle ich jungen Reitern immer erfahrene Pferde. Wenn es ein junges Pferd sein soll, dann immer unter genauer Anleitung. Besonders wichtig ist es für jeden Reiter, sich einen geeigneten Trainer oder Reitlehrer zu suchen. Häufig schleichen sich ganz schnell Fehler ein, die dann später nur noch schwer zu beheben sind. Deshalb sollte man nie denken, dass man das Training schon allein hinbekommt. Auch dem erfahrensten Reiter schadet es nicht, Input von außen zu haben!“

Wirklich erfolgreich kann die Ausbildung des jungen Pferdes nur sein, wenn man Input von Außen zulässt und umsetzt

UNSERE EXPERTEN

SIMONE UND HANS-GÜNTHER BLUM

SIMONE BLUM (30) ist aus der deutschen Nationalmannschaft der Springreiter nicht mehr wegzudenken. 2018 krönte sie ihre Karriere mit dem Einzel-Weltmeistertitel, in diesem Jahr kamen Mannschafts-Silber und der vierte Platz bei der Europameisterschaft im Einzel hinzu. Bei den Deutschen Meisterschaften gewann sie 2016 die Damenwertung und 2017 als zweite Frau nach Meredith Michaels-Beerbaum die offene Konkurrenz. Maßgeblich verbunden ist ihr Name mit der Stute Alice, welche als eines der weltbesten Springpferde gilt.

HANS-GÜNTHER BLUM (43) ist Springreiter sowie Ausbilder von Springpferden und stammt aus Aachen. 1995 gewann er als Hans-Günther Goskowitz Bronze mit den Jungen Reitern bei der EM in Babenhausen, auch in den beiden nachfolgenden Jahren nahm er an den kontinentalen Titelkämpfen teil. Seit 2018 ist er mit Simone Blum verheiratet und nahm ihren Nachnamen an.