Bereits Kunde? Jetzt einloggen.
Lesezeit ca. 11 Min.

Titelstory: Sind Utility-Token-Projekte zum Scheitern verurteilt? Wie es um Token aus der ICO-Welle 2017 und 2018 bestellt ist


Kryptokompass - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 05.11.2019
Artikelbild für den Artikel "Titelstory: Sind Utility-Token-Projekte zum Scheitern verurteilt? Wie es um Token aus der ICO-Welle 2017 und 2018 bestellt ist" aus der Ausgabe 11/2019 von Kryptokompass. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Kryptokompass, Ausgabe 11/2019

Während des Hypes um ICOs Ende 2017 haben Altcoins, vorrangig aufbauend auf dem Ethereum-Standard ERC-20, das Marktgeschehen dominiert. Bitcoin musste stark an Dominanz einbüßen. Das Steigerungspotential war den meisten Investoren schlichtweg zu gering. Nun, knapp zwei Jahre später, hat sich das Blatt gewendet. Während die Hoffnung auf alte ICO-Projekte und deren Token immer weiter sinkt, hat Bitcoin inzwischen wieder eine Marktdominanz von rund 65 Prozent. Dies entspricht einer knappen Verdopplung seit Jahresanfang.

Wenn es um Investments in Kryptowährungen geht, dann steht Bitcoin unangefochten an ...

Weiterlesen
epaper-Einzelheft 7,99€
NEWS 14 Tage gratis testen
Bereits gekauft?Anmelden & Lesen
Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Kryptokompass. Alle Rechte vorbehalten.

Mehr aus dieser Ausgabe

Titelbild der Ausgabe 11/2019 von VORWORT. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
VORWORT
Titelbild der Ausgabe 11/2019 von Coin des Monats: Steemit – Blockchain-Ökosystem für die Aufmerksamkeitsökonomie. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Coin des Monats: Steemit – Blockchain-Ökosystem für die Aufmerksamkeitsökonomie
Titelbild der Ausgabe 11/2019 von Technische Kursanalyse. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Technische Kursanalyse
Titelbild der Ausgabe 11/2019 von Interview mit Finoa Co-Founder Christopher May zur Zukunft der Token-Verwahrung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Interview mit Finoa Co-Founder Christopher May zur Zukunft der Token-Verwahrung
Titelbild der Ausgabe 11/2019 von Telekom: Blockchain als Dienstleistung. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Telekom: Blockchain als Dienstleistung
Titelbild der Ausgabe 11/2019 von Meine Coins sind gestohlen! Was Nutzer tun können. Zeitschriften als Abo oder epaper bei United Kiosk online kaufen.
Meine Coins sind gestohlen! Was Nutzer tun können
Vorheriger Artikel
VORWORT
aus dieser Ausgabe
Nächster Artikel Coin des Monats: Steemit – Blockchain-Ökosystem fü…
aus dieser Ausgabe

... erster Stelle. Danach kommt lange nichts. Auch wenn unter den Altcoins einige Payment Token existieren (z.B. Monero, Litecoin oder Dash), handelt es sich bei den meisten Altcoins um Utility Token. Ihre Utility, ergo Nutzen, konnten sie bislang aber kaum unter Beweis stellen. Die allerwenigsten Blockchain-Anwendungen, die auf Utility Token setzen, haben eine nennenswerte Nutzerbasis entwickeln können. Bis heute sind die meisten Utility Token vor allem eines: Spekulationsobjekt auf Krypto-Börsen. Entsprechend fragen sich viele Investoren:

• Besteht überhaupt noch eine Hoffnung, dass sich diese Utility Token zeitnah durchsetzen können?
• Können alle Utility Token pauschalisiert werden oder besteht die Hoffnung, diese in vielversprechende und substanzlose zu unterteilen?
• Wie unterscheiden sich die Utility Token von 2017 zu denen von 2019?
• Was zeichnet erfolgversprechende Utility Token aus?
• Welche Faktoren können zu einer neuen Altcoin-Ära führen?

Bevor man diese und weitere Fragen untersucht, sollte man Utility Token von anderen Token-Arten unterscheiden:

Es gibt unzählige Blockchain-Plattformen beziehungsweise Protokolle, die Dienstleistungen entwickeln oder anbieten, bei denen die Nutzung von Utility Token vorgesehen ist. Genauso wie man Benzin benötigt, um einen Motor anzutreiben, benötigt man Utility Token, um eine Blockchain-Infrastruktur benutzen zu können. Dies kann beispielsweise die Bereitstellung von Rechenpower sein, um Daten zu speichern und Videos zu rendern oder um selbst auf dem Protokoll eigene Anwendungen beziehungsweise dApps zu entwickeln.

Leider sind ebendiese Blockchain-Anwendungen oftmals noch unausgereift und schaffen es nicht, mit ihren Pendants aus der Nicht-Blockchain-Welt mitzuhalten. Zudem gibt es nicht wenige Blockchain-Projekte, bei denen nicht verständlich erklärt wird, warum es eine Blockchain sowie Token braucht. Neben diesen Baustellen gibt es noch viel tiefer liegende Herausforderungen: das unausgereifte Ökosystem und die fehlende Incentivierung zum effektiven Nutzen oder Ausgeben von Utility Token.

Die Token Economy ist noch nicht mit unserer heutigen Ökonomie kompatibel: Wenn die Theorie in der Praxis versagt

Das ökonomische Modell, das Utility Token und den Blockchain-Protokollen zu Grunde liegt, weist einige Herausforderungen und Problemstellungen auf. Fehlende Use Cases, keine Adaption, keine Liquidität, kein intrinsischer Wert, kein funktionierender Mechanismus zur Bestimmung des fundamentalen Kurswertes eines Tokens und keine funktionierende dezentrale Governance werden hier als häufige Kritikpunkte angebracht. Im Kern geht es um folgende Punkte:

1. Das Medium Token ist noch nicht ausreichend in der Gesellschaft angekommen. Auch sind Token noch zu umständlich im Erwerb und in der Aufbewahrung. Es ist aufwendig, für jeden Service einen extra Utility Token zu erwerben.

2. Der Referenzwert ist immer die heimische Fiatwährung. Was eine Blockchain-Dienstleistung kostet, muss immer in Euro und Co. umgerechnet werden.

3. Wert- bzw. Preisstabilität ist nicht gegeben. Da Utility Token starken Schwankungen unterliegen, können Nutzer nur schlecht planen und kalkulieren. Genau wie bei einer Fiatwährung ist eine zu hohe Inflation oder Deflation schlecht für die marktwirtschaftliche Funktionsweise. Entsprechend verwundert es nicht, dass es Stable-Coin-Projekte wie Faceboks Libra gibt, die sich auf stabile Fiatwährungen stützen, um den Spekulationscharakter zu unterbinden.

4. Eine dezentrale Entscheidungsfindung findet in der Praxis oftmals nicht statt. Es herrscht immer noch ein hoher Zentralisierungsgrad, sodass die Vorteile einer dezentralen Ökonomie nicht durchdringen können.

5. Utility Token verführen zur Spekulation. Wenn ein Utility Token in einem Monat doppelt so viel Wert sein kann, sprich man doppelt so viel Euro im Gegenzug dafür erhält, desto geringer ist die Bereitschaft, den Utility Token für eine Dienstleistung auszugeben. Kurzum: Utility Token unterliegen einem fehlerhaften Anreizsystem, da man dazu neigt, einen Token als Wertpapier und nicht als Bezahlmedium innerhalb einer Blockchain-Infrastruktur zu nutzen.

6. Realer Unternehmenswert entspricht nicht der Utility-Token-Marktkapitalisierung. Im Gegensatz zu traditionellen Börsenunternehmen besitzt die Marktkapitalisierung kaum eine Aussagekraft, da Utility Token kein Equity (Anteil am Unternehmen bzw. Eigenkapital) verbriefen. Schnell entsteht daher der Eindruck von Pseudo-Wertpapieren.

7. Token-Modelle orientieren sich stark an freien Märkten mit einer hohen Markeffizienz und keinen inkonformen Markteingriffen. Diese oftmals sehr theoretische Modell-Annahme ist allerdings nur schwer mit Märkten in der Realität vereinbar. In einer nach wie vor stark zentralistisch organisierten Ökonomie mit nach wie vor erheblichen Marktineffizienzen, ist es sehr herausfordernd dezentrale Gegenmodelle in die bestehende Ökonomie zu integrieren.

Utility Token bergen enormes Potential – ist die Zeit dafür auch reif?

Viele der genannten Kritikpunkte ergeben sich nicht per se aus der Token Economy oder den Projekten selbst, sondern aus deren Umfeld. Soll bedeuten: Es fehlen oft noch die regulatorischen Rahmenbedingungen, das Wissen und die Kultivierung sowie digitalen Schnittstellen für eine Umsetzung und Nutzung der Token. Die radikale Effizienz der Token Economy kann funktionieren, wenn das Ökosystem die notwendigen Marktstandards gewährleistet und die Token-Projekte entsprechende Voraussetzungen erfüllen.

Da die Blockchain-Technologie in höchstem Maße abhängig von anderen Technologien wie dem Internet der Dinge, künstlicher Intelligenz aber auch einem grundsätzlichen Grad an Digitalisierung ist, steigt deren kommerzielle Einsatzwahrscheinlichkeit korrespondierend zur Weiterentwicklung des technischen und sozioökonomischen Umfelds. Es spricht vieles dafür, dass die Ökonomie der Zukunft auf Token basiert und um ein Vielfaches effizienter ist als die heutige. In diesem Transformationsprozess werden sicher Token mit einer eigenen Funktionalität zum Einsatz kommen und einen Großteil unserer Wertschöpfung ausmachen. Es ist nicht aus der Luft gegriffen, dass Utility Token in Zukunft massiv an Relevanz gewinnen werden. Es wird nur etwas länger dauern als man 2017 vermutet hat.

Doch sollte man auch bereits heute in Utility Token investiert sein?

Utility Token für jeden Anlegertyp

Das Gros der Utility-Token-Projekte aus 2017 hat kaum eine Chance, sich kommerziell durchzusetzen. Der ICO-Hype hat sehr viele Pseudo-Blockchains und Pseudo-Business-Cases hervorgebracht. Einige wenige Projekte können überzeugen und sich langfristig zu einer gigantischen Infrastruktur entwickeln.

Man muss hier allerdings zwischen den Blockchain-Infrastruktur-Protokollen wie Ethereum, EOS, Stellar, Cardano, IOTA, Tezos, NEO und konkreten Blockchain-Anwendungen respektive Application Layern unterscheiden. Welche Infrastruktur-Protokolle beziehungsweise Smart-Contract-Protokolle sich in Zukunft durchsetzen, kann man heute noch unmöglich sagen. Einige werden sich etablieren und Standards setzen, wie es Ethereum heute in Teilen geschafft hat, und andere wiederum werden von der Bildfläche verschwinden. Investoren mit einem langen Atem sind mit den technisch anspruchsvollen Protokollen gut beraten. Wer hier ausreichend diversifiziert und auf die führenden Protokolle setzt, hat gute Chancen, sich über enorme Kursgewinne dieser nativen Utility Token beziehungsweise Kryptowährungen in Zukunft freuen zu können.

Investoren mit einem nicht ganz so langen Atem sind mit konkreten Blockchain-Anwendungen respektive dApps besser beraten. Ihr Potential ist in der Regel geringer als das der Protokolle, dafür kann schneller festgestellt werden, ob sich der Utility Token am Markt durchsetzt. Hier spricht man auch nicht von Kryptowährungen, sondern nur von Token. Umgangssprachlich wird hingegen nur selten differenziert. Auch wenn es noch kein kommerziell herausragendes Leuchtturmprojekt im Utility-Token-Ökosystem gibt, gibt es einige Projekte, die über die Spekulation hinausgehen und „echte“ Nutzer vorweisen können. Dabei fällt auf, dass erfolgreiche Utility Token, also Projekte mit tatsächlichen Nutzern, vor allem in drei Anwendungsfeldern zu finden sind: Reward Token, Investment Token und Gaming- bzw.- Virtual Reality Token.

Echte Nutzung: Diese Utility Token zeigen wie es geht

Um die Aktivität von Projekten zu bewerten, gibt es mehrere Kriterien. Eine Pauschalisierung ist hier allerdings schwierig, auch gibt es nicht die EINE Kennzahl, die ausschlaggebend zur Aktivitätsmessung ist. Dennoch sollten die Nutzerzahlen beziehungsweise aktiven Adressen und Entwickler-Aktivtäten in der Bewertung berücksichtigt werden. Hilfreich sind hier Analyse-Plattformen wie unter anderem Santiment für Adressaktivität oder CryptoMiso für die Github-Aktivität. Auch kann bei dApp-Anwendungen die Plattform DappRadar Auskunft über die jeweilige Projekt-Aktivität geben. Das Transaktionsvolumen für ERC-20-Token lässt sich wiederum auch auf etherscan.io einsehen. Öfter sind allerdings nicht alle Daten vollständig enthalten. In diesem Fall muss man auf die von den Projekten selbst zur Verfügung gestellten Daten mit Vorsicht zurückgreifen.

1. Social Media und Browser-Anwendungen: Reward Token

Basic Attention Token (BAT)

Use Case: Der Basic Attention Token (BAT) belohnt die Aufmerksamkeit von Internetnutzern. Werbende zahlen dafür, dass ihre Anzeigen von Nutzern gesehen werden. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Brave Browser, der den Nutzern BAT auszahlt, wenn diese Werbung erlauben und nicht per AdBlocker sperren.

Projekt-Aktivität:

Der Brave Browser verfügt inzwischen über mehr als acht Millionen aktive Nutzer. Auch im Google Play Store schafft er in einigen Ländern sogar, Mozilla Firefox in puncto Downloads zu überbieten. Dieses „onboarding“ führt zu der hohen Nutzerzahl von 1,5 Millionen und macht BAT zu einem der aktivsten Projekte am Krypto-Markt.

Warum es funktioniert: Nutzer müssen BAT nicht erwerben, sondern bekommen diese geschenkt, wenn sie sich Werbung einblenden lassen. Entsprechend gering ist die Hemmschwelle, da sich so „passiv“ etwas dazuverdienen lässt, ganz ohne Risiko und Anfangsinvestition. Natürlich sollte hier klar sein, dass es sich nur um kleine Beträge handelt.

Steem (Steem)

Use Case: Der Steem Token belohnt Nutzer für das Teilen von Content in sozialen Netzwerken. Die im Zentrum stehende Steemit-Plattform wird oftmals als Facebook-Pendant beschrieben. Nutzer werden also für das Posten von Beiträgen von anderen Nutzern belohnt.

Projekt-Aktivität:

Zwar ist Steemit weit davon entfernt als Facebook-Konkurrent durchzugehen, dennoch gibt es eine rege Community, die auf der Blockchain-Social-Media-Plattform verkehrt. Laut Steem kommen durch die Steemit-Plattform täglich über 250.000 aktive Steem-Nutzer zusammen.

Warum es funktioniert: Nutzer werden für etwas belohnt, was sie sonst sowieso machen würden: Inhalte auf Plattformen teilen. Genau wie beim BAT bzw. Brave Browser besteht keinerlei Risiko oder Anfangsinvestment. Die Anwendungen sind wenig spezifisch und massentauglich. Dennoch gibt es hier noch einige Hemmschuhe. (Vgl. Coin des Monats).

2. Handelsplätze und Dezentrale Autonome Organisationen (DAOs): Investment Token

Binance Coin (BNB)

Use Case: Zwar ist der Use Case Spekulation, dennoch erfüllt der Token einen Zweck in dem Krypto-Handelsökosystem. Die Kosten- und Effizienzvorteile, die Binance durch einen eigenen Token erlangt, können so an die Nutzer weitergegeben werden.

Projekt-Aktivität:

Laut Binance CEO Changpeng Zhao besitzt die Krypto-Börse zwischen 13 und 15 Millionen aktive Nutzer. Mit einem täglichen Handelsvolumen von rund 1,5 Milliarden US-Dollar ist Binance die größte Krypto-Börse der Welt. Dieses Beispiel unterstreicht einmal mehr, dass Token-Projekte nach wie vor ihre höchste Aktivität im Trading bzw. der Spekulation haben.

Warum es funktioniert: Man befindet sich bereits im Krypto-Ökosystem, wenn man auf einer Krypto-Börse Token handelt. Die zusätzliche Hürde, den Plattformtoken zu erwerben, wenn man sich auf der Börse aufhält, ist entsprechend gering. Entsprechend groß ist hier auch die Bereitschaft Token zu erwerben, mit denen man Dienstleistungsangebote der Handelsplattformen unter besseren Konditionen nutzen kann.

Maker (MKR)

Use Case: Die auf der Ethereum basierende Finanz-Plattform Maker bietet verschiedene Finanzdienstleistungen wie Kredite an. In diesem Kredit-Ökosystem dient der DAI Stable Coin für stabile Rahmenbedingungen, um Kreditgeschäfte durchführen zu können. Zur Steuerung der Plattform ist wiederum der Maker Token notwendig.

Projekt-Aktivität:

Unter dem Begriff Decentralized Finance, kurz DeFi, hat das MakerDAO-Projekt enorme Aufmerksamkeit in der Blokchain-Szene bekommen. Mehrere Projekte versuchen gegenwärtig Schnittstellen zur Lending-Plattform zu integrieren. Auf der Plattform MakerDAO selbst erkennt man, dass fast minütlich neue Kreditkontrakte aufgesetzt werden, ergo eine aktive Nutzung vorhanden ist. Allein im Oktober wurden knapp 30.000 so genannter CDPs (Kreditkontrakte) erstellt.

Warum es funktioniert: Der Komplexitätsgrad des Maker-Projekts ist deutlich höher als bei dem Binance Coin oder anderen hier aufgeführten Utility-Token-Projekten. Der Grund, warum die Maker-Plattform dennoch genutzt wird, liegt an der durchdachten Token-Ökonomie. Maker schafft ein Ökosystem, in dem man sich sehr stark von der Nicht-Blockchain-Welt abspaltet. Im Kontext einer so genannten Dezentralen Autonomen Organisation (DAO) bietet Maker ein Organisationskonstrukt, das etwas Neues in der Finanzökonomie darstellt und nicht bloß ein Nachbau einer bereits bestehenden Finanzdienstleistung aus der traditionellen Finanzwelt ist.

3. Virtuelle Umgebungen: Gaming und Virtual Reality Token

Decentraland (MANA)

Use Case: Bei Decentraland handelt es sich um eine Virtual-Reality-Plattform auf Ethereum, bei der es Nutzern möglich ist, virtuelles Land zu erwerben und virtuelle Gegenstände beziehungsweise Applikationen zu kreieren. Vereinfacht gesagt kann ein Nutzer auf seinem Stück virtuellen Land ein virtuelles Haus bauen und dieses dann weiterverkaufen.

Projekt-Aktivität:

Warum es funktioniert: In der Virtual Reality handelt es sich um eine eigene Welt mit ihren eigenen Gesetzen und Mechanismen. Entsprechend ist es hier deutlich einfacher, sinnvoll einen Token sowie eine passende Token-Ökonomie zu integrieren als in unserer echten Welt. Zwar mag vieles noch im Bereich der Spielerei sein. Langfristig wird aber eine signifikante digitale Parallel-Ökonomie entstehen und mit ihr eine Verschiebung der Wertschöpfung von der echten in die virtuelle Welt.

CryptoKitties (dApp)

Use Case: Im Gegensatz zu Virtual-Reality-Projekten kann bei den Gaming Token kein tieferer oder substanzieller Use Case definiert werden. Es ist und bleibt Spielerei. Dennoch können auch im Gaming-Bereich hohe Renditen erwirtschaftet werden. Dies zeigt sich vor allem im eSports-Bereich. Eine der wohl bekanntesten dApps sind die CryptoKitties auf der Ethereum Blockchain. Zwar ist ihr Use Case vollkommen austauschbar, dennoch ist es ihnen gelungen, die Ethereum Blockchain kurzzeitig an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit zu bringen.

Projekt-Aktivität:

Warum es funktioniert: Auch das Internet war in den 90ern vor allem eines: Spielerei. Bei der Blockchain ist dies nicht anders. Gerade die Spielewelt bietet sich durch ihr abgeschlossenes Ökosystem hervorragend an, um neue und anderes funktionierende Marktmodelle auszuprobieren. Virtuelle Welten dienen also als Nährboden und Experimentierfeld der Token-Ökonomie. Allerdings handelt es sich bei CryptoKitties nicht um nachhaltige Investments, sondern nur kurzweilige Zockerei. Der CryptoKitties-Trend von 2017 / 2018 ist definitiv vorbei.

Diese Merkmale weisen Utility Token auf, die auch kurz- bis mittelfristig Erfolg haben können

Die Use Cases Reward, Investment und virtuelle Welten gehören gegenwärtig noch zu den Anwendungsfeldern, bei denen auch kurz- bis mittelfristig Utility Token erfolgreich sein können. Im Laufe der nächsten Monate und Jahre werden aber weitere Anwendungsfelder hinzukommen, die ebenfalls einen kommerziell erfolgreichen Use Case haben. Genau wie sich bei dem Internet im Laufe der Jahre immer komplexere Informationsdienstleistungen hin zum Web 2.0. herausgebildet haben, werden es bei der Blockchain immer komplexere Wertetransaktionen sein.

Investoren sollten sich bei Utility Token daher unter anderem fragen:

• Wie hoch sind die Eintrittsbarrieren und Anfangsinvestitionen? (Idealbeispiel: Reward Token)
• Wie abgeschlossenen und unabhängig ist das Token-Ökosystem? (Idealbeispiel: Virtual Reality)
• Gibt es analoge Use Cases in der Nicht-Blockchain-Ökonomie? (Idealbeispiel: DAO)

Investment-Fazit

Man kann festhalten, dass die Ausfallwahrscheinlichkeit bei Utility Token extrem hoch ist. Die allerwenigsten Projekte haben einen Business Case und eine Token-Ökonomie, die perspektivisch kommerziell erfolgreich sein kann. Die Parallelen zum Internet und zur Dot.Com-Blase dürften für die Investoren eine gute Blaupause sein. Dennoch gibt es Kriterien, die dabei helfen, die wenigen vielversprechenden Projekte zu identifizieren. Dies ist zwar noch längst keine Garantie für hohe Renditen, kann aber zumindest die Wahrscheinlichkeit eines Treffers erhöhen. Grundsätzlich sollte daher nur stark diversifiziert und mit kleinen Summen investiert werden.
Im Gegensatz zum ICO-Hype Ende 2017 sind die Kurse fundamental viel fairer bewertet, sodass günstige Zukäufe möglich sind. Neben den wichtigsten Kriterien wie Business Case, Token-Ökonomie und Usability, sollten auch immer die externen Faktoren berücksichtigt werden. Investoren sollten sich daher immer fragen, ob für die angebotene Dienstleistung bereits ein Markt existiert, der gegenwärtig oder zeitnah groß genug für die Token-Dienstleistung sein kann.
So existieren aktuell Projekte, die sehr wohl Substanz haben, aber daran scheitern, dass noch kein auseichendes Ökosystem für ihre Dienstleistung existiert. Bis es soweit ist, dürfte bei vielen Utility-Token-Projekten das Kapital ausgegangen sein. Ebenfalls sollte Investoren klar sein, dass sie praktisch keine Investorenrechte – ganz im Gegensatz zu Aktien – erwerben. Utility Token sind nichts weiter als digitale Gutscheine – man erwirbt weder Unternehmensanteile noch Anlegerechte wie Mitbestimmung.
Privatinvestoren sollten ein Auge auf Projekte haben, die es auch in den letzten Monaten noch geschafft haben, viel Kapital von professionellen Investoren einzusammeln. Seit dem Platzen der ICO-Blase ist es für Blockchain-Unternehmen sehr schwer geworden, Kapital von Wagniskapitalgesellschaften (Venture Capital, VCs) zu erhalten. Blockchain-Projekte, die es auch im Jahr 2019 noch schaffen, mehrere Millionen US-Dollar oder Euro von VCs einzusammeln, werden in der Regel auch einen substanziellen Business Case vorweisen können. Die Substanz der Utility-Token-Projekte nimmt gegenwärtig massiv zu, sodass bei einem gleichzeitig hohen Grad an Misstrauen – im so genannten Tal der Enttäuschung – sehr attraktive Chance-Risiko-Profile zustande kommen können.
Nicht zuletzt sollten Investoren Entwicklungen im Bereich künstliche Intelligenz und dem Internet der Dinge verfolgen. Gibt es beispielsweise Fortschritte im autonomen Fahren, dann geht dies mit einer gleichzeitig gestiegenen Anwendungswahrscheinlichkeit von Blockchain und Token Use Cases einher.

Hinsichtlich Infrastruktur- bzw. Protokoll-Blockchains ist zu erwarten, dass sich in den nächsten Jahren branchenspezifische Blockchains herausbilden. Das bedeutet, dass die Transaktionen, die beispielsweise in der Logistikbranche abgewickelt werden, nicht per se mit den Transaktionen aus dem Finanzwesen über die ein und selbe Blockchain laufen. Allein schon aus Skalierungssicht wäre dies gegenwärtig nicht vorstellbar. Stattdessen wird sich auf dem Vorbild bestehender Protokoll-Blockchains, wie beispielsweise Ethereum oder Stellar, eine jeweilige Industrievariante durchsetzen. Genau wie in jedem neuen Markt, geht es aktuell vor allem darum, rechtzeitig herauszufinden, welche Standards sich durchsetzen.

Quellen und weiterführende Informationen:

• Zum ökonomischen Modell von Utility Token (englisch)
• Weiterführende Kriterien für erfolgreiche Utility-Token-Projekte (englisch)
• DappRadar – Aktivitätsmessung einzelner dApps
• Santiment – Daten-Aggregation
• CryptoMiso – Github-Aktivität
• Aktivität von MakerDAO und Anzahl an CDPs
• Etherscan – Informationen zu Ethereum Token