Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 10 Min.

Titel-CD Musik: Hörtest Klassiker


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 06.04.2018

Von Beginn an gehörte fein oder spektakulär produzierte Musik in jeden stereoplay-Hörtest. Wir haben auf der CD einige Klassiker aus fünf Dekaden zusammengestellt. Wiederhören macht Freude.


Artikelbild für den Artikel "Titel-CD Musik: Hörtest Klassiker" aus der Ausgabe 5/2018 von Stereoplay. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 5/2018

Wie muss man sich als Leser so einen typischenstereoplay -Hörtest vorstellen? Was er bestimmt nicht ist: eine rauschende Orgie, bei der fassweise Bier oder Wein draufgehen. Aber sicher auch keine trostlose Veranstaltung im stillen Kämmerlein. Was er ist: zuallererst Arbeit. Im Sinne des Lesers, der zu Recht seriöse Informationen erwartet, wie sich denn die Testgeräte klanglich verhalten. Aber Spaß gehört auch im ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 4,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Stereoplay. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 5/2018 von Verdammt lang her…. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Verdammt lang her…
Titelbild der Ausgabe 5/2018 von Jubiläums-Tests: Standlautsprecher: Alles fließt. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Jubiläums-Tests: Standlautsprecher: Alles fließt
Titelbild der Ausgabe 5/2018 von Jubiläums-Test: Lautsprecher: Klangmonument. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Jubiläums-Test: Lautsprecher: Klangmonument
Titelbild der Ausgabe 5/2018 von Jubiläums-Test: Standlautsprecher: Doppeltes Bässchen. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Jubiläums-Test: Standlautsprecher: Doppeltes Bässchen
Titelbild der Ausgabe 5/2018 von Jubiläums-Test: Kompaktlautsprecher: Kompakt Tradition. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Jubiläums-Test: Kompaktlautsprecher: Kompakt Tradition
Titelbild der Ausgabe 5/2018 von Jubiläums-Test: Lautsprecher: Die zwei Türme. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Jubiläums-Test: Lautsprecher: Die zwei Türme
Vorheriger Artikel
Jubiläums-Test Kopfhörer: Ohrenschmaus
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Titel-CD Firmenportrait: Töne + Anspruch
aus dieser Ausgabe

Wie muss man sich als Leser so einen typischenstereoplay -Hörtest vorstellen? Was er bestimmt nicht ist: eine rauschende Orgie, bei der fassweise Bier oder Wein draufgehen. Aber sicher auch keine trostlose Veranstaltung im stillen Kämmerlein. Was er ist: zuallererst Arbeit. Im Sinne des Lesers, der zu Recht seriöse Informationen erwartet, wie sich denn die Testgeräte klanglich verhalten. Aber Spaß gehört auch imstereoplay -Hörraum definitiv dazu.

Und für diesen Spaß verantwortlich waren und sind – neben nicht zitierfähigen Sprüchen der Kollegen und zitierfähigen Urteilen über die Fähigkeiten der Testobjekte – die eingesetzten Musikstücke. Die haben natürlich über die Jahrzehnte stetig gewechselt. Doch finden sich in der Rückschau noch immer Sound-Preziosen, die auch heute noch im Hörraum ihren Platz haben. Einige von diesen Klassikern haben wir – als der Zukunft zugewandte Zeitschrift natürlich kombiniert mit ein paar aktuellen Hits – zu dieser CD zusammengestellt. Klar, dass dabei auch die neuen Nummern das Zeug zum künftigen Klassiker haben. Wir hören uns spätestens zum 50. Geburtstag wieder. Guter Klang ist zeitlos.

Am Schlag: Der Schweizer Drummer Charly Antolini holte Ende des letzten Millenniums noch einmal zum Knock Out aus.


On Drums: Der panamaische Schlagwerker Billy Cobham zählte zu den hiebfesten Großmeistern seines Fachs.


Nun ja, nicht ganz. Natürlich haben sich die Studiotechnik, ihre Anwendung und die Kriterien, wie audiophil denn nun audiophil klingen muss, geändert. Kaum einer weiß das besser als Adrian von Ripka. Der Tonmeister hat in der Frühzeit etliche der seinerzeit hochbeliebtenstereoplay -Highlights-CDs überspielt. Und der noch immer gefragte Klangmagier – er hat unter anderem die jüngste Live-CD von Jazz-Pianist Michael Wollny gemischt und gemastert – erwies uns die Ehre, diese Hörtest-Klassiker in den berühmten Bauer Studios zu Ludwigsburg zu mastern.

Alte und neue Klangkunst

Mit erfahrenem Ohr lauschte er der ältesten hier vertretenen Aufnahme ihre audiophilen Geheimnisse ab. „Da hat der Tonmann aber reichlich analogen Hall auf die Stimme gegeben. Wohl, um sie gegenüber dem Orchester ausreichend aufzublasen. Dabei hätte das diese Stimme gar nicht nötig gehabt“, so seine Analyse.

Gemeint ist die zauberhafte Esther Ofarim. Seit ihrem Erscheinen 1972 bei ATR gilt „Esther“ als audiophiler Meilenstein, unzählige Male wieder neu aufgelegt, natürlich auch auf CD. Die LP aber gehörte sozusagen zu dem Rüstzeug, das die erstestereoplay -Crew mit in die Tonträger-Abteilung des ersten Hörraums brachte.

01 Sara K. Oh Well

Album: Hobo
Label: Chesky / in-akustik
Länge: 02:44

Fangen wir mit der Königin an. Freilich hat sich Sara K. immer gegen den Titel „Queen of Audiophile“ gewehrt. Aber bereits mit ihren frühen CDs für die Chesky-Brüder David und Norman verschaffte sich die Texanerin einen wohlklingenden Ruf. „Hobo“ nahmen die Cheskys schon 1997 in hoher Auflösung von 24 Bit / 96 Kilohertz auf – vor 21 Jahren noch alles andere als selbstverständlich. Klar griff hierstereoplay gerne zu, wenn es darum ging, Komponenten auf ihre Stimmwiedergabe zu prüfen. Und auf dynamische Nuancen. „Oh Well“ stammt von Peter Green‘s Fleetwood Mac und lebt vom Gegensatz des flüssigen Gitarrenriffs zum hintergründigen Alt der Sängerin.

02 Friend ’n’ Fellow Golden Angel

Album: Crystal
Label: Ruf / in-akustik
Länge: 03:15

Musikalisch gar nicht weit entfernt, aber ganz anders gemischt siedelt der „Golden Angel“. Die charakteristische, soulgetränkte Stimme von Constanze Friend ist hier sehr präsent und kommt förmlich aus der Lautsprechermitte geschossen. Die wie immer formidable Gitarrenarbeit von Thomas Fellow formiert mit mehrstimmigen Linien das Gerüst, auf dem sich der Gesang wunderbar entfalten kann. Der nachnamenlose Jannique nahm das dazugehörige Album „Crystal“ 2006 in den Leipziger Fachwerkstudios auf – und produzierte einen sehr lebendigen Klang. Lautsprecher und Verstärker, die hier den Spaß töten, hatten auch beistereoplay keine Chance.

03 Esther Ofarim Rataplan

Album: Esther
Label: ATR / Audiotrade
Länge: 03:30

Wieder eine wunderbare Frauenstimme, wieder eine ganz andere Aufnahmephilosophie – und eine ganz andere Zeit. Auf 1972 datiert das selbstbetitelte Album von Esther Ofarim zurück. Analog aufgenommen in den Münchner Trixi-Studios, begeistert die einstige Duo-Partnerin von Abi Ofarim mit einer enormen musikalischen und sprachlichen Bandbreite: Esther Ofarim singt auf Deutsch, Hebräisch, Englisch und Französisch. Wie eben „Rataplan“ in bester Chansonetten-Tradition. Der Hall auf der feingebildeten Sopranstimme sorgte mit dafür, dass die LP für damalige Verhältnisse ungemein luftig und transparent klang. Einestereoplay -Hörtest-Platte der ersten Stunde.

04 Diana Panton In A World Of My Own

Album: I Believe in Little Things
Label: in-akustik / in-akustik
Länge: 03:58

Sie ahnen es: noch eine Frauenstimme, wieder ein anderer Charakter, wieder eine große Herausforderung an die Neutralität der Lautsprecher. Die kanadische Jazz-Sängerin Diana Panton hat sich für ihr 2015er-Album „I Believe in Little Things“ unter anderem Kinderlieder aus Disney-Klassikern vorgenommen. Mit einer kleinen akustischen Combo im Hintergrund besingt sie ihre eigene Welt. Charmanterweise in Englisch und dann Französisch. Die Stimme hat das genau passende Timbre aus kindlicher Naivität und jazzigem Charme. Herrlich garniert das kleine E-Gitarrensolo von Reg Schwager die zarte Weise. Die Panton wie das ganze Album selbst produzierte.

Angesichts des Alters der Aufnahme lässt von Ripka denn auch Milde walten: „Klingt immer noch gut. Eine gute Wiedergabeanlage muss aber auch die speziellen Eigenheiten der Produktion aufzeigen.“ Das finden wir auch. Und können uns die Frage nicht verkneifen, welches der versammelten Nicht-Klassik-Stücke er denn wohl am besten produziert findet.

Die Wahl des goldenen Ohrs fällt auf Diana Panton. Das wird den Kollegen Chad Irschick von den Inception Sound Studios im kanadischen Toronto freuen.

Womit wir wieder beim Hörtesten sind. Die Frauenstimme spielt da traditionell – siehe Esther – eine ganz wichtige Rolle, wenn es gilt, bei Lautsprechern die Neutralität abzuchecken. Denn „die“ Frauenstimme gibt es nicht, jede hat ihre Charakteristik, die es verfärbungsfrei herauszuarbeiten gibt. Deshalb startet diestereoplay -CD denn auch mit gleich vier Exempeln dieser Spezies: Vor Esther Ofarim und Diana Panton kommen die für Audiophile unverzichtbare Sara K. und Constanze Friend vom Duo Friend ’n‘ Fellow zum Zuge. Vier typische, unverwechselbare Stimmen, in unterschied lichen Audiophil-Philosophien produziert: Testerherz, was willst Du mehr?

05 Friedemann Aquamarin

Album: Aquamarin
Label: Biber / in-akustik
Länge: 04:40

Nach vier Vokal-Nummern ist es Zeit für einen Ausflug in die instrumentalen Zauberwelten, die Friedemann mit seinem Aquamarin-Orchester aufschließt. Außerdem ist eine „historische“stereoplay -CD auch nicht denkbar ohne Friedemann Witecka. Der langjährige, leider verstorbenestereoplay -Musikchef Matthias Inhoffen zählte zu den sprachmächtigsten Förderern des Gitarristen und schleppte 1990 auch „Aquamarin“ zu den Testerkollegen in den Hörraum. Überzeugungsarbeit war dann nicht mehr vonnöten, die herrliche Atmosphäre und die Dynamik sprechen für die voll digitale Produktion von Friedemann und Johannes Wohlleben aus den Bauer-Studios.

06 Otis Taylor Walk On Water

Album: Fantasizing About Being Black
Label: in-akustik / in-akustik
Länge: 04:22

Von der Zauberwelt ein ziemlich harter Sturz in die Abgründe des menschlichen Daseins, genauer: in das Trauma der Afroamerikaner, die Verschleppung in die Sklaverei. Der Nicht-Nur-Blueser Otis Taylor („Blues is folk music“) setzt sich illusionslos und radikal mit dieser Geschichte auseinander, gleichzeitig tönt seine Klage bzw. Anklage aber dermaßen intensiv, dass die CD gleich nach Erscheinen 2017 in denstereoplay -Hörraum wanderte. Die impulsive Musik etwa von „Walk On Water“, die nach einem nachdenklichen Gitarren-Intro einsetzt, und erst recht der heiser-eindringliche Gesang von Taylor und die Kornett-Girlanden darum klingen exzellent.

07 Blues Company Mean Woman Blues

Album: So What?
Label: in-akustik / in-akustik
Länge: 04:25

Nach dem authentischen Afroamerikaner nun ein Weißbrot, das sich aber seit Jahrzehnten mit Leib und Seele dem Blues verschrieben hat: Todor „Toscho“ Todorovic hat sogar seine Company danach benannt. Und schon auf ihrem audiophilen Debüt für in-akustik, „So What?“ von 1987, bewies er, dass er zumindest das zweite Top-Thema des Blues glaubhaft beherrscht: die ach so bösen Mädels, die den ach so armen Mann ach so niederträchtig mit Liebesentzug strafen. „Mean Woman Blues“ stammt aus Toschos Feder und kommt als typischer, langsamer Zwölftakter-Klagegesang daher, von einem mitleidig krächzenden Saxofon grandios kommentiert.

08 Billy Cobham‘s Glassmenagerie AC/DC

Album: Stratus
Label: in-akustik / in-akustik
Länge: 04:02

Der Blues gebar den Jazz, den Rock’n‘Roll, den Soul, schließlich den Rock. Und die wiederum verschmolzen zum Funk, der sich dann wieder beim modernen Jazz einschlich als Fusion. In dem Jazzrock-Genre trommelte kaum einer so versiert wie der panamaische Pionier Billy Cobham, der zum Beispiel beim Mahavishnu Orchestra die Amateurdrummer düpierte und animierte wie kein Zweiter. Im für die Zeit typischen, hell und crispy angerichteten Sound huldigte er 1981 noch einmal „Stratus“. Den Titel hatte er seinem 1973er Hit von der LP „Spektrum“ entliehen. In „AC/DC“ wird allerdings kein Hardrock ausgeliehen, sondern funky gegroovt.

09Charly Antolini Arabian Desert Groove

Album: Knock Out 2000
Label: in-akustik / in-akustik
Länge: 02:46

Es groovt sich weiter, allerdings in der arabischen Wüste. In HiFi-Kreisen genießt Cobhams Drummer-Kollege Charly Antolini spätestens mit seinem Direktschnitt-Hammer „Knock Out“ von 1979 einen Equipment-mordenden Ruf. Mit dem Dreamteam von damals, Bassist Wolfgang Schmid und Percussionist Nippy Noya, ging der Schweizer 1999 in Jürgen Koppers Studio JK Mastermix in München-Unterföhring, um den Knock Out ins nächste Jahrtausend zu boxen. Die Digitalproduktion, gemastert bei Bernie Grundman Mastering in Hollywood, hat gleichfalls das Zeug, schwächelnden Endstufen oder impulsfeindlichen Lautsprechern das Licht auszublasen.

An sechs Saiten: Friedemann verzauberte mit Gitarre und Aquamarin-Orchester.


Na, zum Beipiel Männerstimmen. Doch bevor wir zu den raukehligen Registern kommen, gibt es ein Wiederhören mit einem alten Freund derstereoplay : Friedemann, der mit den Damen und Herren des Aquamarin-Orchesters für den audiophilen Balsam in den Testerohren sorgt. Sofern die CD-Spieler, Verstärker oder Lautsprecher nicht mit Strenge oder Schläfrigkeit dem mit perkussiven Impulsen garnierten Wohlklang das Wohlige rauben.

Gar nicht wohlig ums Herz wird es bei den folgenden Blues-Nummern, die die Top-Themen dieses Genres beispielhaft – und in beispielhaft gutem Sound – zur Sprache bringen: Entwurzelung, Rassismus, Diskriminierung bei Otis Taylor, Nicht-Liebesleid bei Toscho und seiner Blues Company. Bei Letzterer sorgt übrigens „Detroit“ Gary Wiggins für die grummelnd- quirligen Saxofonklänge, wobei Tonmeister Adrian von Ripka sofort die spezielle Mikrofonierung auffällt: „Dass dort die tiefen Töne so mächtig bauchig kommen, hat der Toningenieur miteinem direkt vor der Kanne platzierten Mike gewollt und erreicht.“

Anmutig: Die kanadische Sängerin Diana Panton entführt „In A World Of My Own.“


Zur „richtigen“ Mikrofonierung eines Drumsets vertreten vier Toningenieure mindestens fünf Meinungen. Bei Schlagzeugern selber ist das nicht anders. Adrian von Ripka, dem der legendäre Jazz-Drummer Paul Motian als einzigem zutraute, seine Bassdrum richtig rüberzubringen, könnte hier wohl auch unendlich aus dem Nähkästchen plaudern. Schnell detektiert er den speziellen „Frühachtziger Fusion-Sound“ bei Billy Cobham (Track 8) und die „wuchtige Dynamik“ bei Charly Antolini (9). Bei diesem Track rät er denstereoplay -Lesern schon mal zu vorsichtigem Umgang mit dem Lautstärkesteller.

Die klassischen Klassiker

Dynamik, also die Spanne zwischen leisestem und lautestem Signal, und die Fähigkeit einer Anlage, diese adäquat wiederzugeben, sind weitere klassische Hörtestkriterien, Neutralität, Impulsivität, Atmosphäre, Räumlichkeit, Ortungsschärfe, Basskraft und Brillanz konnten wir bislang schon sehr gut abprüfen. Doch Dynamik im strengen Sinne ist bei Pop-, Rock- und Jazz-Aufnahmen zugunsten der Lautheit meist eingeschränkt –stereoplay hat dieses Thema ja schon oft aufgegriffen.

Klassik-Aufnahmen sind schon eher geeignet, obwohl die volle Wucht eines großbesetzten spätromantischen Sinfonie-Orchesters wohl nur live ganz spürbar wird. Doch einige Aufnahmen nehmen bewusst einen geringen Durchschnittspegel in Kauf, um die Dynamikspitzen mit aller Macht einfangen zu können.

Eingestimmt vom verjazzten Barocker Vivaldi (Track 10) sollten Sie sich nicht wundern, wenn Ihnen die drei „klassischen“ Titel zum Ende so leise vorkommen. Und drehen Sie um der Unversehrtheit ihres Equipments willen zunächst nicht allzu beherzt auf. Bei Mozart (Track 11) kann das noch gut, bei Tschaikowsky (12) aber schon mächtig in die Hose gehen. Die Kanonenböller hauen trotz „brickwall limiting“ dermaßen rein, dass schwache Endstufen und sensible Tiefmitteltöner da schon mal den Geist aufgeben können.

Am Stock: Lorin Maazel dirigierte 1988 den „Ring ohne Worte“. Wagner-Orchester pur.


Was in frühenstereoplay -Hörtests durchaus auch vorkam. Aber Sie und wir sind ja inzwischen gewarnt. Und deshalb: viel Spaß!

An die Maschinen: Tonmeister Adrian von Ripka (rechts) mit Projekt-Koordinator Lothar Brandt beim Mastern der Hörtest-Klassiker im Tonstudio Bauer.


10 Jacques Loussier Antonio Vivaldi: The Summer – 3rd Movement

Album: The Four Seasons
Label: Telarc / in-akustik
Länge: 03:58

Der Franzose Jacques Loussier, geboren 1934, kam schon 1959 auf den Trichter, wie sehr Barock-Übermeister Johann Sebastian Bach swingen konnte. Der Pianist hatte mit seinem Jazz-Trio seine Spielwiese gefunden. Die er im Digitalzeitalter weiter wohlklingend bewirtschaftete. Denn auch Bachs Zeitgenosse Antonio Vivaldi (1678 – 1741) hat das Zeug zum Barock’n‘Roller. Seinen Hit „Die Vier Jahreszeiten“ nahm sich Loussier 1997 vor und lotete im Schlusssatz des „Sommers“ mal aus, wie fetzig sich das Presto in Klaviertrio-Besetzung umsetzen ließ. Kontrabassist Vincent Charbonnier und Drummer André Arpino geben denn den – beiden – Altmeistern kräftig Zunder.

11 W. A. Mozart Die Entführung aus dem Serail / Ouvertüre

Interpreten: Scottish Chamber Orchestra, Charles Mackerras ,
CD: Die Entführung aus dem SerailLänge: 04:17
Label: Telarc / in-akustik

Zündende Melodien und Rhythmen fielen Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) reihenweise ein. Und dabei bediente sich das Komponisten-Genie gerne auch beim Zeitgeist, etwa der zu seiner Wiener Zeit populären „Türken-Oper“. In seinem Erfolgs-Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ ließ er es denn schon in der Ouvertüre neben zartschmelzenden Streicherthemen auch kräftig krachen. Das Tschingderassa der vielen Schlaginstrumente wirkte damals exotisch – und lässt noch heute die Lautsprecher-Membranen jubeln. So sie denn so dynamisch gespielt und aufgenommen wurden wie in Charles Mackerras‘ farbenkräftiger Produktion anno 2000.

12 Peter Tschaikowsky 1812 Ouvertüre (edit)

Interpreten: Cincinnati Symphony Orchestra, Erich Kunzel
CD: Tchaikovsky: 1812 a.o.
Länge: 07:06
Label: Telarc / in-akustik

Haben Sie bisher aus Freude an Kunst und Klang oder Jux und Dollerei kräftig aufgedreht? Dann Vorsicht. Denn wir gesellten zu den Hörtest-Klassikern den wohl ultimativen Lautsprecher-Killer. Peter Tschaikowsky (1840 – 1893) setzte bei seinem Schlachtengemälde „1812“ auch echte Kanonen in die Partitur. Erich Kunzel und das Telarc-Team waren imstereoplay -Einführungsjahr 1978 zwar nicht die ersten, aber sicher die effektivsten Nutzer der Ballermänner des Fünften Virginia Regiments. Wir blenden uns so bei 8:30 der viertelstündigen Ouvertüre ein, der erste Schuss kommt bei Laufzeit 4:04. Sagen Sie also nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt.

13 Richard Wagner Götterdämmerung: Trauermarsch

Interpreten: Berliner Philharmoniker, Lorin Maazel
CD: Der „Ring“ ohne Worte
Länge: 08:19
Label: Telarc / in-akustik

Die Farbenpracht und dynamische Wucht, wie sie Richard Wagner (1813 – 1883) fürs Orchester seiner Opern-Tetralogie „Der Ring des Nibelungen“ schrieb, entfalten über gut eingestimmte HiFi-Anlagen besondere Sogkraft. Die mögen auch viele Nicht-Wagnerianer, die jedoch mit dem Operngesang nichts anfangen können. Lorin Maazel stellte 1988 die Orchester-Highlights erfolgreich zum „Ring ohne Worte“ zusammen. In der abschließenden „Götterdämmerung“ wird der Held Siegfried zunächst gemeuchelt und dann mit großem Pomp zu Grabe getragen. Wagner setzte das in grandiose Klänge um, die auch ein Top-Orchester wie die Berliner Philharmoniker extrem fordern.