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TITELTHEMA: 22 sinnlose Sorgen


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Happy Way - epaper ⋅ Ausgabe 2/2019 vom 07.03.2019

Irgendetwas in mir drin macht sich immer Sorgen. Selbst dann, wenn meine Welt gerade ganz in Ordnung ist. Bin ich zu dick? Werde ich krank? Wird die Welt untergehen? Schluss damit! Ab heute streiche ich alle sinnlosen Sorgen aus meinem Leben


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Bildquelle: Happy Way, Ausgabe 2/2019


Von allen Sorgen, die ich mir machte, sind die meisten nie eingetroffen.
Sven Hedin


Eventuell, sagt mein ekeliges inneres Sorgentier, eventuell bin ich wirklich zu dick. Ach du Schande, und jetzt? Es wird nicht mehr lange dauern, bis mein Mann das auch bemerkt. Dann wird er mich verlassen. Ich werde traurig und einsam werden und aus Frust noch mehr futtern und noch ...

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... unansehnlicher werden. Und nie wieder einen Neuen fi nden. Die Kinder werden eine alleinerziehende, jammerige Mutter haben, und darüber zerbrechen. Am Himmelstor werde ich stehen und keine Entschuldigung dafür fi nden, mein Leben derart vergeigt zu haben. Ohgottogott.

Sorgen sind so unproduktiv

Natürlich weiß ich in lichten Momenten, dass das alles in dieser Härte höchstwahrscheinlich nicht eintreten wird. Aber einmal mit Beachtung beschenkt, stachelt sich mein inneres Sorgentier gern zu kreativen Höchstleistungen auf. Grinst dreckig, während es mein ganzes Ich einnimmt, bis ich selbst nur noch zitternd in der Ecke liege. Es reicht, sage ich. Schluss damit! Denn die meisten Sorgen, soviel steht schon mal fest, sind schrecklich unproduktiv. Sie kosten ganz viel Energie, während sie immer größer und gemeiner werden, aber bringen uns keinen Millimeter voran. Kann ich verhindern, dass meinem Jüngsten auf dem Weg zur Schule etwas zustößt, indem ich am Küchentisch sitze und zittere? Nein. Bleibt der Regen an Ostern oben, wenn ich mich darum sorge, dass er mir meinen Freiluft-Brunch kaputt machen könnte? Gewiss nicht.
Ich bin ja ein Fan von Unproduktivem, aber Spaß sollte es bringen. Und Spaß bringen Sorgen sicher keinem, mal abgesehen von Versicherungsunternehmen vielleicht und Firmen für Alarmanlagen.
Nur der Mensch ist so hoch entwickelt, dass er sich überhaupt Sorgen machen kann. Man braucht dazu nämlich die Fähigkeit, zukünftige Ereignisse gedanklich vorwegzunehmen und weiterzuspinnen. Kein Vogel würde auf die Idee kommen, sich darüber zu sorgen, ob er auch morgen einen Wurm fi nden wird, und sich davon den Tag verhageln lassen. Er könnte es auch gar nicht.
Unsere höhere Entwicklung bringt uns aber nichts, denn die Zukunft verändern können wir damit nicht. Wir würden ja so gern alles kontrollieren, das, was kommt, beeinfl ussen, und einfach Sicherheit haben. Aber das Leben ist nun mal unkontrollierbar und birgt hart, aber wahr. Das Schlimmste? Eine Kündigung aus heiterem Himmel, ein Autounfall, eine böse Krankheit? Hilft es mir, wenn ich mich jahrelang gedanklich darauf vorbereitet habe? Eigentlich nicht.

Sorgen schwächen den Körper

Wer sich sorgt, trägt im Gegenteil dazu bei, sich selbst krank zu machen. Erwiesenermaßen rufen die Horrorfi lme in unserem Kopfkino ganz reale körperliche Reaktionen hervor: Die Muskeln spannen sich an, das Herz schlägt schneller, die Atmung wird fl acher. Das liegt daran, dass unser Gehirn nicht unterscheiden kann, ob es eine Katastrophe oder nur eine Katastrophenfantasie bearbeitet. Wenn wir Sorgenvolles denken, macht sich unser Körper bereit zur Flucht. Wir können dann nicht mehr anständig essen, essen entweder zu viel oder gar nichts mehr, und kommen nachts vor lauter Grübeleien nicht zur Ruhe.
Sorgen schwächen uns – und sorgen damit manchmal dafür, dass das Befürchtete wirklich eintritt. Man nennt das dann eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Kann man Sorgen ignorieren?

Was also tun, wenn das Sorgentier das nächste Mal um die Ecke linst? Ohren zuhalten? Weglaufen? Funktioniert es, die Sorgen einfach zu ignorieren? Weise Leute sagen, man solle die Sorgen höfl ich willkommen heißen, im weiteren Verlauf aber einfach nicht weiter beachten. Es liegt in unserer Hand, ob wir einen Katastrophenfi lm daraus drehen, oder eben nicht. Aus China kommt der Rat: „Dass die Vögel der Sorge und des Kummers über Deinem Haupte fl iegen, kannst Du nicht ändern. Aber dass sie Nester in Deinem Haar bauen, das kannst Du verhindern.“
Um auf den nächsten Sorgenfall vorbereitet zu sein, habe ich einigen sehr verbreiteten Lieblingssorgen einmal sehr freundlich „Hallo“ gesagt und sie aufgeschrieben. Und tatsächlich, sie sind alle sinnlos! Glaubst Du nicht? Dann blättere auf die nächste Seite.

Los geht’s!