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TITELSTORY: DER FINANZMARKT IM FEGEFEUER


Kryptokompass - epaper ⋅ Ausgabe 10/2020 vom 05.10.2020

ZEIT FÜR PLAN B(ITCOIN)?

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Bildquelle: Kryptokompass, Ausgabe 10/2020

Nach dem Corona-Börsencrash im März scheint sich der Sturm gelegt zu haben. Die V-Erholung an den Börsen ist geglückt, wenn auch nicht in der Realwirtschaft. Die Rettungspakte von Staaten und Notenbanken schaffen vorerst Ruhe. Dass diese Ruhe und wirtschaftliche Stabilität noch lange anhalten, wird immer stärker in Frage gestellt. Wie schlimm es wirklich unter der Oberfläche aussieht, lässt sich nur schwer abschätzen. Schließlich greifen die fundamentalen Marktkräfte immer weniger, da unter anderem Insolvenzen von Unternehmen ausgesetzt und Kredite in den Bilanzen der Banken ...

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... beziehungsweise Gläubiger nicht abgeschrieben werden. Entsprechend groß ist die Verunsicherung unter den Anlegern. Die Vermögensrettung steht über der Vermögensvermehrung. Als Magazin, das seinen Fokus auf digitale Assets legt, schlagen wir daher die Brücke zwischen traditionellem und Krypto-Finanzmarkt. Welche Anlagestrategien sich in diesem besonderen makroökonomischen Umfeld ableiten lassen und wie man mit Hilfe der Token-Ökonomie sein Portfolio absichert, w ird auf den nachfolgenden Seiten erklärt.

QUO VADIS WELTWIRTSCHAFT – DIESE RISIKEN DROHEN UNS NOCH

Dass es auch schon vor dem Corona-Ausbruch ernsthafte wirtschaftliche Probleme gab, die durch eine Nullzinspolitik verdeckt worden sind, ist kein Geheimwissen. Durch den Corona-Lockdown und seine Folgen wird nun allerdings das Fass zum Überlaufen gebracht. Die ohnehin schon hohe Verschuldung explodiert. Zinserhöhungen rücken damit in noch weitere Ferne, um nicht die Schuldentragfähigkeit von Staaten und Unternehmen weiter zu gefährden. Die Arbeitslosenquote ist in den USA auf historischem Höchststand und nur massive staatliche Interventionen in Europa, wie unter anderem Direkthilfen, verlängertes Kurzarbeitergeld sowie Aussetzung der Insolvenzpflicht, halten einen rapiden Anstieg der Arbeitslosenzahlen noch zurück. Vor allem aber ist das wichtigste Schmiermittel der Wirtschaft am Boden: Vertrauen. Die Unsicherheit über die zukünftige Zahlungsfähigkeit drückt auf die Investitions- und Kooperationsbereitschaft. Auch Banken können die niedrigen Zinsen nicht mehr an ihre Kunden weitergeben, da sie höhere Ausfallrisiken berücksichtigen müssen.

Über die ökonomischen Konsequenzen und Interdependenzen lassen sich ellenlange Berichte oder Bücher schreiben. Um schnell zu dem Thema Geldanlage zu gelangen, haben wir die prägnantesten Risiken aufgeführt, auf deren Grundlage wiederum investive Entscheidungen getroffen werden können.

1. KREDITAUSFÄLLE UND BANKENKRISE

Viele Branchen wie unter anderem Fluggesellschaften, das Tourismusgewerbe oder die Automobilindustrie sind schwer von dem Corona-Lockdown getroffen worden. Insbesondere Unternehmen mit wenig Rücklagen und einem bereits angeschlagenen Geschäft laufen Gefahr Insolvenz anmelden zu müssen. Da vorerst eine teilweise Aussetzung der Insolvenzantragspflicht von der Politik beschlossen und staatliche Hilfen zugeteilt wurden, droht eine Insolvenzwelle, sobald diese wieder in Kraft tritt und die Hilfsmaßnahmen beendet werden. Dies gilt nicht nur für überschuldete Unternehmen, sondern auch Privathaushalte, die bedingt durch die negative Arbeitsmarktentwicklung Schwierigkeiten bei der Rückzahlung ihrer Kredite bekommen dürften. Als Konsequenz dieser Entwicklung könnten Bankinstitute stärker unter Druck geraten, wenn die Kreditausfälle überhandnehmen und das Eigenkapital dahinschmilzt. Die Wahrscheinlichkeit, dass einzelne Bankinstitute auf staatliche Hilfen zurückgreifen müssen nimmt damit zu.

2. STAGFLATION

Um die Märkte zu stabilisieren, haben die großen Notenbanken wie EZB oder Fed ihre Aufkaufprogramme massiv erhöht. Die Qualität der Staats- und Unternehmensanleihen nimmt gleichzeitig immer weiter ab. Folglich erhöht sich dadurch das Inflationsrisiko, da die hinterlegten Vermögenswerte eine tendenziell immer geringere Werthaltigkeit aufweisen und damit vereinfacht gesagt den Wert des frischen Geldes reduzieren. Zudem gelangt durch Direkthilfen, wie beispielsweise durch das Helikoptergeld in den USA, viel Geld in die Realwirtschaft. Anstatt einer bisherigen Asset-Inflation wie nach der Finanzkrise 2008 droht daher zunehmend auch eine „offizielle“ Inflation gemäß Notenbank, die auch die realwirtschaftliche Kaufkraft schmälern könnte. Gleichzeitig verhindern ein hoher Überschuldungsgrad und steigende Arbeitslosenzahlen ein hohes Wirtschaftswachstum. Die Gefahr einer Stagflation, ergo Inflation ohne korrespondierendes Wirtschaftswachstum, nimmt damit merklich zu.

GELDMENGENWACHSTUM (M3) US-DOLLAR

GELDMENGENWACHSTUM (M3) EUROZONE

3. ARBEITSLOSENQUOTE, SOZIALKOSTEN UND NACHTEILIGE DEMOGRAPHIE

Um für gesellschaftliche Stabilität zu sorgen, müssen Billionen US-Dollar und Euro an Hilfszahlungen ausgegeben werden. Sei es das Kurzarbeitergeld in Deutschland oder die „Corona-Schecks“ in den USA. Bei explodierenden Sozialkosten brechen gleichzeitig aber auch die Steuereinnahmen weg. Dies treibt nicht nur die Verschuldung in die Höhe, sondern wirkt sich auch im Konsum der Privathaushalte aus, die weniger Geld zum Ausgeben haben. Folglich wird eine gefährliche Abwärtsspirale in Gang gesetzt, die alle volkswirtschaftlichen Akteure trifft. Erschwerend kommt eine negative demographische Entwicklung in den Industrienationen hinzu. Durch die zunehmende Veralterung der Gesellschaft werden die Renten- und Gesundheitskassen immer stärker belastet, was ebenfalls auf die Wachstumsaussichten drückt.

4. POLITISCHE RISIKEN

Regierungen müssen sicherstellen, dass sie die Kontrolle über die Bevölkerung behalten, auch wenn unliebsame Maßnahmen, wie zum Beispiel Kürzung der Sozialleistungen, durchgeführt werden. Insbesondere in den USA sind die aktuellen Proteste sowie die Verunsicherung durch die US-Wahl dieses Jahres mit Sorge zu betrachten. Aber auch in Europa können Brexit sowie wachsende Spannungen zwischen den EU-Ländern bei Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der Corona-Wirtschaftsmaßnahmen wirtschaftspolitische Risiken verstärken. Gleichzeitig begünstigen wirtschaftliche Probleme die politischen Ränder, sodass die Gefahr besteht, dass sich Teile der Gesellschaft radikalisieren. Die Gefahr von finanzieller Repression erhöht sich ebenfalls, damit Staaten ihren Verbindlichkeiten nachkommen können. In Extremfällen kann dies zu Sondersteuern oder Kapitalverkehrskontrollen führen.

WELCHE HANDLUNGSOPTIONEN SIND REALISTISCH

Vor diesem Hintergrund muss man sich fragen, was die wahrscheinlichsten Wirtschaftsszenarien sind. Je nachdem für welches Szenario man die höchste Eintrittswahrscheinlichkeit erwartet, sollte man sein Portfolio aufstellen.

Best-Case-Szenario (hohes Wirtschaftswachstum / mittlere Inflation)
Wie die USA und Großbritannien nach dem zweiten Weltkrieg, schafft man es die Schulden durch hohes Wirtschaftswachstum und höhere Inflation wie vor allem in den 60er und 70er Jahren in den Griff zu bekommen. Auch damals waren die Schulden auf einem vergleichbaren Niveau. Erfolgreich konnte so die USA ihre Verschuldung von über 120 Prozent auf unter 30 Prozent drücken. Allerdings deutet das schwache Wirtschaftswachstum der letzten Jahre und die negative demographische Entwicklung mit all ihren Nebenwirkungen darauf hin, dass dieses Szenario eher unwahrscheinlich ist. Darüber hinaus löst die Digitalisierung einen massiven Strukturwandel aus, der viele Arbeitsplätze in den nächsten Jahren gefährden wird. Selbst, wenn dieses kleine Wirtschaftswunder eintreten sollte, wären Geldwerte von Inflation betroffen, was viele Anleihen oder klassische Sparformen unattraktiv macht.

Investment-Schlussfolgerung:
In einem solchen Szenario sind Aktien und zyklische Werte die klaren Gewinner. Aber auch Immobilien kommen nicht schlecht weg, da diese die Inflation in Teilen gut kompensieren können. Rohstoffe steigen ebenfalls, da der Verbrauch weiter zunimmt. Gold und Bitcoin sind zwar gut, um Inflation aufzufangen, allerdings im Vergleich zu Aktien aus Renditesicht vergleichsweise unattraktiv.

Mittleres Szenario – Japanifizierung (kaum Wirtschaftswachstum / kaum Inflation)
Hohes Wirtschaftswachstum aber auch hohe Inflation bleiben aus, da selbst eine inflationäre Geldpolitik nicht gegen die realwirtschaftlich deflationären Rahmenbedingungen ankommt. Ein solches Szenario wird gerne als Japanifizierung bezeichnet. Schließlich hat keine andere Nation so hohe Schulden wie Japan (knapp 240 Prozent von BIP) und schafft es, sich auf einem hohen wirtschaftlichen Leistungsniveau zu halten. Hierbei wird zwar nicht das Problem gelöst, aber man kann sehr viele Jahre „einfach so weiter machen“. Dass sich die USA, Europa und eben auch Japan für diesen Weg entscheiden, ist nicht unwahrscheinlich. Dies setzt allerdings voraus, dass sich die aktuelle Situation nicht signifikant verschlechtert. Darüber hinaus wären Zinserhöhungen für die nächsten Jahre, gar Jahrzehnte, vom Tisch. Da sich kaum noch nicht-staatliche-Akteure finden würden, die die Staatsanleihen aufkaufen, müssten die Notenbanken ihre Bilanzen weiter massiv aufblähen.

Investment-Schlussfolgerung:
Fehlendes Wachstum lässt die großen Aktienindizes auf der Stelle treten. Selektives Vorgehen, im Sinne von Stockpicking, kann trotzdem sehr erfolgreich sein. Anleihen sind aus Renditegesichtspunkten, außer für aktive Trader, zu meiden und dienen höchstens zur Liquiditätssicherung. Immobilien können die Geldentwertung einigermaßen kompensieren. Rohstoffe bleiben auf niedrigem Niveau, wohingegen Bitcoin und Gold durch die Geldmengenausweitung profitieren.

Worst-Szenario (ausbleibendes Wirtschaftswachstum / hohe Inflation)
Dieses Szenario entspricht einer Stagflation. Die Staaten bekommen die Krise und Schulden nicht in den Griff, es kommt zu einem starken Wirtschaftseinbruch und gleichzeitig trifft eine immer größere Geldmenge auf ein immer geringeres oder ein gleichbleibendes Angebot. Die Preise steigen, aber nicht die Löhne, da die Produktivität auf der Strecke bleibt.

Investment-Schlussfolgerung:
Bei einem heftigen Wirtschaftsabschwung kommen alle Vermögensklassen unter die Räder, kurzfristig sogar auch Gold und Bitcoin. Während hingegen im Anschluss an die hohe Inflation Gold und Bitcoin die Kaufkraft erhalten und deutlich steigen, verlieren Anleihen praktisch ihren gesamten Wert. Unter Umständen kann es in Teilen auch zu einem Schuldenschnitt kommen. Durch den Konsumeinbruch fallen Rohstoffe ebenfalls stark. Immobilien und solide Aktienunternehmen können nach dem massiven Einbruch allerdings die Geldentwertung wieder auffangen. Anti-zyklische Branchen sind weniger stark betroffen, zum Beispiel Lebensmittel, Pharma und Rüstung. Allerdings stellt sich die Frage, welche Aktien eine solche Phase überstehen, wie tief sie fallen und ob nicht Immobilien mit einer Sondersteuer belegt werden, um die Inflationsgewinner (Schuldner) am wirtschaftlichen Wiederaufbau zu beteiligen.

IM FOKUS: DIE DEKADE VON GOLD UND BITCOIN

Auch wenn niemand in die Zukunft schauen kann, spricht doch sehr vieles dafür, dass Bitcoin und Gold stärker denn je in jedes Portfolio gehören. Schließlich ist eine Geldentwertung, ganz gleich welches Szenario eintritt, praktisch unumgänglich. Das begrenzte Angebot von Bitcoin (21 Millionen) und Gold (endlicher Rohstoff) machen die beiden Wertspeicher zu einer guten Portfolio-Absicherung. Auch wenn gerade konservative und ältere Anleger eher zu Gold, anstatt zu Bitcoin greifen, ändert sich immer stärker der Status des digitalen Goldes. Wie bereits der Ökonom Taimur Baig von der größten Bank Südostasiens, der DBS Bank, geäußert hat, unterliegt die Wahrnehmung von Bitcoin einem Vor- und einem Nach-Corona-Image. Wurde Bitcoin bislang eher als spekulative Anlage unter den meisten Investoren wahrgenommen, ändert sich allmählich dieser Eindruck. Aufgrund der extremen Notenbankmaßnahmen erhöht sich der Druck verstärkt in antizyklische Werte zu gehen.

Insbesondere die Knappheit von Bitcoin als Anti-These zum Euro oder US-Dollar, lässt diesen immer mehr wie eine Portfolioabsicherung denn als Spekulation wirken. Entsprechend entstehen mehr und mehr Finanzprodukte, die auch im regulierten Sektor eine Bitcoin-Verbriefung ermöglichen. So sind in den letzten Jahren diverse ETPs, Zertifikate und AIFs mit Basiswert Bitcoin entstanden. Dies spricht nicht nur für eine steigende Nachfrage bei Kleinanlegern, sondern auch von institutionellen Investoren. Ein sicherlich extremes Beispiel ist die Reaktion des NASDAQ-Konzerns Microstrategy, der bekanntgegeben hat, 250 Millionen US-Dollar seiner Rücklagen in Bitcoin zu stecken. Das Vertrauen in den US-Dollar sei nicht mehr ausreichend gegeben, so der CEO Michael J. Saylor. Sollten weitere große Unternehmen zu der Einschätzung gelangen, ihre Rücklagen verstärkt in Gold und Bitcoin anzulegen, dann hätte dies einen sehr positiven Einfluss auf deren Kurs. Insbesondere die herrschenden Negativzinsen könnten eine immer stärkere Abkehr von Bankguthaben als Reserve zur Folge haben.

Wenn auch nicht bei Bitcoin, so kommt bei Gold hinzu, dass die Notenbanken seit vielen Jahren deutlich mehr Gold kaufen als verkaufen. Gerade in den letzten Jahren haben viele der großen Notenbanken Rekordzukäufe getätigt. Man kann davon ausgehen, dass die Notenbanker sehr gut wissen, was sie da tun. So schlecht Gold die letzte Dekade performt hat und man sein Geld genauso gut auf dem Sparbuch hätte liegen lassen können, deuten die hohen Gold-Zukäufe, insbesondere von professionellen Investoren, darauf hin, dass das Edelmetall nicht die schlechteste Wahl für das Portfolio ist. Sogar Gold-Gegner Warren Buffett, der sich gerne über die Nutzlosigkeit von Gold lustig macht ist nun mit seiner Gesellschaft Berkshire Hathaway in Gold eingestiegen.


„Gold wird aus dem Boden in Afrika oder irgendwo sonst in der Welt ausgegraben. Dann schmelzen wir es ein, graben ein anderes Loch, verstecken das Gold wieder darin und bezahlen dann Menschen, um darum herumzustehen und es zu bewachen. Gold ist einfach unnütz. Wenn Marsmenschen das sähen, würden sie sich am Kopf kratzen.“


Zitat Warren Buffett

Während er sich von Bankaktien wie Goldman Sachs verabschiedet hat, erwarb er Aktien von Barrick Gold, dem größten Goldförderunternehmen der Welt.

VORTEILE VON BITCOIN GEGENÜBER GOLD

Auch wenn Gold und Bitcoin gleichermaßen als knappe Güter, Wertspeicher und Anti-These zu Fiatwährungen fungieren, existieren dennoch Unterschiede. Entsprechend sollten beide Assets in jedem Portfolio berücksichtigt werden. Während sich beispielsweise Gold im Gegensatz zum 11 Jahre alten Bitcoin schon seit Jahrtausenden etabliert hat und über eine starke kulturelle Etablierung verfügt, kann Bitcoin in anderen Bereichen punkten. Es geht nicht um ein besser oder schlechter zwischen Gold und Bitcoin, da beide Assets ihre ganz eigene Berechtigung besitzen, sondern um ein Bewusstwerden der jeweiligen Stärken. Da wir hier einen klaren Fokus auf Bitcoin setzen, sind nachfolgend die wichtigsten Vorteile aufgelistet:

• Gemäß des Stock-to-Flow-Verhältnis ist Bitcoin ein noch knapperes Gut als Gold
• Die Emissionsrate sowie das Angebot lassen sich exakt benennen
• Da es keine physische Existenz gibt, kann Bitcoin sehr leicht international transferiert werden
• Verwahrkosten sind tendenziell geringer; sehr einfach und jederzeit zu verkaufen
• Da komplett dezentral, kann kein Staat Bitcoin einfach ausschalten. Ein Goldverbot wäre beispielsweise leichter umzusetzen als ein Bitcoin-Verbot. Auch wäre die Umgehung von Kapitalverkehrskontrollen oder staatlicher Repression mit Bitcoin einfacher
• Bessere Ersatzwährung im Krisenfall als Gold, da keine physischen Begrenzungen vorliegen respektive einfach teilbar ist. Aktuell sind 100 Satoshi (die kleinste Einheit von Bitcoin) gerade einmal 1 Cent wert. Im Gegensatz zu Gold lassen sich so auch Einkäufe des täglichen Bedarfs bezahlen
• Unter portfoliotheoretischen Gesichtspunkten attraktiv, da Bitcoin, zumindest noch, nur sehr geringe Korrelation zu traditionellen Assets aufweist
• Kursfantasie ist größer als bei Gold, da noch nicht etabliert, sodass hier größere Nachholeffekte möglich sind

STREITTHEMA KORRELATION: WIE SEHR GEHEN GOLD UND BITCOIN WIRKLICH HAND IN HAND

Ein Thema, das kontrovers diskutiert wird, ist die Korrelation zwischen Gold und Bitcoin. Unter der Annahme, dass beide als sichere Häfen ähnlich auf das Börsengeschehen reagieren, müssten diese auch eine hohe positive Korrelation zueinander aufweisen. Diese kann man Stand heute allerdings nicht nachweisen. Schließlich muss sich Bitcoin erst mal am Markt etablieren und auch die Anlegerstruktur ist beispielsweise eine vollkommen andere als bei Gold. So ist es in überwiegend privater und nicht institutioneller Hand. Zudem ist das Gros des Bitcoin-Angebots sehr konzentriert auf wenige Hände verteilt, die einen starken Einfluss auf den Kurs ausüben können. Auch wenn die Korrelation der beiden Assets in den letzten Monaten immer weiter zugenommen hat, reicht dies nicht aus, um eine verlässliche Aussage zu treffen. Grundsätzlich ist Bitcoin volatiler als Gold, was sich auch gut an der Reaktion während des Corona-Crashs gezeigt hat. So hat der Bitcoin-Kurs schneller und heftiger als Gold reagiert, sowohl nach unten wie auch nach oben. Bitcoin wird im Gegensatz zu Gold nach wie vor eher als spekulatives Asset betrachtet, was in einer Krise zu einer früheren Liquidierung führt. Auch lässt sich Bitcoin schneller und einfacher verkaufen als Gold. Kurzfristig betrachtet dürfte man Gold daher als den besseren sicheren Hafen bezeichnen, der mehr Stabilität als Bitcoin verspricht. Statistisch valide Ergebnisse mit einer relevanten Aussagekraft werden sich allerdings erst in ein paar Jahren machen lassen.

WIE RICHTIG IN BITCOIN INVESTIEREN?

Für jedes Anlegerprofil gibt es eine bestimmte Art der Verwahrung. Wer besonders kritisch auf den Staat schaut, wird sein Gold wahrscheinlich bei sich im Garten verbuddeln. Wem Kosten und Flexibilität wichtig sind, der wird sich ein Fonds oder Zertifikat mit Golddeckung besorgen und jemand anderes wiederum lagert sein Gold bei einer Bank oder einem Edelmetallhändler ein. Ähnlich verhält es sich auch bei Bitcoin. Wer keiner zentralen Verwahrstelle vertrauen möchte, der investiert direkt in Bitcoin und verwahrt diese auf einer Wallet – mit Zugriff auf die Private Keys versteht sich. Diese Autonomie und Privatsphäre haben allerdings ihren Preis: Wer seinen Private Key und die dazugehörige Recovery Phrase verliert, der verliert auch unwiderruflich seine Bitcoin. Wer schnell traden möchte, der kann seine Bitcoin auch auf einer Börse liegen lassen. Hier besteht allerdings das Risiko, dass diese jederzeit gehackt wird. Allerdings etablieren sich im Gegensatz zu den Krypto-Börsen der ersten Stunde auch professionelle Verwahrstellen für Bitcoin. So wird dieser Verwahrservice, also die Token Custody, in Deutschland von BaFinlizenzierten Finanzunternehmen angeboten. Beispielsweise kann man auch schon über eine etablierte Tochter der Börse Stuttgart direkt Bitcoin erwerben.

Darüber hinaus existieren auch klassische Wertpapiere, also urkundliche Verbriefungen, die Bitcoin als Basiswert haben. Auf diese Weise können auch Investoren, die alles über ihr Wertpapierdepot und eine klassische ISIN verwalten wollen, Zugang zu Kryptowährungen erhalten. Diese Zertifikate oder Fonds, insbesondere alternative Investmentfonds, sind aus Kostensicht, verglichen mit dem Direkterwerb von Bitcoin und dessen Verwahrung, ziemlich teuer. Angesichts immer vertrauenswürdigerer Token-Custody-Lösungen sollten Investoren doch sehr hinterfragen, warum sie ein effizienteres Medium, nämlich einen Token, gegen ein altes Medium, urkundliche Wertpapierverbriefung, eintauschen wollen. Neben Bequemlichkeit und mangelnder Kenntnis können allerdings auch regulatorische Vorgaben institutionelle Anleger dazu anhalten, nur regulierte Bitcoin-Verbriefungen zu erwerben.

ANDERE KRYPTOWÄHRUNGEN ALS ALTERNATIVE?

Keine andere Kryptowährung ist auch nur ansatzweise so etabliert wie Bitcoin. Wer dennoch eine Diversifikation anstrebt, sollte sich an die Top 100, wenn nicht gar Top 50 oder Top 20 der größten Kryptowährungen halten. Natürlich müssen sich Investoren im Klaren sein, dass die wenigsten Kryptowährungen wie Bitcoin als Wertspeicher und Bezahlmittel konzipiert worden sind. Die zweitgrößte Kryptowährung Ethereum (ETH) ist beispielsweise als eine Smart-Contract-Plattform für Anwendungen konzipiert. An dritter Stelle gemäß Marktkapitalisierung steht wiederum Tether USDT), also ein Stable Coin, der als ein Token-Derivat versucht, den Basiswert US-Dollar abzubilden.

Für Investoren, die besonders an die Relevanz von Privatsphäre glauben, könnten wiederum so genannte Privacy Coins interessant sein. Insbesondere dann, wenn man davon ausgeht, dass in Zukunft mit einer Bargeldabschaffung und der Einführung von digitalem Zentralbankgeld (CBDC) zu rechnen ist, was anonymes Zahlen verhindert. Als bekannte Vertreter tendenziell anonymer Krypto-Zahlungen sind beispielsweise Monero (XMR), Dash (DASH) oder Zcash (ZEC) zu nennen.

TOKENISIERUNG: ALTE WELT, NEUES MEDIUM

vWer in traditionelle Sachwerte investieren möchte, ohne die neue Welt der Token-Infrastruktur zu verlassen, kann dies über Wertpapier-Token machen. Hierbei geht es um beispielsweise Immobilien, Unternehmen oder Kunst, die Investoren sonst nur über klassisch, urkundlich verbriefte Wertpapiere zur Verfügung standen. Zwar ist dieser neue Markt noch recht unterentwickelt und das Angebot gering, dennoch zieht das Wachstum stark an. Anbieter wie EXPORO, KlickOwn oder FINEXITY bieten schon heute zahlreiche Immobilien an, an denen man via Token partizipieren kann. Gerade Kleininvestoren können so von einem kostengünstigen Zugang zu Projekten profitieren, der sonst eher institutionellen Investoren vorbehalten ist. Auch die Perspektive des sich zukünftig etablierenden Sekundärmarktes macht die leichte Handelbarkeit – neben geringeren Kosten und schnellerer Abwicklung – von Token besonders attraktiv. Sollten weitere regulatorische Hürden in 2021 genommen werden, dann dürfte dies der noch jungen Branche einen starken Auftrieb bescheren. Aber auch Edelmetalle gibt es in Token-Form. Wer also unser oft zitiertes Safe-Haven-Paar via Token auf einer Wallet halten möchte, kann dies über diverse Gold Stable Coins umsetzen. Natürlich müssen Gold-Token-Halter den physischen Verwahrstellen vertrauen, können so aber von einer enormen Flexibilität profitieren. Da es im Token-Markt keine Öffnungszeiten gibt, kann man Gold-Token, wie alle anderen Token, jederzeit auf der ganzen Welt in Sekundenschnelle handeln. Beispiele für solche Gold-Token sind: Tether Gold (XAUT) oder Paxos Gold (PAXG). Es gibt aber auch Krypto-Finanzdienstleister wie die Bitcoin Suisse oder der Broker Bitpanda, die ihren Kunden den Handel mit Edelmetall-gedeckten Token ermöglichen.

• Laut einer Accenture-Studie ist davon auszugehen, dass europäische Banken 415 Milliarden Euro für die Deckung pandemiebedingter Kreditverluste aufbringen müssen

• Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle sieht in einem positiven Szenario der Wirtschaftskrise immerhin 6 Prozent der Banken und bei einem pessimistischen Ausgang gar 28 Prozent der deutschen Banken als gefährdet an. Insbesondere Sparkassen und Volksbanken wären durch die Kreditvergabe an KMUs besonders gefährdet

• Europäische Bankenaufsicht (EBA) hat verkündet, dass sie die Interaktion mit Banken auf ein Minimum herunterfährt, damit sich diese voll und ganz auf die Corona-Bewältigung kümmern können; EZB hat Banken ermahnt vorerst auf Dividenden für Aktionäre, Boni für die Manager und Aktienrückkäufe zu verzichten

• Fed-Chef Jerome Powell hat Ende August ein neues Inflationsziel verkündet, dass es der Notenbank erlaubt, Inflationsrisiken noch stärker zu ignorieren

• EZB hat Corona-Rettungsprogramm von 750 Milliarden Euro auf 1,35 Billionen Euro im Juni aufgestockt mit einer Laufzeit bis Ende Juni 2021; dies entspricht rund 10 Prozent der gesamten Geldmenge (M3) in der Eurozone