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TITELTHEMA: Patentsache – der Helikonbass im Wandel


Harmonikawelt - epaper ⋅ Ausgabe 31/2019 vom 18.03.2019
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Bildquelle: Harmonikawelt, Ausgabe 31/2019

Hermann Jamnik


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Hermann Jamnik beschäftigt sich seit Anfang der 1980er-Jahre mit dem Bau und der Weiterentwicklung der Steirischen Harmonika. Von Anfang an war es ihm ein Bedürfnis, das Instrument zu verbessern. Seine patentierte Erfindung eines weiterentwickelten Bassteils – dem „Etagenbass“ – ist ein Meilenstein in der Geschichte des Helikonbasses der Steirischen Harmonika und feiert bald ihr 25-jähriges Jubiläum. Wir durften den südsteirischen Harmonikabauer zu seiner Entwicklung und seiner diesbezüglichen Erfolgsgeschichte befragen.

Harmonikabau Jamnik – diese Marke steht seit 1983 für besondere und einzigartige Harmonikas. Hermann, das Beharren auf dem Status quo ist dir ja fremd. Was hat dich motiviert, die seit Jahrzehnten etablierte Bauweise der Bassseite der Steirischen Harmonika infrage zu stellen?

In der Zeit, in der wir Musikanten noch mit dreireihigen Harmonikas zufrieden waren, hatten wir ja gar keinen Grund, etwas infrage zu stellen. Es war ja problemlos möglich, die notwendigen fünf bis sechs Helikonbässe in zweichöriger Ausführung in das Gehäuse einzubauen. Bei den vierreihigen Harmonikas, die seit den 1980er-Jahren immer mehr verlangt wurden, hat man halt immer Kompromisse eingehen müssen. Mehr als vier doppelte und drei bis vier einfache Helikonbässe haben einfach keinen Platz. Im Klang ist das immer ein Kompromiss, und damit wollte ich mich schlussendlich nicht zufriedengeben. Es war bei mir schon immer der Wunsch da, auch vierreihige Harmonikas vollständig mit doppelten Helikonbässen auszustatten.

Wie hast du dich der Aufgabe gestellt? Wie bist du letztlich zu der patentierten Lösung gekommen?
Also ausgegangen bin ich davon, dass der volle Klang der doppelten Helikonbässe unbedingt erhalten bleiben muss. Ein weiterer Kompromiss kam nicht infrage. Die üblichen Basskanzellen – liegend im Basskasten – sind klanglich eigentlich ideal, nur eben zu breit. Jetzt haben wir nach einer Lösung gesucht, bei der wir an der Grundanordnung nichts ändern müssen. In den Balg hinein zu bauen war naheliegend, weil das der einzige Bereich bei der Steirischen Harmonika war, wo noch Platz verfügbar war. Und so sind wir nach einiger Zeit und einigen Versuchsharmonikas auf das Etagenbasssystem gekommen.

Und hat das gleich funktioniert?
Die Entwicklung und die Perfektionierung haben schon einige Zeit gedauert. Wir mussten ja auch die gesamte Mechanik der Bassseite umkonstruieren. Beim traditionellen System liegen die Klappen aller Bässe in einer Reihe nebeneinander, bei uns sind es zwei Reihen und die Akkorde sind auch völlig anders angeordnet. Da bleibt nichts gleich; das war auch mechanisch eine vollkommene Neuentwicklung. Schließlich haben wir nun auch die gesamte Bassmechanik wie am Diskant kugelgelagert. Im Zuge der Entwicklung haben wir auch gleich die Luftführung zu den Stimmzungen optimiert.

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War die Luftführung vorher noch nicht perfekt?
Es gibt immer etwas zu verbessern, man darf nie stehenbleiben. Neben dem vollen Klang der Bässe unserer Harmonikas ist auch die Tiefe der Töne, die wir erreichen können, etwas Besonderes. Weil wir nun alle Bässe zweichörig ausführen und die Form von Kanzelle und somit die Luftführung optimiert haben, können wir bis ans untere Ende der Kontraoktave und auch etwas darüber hinausgehen. Ein Kontra-C, ja sogar ein Subkontra-B schwingen problemlos an und bleiben im Ton stabil und gleichmäßig. Letztlich war das Ergebnis unserer Entwicklung so erfolgreich, dass wir uns entschlossen haben, sie zum Patent anzumelden. Das war dann am 7. Juni 1995 … und ist nun auch schon fast 25 Jahre her.

Alles in allem kann man wirklich von einer Erfolgsgeschichte sprechen. War der Weg bis hierher immer so einfach und klar, wie es im Nachhinein betrachtet oft aussieht?

Wenn man ständig so an Verbesserungen dran ist, ist das nie einfach und klar. Wenn man im Zuge eines solchen Projektes schon etliche Harmonikas entworfen, gebaut und wieder zersägt hat, weil es eben nicht so funktioniert, wie man es sich erhofft hat, hat man mitunter schon ein paar schlaflose Nächte. Der „normale“ Betrieb muss trotzdem weiterlaufen, die Kunden wollen ihre bestellten Harmonikas ja auch in Empfang nehmen können. Aber es ist gut ausgegangen und ich kann mich auch wieder um neue Entwicklungen bemühen.

Wie ist denn nun der Status quo, was ist alles möglich?
Vor 30 bis 35 Jahren waren wir bei dreireihigen Harmonikas mit 33 Tasten, sechs Bässen und fünf Akkorden. Heute sind bei uns die vierreihigen, 50-tastigen Harmonikas mit zehn doppelten Helikonbässen und acht bis zehn Akkorden ein guter Standard. Aber da ist ja noch mehr möglich, wie du weißt. Das derzeit maximal Mögliche, ohne die Kastengröße zu verändern, ist eine Harmonika mit zwölf zweichörigen Helikonbässen und zwölf vierchörigen Akkorden. Aber da ist der Platz in der Harmonika schon sehr gut ausgenutzt!

Ist da jetzt Schluss? Oder kommt noch was?
Wer weiß das schon …

Danke, Hermann, für deine erschöpfenden Auskünfte und spannenden Geschichten. Alles Gute für deine Zukunft, wir wünschen dir (und uns auch), dass du noch viele gute Ideen hast und deine wunderbaren Instrumente weiterentwickelst!

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