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TITELTHEMA: Es geht auch ohne Leckerli: Erziehen ohne zu bestechen


Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 7/2019 vom 05.06.2019

Sie ist der absolute Trend in der Hundeerziehung – die positive Bestärkung! Doch was passiert eigentlich mit der Mensch-Hund-Beziehung, wenn der Vierbeiner für jedes vom Halter gewünschte Verhalten eine Belohnung, meistens in Form von Futter, bekommt?


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Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 7/2019

Hunde untereinander erziehen sich nicht mithilfe von Futter


Es hat sich einiges getan in der Hundeerziehung in den letzten 20 Jahren. Zum Glück. Während der Fokus früher eher auf Unterordnung und Verboten lag und manche Hundehalter noch gewaltsam ihren Willen durchsetzen wollten, geht es heute bedeutend sanfter zu auf Hundewiesen und Gassiwegen. Positive ...

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... Bestärkung lautet die Devise. Der Hund wird für erwünschtes Verhalten belohnt, meistens mit Leckerlis, die Herrchen und Frauchen ständig mit sich rumtragen. Auch Motivation erfolgt meist über Futter. Grenzen setzen, vor allem mittels Körperkontakt, wird bei vielen der positiven Trainingsformen nicht gerne gesehen. Manche Trainer raten dazu, unerwünschtes Verhalten zu ignorieren und dem Hund lieber zum Beispiel Verhaltensalternativen anzubieten. So soll der Hund Herrchen und Frauchen ausschließlich positv verknüpfen und nichts die Beziehung trüben. Überhaupt soll der Hund möglichst wenig negative Erfahrungen machen.

Futterbelohnungen: Lust oder Frust?
Doch wie sinnvoll ist dieses Heile-Welt-Szenario für Hunde? Wie lernt der Vierbeiner, mit Frust und Stress umzugehen? Und können Belohnungen wirklich langfristige Verhaltensänderungen herbeiführen? In der Pädagogik weiß man schon seit Mitte der 1970er-Jahre durch Studien an Schulkindern, dass sie zwar zunächst auf die Belohnung ansprachen, ihre Motivation und Begeisterung aber nach einer Weile immer schwächer wurde. Schlimmer noch, schon vorhandene Motivation wurde durch das Belohnungssystem langfristig verdrängt. Kinder, die eigentlich gerne malten, taten dies, nachdem das Belohnungsprogramm eine Weile lief, nicht mehr so gerne. Und wenn die Belohnung ausblieb, wurde das Malergebnis schlechter und schließlich wurde kaum noch gemalt. In der Literatur wird das als Korrumpierungseffekt bezeichnet. Gilt das auch für unsere Vierbeiner?

Und was macht es mit der Beziehung Mensch-Hund, wenn Herrchen oder Frauchen ständig mit Futterbelohnungen lockt? Hinterfragt der Mensch dann eigentlich noch ausreichend, warum sein Hund dieses oder jenes vermeintliche Fehlverhalten an den Tag legt, wenn er durch die Aussicht auf Belohnung mit einer Verhaltensänderung seines Hundes rechnet? Und wie nimmt der Hund seinen Menschen in dieser Art der Beziehung wahr? Als seinen persönlichen Leckerchen-Automaten oder als souveränen Anführer?

Klar ist, in der Welt der Hunde gibt es keine Futterbelohnungen. Im Gegenteil, Hunde in einer Gruppe gehen für unsere Begriffe ziemlich rabiat miteinander um, wenn ihnen das Verhalten des Artgenossen nicht passt. Und dabei, das entdecken Verhaltensforscher mehr und mehr, sind Hunde hochsoziale Wesen mit Emotionen, ja sogar mit einer Form von Moral. Wie also kann eine hundgerechte Erziehung durch den Menschen aussehen?

Hundetrainerin Anita Balser hat sich entschieden, vollkommen ohne Leckerchen zu arbeiten, und auch Filmtiertrainer Dirk Lenzen verzichtet in seiner Hundeschule auf Futter-Belohnungen. Beide kommen aus völlig unterschiedlichen Ecken der immer größer werdenden Welt der Erziehungsmethoden. Warum sie sich gegen den Leckerli-Trend entschieden haben, erklären sie auf den folgenden Seiten im Interview:

Während vor 20 Jahren der Fokus mehr auf Unterordnung und Verboten lag, dreht sich momentan in der Hundeerziehung fast alles um positive Bestärkung. Das klingt doch eigentlich gut, oder?
Das kommt drauf an, in wessen Ohren, und es kommt drauf an, was man möchte. Ich habe das positive Bestärken hinter mir. Es ist jetzt nicht so, dass ich nicht auch einmal so gearbeitet hätte. Nur irgendwann habe ich gemerkt, das passt nicht zu meiner Einstellung, wir machen aus Hunden dressierte Äffchen, die Kunststücke vorführen, und ich finde wichtig, dass man sich Folgendes vor Augen führt: Es wird ja meistens mit Futter bestärkt und habe ich einen Hund, der auf Futter anspricht, kann es sein, dass er so gierig ist auf das Futter, dass der mich gar nicht mehr mitkriegt. So jedenfalls sehe ich die Hundewelt. Und ich stelle die Frage, möchte ich das? Möchte ich mit meinem Hund etwas tun, was dazu führt, dass er gar nicht mehr wahrnimmt, wer da eigentlich ist? Wo beliebig ist, wer dieses Futterstück in der Hand hat? Und dann gibt es ja auch Hunde, die überhaupt nicht auf Futter ansprechen und dann bekommen die Halter vom Trainer solche Tipps wie: Dann musst du den Hund drei Tage hungern lassen. Da frage ich mich, was ist denn da mit der positiven Bestärkung?

Wenn Leute mit Positiv-Bestärkung arbeiten, dann heißt es immer, das funktioniert erst mal alles ohne Ablenkung. Was bedeutet aber Ablenkung? Eine Alternative zu dir. Das heißt, wenn eine Alternative zu dir auftaucht, kannst du das Ganze vergessen. Sie haben eben gesagt, positiv Bestärken, das klingt ganz gut. Genau, das klingt ganz gut, wenn man es nicht hinterfragt. Verstehen Sie mich nicht falsch, alle Wege sind in Ordnung, nur eines ist wichtig: Erreiche ich damit mein Ziel?


„Wir leben von der Methodenvielfalt. Noch nie hatte ein Hundehalter so viele Möglichkeiten wie heute. Das ist Fluch und Segen zugleich!“


Wie genau sieht denn eine hundgerechte Erziehung aus Ihrer Sicht aus?
Ich stelle immer die Frage, was braucht der Hund von mir als Mensch, damit er in der Welt, in der wir heute mit Hunden leben, die ja ganz anders ist als vor 20 Jahren, damit er in dieser Welt mit mir und mit den ganzen Außenreizen klarkommt? Wenn man sich ein bisschen anschaut, wenn Hunde neu aufeinander treffen und ein Hund ist dabei, der führen kann, und einer, der es weniger gut kann: Was machen die denn da? Wie machen die was und wann machen die was? Das Beobachten ist das, was ich getan habe, irgendwann nach meiner Positiv-Bestärken-Ära. Das habe ich jahrelang gemacht und mache es immer noch. Das ist ein unendliches Feld, das Lernen hört nie auf. Dann stellt man sehr schnell fest, dass Beziehungen unter Hunden mit Begrenzungen und Einschränkungen und Korrekturen beginnen. Das machen wir Menschen in der Regel nicht. Wir kommen in die Beziehung mit dem Hund und sind erst mal nett. Ob wir Leckerchen verwenden oder nicht spielt keine Rolle.

Wir sind entzückt, wir schauen den Hund den ganzen Tag an und wir bedenken dabei nicht, dass alleine das Überschütten mit Aufmerksamkeit, weil ich völlig verknallt bin, in Hundesprache eine Bedeutung hat. Denn dort bekommt derjenige die meiste Aufmerksamkeit, der auch am meisten im Bezug auf die Führung zu sagen hat. Das heißt, wenn ich den Hund die ganze Zeit beobachte, sage ich ihm in seiner Sprache permanent: Du führst. Und das finde ich so lange nicht schlimm, solange der Hund funktioniert. Trifft der dann aber Entscheidungen, die mir nicht gefallen, zum Beispiel wird Artgenossen gegenüber aggressiv oder zieht an der Leine, kommt nicht, wenn ich ihn rufe, dann fällt mir auf einmal ein, jetzt möchte ich aber Mitspracherecht. Und dann kommen die Leckerchen raus. So mache ich mich in den Augen des Hundes zum vollkommenen Idioten.

Sie glauben gar nicht, wie viele Menschen mich fragen: Was kann ich denn tun, um für meinen Hund interessant zu werden? Und das spiegelt eine Einstellung wider, nämlich ich muss mich zum Horst machen, damit der Hund auf mich abfährt. Nein! Ich muss mich einfach in Hundesprache wie jemand verhalten, der Führung innehat. Und das hat mit Leckerchen überhaupt nichts zu tun. Man kann auch Spiele mit dem Hund spielen, bei denen Futter total okay ist, man sollte nur nicht der Illusion verfallen, dass Führung oder Erziehung sich ausschließlich durch Leckerchen erreichen lassen.

Echte Zuneigung drückt sich bei Hunden über Nähe aus


„Echtes Verständnis bedeutet, Hunde so zu sehen, wie die Natur sie gedacht hat!“


Aber wenn ich einen neuen Hund habe, vielleicht sogar einen Welpen, dann möchte ich ja, dass er mich mag und habe Angst davor, dass er mich negativ verknüpfen könnte …
Ja, absolut und das kann ich auch verstehen, wirklich. Nur, dann muss man so ehrlich sein und den Gedanken zu Ende denken. Wen mag er denn am Ende? Mich oder das Futter? Ich bin bei Ihnen, ich möchte auch, dass mein Hund mich mag, aber dann muss ich ihm geben, was er braucht, und das ist Führung, damit er mich mögen kann. Ich habe noch nie einen Hund gesehen, der einem anderen ein Stück Wienerle vor die Füße spuckt. Und schon gar nicht ein Hund, der führt.

Was bedeutet das für mich als Menschen, wie agiere ich?
Angenommen, dass läuft jetzt suboptimal bei dir und deinem Hund und du möchtest jetzt etwas ändern. Es gibt bereits Fehlverhalten, dann solltest du erkennen, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen ist, den Hund einzuschränken. In der Hundesprache bedeutet das ein Beschränken des Raumes. Zum Beispiel, man macht ein Deckentraining nach HTS, das heißt, wir begrenzen den Raum durch eine Decke und beginnen mit der räumlichen Einschränkung des Hundes. Allein dieses Recht, die Bewegung des Hundes einzuschränken, bedeutet bereits, ich übernehme die Führung – nicht ich habe sie, ich übernehme sie.

Es gibt vier wesentliche Führungsmerkmale, das erste ist die Aufmerksamkeit, darüber haben wir ja schon gesprochen. Da kann man sich die Frage stellen, bin ich aufmerksamer auf den Hund oder ist das umgekehrt? Das zweite Merkmal ist Richtung und Tempo, also wohin bewegen wir uns und mit welcher Geschwindigkeit. Und da kann man sich fragen, wie ist das bei der Leinenführigkeit, wer bestimmt da eigentlich Richtung und Tempo? Das dritte ist die Energiesteuerung, das heißt, wer ist in der Lage zu aktivieren oder zu beruhigen? Das kann man herausfinden, indem man sogenannte Komm-mit-bleib-stehen-Spiele macht. Das Aktivieren kriegen die Leute meistens noch hin, aber dann stehen zu bleiben und Ruhe zu signalisieren, die der Hund auch annimmt, das ist schwieriger. Und Erkundung ist das vierte Führungsmerkmal, also wer erkundet was zuerst. Im Hunderudel wird das bei neuen Situationen dem der führt überlassen. Wenn der Hund also fremde Leute anspringt, dann erkundet er, also denkt er, er führt. Das sind die vier Merkmale und an denen kann man in einem Training Schritt für Schritt anfangen, etwas zu ändern.

Sie kontrollieren ihn also, aber Sie müssen ja auch positive Gefühle auslösen, wie machen Sie das?
Wenn ein Hund einen anderen korrigiert, dann ist er sehr angespannt, er hat einen fixierenden Blick, er hat die Muskulatur angespannt. Und wenn der andere Hund dann das richtige Verhalten zeigt, löst sich die Spannung im Körper des Führenden. Und das lehren wir unsere Kunden auch. Wir lehren die Körperspannung im Moment der Korrektur und dann die Entspannung. Wenn Sie so wollen ist die Entspannung bei HTS eine Form von Lob. Dadurch sieht der Hund, jetzt ist alles wieder in Ordnung. Was wir auch machen sind die klassischen Zuneigungsgesten, die haben wir auch von den Hunden abgeleitet. Sie streifen den Hund ganz ruhig mit der Handfläche an der Brust ab von oben nach unten. Man hat festgestellt, dass im Brustbereich am schnellsten Oxytocin, das ist ein Bindungshormon, ausgeschüttet wird. Oder Sie fahren mit der Handaußenfläche beim Hund von der Schnauze an aufwärts. Da gibt es aber auch Hunde, die mögen das nicht, wenn sie das nicht von klein auf kennen. Aber wenn der Hund nach der sozialen Bestätigung meine Nähe sucht, habe ich alles richtig gemacht.

Überhaupt ist Nähe ein wichtiges Thema. Zuneigung drückt sich beim Hund durch Nähe aus, nicht durch Distanz. Manche Hundehalter kommen zu mir und sagen, der Hund ist 60 Meter weg, ich möchte dass er kommt, wenn ich ihn rufe. So geht das natürlich nicht. Wir arbeiten daran, dass der Hund einen natürlichen Rudelradius zum Menschen hat und der liegt bei ungefähr maximal 20 Metern. Wenn Sie Hunde untereinander beobachten, werden Sie zwischen den einzelnen Rudelmitgliedern keine größeren Abstände sehen. Zuneigung, Bindung, Beziehung, nennen Sie es, wie Sie wollen, das drückt sich beim Hund durch Nähe aus: Ich bin gerne bei dir. Das Schönste für einen Hund ist, bei dir sein zu dürfen, nicht zu müssen, das ist ein Unterschied.

Während vor 20 Jahren der Fokus mehr auf Unterordnung und Verboten lag, dreht sich momentan in der Hundeerziehung fast alles um positive Bestärkung. Das klingt doch eigentlich gut, oder?
Ja, wenn das für jeden Hund passen würde und für jedes Verhalten, dann könnte ich das ja so bestätigen. Ich habe festgestellt, es gibt in den letzten Jahren mehr Beißereien unter Hunden und ein Grund dafür ist manchmal die Beute, die Herrchen und Frauchen permanent am Gürtel tragen und die sich damit in andere Reviere begeben. Da geht man zum Beispiel an die Rheinwiese und hat noch Beute mit dabei und so manchem Hund geht es damit gar nicht gut, weil er weiß: Wenn wir hier auf den nächsten Alpha-Rüden treffen, will der unsere Beute. Das kann sein, dass wir dann Theater kriegen und darum kämpfen müssen. Das nur mal so aus Hundesicht.


„Hunde loben andere Hunde nicht!“


Heutzutage rennen sie mit Nylonbeuteln herum in allen Farben, voll mit 200 oder 300 Gramm Futter, weil die Hunde sonst nicht mitkommen. Also, das sind alles Futterautomaten, das kann jeder.

Wie arbeiten Sie?
Ich bilde keine Futterautomaten aus. Wenn wir unsere Hunde loben, dann geht das über Berührung, dann geht das über freundliche Stimme, und wer seinen Hund kennt, sieht auch, dass der Hund ein Wohlbefinden hat und wenn man das erkennt und das auch fühlt, kann man da sehr gut mit arbeiten. Da brauche ich keine Kalorien, da brauche ich nichts, wo sich Hunde drum streiten, da brauche ich nichts, was Geld kostet.

Werden wir konkret: Wenn ich einen jungen Hund nach Lenzen ausbilde, wie mache ich das?
Das geht so, dass ich mit dem ersten Hörzeichen, dass ich mit dem Namen anfange, wir nehmen jetzt mal Benji. Dann sage ich den Namen, dann schaut der Hund, dann streichle ich ihn alleine, weil er auf seinen Namen gehört hat. Ich kuschele ihn so gefühlte 15 bis 20 Sekunden durch und zwar da, wo er das am allerliebsten hat. Und dann höre ich damit auf und wenn der Hund dann von mir wegggeht und sich für was anderes in der Wohnung interessiert, dann gehe ich hinterher und ich gebe wieder diesen Laut. Und wenn der Hund schaut, dann kuschele ich ihn wieder durch. Später irgendwann soll mein Hund sitzen lernen, dann spreche ich ihn mit Namen an, weil der ja jetzt auf seinen Namen reagiert. Diese Reaktion sollte man auf jeden Fall abwarten, damit ganz sicher ist, dass der Hund zuhört. Dann sage ich „Sitz!“, aber der Hund weiß ja noch gar nicht, was das bedeutet. Dann sage ich nochmals „Sitz!“ und helfe ihm und zeige ihm, wie das geht. Ich greife ins Halsband, streiche mit der anderen Hand über den Rücken, und am Po angekommen halte ich ihn fest und ziehe ihn leicht nach hinten. Jetzt geht er automatisch in die Sitzposition und weil beide Hände schon am Hund dran sind, kuschele ich ihn jetzt genauso durch. Der sitzt und soll ein tolles Gefühl haben.

Wenn ein unerwünschtes Verhalten kommt, korrigieren Sie auch und wenn ja, wie?
Es gibt Abbruchsignale und da geht es dann in den Bereich, den man eigentlich artgerecht nennt. Das kann man sich bei Hunden abschauen. Was macht der Hund, der neben seinem vollen Napf liegt und feststellt, dass ein anderer Hund an sein Futter will? Er wird warnen, er wird Zähne zeigen und ein bisschen brummeln, und wenn der andere Hund sich nähert, könnte es sein, dass er sein Futter verteidigt, zwei, drei Schnapper in die Luft macht oder mit ein bisschen Pech dem anderen Hund in den Hals beißt. Nicht, weil da die Kehle ist, sondern weil er da den anderen Hund nicht so schnell verletzen kann, weil im Halsbereich Haut und Fell viel dicker sind.

Was mache ich als Mensch also jetzt, wenn ich zum Beispiel einen Hund habe, der zu mir an den Tisch kommt? Den warne ich mit einem „Nein!“. Und damit der Hund dieses Hörzeichen auch als negativ wahrnimmt, löse ich eine Schrecksituation aus. Dieses „Nein“ ist ein absolut negativer Laut, den darf ich nie in Kombination mit dem Namen aussprechen.

Wie arbeite ich mit einem erwachsenen Hund, mit dem vorher schon mit Leckerchen gearbeitet wurde?
Langsam entwöhnen. Wenn der Hund für fünfmal „Hier“ jedes Mal ein Leckerchen bekommen hat, dann lasse ich ihn ein-, zweimal kommen, dann kriegt der von mir ein Leckerchen und beim dritten Mal, wenn er kommt und Leckerchen erwartet, kriegt der nur eine Streicheleinheit. Und so kann ich das langsam ausschleichen.

Anita Balser

Die Trainerin und Referentin aus Usingen im Taunus arbeitet seit 27 Jahren mit Hunden und orientiert sich bei ihrer Methodik am Verhalten der Hunde untereinander. Seit 2005 beobachtet sie Hunderudel intensiv und hat in ihrer Hundeteamschule (HTS) einen ganz eigenen Ansatz entwickelt. Damit reist sie durch Deutschland, Österreich und die Schweiz, gibt Intensivtage, Seminare und Webinare. Zahlreiche Filme und DVDs von Anita Balser gibt es hier:www.hundeteamschule-shop.de

Führungsmerkmale nach HTS

1. AUFMERKSAMKEIT
2. RICHTUNG UND TEMPO
3. ENERGIESTEUERUNG
4. ERKUNDUNG

Dirk Lenzen

Der Filmtiertrainer und Buchautor betreibt eine Hundeschule in Düsseldorf. Wenn er Hunde zum Beispiel für Fernsehrollen dressiert, dann verwendet Dirk Lenzen auch schon mal Leckerchen, in der normalen Erziehung im Alltag lehnt er jedoch Futter-Belohnungen strikt ab. Mehr Infos unterwww.animalstar.de

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FOTOS: TRIO BILDARCHIV, HUNDETEAMSCHULE.DE,ANIMALSTAR.DE