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Titelstory: Das verborgene Potential der chinesischen Blockchain-Strategie – 5 ausgewählte Investment-Strategien


Kryptokompass - epaper ⋅ Ausgabe 12/2019 vom 05.12.2019
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Bildquelle: Kryptokompass, Ausgabe 12/2019

Bis in den Herbst 2017 hinein hat China starken Einfluss auf die Krypto-Kurse gehabt. Nirgendwo sonst wurde so viel Bitcoin gehandelt wie im Land der aufgehenden Sonne. Aussagen von chinesischen Politikern und Behörden wurden auf die Goldwaage gelegt. Regelmäßig wurden Bitcoin-Verbotsanstrengungen formuliert. Die Kurse brachen oftmals im zweistelligen Bereich ein. Im September 2017 entschied die chinesische Zentralbank dann final, Initial Coin Offerings einen Riegel vorzuschieben. Auch der Handel an Krypto-Börsen wurde untersagt und das Bitcoin Mining unter strengere Auflagen gestellt. Knapp 90 Prozent ...

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... des globalen Bitcoin-Handelsvolumens wurde bis dato in chinesischen Renminbi abgewickelt. Nach dem Verbot sank das Volumen auf unter 1 Prozent. Ab sofort war China aus dem Krypto-Handel ausgeschlossen. Im Nachhinein kann diesem Verbot nicht nur Schlechtes abgewonnen werden. Ohne das Einschreiten der chinesischen Behörden wäre die ICO-Blase deutlich extremer ausgefallen und unzählige Milliarden mehr in sinnlosen Kryptowährungs-Projekte verbrannt worden. Vor einigen Wochen, am 25. Oktober 2019, keimte wieder Hoffnung auf, dass sich China stärker der Krypto-Ökonomie öffnen werden. Der chinesische Staatspräsident Xi Jinping hatte an dem Tag die chinesische Blockchain-Strategie verkündet. Unmissverständlich machte er klar, dass die Blockchain-Technologie eine Schlüsselrolle für die Zukunft Chinas spielen werde. Zwar hatte er nichts von Kryptowährungen und Bitcoin gesagt, allerdings fand diese Ausdifferenzierung in der Öffentlichkeit nur bedingt statt. Viele Investoren haben in die Aussagen des chinesischen Staatschefs hineininterpretiert, dass sich dies auch positiv auf den Krypto-Sektor auswirken wird. Der Bitcoin-Kurs explodierte daraufhin so stark wie noch nie in seiner jüngeren Geschichte und legte innerhalb weniger Stunden über 30Prozent zu. Auch chinesische Börsenunternehmen mit Blockchain-Bezug schossen in ihrer Bewertung in die Höhe, im Schnitt über 10 Prozent. Insbesondere das chinesische Blockchain-Unternehmen Xun Lei (ISIN: US98419E1082) legte an der Nasdaq über 170 Prozent innerhalb weniger Tage zu. Inzwischen hat die chinesische Regierung betont, dass sie nach wie vor gegen nicht-staatliche Kryptowährungen ist und sich am Handelsverbot von Bitcoin und Co. vorerst nichts ändert. Der Boomerang ist zurückgekommen und das hat das gesamte Plus zunichte gemacht. Durch Statements im November hat die chinesische Regierung klar gemacht, dass Bitcoin und Co. in China nichts zu suchen haben. Kein Wunder, soll doch bald schon der digitale Renminbi, eine so genannte Central Bank Digital Currency (CBDC), von der Zentralbank herausgegeben werden. Umso wichtiger ist es der Regierung, eine klare Linie zu ziehen. Entsprechend stellt sich nun die Frage, was die Blockchain-Strategie wirklich für die Token-Ökonomie der Zukunft bedeutet. Wie China den Sektor in den nächsten Monaten und Jahren prägen wird und warum trotz der Anti-Bitcoin-Haltung China den Krypto-Markt auf Trab halten wird.

Deshalb setzt China massiv auf die Blockchain-Technologie - Die drei Säulen der Blockchain-Strategie

Im Gegensatz zur Berliner Blockchain-Szene geht es China nicht um Dezentralität, die vom Bürger ausgeht oder den Schutz der Privatsphäre beziehungsweise der eigenen Daten vorsieht. Die Blockchain-Technologie ist eine Infrastruktur, um die heimische Digitalwirtschaft auf ein neues Level zu heben und den internationalen Einfluss auf die Finanz- und vor allem Währungsmärkte auszudehnen. Die Förderung der Blockchain-Technologie ist dabei realpolitisches Kalkül, um im Wettbewerb mit den USA und Europa als klarer Sieger hervorzugehen. Die Blockchain-Strategie lässt sich dabei in drei Bereiche einteilen:

Digitale Ökonomie und Industrie

Im Bereich Big Data ist China bereits führend. Was fehlt, ist eine Infrastruktur, die eine maximal vernetzte Wirtschaft – die Smart Economy – ermöglicht. In diesem Kontext ist Blockchain nur Mittel zum Zweck, um künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge effizient umzusetzen und zu kontrollieren. Darunter fallen vorerst vor allem Anwendungen, die dem Bereich Supply Chain – Prozesse im Bereich der Logistik und Wertschöpfungskette – zuzurechnen sind. Diese Blockchain-Anwendungen bilden die 1. Säule der chinesischen Blockchain-Strategie.

Verwaltung

Die 2. Säule bildet die Verwaltung. China verfügt über 1,4 Milliarden Einwohner und hegt als Autokratie einen enormen Kontroll-beziehungsweise Überwachungsanspruch gegenüber seinen Bürgern. Die Digitalisierung von Akten und Dokumenten sowie die automatische Ausführung von staatlichen Dienstleistungen und Sanktionen kann enorm durch Blockchain-Infrastrukturen weiterentwickelt werden. Die vielen Daten, die in der Smart Economy zusammenlaufen, müssen auch vom Staat papierlos ausgewertet werden können. Genau wie Dubai, das bis 2021 über 50 Prozent aller Verwaltungstranskationen über eine Blockchain-Infrastruktur abwickeln möchte, ist davon auszugehen, dass China einen ähnlichen Ansatz verfolgt. Wie die genauen Blockchain-Anwendungen in der Verwaltung aussehen, ist bislang noch nicht bekannt.

Geld- und Währungspolitik

Aktuell ist der US-Dollar die globale Leitwährung. Dieser Status ist bekanntlich mit enormen Privilegien verbunden. Auch China möchte den Renminbi durch Expansion zur globalen Distribution verhelfen und als neuen Leitstandard im Währungssektor etablieren. Deshalb spielt der digitale Renminbi, der so weit kompatibel mit Blockchain-Infrastrukturen sein soll, eine wichtige strategische Rolle. Nicht nur um Machine-to-Machine-Zahlungen in der Smart Economy zu ermöglichen, sondern auch um Facebooks Libra etwas entgegenzusetzen und das eigene Zentralbankeninstrumentarium zu erweitern. Aufgrund des enormen Ausmaßes einer tokenisierten Zentralbankwährung, wird die Dimension des digitalen Renminbis im nächsten Schritt ausführlich erläutert.

Chinas digitaler Renminbi – Wie das Aufkommen der Central Bank Digital Currency die globale Finanzordnung auf den Kopf stellt

In einem Artikel der New York Times wurde der chinesische Zentralbanker Mu Changchun wie folgt zitiert:

„Wenn Libra von allen akzeptiert und zu einem weit verbreiteten Zahlungsmittel wird, dann ist es nach einiger Zeit durchaus möglich, dass es sich zu einer globalen, supersouveränen Währung entwickelt. Wir müssen vorausplanen, um unsere Währungssouveränität zu schützen.“

Diese Aussage legt nahe, was auch andere Berichte und Statements von Behördenvertretern bestätigen: China sieht in der vor allem US-amerikanisch geprägten Privatgeld-Initiative eine Konkurrenz. Insbesondere die Ankündigung, dass der Stable Coin der Libra Association in Entwicklungsländern zum Einsatz kommen soll, steht diametreal zu den chinesischen Interessen. So ist es gerade China, das mehr als die USA in Länder Afrikas und neuerdings auch Südamerika investiert. Entsprechend ist es im massiven geopolitischen Interesse, dem Stable Coin aus westlichen Fiatwährungen und Anleihen entgegen zu treten. Je nach Definition konkurrieren China und die USA um rund 2 bis 2,5 Milliarden Menschen, die als „unbanked“ eingeordnet werden können. Hier Finanz- und Währungsstandards zu setzen, wird maßgeblich den zukünftigen Einfluss als Weltmacht bestimmen. Auch das Jahrhundert-Infrastrukturprojekt der neuen Seidenstraße, das Chinas Position im Weltmarkhandel signifikant verbessert, steht vor dem Hintergrund, eine Reservewährung zu entwickeln, die als globale Alternative zum US-Dollar und Euro dient.

Ein weiterer Vorteil von digitalen Zentralbankwährungen ist, dass sie auch ohne die traditionelle Bankeninfrastruktur abgewickelt werden können. Gegenwärtig wird ein Großteil aller internationalen Finanztransaktionen über das SWIFT-System durchgeführt. Die SWIFT-Organisation ist in der Lage, Sanktionen zu verhängen und Länder vom Zahlungsverkehr weitestgehend auszuschließen. Die Datenzentren von SWIFT befinden sich in Europa und den USA, weshalb der Kritikpunkt existiert, dass wie im Falle der Iran-Sanktionierung kürzlich, der Westen besonders starken Einfluss hat. Fiat Token würden nun Ländern, die in einem angespannten Verhältnis zu den USA und Europa stehen, einen zumindest theoretisch neuen Grad an Unabhängigkeit von westlich dominierten Finanzinstitutionen ermöglichen.

Neben diesen vor allem realpolitischen Überlegungen existiert der Vorteil, dass digitale Zentralbankwährungen durch Smart Contracts einen höheren Grad an Automatisierung ermöglichen. Gegenwärtig mag dieser Aspekt noch keine große Beachtung finden. Spätestens, wenn in wenigen Jahren autonome Fahrzeuge und Drohnen unterwegs sind und Industrieunternehmen einen immer höheren Automatisierungsgrad erreichen, werden Machine-to-Machine-Zahlungen unumgänglich. Spätestens hier stößt unser gegenwärtiges Währungssystem an seine technischen Grenzen. Nicht zuletzt erweitert eine digitale Fiatwährung das Instrumentarium der Zentralbank. Sei es die Echtzeitüberwachung des Zahlungsverkehrs, das direkte Umsetzen geldpolitischer Maßnahmen oder eine theoretisch automatisierte Besteuerung.

Auch werden nun nicht mehr nur Banken, sondern damit auch Tech-Konzerne – insbesondere Alibaba, Tencent und JD.com – zum verlängerten Arm der Notenbank. Schließlich sorgen sie neben den Banken für die Distribution der digitalen Fiatwährung. Die Flexibilität und Widerstandsfähigkeit der chinesischen Volkswirtschaft nimmt damit zu, da man die Abhängigkeiten der Bankeninfrastruktur reduziert und gleichzeitig die Performanz des Geldsystems erhöht. Würde man dieses Beispiel auf Deutschland übertragen, würde das bedeuten, dass Dax-Konzerne wie die Telekom oder Deutsche Post aktiv in die Geldpolitik eingebunden werden.Es existiert kein offizielles Startdatum für die chinesische CBDC. Unterschiedliche Stimmen gehen aber von einer sehr zeitnahen Herausgabe in den nächsten 2 bis 3 Monaten aus.

Warum Chinas Blockchain-Ökonomie an Europa und USA vorbeizieht

Bereits heute ist uns China in puncto bargeldloser Bezahlung weit voraus. Über 90 Prozent aller Zahlungen werden über Alipay oder WeChat Pay abgewickelt. Die Transformation zur Token-Ökonomie ist also deutlich einfacher zu etablieren als beispielsweise im bargeldverliebten Deutschland. Vor allem aber liegt der Wettbewerbsvorteil in der zentralistischen Blockchain Policy der Kommunistischen Partei. Die Kommunistische Partei sitzt weiter an den Hebeln der Macht – Dezentralisierung findet nur auf Ebene der Datenerhebung statt. Die Einführung von flächendeckenden Standards kann in China daher eher ein Blockchain-Ökosystem entstehen lassen als beispielsweise in Europa. Eine besonders wichtige Rolle spielen dabei die bereits genannten Tech-Giganten wie Tencent und Alibaba. So arbeiten die Internet-Konzerne schon seit längerem an diversen Blockchain-Lösungen. Beispielsweise hat eine Tochter von Alibaba, Ant Financial, im November mit umfangreichen Tests für Enterprise-Blockchain-Anwendungen angefangen. Wie zu erwarten war, handelt es sich hierbei nicht um eine offene Blockchain-Infrastruktur. Chinesische Blockchain-Projekte haben oftmals nur sehr wenig mit dem Prinzip offener, dezentraler, genehmigungsfreier und zensurresistenter Blockchains zu tun. Das Missachten dieser ursprünglichen Eigenschaften, die eine Blockchain definieren, führen zu dem Vorteil, dass beispielsweise Skalierungsthemen oder komplexe Fragen der Governance leichter zu bewältigen sind. Gerade in dem Anfangsstadium, in dem wir uns bei der Blockchain-Technologie immer noch befinden, kann dies zu Wettbewerbsvorteilen gegenüber offeneren Systemen wie beispielsweise aus Europa führen. Entsprechend dürfte es chinesischen Blockchain-Protokollen leichter fallen, in Zukunft auf ein funktionierendes Krypto-Ökosystem zu stoßen. Selbst, wenn sich chinesische Blockchain-Protokolle nicht in Europa oder USA durchsetzen, kann das dem chinesischen Staat relativ gleich sein. Mit über 1,4 Milliarden Einwohnern kann es sehr gut eine Krypto-Ökonomie im eigenen Land schaffen. Gerade Utility Token, die bislang noch an einer mangelnden Token Economy und kommerziell sinnvollen Use Cases scheitern, haben dort größere Erfolgschancen – sofern sie politisch vom chinesischen Staat gewollt sind und in den nächsten Jahren wieder zugelassen werden. Der positive Nebeneffekt ist, dass Europa und USA von den Blockchain-Ambitionen unter Druck gesetzt werden. Der Vorstoß Chinas, die Blockchain-Strategie nach ganz oben auf die politische Agenda zu setzen, wird auch die Rahmenbedingungen in Europa und USA – tendenziell zum Positiven – beeinflussen. Die Wahrscheinlichkeit einen digitalen Euro, bessere Token-Standards und mehr Fördergelder für Blockchain-Projekte zu bekommen, nimmt dadurch jedenfalls zu.

So könnten Mining, Trading und Token Sales zukünftig in China reguliert werden

Niemand kann sicher sagen wie China in Zukunft den Handel von Kryptowährungen, das Mining von Kryptowährungen und digitale Börsengänge beziehungsweise Token-Wertpapieremissionen regulieren wird.

Bitcoin Mining

In der Bitcoin-Mining-Industrie ist China nach wie vor führend. Zwar wurde der Sektor kritisch von der Regierung begutachtet, ein Verbot gab es im September 2017 dennoch nicht. Dahinter kann durchaus das Kalkül stecken, dass China ein Interesse an einer geographischen Zentralisierung der Mining-Anlagen im eigenen Land hat. Ein Verbot@@würde nur zur Abwanderung führen und andere Regionen den wichtigen Teilaspekt der Verwaltung des Bitcoin-Netzwerkes überlassen. In letzter Instanz sichert sich somit der chinesische Staat einen Einfluss auf das Bitcoin-Netzwerk. Theoretisch wäre China – so unwahrscheinlich dieser Fall auch ist – dadurch viel eher in der Lage, auf Bitcoin einen Angriff in Form einer 51-Prozent-Attacke auszuüben. Um die wichtige Bitcoin-Infrastruktur im Land zu behalten, ist nicht davon auszugehen, dass China zukünftig zum Nachteil der Miner agiert.

Token Sales

Initial Coin Offerings (ICOs) sind in China nach wie vor verboten. Schließlich sind diese im Gegensatz zu den physischen Mining-Anlagen schwieriger zu kontrollieren. Auch haben ICOs zur wilden Spekulation unter Kleinanlegern geführt und damit finanziellen Schaden angerichtet. Die ICOs wie wir sie aus 2017 kennen, wird China auch in Zukunft sicherlich nicht erlauben. Nun sind ICOs, bei denen überwiegend Utility Token herausgegeben werden, nicht die einzige Möglichkeit, um Token zu emittieren. Sobald sich die Regierung sicher genug fühlt, in der Lage zu sein, Token Sales vollumfänglich regulieren zu können, wird es im Land unter strengen Auflagen auch wieder welche geben. Diese werden aber harte Verifizierungsauflagen haben und unter Umständen nur eingeschränkt mit anderen öffentlichen Token-Infrastrukturen kompatibel sein, um unerwünschte Transaktionen ins Ausland zu unterbinden. Auch ist es wahrscheinlicher, dass die besser regulierten Security Token Offerings (STOs), also Token-Wertpapiere, erlaubt werden. Zwar sind STOs aktuell genauso verboten wie ICOs, dennoch gab es hier von den staatsnahen Unternehmen vorsichtige Versuche, die in die Richtung eines Security Token gehen. So hat beispielsweise der E-Commerce-Gigant JD.com bereits 2018 gemeinsam mit der staatlichen Investmentbank Huatai Securities an einem Konzept für Security Token gearbeitet. Bevor es allerdings zu einem öffentlichen Handel kommt, wird der chinesische Staat vorerst seine eigenen Blockchain-Infrastrukturen – zum Beispiel staatliche Registerstellen für Token – aufbauen. Erst wenn hier ein ausreichendes Maß an Kontrolle gegeben sein wird, werden Token Sales durch ausgewählte Akteure in China vielleicht wieder erlaubt werden. Gegenwärtig ist es als unwahrscheinlich anzusehen, dass dies innerhalb der nächsten zwei Jahre – in einem öffentlichen Rahmen – geschieht.

Krypto-Trading

Die Chance, dass die chinesische Bevölkerung die Möglichkeit bekommt, ausgewählte Kryptowährungen an Börsen zu handeln, ist unter starken Einschränkungen in Zukunft denkbar. Auch hier gilt, dass die Regierung in der Lage sein muss, alle Transaktionen und handelnden Akteure zu tracken. Dass an staatlich regulierten Börsen, die sich an strenge Auflagen halten, in Zukunft ein Token-Handelssegment etabliert wird, ist durchaus denkbar. Ausgewählte Token könnten dann dort für alle Bürgerinnen und Bürger handelbar sein. Dass zu diesen Token in erster Reihe auch Bitcoin gehören wird, ist aber eher unwahrscheinlich. Größere Chancen auf eine Zulassung haben hier zentralisiertere Token-Projekte wie EOS oder Tron. Dies suggeriert unter anderem das Krypto-Rating, das regelmäßig vom chinesischen Wirtschaftsministerium herausgegeben wird.

So hat die Abteilung Center for Information and Industry Development (CCID) in ihrer letzten Ausgabe des Global Blockchain Technology Assessment Index vor allem zentralistische Token-Projekte positiv bewertet, während Bitcoin nur auf Platz 11 landet. Allerdings wird es voraussichtlich keine Wallet-Lösungen für die Krypto-Trader geben, bei denen der Nutzer im Besitz seiner Private Keys ist. Der chinesische Staat wird also auch hier in Zukunft sicherlich die Hand drüber halten. Wann dies der Fall sein kann, kann genau wie bei Token Sales nur geschätzt werden. Aber auch hier dürften die Chancen innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre nicht sonderlich hoch sein.

Was das für Investoren heißt und welche Investmentstrategien erfolgversprechend sind

Auch die Kommunistische Partei wird zukünftig Eingeständnisse im Token-Handel und der Distribution machen müssen, um vollumfänglich von der Innovation hinter der Blockchain-Technologie zu profitieren. Es besteht allerdings die Gefahr, dass sich ein paralleler Token-Markt entwickeln wird. Die politische Gangart Chinas ist bis auf Weiteres kaum mit der schwer kontrollierbaren Dezentralität vereinbar. Die Great Firewall of China könnte sich also genauso in der Blockchain-Ökonomie fortsetzen. Inwiefern es ausländischen Investoren dann möglich sein wird, an diesen neuen „China-Token“ zu partizipieren, steht noch in den Sternen.

So spannend die Fragen aus einem geopolitischen und sozioökonomischen Blickwinkel auch sein mögen, stellt sich abschließend die Frage, welche Implikationen die Blockchain-Ambitionen Chinas für Krypto-Investoren und die Kurse am Krypto-Markt haben. Welche Chancen sich sowohl für kurzfristig orientierte Spekulanten als auch Anleger mit einem langen Horizont ergeben.

Investmentstrategie Nr.1

• Marktzugang – Ausländische Investoren haben oft nur eingeschränkten Zugang zu chinesischen Investmentmöglichkeiten. Die Sonderverwaltungszonen Hong Kong und Singapur können westlichen Investoren eine Möglichkeit bieten, um an traditionellen Finanzanlagen aus China partizipieren zu können. Deutlich einfacher gestaltet sich der Erwerb von öffentlich gehandelten Token an Krypto-Börsen. Hier gibt es keine geographischen Beschränkungen. Ein chinesischer geprägter Tron, NEO oder Ontology Token kann genauso einfach erworben werden wie Bitcoin oder sonst eine Kryptowährung oder Token.

• Politische Risiken – Investoren sind noch stärker als in Europa und den USA von dem Wohlwollen der Regierung abhängig. Sollte ein chinesisches Token-Projekt wie beispielsweise NEO der chinesischen Staatsführung missfallen, dann kann diese ihnen das Leben sehr schwer machen. Schließlich sind gerade die chinesischen Projekte ziemlich zentralisiert und verfügen im Gegensatz zu Bitcoin eben nicht über einen ausreichenden dezentralen Schutz vor staatlichen Eingriffen.

• Politische Chancen – Umgekehrt kann das Wohlwollen der chinesischen Führung zur massiven Förderung der Blockchain-Anwendungen oder -Protokolle führen. Investoren sollten daher einen Blick auf die regelmäßig veröffentlichten Krypto-Ratings – siehe Blockchain Technology Assessment Index oben – haben. Hieraus kann eine erste Krypto-Investment-Strategie für Investoren, die vom chinesischen Einfluss profitieren möchten, abgeleitet werden.

Auf Grundlage des Blockchain Technology Assessment Index können sich Investoren einen Korb aus den großen (zum Teil chinesischen) Blockchain-Protokollen bzw. ihrer Kryptowährungen zusammenstellen. Auch können hier individuelle Gewichtungen vorgenommen werden, je nach Platzierung im Index.

Investmentstrategie Nr.2

Chinas Tech-Giganten – Die großen chinesischen Tech-Unternehmen wie Tencent, Alibaba, JD.com, Baidu oder Huawei sind maßgeblich in der Blockchain-Strategie der chinesischen Regierung beteiligt. Diese wirken nicht nur beim digitalen Renminbi als verlängerter Arm der Notenbank, sondern können maßgeblichen Einfluss auf die Krypto-Adaption nehmen. Blockchain-Projekte, die unter dem Dach von diesen Unternehmen entstehen, bieten ein hohes Potential auf kommerziellen Erfolg, da von Anfang an eine breite Nutzerbasis für die Blockchain-Anwendungen vorhanden ist. Neben den einzelnen Token-Projekten, die hier zukünftig entstehen könnten, können Investoren bereits heute in das chinesische Blockchain-Ökosystem investieren, nicht via Kryptowährungen, sondern via Aktien.

Die genannten Tech-Giganten sind klassisch als Aktien an allen großen Börsen zu handeln. Da diese maßgeblich am Entstehen des chinesischen Blockchain-Ökosystems beteiligt sind und folglich auch davon profitieren, bieten sich diese als Investment an. Sie können bequem via ISIN ins Wertpapierdepot gebucht werden oder in Form von Investmentfonds (z.B. BlackRock China Fund), in denen diese berücksichtigt sind, erworben werden.

Investmentstrategie Nr.3

Nachrichtenlage – China steht mehr als jedes andere Land für die Phänomene FOMO und FUD, sprich Kauf- oder Verkaufspanik. Die intransparenten Newsquellen und vielen Gerüchte, die nach Westen überschwappen, können schnell für große Verunsicherung bei den Krypto-Tradern sorgen. Für Trader, die gerne Wellen von Markthysterie handeln, bieten News oder Gerüchte aus China eine perfekte Grundlage. Ebenjene Informationen aus dem Land der aufgehenden Sonne bekommen durch die verkündete Blockchain-Strategie der chinesischen Regierung wieder mehr Gewicht an den Märkten zugesprochen.

Wer auf Spekulations- beziehungsweise Gerüchtewelle aus China setzten möchte, der sollte bei Twitter entsprechenden Influencern folgen, die einen Bezug zum Land haben. Beispielsweise war der Binance CEO Changpeng Zhao einer der ersten, der über die Blockchain-Strategie getwittert hatte und den Zusammenhang zwischen steigenden Kursen und News hergestellt hat. FOMO und FUD aus China schlägt an den globalen Krypto-Börsen hohe Wellen, sodass sich für Trader attraktive Chancen zur Spekulation bieten können.

Investmentstrategie Nr.4

Wagniskapitalgesellschaften – Üblicherweise finanzieren sich Start-ups durch Wagniskapitalgesellschaften, so genannte Venture-Capital-Firmen (VCs). Sowohl große etablierte VCs als auch auf Krypto-Start-ups spezialisierte VCs sorgen auch nach dem ICO-Boom dafür, dass noch Geld in die Blockchain-Start-ups fließt. Deren Ansprüche an Krypto-Start-ups haben sich seit 2017 deutlich erhöht. Es ist also durchaus ein Qualitätsmerkmal, wenn es Krypto-Start-ups schaffen, von den namhaften VCs Kapital einzusammeln. Sofern es auch für Privatanleger Möglichkeiten gibt, zu investieren (etwa durch einen späteren Token Sale), können sich hier attraktive Chancen ergeben. Insbesondere asiatische VCs verfügen dabei über deutlich mehr Kapital als die kleineren europäischen Pendants.

Wenn China durch seine Blockchain-Offensive mehr in die Krypto-Ökonomie investieren möchte, dann wird dieses Kapital vor allem durch chinesische VCs bereitgestellt werden. Entsprechend können sich Investoren an den Investments orientieren, die entsprechende VCs tätigen. Bekannte Krypto-VCs aus Asien sind unter anderem: Fenbushi Capital, JRR Crypto oder NEO Global Capital. Ein Blick in deren Portfolio kann sich also durchaus lohnen, wenn man davon ausgeht, dass wieder mehr Kapital aus Asien in die jeweiligen Krypto-Projekte sowie Token auf der ganzen Welt fließt und damit deren Zukunftsaussichten aufhellt.

Investmentstrategie Nr.5

Kooperationen – Damit Blockchain-Lösungen und Token den Weg in die kommerzielle Adaption finden, braucht es oftmals Kooperationen mit etablierten Unternehmen. Insbesondere Krypto-Projekte aus China, die Aufgrund der China-Restriktionen im Ausland sitzen, sind besonders darauf erpicht, namhafte Kooperationen einzugehen. Schließlich müssen chinesische Projekte, die zu einem großen Teil im Ausland operieren, das Vertrauen der nicht-chinesischen Bevölkerung gewinnen. Investoren sollten dabei nicht nur auf die Namen der Kooperationspartner schauen, sondern vor allem auch auf die Tiefe der Kooperation. Gerade Krypto-Unternehmen, ganz gleich, wo sie auf der Welt sitzen, neigen dazu, irrelevante Kooperationen mit bekannten Marken als großen Erfolg zu kommunizieren.

Investoren sollten immer nach Referenzen und Kooperationen der jeweiligen Krypto-Projekte Ausschau haten. Dabei gilt es zu recherchieren, worum es in der Kooperation effektiv geht und wie sie sich auf die Geschäftstätigkeit des Projektes auswirkt. Als konkretes Beispiel kann hier das Krypto-Projekt VeChain genommen werden. Das Unternehmen mit chinesischen Wurzeln bietet auch Blockchain-Lösungen ohne den Einsatz der VeChain Token (VET) in China an. Chinesische Tee-Produzenten können so mit der Erlaubnis der Gemeinderegierung Shuangjiang das Produkt vom Krypto-Unternehmen VeChain nutzen. Durch diese kommerzielle Adaption können sogar Token-freie Projekte auf chinesischem Boden indirekt das Wertversprechen des zugrunde liegenden Token beeinflussen. Historisch konnte der VET-Kurs immer wieder durch die Bekanntgabe zahlreicher Kooperationen respektive Großkundengewinnung steigen.