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TITELSTORY


deadline - das Filmmagazin - epaper ⋅ Ausgabe 82/2020 vom 05.08.2020
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Regie: Marc Meyers / USA 2019 / 91 Min. Darsteller: Alexandra Daddario, Keean Johnson, Maddie Hasson, Amy Forsyth, Logan Miller, Austin Swift, Johnny Knoxville Freigabe: FSK 16 Vertrieb: Splendid Blu-ray: Ja Cut: Nein Start: 28.08.2020

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Mag man die 80er-Jahre, wenn man sich Familienfotos aus der Zeit ansieht, immer noch mit etwas Skepsis betrachten, im Genrekino hat das Jahrzehnt, seine Musik, seine Frisuren und seine Helden, schon seit langer Zeit Hochkonjunktur. Manche Werke, welche dieser Trend zutage fördert, können zwar bestenfalls als Nostalgie betrachtet werden, erinnern sie doch vielmehr an die vielen Sünden (nicht nur im Bereich Mode), die das Jahrzehnt mit sich brachte, doch hin und wieder trifft eine Geschichte den Nerv des Zuschauers, der mehr sieht als reine Nostalgie, Popmusik und Vokuhila.

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Serien wie STRANGER THINGS oder Filme wie SUMMER OF 1984 erzählen Geschichten von Figuren, deren behütetes Leben bedroht ist, nicht von einem Monster von außerhalb, sondern von einem, das zwischen ihnen lebt, das sich versteckt in jenen behüteten Vororten mit ihrem gepflegten Rasen und den weißen Gartenzäunen.

Neben der Popmusik um Nena, WHAM! und DURAN DURAN gab es aber noch eine starke Gegenkultur, die sich nicht nur in puncto Musik, sondern auch im Äußeren dieser Stilrichtung sowie in den Werten, für welche sie stand, unterschied: Metal. Schon immer sucht das konservative Establishment bei allem, was anders ist oder man nicht versteht, nach einem Haar in der Suppe, und im Falle von Heavy Metal konnte man ebenjene Beschuldigungen finden, die man heute gerne dem Internet oder Videospielen andichtet. »Potenziell gewaltverherrlichend«, »schädigend« und natürlich»unchristlich« waren nur einige der Labels, die man bisweilen heute noch zitiert. Ein besonders heftiger Vorwurf, den viele Bands auch bedienten, wie man spätestens seit Filmen wie Jonas Akerlunds LORDS OF CHAOS weiß, war der des Satanismus oder der Verführung dazu, der sich in teils findigen Verschwörungstheorien verlor. Den Bands und ganz besonders den Musikproduzenten konnte es nur recht sein, war doch selbst die Theorie, ein Lied würde eine satanische Botschaft enthalten, ein mehr als willkommenes Geschenk fürs Marketing.

Auch die drei Freundinnen in WE SUMMON THE DARKNESS, dem neuen Film von Marc Meyers (MY FRIEND DAHMER), sind Metalheads und haben schon so einige Konzerte besucht. Alexis (Alexandra Daddario, TEXAS CHAINSAW 3D, SAN ANDREAS) sowie Val (Maddie Hasson) und Beverly (Amy Forsyth) freuen sich schon seit Langem auf ein ganz besonders Konzert ihrer Lieblingsband »Soldiers of Satan«. Vor der Konzerthalle treffen sie auf drei junge Männer, ebenfalls Metalfans, mit denen sie nach dem Konzert beschließen, noch ein paar Drinks zu trinken und sich zu amüsieren.

Im luxuriösen Haus von Alexis‘ Vater angekommen, begibt sich die Gruppe, bewaffnet mit reichlich Bier, Schnaps und natürlich Musik, in den Garten des Hauses, wo sie die Nacht durchmachen wollen. Doch je länger der Abend dauert, desto mehr wird der Gruppe klar, dass einige von ihnen nicht die sind, die sie zu sein scheinen. Die Nachrichten von den satanistischen Ritualmorden an einigen Familien noch im Ohr, wird den Mädchen schnell klar, dass diese Nacht ihre letzte sein könnte.

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Verstand sich MY FRIEND DAHMER unter anderem als ein Porträt der 70er-Jahre in den USA, ist WE SUMMON THE DARKNESS stilistisch wie auch erzählerisch ganz dem Folgejahrzehnt gewidmet, wie es auch im Werbetext zum Film auf der Homepage des diesjährigen Fantasy Filmfests heißt. Stärker könnte der Kontrast nicht ausfallen, wenn Meyers eine Familie zeigt, bei der die Eltern durch Abwesenheit und konservativ-christliche Werte auffallen, während die Jugend ganz in Schwarz, mit Pentagrammen und umgedrehten Kreuzen behängt der Gegenkultur frönt. Für die im beschwörenden Tonfall vorgetragenen Prophezeiungen des TV-Predigers, ausgerechnet von Johnny Knoxville gespielt, einem Gespielen einer anderen Gegenkultur jenseits der 80er, haben die Mädchen nur ein müdes Lächeln übrig. Fast ein bisschen peinlich ist Alexis der offen zur Schau gestellte Wohlstand ihrer Familie, der zwar ihre Garderobe und ihren Musikgeschmack finanziert, aber ihre Einstellung etwas konterkariert.

Im Gegensatz zu Meyers‘ letztem Film definiert sich WE SUMMON THE DARKNESS zudem durch einen leichteren Tonfall. Gerade solche Dialoge, in denen die Mädchenbande von Make-up als Kriegsbemalung spricht und darüber, wie man das Unterbewusstsein eines Mannes durch Kleidung und Aussehen generell manipuliert, sind herrliche Eskapaden in die Obsession mit der Oberfläche, wie sie zum guten Ton einer 80er-Jahre-Satire gehören könnte. Doch dieser Ton ist nicht nur in den Trends jenes Jahrzehnts geerdet, sondern auch in den christlichen Werten der konservativen Elite, mit denen die Geschichte ebenfalls ironisch abrechnet, was schon allein durch das Auftreten des JACKASS-Frontmanns angedeutet wird, der hier als ihr Sprachrohr fungiert.

Schlussendlich ist WE SUMMON THE DARKNESS ein heiter-blutiger Trip in die 80er-Jahre, ihre Mode, ihre Musik und ihre bizarren Verschwörungstheorien, eine Mischung aus Okkulthorror und Home Invasion. Gut besetzt und im passenden Retro-Stil inszeniert, ist Marc Meyers‘ Geschichte mit Sicherheit ein Werk, welches gerade auf Festivals seine Anhänger finden wird und innerhalb der Welle von Filmen, welche die 80er zelebrieren, angenehm auffällt durch eine gesunde Portion Nostalgie, aber auch mit Themen, deren Echo bis in die heutige Zeit zu hören ist.

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EIN TRAUM AUS BLUT, SCHWEISS UND HEAvY METAL

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