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TITELGESCHICHTE: Die traurige Wahrheit hinter dem Filmspaß


SUPERillu - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 17.01.2019
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Bildquelle: SUPERillu, Ausgabe 4/2019

Vor vier Jahren zog sich Hape Kerkeling aus dem TV-Geschäft zurück, meidet seitdem das Blitzlichtgewitter


Lache, wenn dir zum Weinen zumute ist. Kaum ein deutsches Kinoereignis bewegte in den vergangenen Jahren die Menschen so sehr wie die Verfilmung der Biografie von Hape Kerkeling, 54, die Tragikomödie „Der Junge muss an die frische Luft“. Seit Ende Dezember sahen mehr als 1,5 Millionen Zuschauer Julius Weckauf, 11, in der Rolle des jungen Komikers. Selbst Hape Kerkeling beeindruckt er durch seine Unbekümmertheit. Für den Nachwuchs-Schauspieler aus Jüchen (Nordrhein-Westfalen) ist die Rolle ein ...

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... Ritterschlag.

Hape Kerkeling sagt über ihn: „Er ist ein großes Talent, ich könnte mir dafür keinen Besseren wünschen.“ Ob in der Darstellung der „schwebenden Jungfrau“ oder am Esstisch mit Petersilie in den Ohren – Julius schafft es, die Zuschauer zum Lachen zu bringen. Dabei zeigt der Film eine schwierige Zeit aus Hape Kerkelings Leben, die ihn früh erwachsen werden ließ.

Wir befinden uns in den 70er-Jahren im Ruhrpott. Weil seine Mutter Margret an Depressionen leidet, versucht der kleine Hans-Peter, sie regelmäßig mit seinen Späßen zu erfreuen. Zunächst mit Erfolg. Doch nach einer missglückten Operation verliert Margret zuerst ihren Geschmacks- und Geruchssinn, später auch noch den Lebensmut. Während ihr Sohn vor dem Fernseher sitzt, nimmt die zweifache Mutter eine Überdosis Schlaftabletten. Als sie mit dem Tod ringt, liegt ihr Steppke neben ihr. Verzweifelt, hilflos. Eine Schlüsselszene im Film – aber auch in der Kindheit von Hape Kerkeling. „Es war das Schrecklichste, was mir in meinem Leben widerfahren ist. Das war traumatisch.“

Diese Geschichte verändert alles. Zunächst ist der echte Hape traurig, verzweifelt. Doch dann hilft er sich selbst. „Wenn die eigene Mutter stirbt, hat das zurückbleibende Kind nur zwei Möglichkeiten. Entweder es stirbt vor Trauer, Gram und Wut gleich mit, oder aber es wird zum unverbesserlichen Optimisten“, schreibt der Entertainer dazu in seiner Biografie. Er entscheidet sich für die zweite Variante.

Julius Weckauf spielt im Film u. a. mit Joachim Król, Luise Heyer (l.), Sönke Möhring (M.) und Ursula Werner (r.)


Seine Vergangenheit arbeitete der Schauspieler 2014 mit der Biografie „Der Junge muss an die frische Luft“ (Piper Verlag) auf


Die Fürsorge und Lebensfreude seiner geliebten Oma Bertha (gespielt von Ursula Werner, lesen Sie dazu auch Seite 78–80), die ihn nach dem Tod der Mutter aufzieht, geben Hape Halt. „Sie hat mir alle Steine aus dem Weg geräumt“, erinnert sich der TV-Star. Und sie schenkt ihm den Optimismus zurück, den er für seinen weiteren Weg braucht. Und der ihn ganz nach oben bringt.

Immer wieder erfand er sich in seinen Rollen ganz neu

Seinen ersten TV-Auftritt hat Hape mit 17 Jahren im „Talentschuppen“. In seiner eigenen Show „Kerkelings Kinderstunde“ gibt er später die Rolle des rothaarigen, vorlauten Hannilein zum Besten. Was ihn schon früh auszeichnet, ist seine Freude an Verkleidungen. Diese Wandelbarkeit ist seine größte Stärke. Ein Unterhaltungschef sagt einmal zu ihm: „Sie haben so ein Gesicht, mit dem können wir alles machen. Wir können daraus eine Oma schminken, ein Kind, einen General oder einen Punker.“ Das motiviert Hape. Es folgen legendäre Figuren wie die dralle Schlagersängerin Uschi Blum oder Herr Schwäbli. Ebenfalls unvergessen: wie er als holländische Königin Beatrix im Schloss Bellevue Einlass begehrte. Seinen Rollen – und sind sie noch so verrückt – haucht er reales Leben ein. Hape macht sich während seiner Fernseh-Karriere zu einer eigenen Marke.

Das gelingt ihm vielleicht auch, weil er nicht dem Erfolg hinterherhechelt, sondern alles auf sich zukommen lässt. „Man sollte immer seinem Herzen vertrauen“, sagt er später einmal. Und das tut der Komiker.

Doch seine Leidenschaft hat auch ihre Tücken. Ende der 90er ist der Moderator omnipräsent, er moderiert Preisverleihungen und Shows, wird selbst mit Auszeichnungen überhäuft. Das Hamsterrad dreht sich schneller und schneller. Bis Hape nicht mehr kann. Hörsturz, Gallenkolik, Burn-out! „Das hat mich zur Vernunft kommen lassen.“ Um wieder zu sich selbst zu finden, geht er auf den Jakobsweg, schreibt anschließend „Ich bin dann mal weg“ – das erfolgreichste Sachbuch der Nachkriegsgeschichte. Mehr als fünf Millionen Exemplare werden verkauft. Von seiner Reise nach Santiago de Compostela bringt Hape in seinem Kopf eine neue fiktive Figur mit: Horst Schlämmer.

Erst als sich Hape Kerkeling aus dem TV-Geschäft zurückzieht, schreibt er seine Biografie. Ein wichtiger Schritt der Verarbeitung. „Ich kann diese Geschichte, dadurch, dass sie jetzt zu einem Film und zu Kunst wird, endgültig ad acta legen.“ Ironie des Schicksals: Sein Vater Karl-Heinz, der in seiner Kindheit eine zentrale Rolle spielt, stirbt im April 2018 mit 90 Jahren. „Das war noch mal ein Einschnitt. Natürlich hab ich dieses Ereignis völlig anders erlebt als den frühen Tod meiner Mutter“, sagt der TV-Star in einem Interview. „Trotzdem fühlt es sich schon so an: Etwas ist endgültig vorbei. Ich bin Vollwaise, mit 54 Jahren.“

Mitte der 80er hat der Recklinghausener seinen Durchbruch als Schulkind „Hannilein“


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1993: die Fernsehsatire „Kein Pardon“ begeistert


Bis 2011 war der TV-Star mit Regisseur Angelo Colagrossi liiert


2007: Hape erhält die „Goldene Henne“ in der Sparte TV-Unterhaltung


Moderator: Mit Nazan Eckes 2006 in der TV-Show „Let’s Dance“


Horst Schlämmer prostet Steffi Graf bei einem Benefiz-Tennisturnier zu


Das Buch „Ich bin dann mal weg“ ist ein Bestseller


FOTOS: Agentur Focus/Thekla Ehling, People Picture, Julia Terjung (4), Piper Verlag

FOTOS: SUPERillu, imago (3), ddp images, API, RTL, Piper Verlag