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Titelthema: Gemeinsam für den Friedhof: NETZWERK DRESDNER FRIEDHOFSVERWALTER: Gemeinsam stärker öffentlich auftreten


Friedhofskultur - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 02.05.2019

Evangelische Friedhöfe in Dresden haben sich zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, tauschen ihre Erfahrungen aus und stellen gemeinsam Projekte auf die Beine. Zum Beispiel: Grabpatenschaften.


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Netzwerkmitglieder (von links): Andreas Thiele, Lara Schink, Christian Eisner, Susanne Küchler und Heike Hofmann.


Foto: Anett Kirchner

Friedhöfe in einer Großstadt wie Dresden: Einerseits sind die jeweiligen Verwalter Konkurrenten, andererseits auch aufeinander angewiesen. Dass es sich positiv auswirkt, den Konkurrenzgedanken für einen Moment wegzuschieben und gemeinsam Projekte an den Start zu bringen, diese ...

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... Erfahrung machen gerade die evangelischen Friedhöfe in der sächsischen Landeshauptstadt. Vor zwei Jahren haben sie das „Netzwerk Dresdner Friedhofsverwalter“ ins Leben gerufen. Ihr erstes Projekt sind Grabpatenschaften. Und es läuft gut, wie sie berichten.

„Gemeinsam können wir stärker auftreten, zum Beispiel gegenüber Verhandlungspartnern wie der Landeskirche oder der Landeshauptstadt“, erklärt Andreas Thiele. Er ist der Friedhofsmeister der Inneren und Äußeren Plauensche Friedhöfe in Dresden. Grabpatenschaften würden meist an kunsthistorisch wertvolle Grabstellen vergeben. Und hierfür müsse jeweils das Amt für Denkmalschutz eingebunden werden. Den Erhalt historischer Gräber sehe er neben der täglichen Arbeit als übergeordnete Aufgabe. „Denn damit tragen wir dazu bei, Bestattungskultur zu bewahren.“

Gerade in Dresden, wo schon immer viele Künstler lebten und arbeiteten, spiegelt sich auf den Friedhöfen ein Teil europäischer Kulturgeschichte wider. Hier finden sich unter anderem aufwendig gearbeitete Grabsteine, umgeben von detailverliebt geschmiedeten Gittern und Gräber bekannter Persönlichkeiten sowie imposante Skulpturen.

Weil der Erhalt historischer Gräber für die Friedhöfe eine finanziell nicht stemmbare Last ist, werden sie mit einer Grabpatenschaft in neue Hände gegeben. Der Pate erklärt sich bereit, dass er für die Restaurierung und den Erhalt des jeweiligen Grabdenkmals sorgt. Im Gegenzug erhält er das Recht, sich selbst oder andere in dieser Grabstelle beisetzen zu lassen.

Eine mehr als 100 Jahre alte, ehemalige Gruftstelle.


Nicht alle Gräber sind pompös.


Trümmer der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Feierhalle des Neuen Annenfriedhofes.


Wie alles begann

Die Idee, ein Netzwerk von Friedhöfen zu gründen und Grabpatenschaften über einen gemeinsamen Auftritt im Internet anzubieten (www.grabpatenschaft-dresden.de), kam von Lara Schink. Die 28-Jährige ist seit vier Jahren die Friedhofsverwalterin der Annenfriedhöfe in Dresden. Allein auf dem Neuen Annenfriedhof an der Kesselsdorfer Straße existieren 63 erfasste Einzelkulturdenkmale und rund 375 unter Denkmalschutz stehende historische Grabanlagen. Auf dem Alten Annenfriedhof an der Chemnitzer Straße sind es 75 Einzelkulturdenkmale und etwa 250 historische Grabanlagen innerhalb des Denkmalschutzstatus.

Gemeinsam mit Beatrice Teichmann, die Friedhofsleiterin unter anderem des Dresdner Johannisfriedhofes ist und bereits Erfahrung mit Grabpatenschaften hatte, stellten sie das Netzwerk auf die Beine. Ganz oben auf der Agenda stand dabei: Erfahrungsaustausch. „Damit nicht jeder nur in seiner eigenen Welt vor sich hinarbeitet, sondern über den Tellerrand hinausschaut“, sagt Lara Schink.

Im August 2017 fand das erste Netzwerkstreffen statt. Mit Erfolg. 15 Friedhöfe – alle in kirchlicher Trägerschaft – schlossen sich der Idee an, zwölf Friedhofsleiter sind aktiv beteiligt. Seither gibt es monatliche Treffen, entweder auf einem der Friedhöfe oder in den Verwaltungen, je nach Witterung. Neue Friedhöfe, die sich an dem Netzwerk beteiligen wollen, seien jederzeit willkommen. Lara Schink konnte bisher auf ihren zwei Friedhöfen fünf Grabpatenschaften erfolgreich vermitteln, darunter die Familiengrabstelle Schulz auf dem Alten Annenfriedhof. Zwischen 1925 und 1930 fanden hier Beisetzungen statt. Es handelt sich um ein aufwendig gestaltetes Jugendstil-Grabmal mit Ornamenten von Blüten und Knochen; die symbolisch für Leben und Tod stehen.

Grabmalpatin ist Anja Ehrhardt. Im Frühjahr letzten Jahres lag ihre Mutter im Sterben und sie suchte für sie einen passenden Begräbnisort. Weil die Mutter zuvor bei einem Spaziergang über den Alten Annenfriedhof geäußert habe, dass sie sich vorstellen könne, dort beigesetzt zu werden, machte sich Anja Ehrhardt an diesem Ort auf die Suche und erkundigte sich über die Grabarten.

Im Internet fand die Kunsthistorikerin die Initiative zu den Grabpatenschaften. Die Idee hinter dem Projekt habe ihr sofort gefallen. Denn der Bestattungskultur sollte eine gewisse Wertschätzung entgegengebracht werden. „Mir ist wichtig, wie wir uns von einem Menschen verabschieden und wie wir uns an ihn erinnern“, sagt sie. Und als Anja Ehrhardt zum ersten Mal vor ihrem Patenschaftsgrab stand, habe sie Gänsehaut bekommen. In der Inschrift war der Name einer Frau eingraviert, die einst dort beigesetzt wurde. Elfriede Schulz – geborene Ehrhardt. Ein Zeichen?

Für Anja Ehrhardt sei schnell klar gewesen: das ist ihr Grab. Im Sommer 2018 ließ sie das Grabmal für rund 6.000 Euro sanieren. Im September wurde dann ihre Mutter dort beigesetzt. Auch sie selbst kann sich vorstellen, später an dieser Stelle ihre letzte Ruhestätte zu finden. „Es gibt mir ein gutes, beruhigendes Gefühl, dass ich das geklärt habe; vor allem für meine Familie“, erläutert sie.

Wie das Netzwerk hilft

Beruhigend ist es in gewisser Weise auch für Christian Eisner vom Obergorbitzer Friedhof, dass er zum Netzwerk Dresdner Friedhofsverwalter gehört. Mit einem Hektar zählt sein Friedhof zu den kleinen in Dresden. Schwierige Zeiten durchlebte der Friedhof, als nach der Wende die Belegungszahlen massiv zurückgingen. Inzwischen sei das tiefe Tal durchschritten, wie er berichtet. Waren es vor 15 Jahren noch etwa 29 Beiset-zungen jährlich, sind es derzeit etwa 70 Beisetzungen. Dabei hilft ihm auch das Netzwerk.

Auch die historische Grabstätte der Familie Albeshausen wird von Grabpaten gepflegt.


Fotos: Anett Kirchner

„Auf manch gute Ideen kommt man nicht selbst, wenn man nur in seinem eigenen Betrieb arbeitet“, schildert er seine Erfahrung. Der gegenseitige Austausch mache Mut und nehme Hürden. Auch finanziell ergäben sich Vorteile aus der Zusammenarbeit; etwa in der Öffentlichkeitsarbeit, denn dafür gebe es normalerweise kaum ein Budget.

Positiv schaut auch Verwaltungsleiterin Heike Hofmann vom Striesener Friedhof in die Zukunft. „Wir legen jetzt die Grundlagen für die nachfolgende Generation“, erklärt sie. Das Netzwerk bilde einen reichen Schatz an Erfahrungen, die es weiterzugeben gilt. Allein auf ihrem rund 5,6 Hektar großen Friedhof gebe es etwa 50 Grabstätten, die unter Denkmalschutz stehen, weitere habe der Friedhof unter Bestandsschutz gestellt. Zwei Grabpatenschaften konnte sie schon vermitteln, es gebe weitere Interessenten.

Ebenfalls mit dabei ist der Friedhof Dresden-Cotta mit seinem Verwalter Hartmut Schneider. „Oft sind es ganz praktische Dinge und Informationen, die wir austauschen“, sagt stellvertretend für ihn Friedhofsmitarbeiterin Susanne Küchler. Sie denke da zum Beispiel an Erfahrungen mit Brunnen, die für die Bewässerung gebohrt werden müssen oder an neue Antragsformulare, bei denen man sich beim Ausfüllen gegenseitig unterstütze.

Mit Blick in die Zukunft haben die Dresdner Friedhofs-Netzwerker ein zweites Projekt in Planung. Mit Plakaten wollen sie in den öffentlichen Verkehrsmitteln der Stadt eine Werbekampagne für ihre Stadtteilfriedhöfe starten. „Denn oftmals wissen die Menschen gar nicht, wo der nächste Friedhof in ihrer Nähe ist“, berichtet Lara Schink. Diese fehlende Wahrnehmung soll sich nun ändern.
Anett Kirchner, Berlin

Für diese historische Grabstelle wird noch ein Grabpate gesucht.