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Titel-CD Musik: Neueste Feinkost


Stereoplay - epaper ⋅ Ausgabe 6/2018 vom 09.05.2018

Frisches Hörtest-Futter bringt die CD zur HIGH END 2018. Die Mischung fördert bei jeder HiFi-Demo besondere Qualitäten einer Anlage zutage.


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Bildquelle: Stereoplay, Ausgabe 6/2018

So ein mehrgängiges Gericht für den geschmackvollen Hörtest lässt sich auf vielfältige Art zubereiten. In der Jubiläums-Ausgabe 5/2018 hattestereoplay – natürlich – legendäre Zutaten ausgesucht, quasi eine Tour d‘horizon durch fünf Jahrzehnte durchaus freudvollen Anlagen-Auskostens.

Und auf die Vielfalt kommt es auch beim Hörtesten auf einer HiFi-Messe oder beim Demonstrieren einer Anlage an. Die Tracks der neuen CD sollen neben Klanggenuss auch jeweils eine ...

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... audiophile Disziplin von Tiefbass über Transparenz und Dynamik bis Räumlichkeit besonders hervorstellen und von der Anlage fordern. Dieses Mal machte sich die Redaktion – im Gegensatz zum Retro-Sampler – auf die Suche nach jüngeren Veröffentlichungen.

Aktuelle Kostproben
Weil diesesstereoplay -Heft zur Messe HIGH END 2018 erscheint und die CD die inoffizielle Demo-CD der Messe darstellt, durfte eine Künstlerin – natürlich – nicht fehlen. Schließlich agiert Kari Bremnes in diesem Jahr dort als Klangbotschafterin. Die Norwegerin hat diesen Ehrentitel redlich verdient: Sie produziert seit Jahrzehnten Tonträger, die mit ihrer feinsinnigen, Folk-orientierten Musik und ihrem erstklassigen Klang die audiophile Gemeinde begeistern.

Auch in ihrem siebten Lebensjahrzehnt bleibt die von den Lofoten stammende Sängerin musikalisch nicht stehen. Ein wenig überrascht lauscht man den elektronischen Klängen, die ihr Produzent Bengt E. Hanssen anrichtete. Doch der Kontrast machte schon immer den Reiz eines Menüs aus. Das Entrée unserer Hörtest-CD lebt vom Zusammenklang der glasklaren, schönen, rätselhaft verhallten Stimme Bremnes‘ – der Song trägt schließlich übersetzt den Titel „Vielleicht“ – mit den tiefgründelnden und mächtig tiefreichenden Bässen und Klangflächen der Synthesizer und Sequenzer.

Bassist Hellmut Hattler (oben links) lässt es satt grooven, Sängerin Tokunbo (rechts oben) dagegen sanft schwingen. Das Minnesota Orchestra unter Osmo Vänskä gibt sich einem Liebestraum hin.


01

Kari Bremnes
Kanskje


Album : Det Vi Har
Label: Strange Ways / Indigo
Länge: 04:04

Die mittlerweile 61-jährige Norwegerin lässt sich auf ihrem aktuellen Album (stereoplay 2/2018) ein weitgehend elektronisches Klanggewand schneidern. Aber wer die noch immer makellose, warmherzige Stimme hört, vermag auch in dieser Einkleidung die betörende Schönheit wahrzunehmen. Der wohl stärkste Song der natürlich wieder audiophil produzierten Scheibe ist „Kanskje“ („Vielleicht“), das mit richtig tiefen Bässen grundiert ist. Dazu muss die glasklare Stimme dynamisch präsent zwischen den Lautsprechern stehen. Auch wer kein Wort versteht, wird dann tief hineingezogen in die Musik – und das Booklet liefert noch komplett die deutschen Übersetzungen.

02

Opus 3 Artists
Open Road


Album: Tony Sheridan
Label: Opus 3 /
Applied Acoustics
Länge: 04:31

Wir bleiben im Norden: Für die audiophile Gemeinde ist das schwedische Label Opus 3 ein Begriff. Nun hat Chef Jan-Eric Persson mit Songs aus der Feder Tony Sheridans – jedem Beatles-Fan wiederum ein Begriff – einen Traum verwirklicht. Vier Songs konnte der Veteran noch mit Musikern aus dem Stamm der Wohlklängler einsingen, darunter das mit einem gewissen Herrn Paul McCartney verfasste „Tell Me If You Can“, bisher noch nirgends veröffentlicht. Doch zwei der schönsten Nummern: „Numbers Of The Sun“, gesungen von Bottleneck John, und das wunderschön von Maria Winther intonierte „Open Road“ stemmen die Opus-3-Künstler allein. Pop-Pretiosen.

03

Anne Bisson
September in Montréal


Album: Four Seasons In Jazz
Label: Camilio / Sieveking Sound
Länge: 04:09

Als Direktschnitt „Live At Bernies“ hat Anne Bisson ihre „Four Seasons in Jazz“ im Mastering-Studio des High-End-Klangmagiers Bernie Grundman eingespielt. Die frankokanadische Pianistin und Sängerin glänzt in ihrem Trio mit Bassist Jean-Bertrand Caribou und Drummer Pierre Tanguay mit einer sanft angejazzten Hommage an die vier Jahreszeiten. Die Vinyl-Version auf zwei 45ern ist ein Hammer. Die produzierende Firma Brillance Music & Studios aus Thailand bringt jetzt auch eine klanglich fast ebenbürtige CD-Fassung: Madame Bissons einschmeichelnde Stimme und ihr perlendes Klavierspiel sorgen in der „September“-Trilogie für wohlige Melancholie.

04

Tokunbo
Headlights


Album: The Swan
Label: recordJET
Länge: 04:04

Tokunbo Akinro gehörte von 1998 bis 2013 der ausgezeichneten Jazz-Formation Tok Tok Tok an und zieht seit dem Solo-Debüt „Queendom Come“ seit 2014 ihr eigenes Ding durch. Und das macht sie verdammt gut. Für „The Swan“ standen ihr BAP-Drummer Matthias „Maze“ Meusel und BAP-Gitarrist Ulrich Rode als Co-Songwriter und Co-Produzenten zur Seite. Die Hannoveranerin nennt das Resultat Folk Noir. Mit Jazz hat der kaum noch zu tun, eher mit feiner Singer/ Songwriter Musik plus dezenten Soul-Anteilen. Mit ihrer samtigen Stimme adelt Tokunbo melancholische Momentaufnahmen wie den eingängigen Anspieltipp „Headlights“ zu kleinen Pop-Juwelen.

Ganz auf „natürliche“ Zutaten setzen dagegen die folgenden Frauenstimmen: Gefällig fließender Poprock umhüllt die sanfte Stimme von Maria Winther auf der „Open Road“. Sparsam instrumentierter Songwriter-Jazz mit einem sanft rockenden Riff des Kontrabass und fein groovenden Drums grundiert dann den dynamisch-präsenten Sopran von Anne Bisson. Eine Stimmlage tiefer, aber nicht weniger anziehend lässt uns das wandlungsfähige Organ von Tokunbo in einem herrlichen Refrain halb träumend die „Headlights“ anzünden.

Mehrere Gänge
Die ersten Gänge unseres Hörtest-Menüs spüren also der Neutralität bei der Stimmwiedergabe, der Dröhnfreiheit der Bässe, der Zartheit der Klangfarben, der Fähigkeit von atmosphärischer Dichte und der dynamischen Präsenz nach.

Doch so wie der Gaumen lechzen auch die Ohren nach Abwechslung. Zwei instrumentale Leckerbissen loten die Klangfarbenpalette weiter aus: Die reizvolle Kombination von Dobro und Piano im schwungvollen „Take Another Five“ von Knut Hem und Helge Lien lässt uns auch auf Präzision der Anschläge und die räumlich präzise Abbildung achten.

05

Helge Lien & Knut Hem
Take Another Five


Album: Hummingbird
Label: Ozella
Länge: 04:26

Wüste meets Fjord, oder auch Texas meets Norwegen. Die beiden Skandinavier Helge Lien (Klavier) und Knut Hem (Saiteninstrumente) spielen eine fantastsiche Mischung aus Bluegrass, Country, Jazz und nordischem Folk. Eine maßgebliche Rolle für diesen Sound spielt Knut Hem‘s Weissenborn, eine in den 30er-Jahren entwickelte Lapsteel Guitar, deren hohler Hals ihr einen unvergleichlich brillanten Resonanzkörper verleiht. Doch er brilliert auch auf der Dobro (auch Resonator-Gitarre genannt). Das beste an „Hummingbird“ aber sind die mitreißenden, herrlich fließenden Kompositionen, die keine Sekunde Langeweile aufkommen lassen.

06

The Native Future Projekt
Earth Dance


Album: Earth Dance
Label: Araucaria / in-akustik
Länge : 04:57

The Native Future Projekt (tatsächlich mit „k“) bilden Bodo Schopf und Büdi Siebert, die zusammen gefühlte 100 Blas- und Schlaginstrumente plus Synthesizer und Piano spielen. Audiophile kennen die beiden Musiker von zahllosen Mit-Arbeiten etwa für Andreas Vollenweider oder Ralf Illenberger seit den Siebzigern. Tatsächlich kommen die beiden zusammen auf etwa 500 Produktionen, bei denen sie mitmischten. Auf „Earth Dance“ vermischen sie auf höchst reizvolle Weise Weltmusik und kräftig marschierende Rhythmen mit modernen Sounds. Beim Titelsong haben Sie etwas Geduld, ab etwa 2:49 geht`s mit tiefen Trommeln und hohen Flöten ab.

07

Hellmut Hattler
Spy


Album: Vinyl Cuts 2
Label: 36music
Länge: 03:41

Deutscher Bassist? Hellmut Hattler! Natürlich haben viele begabte Musiker hierzulande den Vier- oder inzwischen oft auch Fünfsaiter aufgezogen. Doch der ehemalige Kraan-Tieftöner hat sich mit seiner funky Spielweise, seinen Ausflügen in Soul-, Pop-, Rock- und Jazzgefilde und mit seinem erfolgreichen Duo mit Trompeter Joo Kraus ins kollektive Gedächtnis gespielt. Auf der zweiten Folge seiner Vinyl Cuts deckt er nahezu komplett seine immense stilistische Bandbreite ab.stereoplay luchste ihm den mächtig groovenden Titel „Spy“ ab. Original auf dem Hattler-Album „Warhol Holidays“, hier natürlich vom weniger komprimierten Vinyl-Master.

08

Jochen Neuffer & Tobias Becker Bigband
All In


Album: Augmented Reality
Label: Neuklang / in-akustik
Länge: 05:00

Mit seinem ersten eigenen Bigband-Album beweist der Dirigent, Komponist und Arrangeur Jochen Neuffer erneut, dass er zu den Großen der Szene gehört. Er schreibt melodisch, farbenreiche Harmonien und spannt weite musikalische Bögen: kein Wunder, dass ihm auch schon Lalah Hathaway und Helen Schneider vertrauten. Für „Augmented Reality“ nutzte er die renommierte Tobias Becker Bigband, die in ihrer mittlerweile dritten Studioproduktion erneut ihre herausragende Musikalität und Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellt. „All In“ hält, was der Titel verspricht: Die Band haut alles rein, in über 12 Minuten – wir blenden hier aus Platzgründen aus.

09

George Gershwin
Piano Concerto in F, Allegro Agitato


Interpreten: K.Gerstein; St. Louis Symphony, D. Robertson;CD: Rhapsody In Blue & Concerto in F;Länge: 07:22
Label: Myrios / Harmonia Mundi

Es kommt nicht allzu oft vor, dass einem heutzutage noch neue Referenz-Einspielungen in den CD-Player kommen. Doch Kirill Gerstein liefert genau die ab von George Gershwins (1898-1937) jazzinspirierter „Rhapsody in Blue“ (hier in Ferde Grofés Arrangement für Jazz-Band), vor allem aber vom meisterhaften „Concerto in F“.stereoplay -Autor Attila Csampai kürte die Einspielung, ergänzt um einige Gershwin-Bearbeitungen, zum Geheimtipp in Ausgabe 4/18. Eine so fetzige, so dynamische, so geschmackssichere Interpretation sollte aber nicht geheim bleiben. Wer das finale „Allegro Agitato“ aus dem Concerto gehört hat, kann gerne öffentlich (be)jubeln.

Die norwegische Sängerin Kari Bremnes zählt seit Jahrzehnten zu den Königinnen im audiophilen Reich.


Ähnliches prüft auch der „Earth Dance“ des Native Future Projekt ab, wobei er sich den Luxus eines leisen und langsamen Beginns leistet. Wenn Ihnen beim Hörtest die tiefen Trommeln zu eintönig und fade vorkommen, dann kann die Anlage leider bei leisen Pegeln nicht differenzieren und nachfedern. Den heftigen Mittelteil mit kraftvollem Trommel-Dauerfeuer und schrillen Flöten sollten Boxen und Endstufen spannungsreich, aber ohne Nerv darstellen

Satter Groove
Spaß muss sein, auch im Hörtest. Und was könnte mehr Spaß bringen als satter Groove? Und wer bringt den hierzulande besser – natürlich auf hohem Niveau – als Hellmut Hattler? Der Bassist war schon Groove-Minister, lange bevor es die Gruppe gleichen Namens gab. Bei „Spy“ singt Fola Dada noch taktvoll ein paar Zeilen, die ihrem coolen Künstlernamen alle Ehre machen. Der Meister spielt dazu mal akkordisch, mal pluckernd treibend, mal herzhaft slappend – es ist die wahre Pracht. Hoffentlich verdirbt Ihnen die Anlage mit schmierigen Bässen nicht den Spaß.

Das junge Ensemble Esperanza hat eine wunderbar klingende Hybrid-SACD mit „Southern Tunes“ eingespielt


Der darf selbstverständlich auch beim griffigen Bigband-Sound nicht zu kurz kommen. Das pralle Farbspektrum, das Komponist und Arrangeur Jochen Neuffer „All In“ wirft, sollte mit der gleichen Wucht kommen, mit der es Philipp Heck in den berühmten Bauer Studios aufgenommen hat. Das wundervolle Flügelhorn-Solo von Heidi Bayer sollte keinen Gran seines berückenden Charmes verlieren. Hecks Tonmeister-Kollege Johannes Wohlleben besorgte übrigens diesmal das Mastering dieserstereoplay -CD.

Und der erfahrene Meister sorgte auch dafür, dass der übliche Sprung beim Lautheitsempfinden zwischen den Pop/ Rock/Jazz-Titeln der CD und den „klassischen“ nicht allzu derb ausfiel. Dennoch wissen erfahrenestereoplay -Leser/Hörer, dass die dynamische Bandbreite, also der Abstand zwischen leisesten und lautesten Signalen, bei „Klassik“ deutlich höher ausfällt als bei Pop und deshalb im Durchschnitt als leiser wahrgenommen wird. Selbst wenn die Titel gar nicht aus der Epoche der Klassik stammen wie im Falle der „HIGH END Demonstration Tracks“.

10

Georg Muffat Missa In Labore Requies; Kyrie

Interpreten: Capella Murensis, Les Cornets Noirs, Johannes Strobl
SACD: Missa In Labore Requies
Länge: 05:55
Label: Audite

Die Abtei Muri in Südtirol ist für Weinfreunde eine Reise wert. Aber auch für Tonmeister mit höchsten Surround-Ambitionen. Vater und Sohn Ludger und Simon Böckenhoff nahmen die „Missa in Labore Requies“ des Barockkomponisten Georg Muffat (1653-1704) von den vier Emporen der prachtvollen Klosterkirche auf. Die Aufnahme der imposanten Sakralkomposition ergänzten sie um Kirchensonaten von Bertali, Biber und Schmelzer. Doch vor allem die vom Chor Cappella Murensis und dem Instrumentalensemble Les Cornets Noirs intonierte Messe ist eine Werbestunde für Surround. Obwohl das einleitende „Kyrie“ auch in Stereo überzeugt: unbedingt mal von SACD genießen!

11

Ottorino Respighi Suite per archi, Sarabande

Interpreten: Ensemble Esperanza
SACD: Southern Tunes
Länge: 04:17
Label: Ars Mundi

Nach fetziger Jazz-Klassik und feierlichem Barock wird es jetzt nahezu behaglich. Nicht, dass das junge Ensemble Esperanza nicht auch richtig abheizen könnte. Doch wir haben aus der überragenden Hybrid-SACD „Southern Tunes“ einen ruhigen Titel ausgesucht, der die fantastische Spiel-Kultur des Kammerensembles bestens zur Geltung bringt (natürlich auch in Mehrkanal). Entgegen dem Drive suggerierenden Namen ist eine „Sarabande“ ein geruhsamer Tanz-Satz in der barocken Kunstmusik. Der italienische Instrumentier-Meister Ottorino Respighi (1879-1936) nahm die alte Form in seiner Suite für Streicher wieder auf. Ein musikalischer und klanglicher Genuss

12

Gustav Mahler Sinfonie Nr. 5; Adagietto

Interpreten: Minnesota Orchestra, Osmo Vänskä
SACD: Mahler 5
Länge: 12:16
Label: BIS / Klassik Center

Gustav Mahler (1860-1911) schrieb mit seiner Fünften Sinfonie 1901 und 1902 ein Weltengebäude voller Kontraste, Schärfen, donnernden Marschklängen und strahlender Choral-Anklänge. Doch im vierten Satz, dem berühmten Adagietto, scheint er innezuhalten und gewährt sich und den Zuhörern einige Minuten Rast auf einer Insel des schlichten, sehnsuchtserfüllten Wohlklangs. Zeitzeugen zufolge war dieses für Harfe und Streicher gesetzte Stück eine komponierte Liebeserklärung an die frisch gefreite Ehefrau Alma. Osmo Vänskä zelebriert das im Film „Tod in Venedig“ auch als Sterbemusik missbrauchte Adagietto in über 12 Minuten. Lassen Sie sich fallen.

13

Louis Vierne Orgelsinfonie Nr. 5, 1. Satz

Interpreten: Hans-Eberhard Ross
SACD: Complete Organ Symphonies Vol. III
Länge: 07:36
Label: Audite

Nach so viel Entschweben in Wohklang fällt es naturgemäß schwer, zur Erde zurückzukehren. Wir widerstanden deshalb der Versuchung, ans Ende dieser Hörtest-CD gewaltig brausende Orgelklänge tosen zu lassen. Denn solche hat Ihnenstereoplay schon auf einigen CDs vorher präsentiert. Audite hat eine dreiteilige Gesamteinspielung der Orgelsinfonien des Franzosen Louis Vierne (1870-1837) vollendet. Der Einleitungssatz zur fünften trägt die Tempovorschrift Grave. Und wahrhaft gravitätisch, aber vorwiegend leise, fordert die große Goll-Orgel in der Kirche St. Martin zu Memmingen die Fähigkeit zur klanglichen Differenzierung auch bei kleinen und sehr kleinen Pegeln.

Krönender Abschluss
Vier Titel entstanden im 20. Jahrhundert – und gleich beim ersten wird mächtig Gas gegeben. Fetziger haben Sie das Finale aus Gershwins „Concerto in F“ sicher noch nie gehört. Es sei denn, Ihre Anlage hat hörbare Schwächen bei der Impulsivität. Eine räumliche Herausforderung sondersgleichen sogar in Stereo bietet die hochbarocke Messe von Georg Muffat.

Die drei weiteren Titel fordern vor allem Klangfarben, Mikrodynamik und Raumabbildung. Und etwas nur bedingt rational zu Fassendes. Wenn Ihre Anlage Sie in Gustav Mahlers „Adagietto“ unberührt lässt, macht sie etwas falsch. Wenn Sie dagegen entspannt bis zum Ende durchhören, macht sie sehr viel richtig. Wenn Sie aber möglicherweise wünschen, das wohlige Klangbad möge weitergehen, dann kann Ihre Anlage High-End. Wenn Sie schließlich lustvoll noch feinste Nuancen in Viernes „Grave“ aufspüren: Das wäre dann der krönende Abschluss eines audiophilen Gourmet-Menüs.