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TITELTHEMA: DÜRRESCHÄDEN IM SAUENREVIER


JÄGER - epaper ⋅ Ausgabe 100/2018 vom 21.09.2018

RevierjagdmeisterRonny Andresensteckt mitten in den Drückjagdvorbereitungen. Wir haben ihn befragt, was uns nach diesem Jahrhundert-Hitzesommer erwarten wird.


Artikelbild für den Artikel "TITELTHEMA: DÜRRESCHÄDEN IM SAUENREVIER" aus der Ausgabe 100/2018 von JÄGER. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: JÄGER, Ausgabe 100/2018

Im Interview: Ronny Andresen

Der JÄGER Prime-Star betreut mehrere Reviere in Norddeutschland. Auch er hat einen solch trockenen Sommer wie diesen zuvor noch nicht erlebt.

Dies war der Sommer der Superlative. Wenn Sie sich dabei gedacht haben, so was haben wir ja noch nie erlebt, dann liegen Sie damit richtig. Es war der heißeste und trockenste Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Während wir uns mithilfe von Eis, Ventilatoren und einer ...

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... Extradusche über den Tag gerettet haben, hatte unser Wild mit Wasser- und teilweise Nahrungsmangel zu kämpfen. Kein Wunder, dass sich auch die Bauern landauf, landab beklagen – was wir im vergangenen Jahr an Regen zu viel bekommen haben, blieb in diesem Jahr aus. Eine Dürreperiode katastrophalen Ausmaßes war die Folge. Hat der Sauenbestand so sehr gelitten, dass wir nun auf den bevorstehenden Drückjagden Vorsicht walten lassen sollten? Gerade im Angesicht der fortbestehenden Schweinepestgefahr ist es gut zu wissen, was uns auf den herbstlichen Jagden erwarten wird. Revierjagdmeister Ronny Andresen beantwortet die wichtigsten Fragen zur Trockenheit.

JÄGER: Haben bereits die früh gefrischten Frischlinge unter dem Wetter gelitten?

Ronny Andresen: Das ist nur regional der Fall. Im Unterschied zum letzten Jahr hatten wir zwar noch einmal im März einen Kälteeinbruch, der hat aber nur wenig Schaden angerichtet. Viel schlimmer war im vorherigen Jahr die anhaltende Nässe. Ich habe einen geringfügig höheren Befall mit Parasiten in diesem Jahr feststellen können. Wurden struppige Frischlinge, die deutlich unterernährt wirkten, auf den Wildkameras bestätigt, wurden diese nach Möglichkeit zügig erlegt, um eine Ausbreitung der Schädlinge im Bestand zu vermeiden.

JÄGER: Gab es auch in diesem Jahr eine zweite Partie an Frischlingen?

Ronny Andresen: Auch hier ist es regional möglich, dass Bachen, die ihre früh gefrischten Frischlinge verloren haben, noch einmal nachgerauscht haben. Es sind aber vor allem junge Bachen, die erst spät das notwendige Gewicht zur Geschlechtsreife erreichen und daher auch später rauschen als die Hauptbachen. Hier beobachte ich in diesem Jahr eher kleine Rotten mit noch geringen Frischlingen um die zehn Kilogramm, in den großen Rotten sind die Frischlinge nur etwa doppelt so schwer.

Sauen sind an viele Witterungsverhältnisse angepasst. Der vergangene Sommer war aber auch für die heimischen Schwarzkittel ein Extrem.


JÄGER: Sind schon Sauen in diesem Jahr verhungert oder verdurstet?

Ronny Andresen: So schnell geht das nicht. Aber in einigen Teilen des Landes, gerade dort, wo nicht bewässert wurde oder sehr wenig Landwirtschaft vorhanden ist, sieht man dem Schwarzwild die Dürreperiode jedoch bereits deutlich an. Dass die Wildbretgewichte, vor allem bei den frühen Jagden, deutlich geringer ausfallen werden, ist eine Folge der Trockenheit und des geringeren Fraßangebots im Sommer. Viele Bachen werden Schwierigkeiten gehabt haben, ausreichend Milch zu produzieren. Die deutlich kleineren Frischlinge im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren dürften bei so manchem Hemmungen auslösen, auf Sauen unter 15 Kilogramm zu jagen.


„VIELE BACHEN WERDEN WEGEN DER DÜRRE PROBLEME GEHABT HABEN,AUSREICHEND MILCH ZU PRODUZIEREN.“


Bei zu großer Trockenheit – wie vielerorts in diesem Sommer – funktioniert die Erdung und damit der ganze E-Zaun nicht.


Für Maisjagden war es den Großteil des Sommers einfach zu heiß. Eine Tortur für Mensch und Hund.


Auch zum Durststillen sind die Sauen in diesem Extremjahr im Mais zu Schaden gegangen.


JÄGER: Gab es mehr Wildschäden?

Ronny Andresen: Vor allem in beregneten Feldern haben die Sauen gesteckt, auch in gezäunten. Die Trockenheit hat nämlich auch den Elektrozäunen zu schaffen gemacht. Ist der Boden zu trocken, ist dessen Erdung unwirksam und damit der ganze Zaun. Schaden ist nicht nur durch den Fraß selbst zu erwarten, sondern auch durch das reine Zerkauen von Pflanzenteilen, um aus diesen die Feuchtigkeit herauszuziehen. Zudem konnten die Sauen kaum durch Jagden aus den gefährdeten Feldern getrieben werden. Dafür war es einfach zu heiß. Sowohl für die Stöberhunde als auch für Nachsuchengespanne.

JÄGER: Wird es schwieriger, vorherzusehen, wo die Sauen stecken?

Ronny Andresen: Wenn es wenig Wasser im Revier gab, dann sind die Rotten vermutlich unsteter als sonst. Gerade während des Säugens mussten die Bachen dann weit ziehen, um genügend Wasser aufzunehmen und Fraß zu finden. Sorge macht mir das vor allem im Licht der drohenden Afrikanischen Schweinepest. Die Trockenheit wird aber gerade die frühen Jagden unberechenbar machen. Die Wildäcker sind ohne Bewässerung verkümmert, und die sich früh ankündigende Vollmast bleibt noch abzuwarten. Die Sauen werden sich zwar spätestens nach der Ernte dort einstellen, wo sie Eicheln finden. Vorausgesetzt jedoch nur, es wird genügend Regen geben. Ansonst tragen die Bäume zwar Früchte, diese bleiben aber leer.


„DIETROCKENHEIT WIRD GERADE DIE FRÜHEN JAGDEN UNBERECHENBAR MACHEN.“


Bei ausreichend Feuchtigkeit steht ein Jahrhundertmastjahr bevor.


Die Frischlinge werden auf den frühen Drückjagden in vielen Regionen noch klein sein. Sie haben nicht so zugelegt wie in den vorherigen Jahren.


JÄGER: Hat die schlechte Ernte Einfluss auf die Drückjagden?

Ronny Andresen: Maisjagden sind aufgrund der hohen Temperaturen vielerorts unmöglich gewesen, ebenso Nachsuchen. Den Hunden ist die Belastung durch die Hitze nicht zuzumuten gewesen. Ob dadurch deutlich mehr Sauen auf den Drückjagden laufen werden, wird sich erst anhand der Streckenmeldungen messen lassen. Zu bedenken ist aber, dass selbst in Normaljahren auf den Mais- und Erntejagden meist nicht mehr als fünf bis zehn Prozent der Jahresstrecke erlegt werden. Werden diese nicht geschossen, merkt man das als Schütze kaum. Da mir zumindest keine Rotten mit besonders vielen Frischlingen aufgefallen sind, vermute ich eher, dass es, was die Strecken betrifft, eher ein durchschnittliches Jahr werden wird.

JÄGER: Hat der Sommer auch irgendetwas Gutes gebracht?

Ronny Andresen: Durch die Trockenheit sind auf einmal auch Revierteile zugänglich, die sonst zum Betreten zu vernässt waren. So können nun auch dort Stände aufgestellt werden. Zudem ist die Vegetation nicht so hoch gewachsen, so dass auch auf den frühen Jagden ausreichend zu sehen sein wird. Beim Freischneiden und Aufasten sollte man sich dann aber nicht von herunterhängenden Ästen täuschen lassen, regnet es noch ausreichend, können diese ihre Spannkraft zurückgewinnen und man macht die Arbeit zweimal.

JÄGER: Vielen Dank, Herr Andresen, für das Beantworten der Fragen.


FOTOS: MATTHIAS BÖHL (SAUEN), PRIVAT