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TITEL: DATENBEREINIGUNG: für mehr Datenschutz


Chip - epaper ⋅ Ausgabe 2/2020 vom 03.01.2020

In Ihrem System verstecken sich Kopien Ihrer privaten Daten. So finden und entfernen Sie diese – künftig automatisch: für Windows, Handys, Linux und macOS


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Bildquelle: Chip, Ausgabe 2/2020

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Das Thema Datenschutz bewegt viele Menschen. Aber wissen Sie, welche Daten auf Ihrer Festplatte schlummern? Was speichern die Anwendungen, was die von Ihnen genutzten Clouddienste und was merken sich Google und Facebook über Sie? Haben Sie die Kontrolle über versteckte oder vergessene Kopien Ihrer ...

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... Daten? Oft sind die Antworten auf diese Fragen unbekannt – doch wenn solche Dateien durch Malware oder ein Datenleck nach außen gelangen, kann das schlimme Folgen haben. Wir zeigen, wie Sie verborgene Daten aufspüren, diese endgültig löschen – und das künftig automatisch. Die Software finden Sie auf der virtuellen CHIP-DVD.

Daten aufspüren und löschen

Schon nach kurzer Zeit finden sich unter Windows viele Daten, die nicht mehr benötigt werden. Sie belegen nicht nur unnötig Platz, sondern sind auch aus Datenschutzsicht bedenklich. Bevor Sie die folgenden Schritte durchführen, sollten Sie aber zunächst alle nicht mehr benötigten Programme deinstallieren.

Festplatte unter Windows aufräumen

Für Windows gibt es ein paar Werkzeuge wie CCleaner und PrivaZer, die Ihre Festplatte aufräumen. Gute Ergebnisse erzielt auch das Open-Source-Tool BleachBit. Nach Installation und Start sehen Sie links mehrere aufklappbare Bereiche zu Windows und installierten Programmen. Setzen Sie Häkchen bei allen Elementen, die Sie bereinigen wollen. Vor manchen Optionen warnt BleachBit – etwa, wenn Sie Gefahr laufen, alle in Ihrem Browser abgelegten Passwörter zu löschen. Gehen Sie die Liste sorgfältig durch, lesen Sie dabei die Hinweise im rechten Feld und starten Sie mit dem Lupensymbol einen Testlauf, der noch nichts löscht. Wenn Sie mit dem Ergebnis einverstanden sind, klicken Sie auf den Staubwedel sowie auf »Löschen«.

Versteckte Ordner und Dateien aufspüren

Windows erstellt einige Verzeichnisse für Konfigurationen von Programmen oder Speicherstände von PC-Spielen. Einer der wichtigsten dieser Ordner ist versteckt und heißt »AppData«. In ihm finden sich drei weitere Ordner, die wiederum Verzeichnisse für installierte Programme enthalten. Wenn Sie eine Software deinstallieren, bleiben diese Verzeichnisse oft erhalten.

Um hier die Ordner mit Datenresten deinstallierter Programme zu entfernen, öffnen Sie den Windows-Explorer mit [Win] + [E] und klicken mit der Maus in das Adressfeld. Geben Sie „%appdata%“ ein und bestätigen Sie mit [Eingabe]. Dadurch landen Sie im Ordner »C:\Users\<Nutzername>\AppData\Roaming«. Hier finden sich nun viele weitere bestimmten Programmen zugeordnete Ordner. Löschen Sie nicht mehr benötigte Verzeichnisse. Falls Sie sich bei manchen nicht sicher sind, verschieben Sie diese zunächst an eine andere Stelle und löschen diese erst, wenn es keine Probleme gibt. Falls sich ein Ordner oder eine Datei nicht löschen lässt, installieren Sie Lockhunter und klicken danach mit der rechten Maustaste auf das störrische Element. Wählen Sie dann aus dem Kontextmenü »What is locking this file?«, um herauszufinden, welches Programm das Löschen verhindert. Neben dem Unterordner »Roaming« enthält »App- Data« auch die beiden Verzeichnisse »Local« und »LocalLow«. Auch dort finden Sie Ordner und Dateien, die von Programmen angelegt wurden und die eventuell nicht mehr benötigt werden. Nicht zuletzt sollten Sie noch einen Blick in Ihren Ordner »Dokumente« werfen. Auch dort verewigen sich immer wieder ungefragt Anwendungen.

Das Open-Source-Tool BleachBit räumt Ihre Festplatte auf und entsorgt dabei viele nicht mehr benötigte Daten


Anfangs ist der »AppData«-Ordner noch relativ leer, später füllt er sich mit weiteren Verzeichnissen – viele davon sind überflüssig


Wenn sich eine Datei oder ein Ordner nicht löschen lassen, identifiziert Lockhunter das blockierende Programm, hier ist es VLC


Der Disk Investigator zeigt die Rohdaten auf Ihrer Festplatte an und ermöglicht so eine tiefgehende Analyse unbekannter Dateien


Standardmäßig überschreibt Eraser zu löschende Daten rund 35- mal; zwei- bis dreimal reicht bei Privatanwendern völlig aus


Eraser kann auch den freien Speicher mehrfach überschreiben, eine Wiederherstellung gelöschter Daten ist danach nicht mehr möglich


Rohdaten auf der Festplatte auslesen

Wenn Sie beim Aufräumen nicht zuzuordnende Dateien entdecken, etwa mit der Endung ».dat«, finden Sie mit dem Tool Disk Investigator oft heraus, zu welcher Software sie gehört. Aktivieren Sie im Disk Investigator »View | Directories« und navigieren Sie zu der Datei. Klicken Sie mit rechts darauf und wählen Sie »View raw file contents« aus. Deaktivieren Sie oben links »Compact View«, um die Ausgabe lesbarer zu machen. In angezeigten Texten steht oft am Anfang der Softwaretitel. Mit den Pfeiltasten unten rechts springen Sie durch die Teile („Cluster“) der Datei.

Daten und Ordner garantiert löschen

Die meisten Daten, die Sie unter Windows löschen, lassen sich wiederherstellen. Wie leicht, zeigen wir im Kasten auf Seite 29. Um Daten garantiert zu löschen, benötigen Sie Eraser oder File Shredder. Eraser schießt in der Standardeinstellung jedoch über das Ziel hinaus. Das Tool überschreibt zu löschende Daten rund 35-mal. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt ein siebenmaliges Überschreiben älterer Platten. In der Praxis lassen sich Dateien aber schon nach zweibis dreimaligem Überschreiben unmöglich wiederherstellen.

Eraser kann auch den ungenutzten Speicher überschreiben. Das ist sinnvoll, da sich dort die Dateireste vieler zuvor gelöschter Dateien angesammelt haben. Klicken Sie im Windows- Explorer mit rechts auf das Laufwerk, dessen freien Speicher Sie shreddern wollen, dann auf »Eraser | Erase Unused Space« und bestätigen Sie die Abfrage. Bei (großen) Festplatten dauert das sehr lange. Bei SSDs sollten Sie das höchstens einmal im Monat machen, da dabei das ganze Laufwerk mit Zufallsdaten vollgeschrieben wird, die Eraser danach wieder löscht.

Festplatten und SSDs löschen

Viele Anwender haben noch alte Festplatten oder SSDs zu Hause, die sie nicht mehr benötigen. Bevor Sie diese Speichermedienjedoch entsorgen oder verkaufen, sollten Sie alle noch vorhandenen Daten sicher löschen. Darik’s Boot and Nuke ist eine bootfähige ISO-Datei, die Sie auf CD oder DVD brennen können. Damit booten Sie den PC und löschen seine Datenträger restlos und unwiederherstellbar. Tippen Sie nach dem Booten den Befehl „autonuke“ ein, um den Löschvorgang vollautomatisiert durchzuführen. Bei SSDs ist die Sache etwas komplizierter, da sie sich beim Löschen anders verhalten. Die schnellen Datenspeicher enthalten aber eine integrierte Funktion namens ATA Secure Erase. Viele SSD-Hersteller liefern mit ihren Produkten eigene Tools aus, die auch diesen Löschbefehl unterstützen. Falls das nicht der Fall ist, können Sie das ebenfalls bootfähige Linux-System Parted Magic verwenden. Sie finden die Funktion dort unter »System-Tools | Erase Disk«.

Fotos und andere Dokumente bereinigen

Manche Dateiarten wie Digitalfotos oder MS-Office-Dokumente enthalten versteckte Metadaten. Um sie anzuzeigen, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf eine Datei und wählen »Eigenschaften | Details«. Viele Felder lassen sich direkt bearbeiten und einzeln löschen. Bevor Sie Dateien weitergeben, klicken Sie hier auf »Eigenschaften und persönliche Information entfernen «, woraufhin Sie die Datei direkt bearbeiten oder eine Kopie ohne Metadaten erstellen können. Um mehrere Dateien zu säubern, empfehlen sich Tools wie JPEG & PNG Stripper und – für ältere Word-Dokumente – Doc Scrubber.

Google-Spuren aufräumen

Google lebt von den Daten seiner Nutzer. Mit der Vollversion des Bereinigungstools GClean holen Sie sich Ihre Privatsphäre zurück. Nach der Installation bietet GClean einen Assistenten an, mit dem Sie das Tool nach Ihren Vorstellungen konfigurieren können. Insbesondere die Komponente GRadar kann automatisch neue Spuren löschen, die Google auf Ihrer Festplatte ablegen will. Außerdem enthält die Software nützliche Verknüpfungen, um zum Beispiel bei Google das »Antragsformular zur Entfernung personenbezogener Daten« aufzurufen.

Daten automatisch löschen

Nachdem Sie Ihren PC aufgeräumt haben, sollten Sie eine weitere Ansammlung nicht benötigter Daten verhindern. Dazu stellen wir ein Tool sowie auf der kommenden Seite die wichtigsten Einstellungen in Windows 10 vor.

Windows 10 am Sammeln von Daten hindern

Datenreste, die gar nicht erst anfallen, müssen Sie später auch nicht entfernen. Auf der virtuellen CHIP-DVD finden Sie dazu das Tool O&O ShutUp10. Es greift direkt auf die Datenschutzoptionen von Windows 10 zu. Nach dem Start zeigt das Tool an, wie Ihr Rechner aktuell eingestellt ist. Neben jeder Funktion sehen Sie einen Schalter. Ist er grün, dann ist Ihre Privatsphäre geschützt. Rot bedeutet dagegen, dass die Standardeinstellung von Windows 10 aktiv ist. Grüne Häkchen rechts in der Spalte »Empfohlen« zeigen, dass Sie diesen Schalter auf Grün stellen sollten. Rufen Sie nun »Aktionen | Nur empfohlene Einstellungen verwenden« auf. Beim ersten Mal wird Sie das Tool auffordern, Wiederherstellungspunkte zu aktivieren. Klicken Sie erst danach auf »OK«. Zuletzt wählen Sie »Datei | Beenden« aus und starten Ihren Rechner neu, um die Änderungen durchzuführen.

Darik’s Boot and Nuke ist ein bootfähiges Linux-System, mit dem Sie eine Festplatte komplett bereinigen können


Die Vollversion von GClean entfernt unter anderem lokale Daten, die Google auf Ihrer Festplatte gespeichert hat


O&O ShutUp10 verhindert, dass Windows 10 Daten über Sie sammelt und diese an Microsoft überträgt


Datenschutz für Windows

Sowohl im privaten als auch im beruflichen Alltag sind Smartphones kaum wegzudenken. Auf den mobilen Begleitern sammeln sich jedoch zahlreiche persönliche Informationen an.

Smartphones

Nicht mehr benötigte Daten und Konten entfernen

Bevor Sie eine App von Ihrem Smartphone löschen, sollten Sie sie zuerst noch einmal aufrufen und prüfen, ob sie eine Möglichkeit zum Löschen Ihrer persönlichen Daten bietet. Das ist etwa bei der Fitness-App Samsung Health der Fall. Starten Sie die App und tippen Sie auf das Profilsymbol sowie auf »Mehr | Einstellungen«. Sie scrollen bis zu »Persönliche Daten löschen«, tippen auch darauf, bestätigen zweimal mit »Löschen« und geben noch einmal Ihr Passwort ein. Erst dann werden die gespeicherten Daten entfernt. Außerdem können Sie auch die Verknüpfung mit Ihrem Benutzerkonto bei Samsung löschen. Danach können Sie die App beenden und beruhigt deinstallieren.

App-Berechtigungen prüfen

Ein weiterer kritischer Punkt sind App-Berechtigungen: Muss eine Taschenlampen-App wirklich auf das Adressbuch Ihres Handys zugreifen? Aktuelle Android-Versionen enthalten einen »Berechtigungsmanager«, der unter »Einstellungen | Erweitert | Apps & Benachrichtigungen« zu finden ist. Kritisch sind insbesondere Zugriffe auf »Speicher«, »Kamera«, »Kalender«, »Kontakte «, »Körperliche Aktivität«, »Standort« und »Mikrofon«.

Werkseinstellungen aktivieren und Daten löschen

Alle Smartphones ermöglichen eine Rückkehr zu den sogenannten »Werkseinstellungen«. Dadurch wird das Gerät wieder in den Auslieferungszustand versetzt. Ein anschließendes mehrfaches Überschreiben des freien Speichers ist nicht nötig, denn aktuelle Android- und iOS-Handys sind standardmäßig verschlüsselt. Da der Schlüssel beim Zurücksetzen verworfen wird, ist eine Wiederherstellung von Daten nach dem Zurücksetzen nicht mehr möglich.

Daten löschen
Bevor Sie eine App wie Samsung Health von Ihrem Handy löschen, sollten Sie zuerst alle gespeicherten Daten entfernen


Berechtigungen
Der Berechtigungsmanager von Android zeigt, welche Apps Zugriff auf persönliche Daten auf Ihrem Smartphone haben


Cloud

1


2


Privacy bei Google

Der Internetkonzern bietet 1 einen »Privatsphärecheck « auf seiner Seite sowie 2 Optionen zum Löschen der aufgezeichneten Daten

Der »Privatsphäre-Check« von Facebook enthält drei Assistenten, mit deren Hilfe Sie das soziale Netzwerk konfigurieren können


Immer mehr personenbezogene Daten liegen nicht mehr nur auf Geräten, die Sie selbst kontrollieren, sondern auch auf entfernten Servern im Internet, die sich Ihrem direkten Zugriff entziehen. Wir zeigen im Folgenden, wie Sie die Clouddienste von Google und Facebook so konfigurieren, dass sie weniger Daten über Sie sammeln dürfen.

Privacy-Einstellungen bei Google

Viele Anwender surfen mittlerweile mit einem Google-Konto im Hintergrund, weil sie einen oder mehrere der Dienste des Unternehmens nutzen, ein Android-Smartphone verwenden oder weil sie auf Chrome umgestiegen sind. Das Google-Konto erleichtert dem Unternehmen jedoch das Sammeln und Aggregieren Ihrer Daten. Seit dem vergangenen Jahr können Sie immerhin viele Daten nach einem bestimmten Zeitraum automatisch löschen lassen. Die Einstellungen hierzu finden Sie unter myaccount.google.com. Klicken Sie auf »Daten verwalten und Personalisierung« und starten Sie den »Privatsphärecheck«. Danach rufen Sie die »Aktivitätseinstellungen« auf. Hier können Sie nun die »Web- & App-Aktivitäten«, den »Standortverlauf« und den »Youtube-Verlauf« so einstellen, dass entweder die Aufzeichnung pausiert wird oder dass die Daten über Ihre Aktivitäten nach zum Beispiel drei Monaten gelöscht werden müssen. Auch Google Maps bietet diese Möglichkeit. Der Kartendienst soll demnächst außerdem eine Inkognito-Funktion erhalten. Bei unseren Recherchen war sie jedoch noch nicht aktiviert.

Privacy-Einstellungen bei Facebook

Datenschutz und Facebook ist eigentlich ein Widerspruch in sich. Das soziale Netzwerk lebt ja davon, dass die Nutzer ihre Daten und Erlebnisse miteinander teilen. Immerhin verfügt Facebook mittlerweile über drei Assistenten, mit denen Sie Ihre Datenschutzeinstellungen recht komfortabel überprüfen und anpassen können. Sie finden sie über das Fragezeichensymbol oben rechts und den Punkt »Privatsphäre-Check«.

Linux und macOS

Auch die Windows-Alternativen bewahren Kopien Ihrer Daten an versteckten Orten auf

Die Telemetrie unter Windows 10 bringt immer mehr Anwender dazu, über einen Systemwechsel nachzudenken. Aber auch Linux-Distributionen sind nicht gegen diesen Trend gefeit.

Nicht mehr benötigte Dateien unter Linux aufspüren

Unter Linux ist es sehr einfach, Ihre Daten aufzuspüren. Der Filesystem Hierarchy Standard (FHS) schreibt vor, dass private Daten und benutzerspezifische Konfigurationsdateien im Ordner »/home/<Benutzer>«. Wenn Sie Ihr System aufräumen wollen, führt der erste Weg also genau dorthin. Beim Löschen einer Datei mit einem grafischen Dateimanager wie Nautilus landen die Daten aber zunächst im Papierkorb. Dieser befindet sich im Ordner »~/.local/share/Trash/files«. Mit dem Terminalbefehl „sudo rm -rf ~/.local/share/Trash/*“ entfernen Sie den gesamten Inhalt Ihres Papierkorbs ohne weitere Rückfrage.

Linux aufräumen mit BleachBit

Das Reinigungsprogramm BleachBit steht auch für Linux zur Verfügung. Unter Ubuntu installieren Sie es über »Ubuntu-Software «, das Sie links im Dock finden. Klicken Sie dann auf die kleine Lupe oben und suchen Sie nach „Bleachbit“. Installieren Sie zunächst die Version ohne den Hinweis »as root«. Die Root- Variante benötigen Sie nur, falls es beim Löschen zu Fehlern aufgrund mangelnder Zugriffsrechte kommt. Wie bei der Windows- Version zeigt BleachBit zu jeder Funktion im rechten Feld Hinweise. Nachdem Sie sich für eine oder mehrere Optionen entschieden haben, klicken Sie auf »Vorschau«. BleachBit führt dann erst einen Testlauf durch. Wenn Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind, bestätigen Sie mit »Bereinigen | Löschen«.

Datensammlung unter Ubuntu beschränken

Ubuntu zeichnet mit einer Software namens Zeitgeist Aktivitäten der Benutzer auf. Zu den registrierten Ereignissen gehören geöffnete Dateien und besuchte Webseiten. Diese Daten werden dann anderen Anwendungen zur Verfügung gestellt. Vom Nutzwert des Dienstes – dass man Dateien leichter wiederfindet – ist noch wenig zu spüren, also kann man ihn mittels des Activity Log Managers abschalten. Öffnen Sie ein Terminalfenster und geben Sie „sudo apt-get install activity-log-manager“ ein. Starten Sie das Tool dann mit „activity-log-manager“. Auf dem Reiter »Files & Applications« können Sie Zeitgeist nun bei »Record file and application usage« komplett deaktivieren oder darunter nur einzelne Bereiche abschalten. Über das Plussymbol definieren Sie Ordner und Anwendungen, die Zeitgeist ebenfalls nicht überwachen darf. Unter »Diagnostics« können Sie darüber hinaus Telemetrieberichte an Canonical, den Hersteller von Ubuntu, deaktivieren. redaktion@chip.de

Das Open-Source-Tool BleachBit zum Aufräumen Ihres Systems steht neben Windows auch für Linux und macOS X zur Verfügung


Der Activity Log Manager bietet wichtige Datenschutzfunktionen für Ubuntu, um den Zeitgeistdienst und die Telemetrie zu steuern


Löschen ist nicht gleich löschen

Windows kennt mehrere Arten, um Dateien zu löschen. Standardmäßig landen gelöschte Daten zuerst im Papierkorb, aus dem sie sich leicht wiederherstellen lassen. Aber auch wenn sie von dort entfernt wurden, können sie in der Regel mit einem Spezialtool ohne größere Probleme wiederhergestellt werden. Das liegt daran, dass Windows nur den Eintrag auf die gelöschte Datei aus dem Dateiverzeichnis entfernt und den bisher durch sie genutzten Speicherplatz nun als überschreibbar einstuft. Die eigentlichen Daten befinden sich jedoch weiterhin auf dem Datenträger. Der freigegebene Platz wird erst überschrieben, wenn er für eine andere Datei benötigt wird. Das kann heute, morgen oder auch erst in einigen Wochen geschehen. In dieser Zeit kann ein Rettungstool wie Recuva die gelöschte Datei meist leicht wiederherstellen – außer Sie haben ein spezielles Löschwerkzeug wie Eraser (siehe nächste Seite) verwendet.

Professionelle Daten- und Festplattenvernichtung

Das mehrfache Überschreiben einer Festplatte ist nur eine Möglichkeit, um alle enthaltenen Daten sicher zu vernichten. Im Internet finden sich viele Anleitungen zu teils recht brachialen Methoden, Datenträger physisch so zu zerstören, dass eine Wiederherstellung unmöglich wird. Sie reichen vom Zertrümmern mit einem Vorschlaghammer über das Aufbohren bis zum Verbrennen. Dabei kann es jedoch zu Verletzungen und Vergiftungen kommen, wenn die Zerstörung nicht sachgerecht durchgeführt wird. Gesünder und umweltschonender ist es, auf die Dienste von Spezialfirmen zurückzugreifen. Diese verwenden effektive und zertifizierte Methoden, um alle Datenspuren zu zerstören. Sie reichen vom Entmagnetisieren über starkes Erhitzen bis hin zum Schreddern.
Während Unternehmen größere Bestände an Festplatten zu Preisen ab fünf bis sechs Euro pro Stück vernichten lassen können, verlangen die Anbieter bei Privatleuten aufgrund der geringeren Mengen für das Schreddern einer einzelnen Festplatte etwa 15 Euro. Die Berliner Firma HDDLab wirbt mit einer kostenlosen Vernichtung durch Entmagnetisieren. Anschließend schlachtet sie die Platten aus und nutzt sie zur Versorgung mit Ersatzteilen.

PC nutzen ganz ohne Spuren

Zur Privatsphäre gehört es, dass man am PC auch arbeiten kann, ohne dass irgendjemand anders davon Spuren vorfindet – seien es Mitbenutzer des PCs oder spätere eventuelle Käufer oder Erben. Mit herkömmlichen Systemen ist das nahezu unmöglich, weil aus Bequemlichkeits- und Performancegründen immer Dateien, Links, Tätigkeitsverläufe, Cache- und temporäre Dateien gespeichert werden. Im Netz hinterlässt man außerdem im Normalfall Spuren, weil der Traffic über Server des Internetanbieters läuft, der Ihre IP-Adresse Ihrer Person zuordnen kann. Verhindern können Sie das mit dem Livesystem Tails, das aus dem RAM läuft, keine Dateien auf dem PC speichert oder ändert, und das seinen Netzwerktraffic über das anonymisierte Tor-Netzwerk abwickelt. Sie laden es unter tails.boum.org herunter, installieren es mittels Etcher auf einen USB-Stick und booten davon – und schon surfen und arbeiten Sie genauso spurlos wie Whistleblower Edward Snowden.

Android-Handy aufräumen

Google bietet eine eigene App zum Aufräumen Ihres Smartphones an. Sie ist aber meist nicht vorinstalliert. Öffnen Sie deswegen den Play Store auf Ihrem Handy und suchen Sie nach „Files von Google“. Installieren und starten Sie die App. Sie überprüft Ihr Handy und bietet dann verschiedene Bereinigungsfunktionen an. So kann Files etwa auflisten, welche Apps Sie nicht mehr verwenden und wie viel Speicherplatz durch eine Deinstallation dieser Apps freigegeben werden kann. Über die Einstellungen der App kann außerdem der gespeicherte »Suchverlauf« vollständig gelöscht oder die Aufzeichnung zeitweilig »pausiert« werden.
Aktuelle Android-Versionen können darüber hinaus auch Ihre Fotos und Videos nach 60 Tagen automatisch von Ihrem Gerät entfernen. Die Funktion nennt sich »Intelligenter Speicher « und ist in den Einstellungen unter »Speicher« zu finden. Dort ist es auch möglich, gezielt etwa den Cache von YouTube zu leeren, was einigen Speicherplatz auf Ihrem Handy freigeben kann.

iPhone aufräumen

Auch iOS bietet mehrere Möglichkeiten, um Ihre Daten aufzuräumen und zu schützen. Öffnen Sie etwa »Einstellungen | Nachrichten | Nachrichten behalten«, um automatisch alle gesendeten SMS und iMessages nach 30 Tagen löschen zu lassen. Im Bereich »Datenschutz« können Sie zudem – ähnlich wie mit dem »Berechtigungsmanager« unter Android – festlegen, welche Apps auf welche Daten und Features auf Ihrem iPhone zugreifen dürfen. Gehen Sie die Liste Punkt für Punkt durch und erlauben Sie nur noch ausgewählten Apps einen Zugang zu persönlichen Daten. Ganz unten bei »Werbung« können Sie zudem das »Ad- Tracking beschränken« und Ihre Werbe-ID zurücksetzen. Aktuelle iOS-Versionen zeigen die Speicherbelegung in den Einstellungen unter »Allgemein | iPhone-Speicher«. Warten Sie einen kurzen Moment, bis Ihr Telefon die Ansicht aktualisiert hat. Hier können Sie »Apps auslagern«. Dabei wird aber nur die App in die Cloud verschoben, die von ihr auf dem Handy gespeicherten Daten bleiben erhalten.

Daten aus der Cloud entfernen: Bringen Sie viel Zeit mit

Ende 2018 hat Google einen Einblick gewährt, wie das Unternehmen Daten aus der Cloud löscht. Ihre bei dem Konzern gespeicherten Daten können nicht von heute auf morgen wieder gelöscht werden. Der ganze Prozess ist viel zeitaufwendiger, da Google die Daten zusammen mit mehrere Backups vorhält. Bis die letzte dieser Kopien gelöscht wurde, können bis zu sechs Monate vergehen.
> Phase 1 beginnt, wenn der Nutzer eine Löschanfrage für spezifische Daten oder seinen gesamten Account stellt, die Daten werden als zu löschend markiert.
> Phase 2 In der direkt darauf folgenden Phase 2 passiert erst einmal nicht viel. Sie dient als Puffer für den Fall, dass die Anfrage versehentlich gestellt wurde. Sie kann bis zu 30 Tage dauern.
> Phase 3 Erst danach folgt die erste echte Löschung. Betroffen sind hier alle aktiv von Google genutzten Server sowie die Backup-Systeme. Dabei verwendet Google unterschiedliche Methoden. Teils werden die Daten einfach überschrieben. Bei verschlüsselten Daten wird manchmal auch nur der Schlüssel gelöscht, sodass eine Wiederherstellung unmöglich ist.
> Phase 4 Wenn die Backups nach sechs Monaten ablaufen, vernichtet Google dann auch die letzten Sicherungen Ihrer Daten aktiv. Insgesamt geht also mehr als ein halbes Jahr ins Land.

macOS X aufräumen

macOS X legt ebenfalls eine fixe Verzeichnisstruktur an. Jeder auf einem Apple-Computer eingerichtete Nutzer bekommt ein eigenes Verzeichnis zugewiesen. In ihm finden sich weitere Ordner für etwa »Dokumente«, »Bilder« oder den »Schreibtisch«. Sie sind die erste Anlaufstelle, wenn Sie nicht mehr benötigte private Daten finden und löschen wollen. Daten, die Sie selbst entfernen, landen zuerst im »Papierkorb«. Nachdem sie auch dort gelöscht wurden, lassen sie sich mit geeigneten Werkzeugen jedoch wiederherstellen. Das sichere Überschreiben des freien Speicherplatzes hat Apple entfernt: Cupertino geht davon aus, dass die SSD (wie bei Standardinstallationen aktueller mac- OS-Versionen) verschlüsselt ist, sodass sich nach dem Zurücksetzen des Macs keine Dateien wiederherstellen lassen. Sie können BleachBit zum Aufräumen nutzen, dann in CCleaner für macOS die Funktion »Drive Wiper«, um ein Überschreiben zu erzwingen.


FOTOS: VELERI (WISCHER), FINAL09 (HG)/GETTY IMAGES COMPOSING: VERONIKA ZANGL