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TITELTHEMA: Vertrauen, Beziehung, Respekt: So werden Sie zum Erziehungs-Profi


Partner Hund - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 04.12.2019

Wie können Sie echte Führung erreichen und mit Ihrem Hund zu einem harmonischen Team zusammenwachsen? Die bekannte Hundetrainerin Perdita Lübbe-Scheuermann erklärt im Gespräch mit Heike Reinhardt genau, worauf es dabei ankommt


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Bildquelle: Partner Hund, Ausgabe 1/2020

Es leben mittlerweile 9,4 Millionen Hunde in Deutschlands Haushalten und es werden täglich mehr. Dass das nicht ohne Probleme ablaufen kann, ist klar. Doch wir Hundehalter machen uns das Leben oft unnötig schwer. In einer Welt, in der der Wunsch nach Perfektion das Arbeitsleben und den Alltag vieler Menschen bestimmt, werden die Ansprüche an uns selbst und damit natürlich auch an ...

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... unsere vierbeinigen Familienmitglieder immer größer. Andererseits nehmen wir uns aber immer weniger Zeit, um diese Ziele zu erreichen. „Wir sind heute so schnelllebig und meinen, auch der Hund muss huschhusch flottgemacht werden“, erklärt die renommierte Hunde-Expertin Perdita Lübbe-Scheuermann. Sie arbeitet seit mehr als 30 Jahren sehr erfolgreich mit Hunden und vor allen Dingen mit ihren Haltern. „Ich denke, viele Menschen befassen sich zu wenig mit dem Wesen des Hundes und schauen sich zu wenig seine Bedürfnisse an. Wir Menschen denken oftmals in Schubladen und sehr pauschal: Bei einem Hund muss,Sitz, Platz, Fuß‘ funktionieren und wir vergessen manchmal, dass sie Individuen für sich sind, die selbst auch einen ganz eigenen Anspruch haben.“

Konditionierung mittels Clicker und Leckerlis ist im Alltag nicht automatisch zielführend

Konditionieren oder erziehen?

Einen weiteren Grund, warum es in der heutigen Zeit zu immer mehr Schwierigkeiten im Alltag mit Hunden kommt, sieht die Trainerin in der veränderten Einstellung zum Hund. „Wir wollen am liebsten alles nur noch positiv erledigen. Verbote will man nicht mehr aussprechen, denn dann, so befürchtet man, ist man nicht mehr so beliebt bei seinem Hund und dem menschlichen Umfeld. Wir wollen gemocht werden. Das ist ein zutiefst menschliches Bedürfnis und absolut legitim, solange es uns nicht hemmt, unsere Vierbeiner zu erziehen.“ Viele Trainingsansätze, die diesem Bedürfnis nach rein positiver Bestärkung nachkommen, hält Perdita Lübbe-Scheuermann für wenig zielführend. Sie möchte lieber im direkten Kontakt zum Hund sein und ihn nicht mittels Leckerchen und Clicker durch Situationen hindurchlocken. „Oft werden Hunden Leckerli vor die Nase gehalten, um sie von etwas abzulenken. Damit wird aus meiner Sicht der Hund teilweise für dumm verkauft, indem man vermeidet, ihm stattdessen den nötigen Rahmen zu geben. Hunde sind hochkomplexe soziale Lebewesen, die man nicht unterschätzen sollte. Außerdem verkauft sich der Mensch unter Wert. Er hat seinem Hund schließlich einiges mehr zu bieten als Futter.“ Es geht letztendlich darum, mit dem Hund eine Beziehung einzugehen. Das erfordert Empathie, es setzt voraus, dass wir uns als Hundehalter Zeit nehmen, über den eigenen Tellerrand hinausschauen und uns auf ein anderes Lebewesen wirklich einlassen.

Verhalten einfach mal „auszusitzen“ führt zu einer Lernerfahrung


Bei Hundebegegnungen zeigt der Mensch, dass er Verantwortung übernimmt


Das Fundament der Mensch-Hund-Beziehung

Um als Mensch ein kompetenter Partner für seinen Hund zu sein, ist es wichtig, ihm Regeln zu geben, Grenzen aufzuzeigen und Orientierung zu schenken. „Wohlwollen, Vertrauen, Fairness, Respekt – da gibt es noch so vieles mehr, das ist für mich die Basis der Hundeerziehung. Ob ein Hund ein Kunststück beherrscht, ist das eine. Ob er sich im Leben zu benehmen weiß und ob er sich auf mich verlässt, das steht auf einem ganz anderen Blatt geschrieben.“ Wie Lübbe-Scheuermann das meint, erklärt sie an einem Beispiel. „Wenn mir ein Mensch entgegenkommt und ich setze meinen Hund ins,Sitz‘, damit er nicht diesem Menschen entgegenspringt, dann ist das eine Form der Dressur. Ja, er sitzt – aber was wäre, wenn er mal nicht hingesetzt wird? Und die Frage ist außerdem, wo denkt der Hund hin? Womöglich will er immer noch nach vorne zu dem Fußgänger – und ich muss immer zu 100 Prozent aufmerksam sein. Ich wünsche mir, dass mein Hund weiß, dass er nicht an Menschen hochspringen soll, und es deshalb nicht macht. Diese ganzen über Kommandos gemanagten Hunde (was wir im Übrigen in der Hunde-Akademie auch ergänzend lehren), suchen vielmehr nach Lücken im System, denn sie wollen ja immer noch hochspringen.“ Doch wie bringt man einen Hund dazu, ein Verhalten, das er normalerweise ausführen will, nicht mehr zu zeigen? Indem er im Idealfall eine Lernerfahrung macht, nämlich die, dass ihm dieses Verhalten nichts bringt.

Fall 1: Der Hund will Menschen anspringen

Wenn der Hund zum Beispiel an einem Fußgänger hochspringen will, verwendet Perdita Lübbe-Scheuermann eine Kombination aus drei Basis-Wegen, um ihm dieses Verhalten abzugewöhnen. Natürlich wird jede Methode auf das jeweilige Team abgestimmt. Der erste Weg ist, dass der Besitzer seinen Hund bereits im Vorfeld körpersprachlich zurückschickt. Der Hund kann dann für sich selbst auf andere Lösungen kommen, zum Beispiel am Boden schnuppern, Gras zupfen, sich gemütlich hinlegen etc. Er hat kein Signal, sodass der Halter nicht permanent aufpassen muss, dass dieses auch ausgeführt wird.

Ein zweiter Weg ist: Der Fußgänger kommt, der frei laufende Hund springt hoch und der Fußgänger reagiert nicht auf ihn, er wird vollkommen ignoriert, stattdessen unterhalten sich die Menschen entspannt. Das geht natürlich nur mit Komparsen. Der Hund merkt jetzt, dass er mit seinem Verhalten nicht zum Erfolg kommt. Er lernt, das Hochspringen bringt nichts und es ist auf die Dauer langweilig. Wenn das jetzt immer wieder geübt wird, wird er von sich aus das Hochspringen lassen und ein Alternativverhalten zeigen. Er geht zu seinem Menschen oder woandershin zum Schnuppern und hat gelernt: Fußgänger sind uninteressant.

Ein dritter Weg ist: Der Passant schickt den Hund weg. Der Hund kommt in größerer Distanz zum Besitzer auf den Spaziergänger zu und der sagt: Hau ab! und schickt ihn körpersprachlich weg. Der Hund reagiert beeindruckt und geht auf Abstand, während sich der Besitzer hinhockt und ihn freundlich zu sich einlädt. Das Rückruf-Signal lässt man in dem Moment am besten weg, denn der Vierbeiner soll sich ein Stück weit von selbst zum Halter orientieren. So kann der Hund den Weg zu seinem Menschen finden. „Man braucht sich nicht für eine Variante zu entscheiden, sondern kann alle drei – Kontrolle, Aussitzen und Wegschicken – variabel bzw. im Wechsel einsetzen. Das ist sehr wirkungsvoll.“ Zu beachten ist, dass das Wegschicken nicht unbedingt praktiziert werden sollte, wenn der Hund Schwierigkeiten mit fremden Menschen hat, sei es, dass er sehr unsicher ist oder gar Aggressionsverhalten zeigt.

Fall 2: Pöbeln an der Leine

Zunächst ist es wichtig zu ermitteln, warum der Hund an der Leine pöbelt. „Es ist erst mal die Frage, handelt es sich um territoriales Verhalten, ist es eine Wettbewerbsgeschichte, ist es (ungewollt) konditioniert worden … Häufig passiert das, weil der Hund sich zuständig fühlt. Warum ist das so? Meist entsteht es aus Missverständnissen heraus. Der Mensch zieht sich an den Wegrand zurück, lässt den Hund vor sich stehen, hält starr die Leine fest und baut dadurch Spannung auf. Er muss die Erfahrung sammeln, dass ich als Mensch zuständig und in der Verantwortung bin, wenn wir in eine Hundebegegnung gehen. Ziel ist, dass er an lockerer Leine, gegebenenfalls auf der abgewandten Seite, an Hunden vorbeiläuft. Dazu muss er hinhören. Es nützt nichts, wenn ich meinen Hund auf die andere Seite dirigiere und er dann quer vor meinen Beinen rüberschießt und den anderen Hund immer noch angreifen will. Er muss schon in der Akzeptanz meiner Person sein und Begrenzungen ernst nehmen. Das geht ganz viel mit der Basis-Erziehung einher. Leinenpöbelei kann man weitestgehend abtrainieren. Ich bin ein großer Freund von Komparsen: Durch Übungssituationen wird der Mensch stabil und erlangt Sicherheit. Dadurch wiederum schließt sich der Hund enger an und überlässt dem Menschen die Entscheidungen.“ Zu früh zu viel von seinem Hund zu erwarten, ist für Perdita Lübbe-Scheuermann ein Hauptgrund, weshalb viele Dinge im Alltag nicht funktionieren. Denn zunächst muss der Grundstein gelegt werden. „Wir springen vom 10-Meter-Brett, können aber noch gar nicht schwimmen. Wir sollten erst einmal ins Kinderplanschbecken und mit Schwimmflügelchen das Schwimmen lernen. Und so ist das mit Hunden auch. Ich möchte meinem Hund aufzeigen, dass er sich auf mich verlassen kann. Bei der Leinenpöbelei ist auch von Seiten der Hunde oftmals viel Unsicherheit dabei. Das bedeutet für mich, wenn ein Hund entgegenkommt, dass ich unter Umständen auch mal dem fremden Hund körpersprachlich signalisiere, dass er Abstand halten soll. So zeige ich meinem Hund: Guck mal, ich habe es im Griffund achte darauf, dass du nicht bedrängt wirst.“

Fall 3: Das „Hier“ nicht befolgen

„Bevor ich meinen Hund frei laufen lasse, läuft er, bis er zuverlässig ist und auf den Rückruf reagiert, an der Schleppleine. Denn es geht immer wieder um Rücksichtnahme – und ich kann ja nicht irgendwelche Leute behelligen, weil mein Hund nicht gehorcht. Er muss so lange an der langen Leine sein, bis es klappt.“ Das Training erklärt die Expertin so: „Für das Beibringen von ,Hier‘ gibt es zu Beginn immer Fleischwurst, Käse oder sonst etwas. In diesem Fall finde ich den Einsatz von Futterbelohnung sehr effektiv. Damit mein Hund zuverlässig auf ein ,Hier‘ reagiert, heißt es üben, üben, üben und das bedeutet: immer. Auch wenn er fünf Jahre alt ist. Im Übrigen sollte auch ein erwachsener Hund für die Ausführung eines ,Hier‘ gelobt werden, am besten für die Ausführung jeglichen Signals.“ Damit ist keinesfalls ausschließlich Futter gemeint, sondern natürlich auch stimmliches Lob oder Streicheleinheiten, wenn der Hund das mag. „Reagiert er mal nicht auf den Rückruf, so kann ich mittels Zupfen an der langen Leine einwirken oder auch über körpersprachliche Präsenz. Entscheidend ist, dass ich einladend und freundlich bin, wenn der Hund zu mir kommt.“

Fall 4: Verbote nicht akzeptieren

„Nehmen wir beispielsweise, dass der Hund ein ,Nein!‘ nicht akzeptiert und beim Gassigehen etwas vom Boden frisst. Ich lege etwas Fressbares auf den Boden, und mein Hund will dorthin. Dann stelle ich mich davor und blocke ihn körpersprachlich. Und dazu sage ich ,Nein!‘. Dann kommt der nächste Schritt: Wir sind ein paar Meter vom Fressen entfernt, der Hund will wieder dorthin und ich sage ,Nein!‘ und trete dabei auf die lange Leine. Ich beobachte den Hund genau, um zu erkennen, ob das ,Nein‘ tatsächlich bei ihm ankommt. Ansonsten unterstreiche ich das eventuell noch einmal durch meine Körpersprache. So lernt der Hund, dass es rote Ampeln im Leben gibt und ein ,Nein!‘ bei mir auch wirklich ,Nein!‘ bedeutet.“

Fall 5: Aggression

Es gibt viele Formen von Aggressionen. Besonders schwierig wird es meist, wenn man selber von seinem Hund attackiert wird. Verhalten entsteht und entwickelt sich. Wenn man im Welpen- und Junghundealter viel zulässt, dann erlaubt sich „Hund“ beim Erwachsenwerden mehr. „Er liegt auf dem Sofa, du sagst ,Runter!‘ und er knurrt dich an“, erklärt Perdita Lübbe-Scheuermann. „Da stimmt die Basis in der Regel nicht, denn man hat ihn stark werden lassen. Das bedeutet, auch zu Hause immer mal wieder ein Verbot zu überprüfen. Kann ich ihn aus der Küche rausschicken, lässt er das zu, obwohl er sonst immer dabei ist, oder kommt er dann ins Fordern? Frust nicht ertragen zu können ist ebenso ein großes Th ema, was ja wieder mit Verbote-Einhalten zu tun hat. Es geht nicht darum, dass man eine Futterschüssel auf den Boden stellt und sagt: ,Lass das!‘ und dann denkt, man hat einen gut erzogenen Hund. Es geht grundsätzlich darum, in verschiedenen Situationen im Alltag zu prüfen, ob der Hund zuverlässig reagiert. Alles, was ich verbieten kann, kann ich auch erlauben. Wenn es darauf ankommt, muss es passen.“

Aktives Managen bedeutet auch, für den Hund bedrohliche Begegnungen körpersprachlich zu blocken


Glanz in die Augen ihrer Hunde zu bringen ist Perdita Lübbe- Scheuermann wichtig


Start ins – neue – Leben

Dass diese Form der Erziehung funktioniert, beweist Perdita Lübbe-Scheuermann eindrucksvoll in ihrem Projekt „Start ins – neue – Leben“. Hier arbeitet sie gemeinsam mit ihrem Team mit Hunden, die in ihrer Vergangenheit oftmals kaum Grenzen erfahren haben, Aggressionen zeigen und zum Teil schon andere Hunde oder sogar Menschen schwer verletzt haben. Das Ziel: diesen Hunden eine Chance zu geben, wieder mit einem Menschen oder sogar einer Familie zu leben und nicht als unvermittelbar im Tierheim ihr Dasein zu fristen. Die Verhaltensweisen, die diese Hunde zeigen, sind nicht von heute auf morgen entstanden. „Prinzen werden gemacht“, erklärt Perdita Lübbe-Scheuermann, „und zwar unter anderem von Menschen, die es tolerieren, dass sie stark werden und immer mehr das ,Sagen‘ haben. In Beziehungen – nicht nur unter Hunden – geht es immer darum, wer wen bewegt.“ Oder einfach ausgedrückt, wer bestimmt, wie viel Raum der andere zur Verfügung hat, und wer kontrolliert die Ressourcen, die dem anderen wichtig sind. Im Idealfall sollte der Mensch der Impulsgeber für den Hund sein und nicht umgekehrt. Dabei hängt es individuell vom Hund ab, wie viel Kontrolle und Konsequenz nötig sind. Und von der Art der Beziehung, die zwischen Mensch und Hund besteht.

Wie werde ich der Hundehalter, der ich sein möchte?

Der Weg zum Ziel beginnt für die erfahrene Hunde-Expertin mit der Bewusstwerdung des Wesens Hund. „Ich schaue mir an, wie Hunde miteinander und mit Menschen agieren und kommunizieren. Raum geben und Raum nehmen ist ein ganz großes Th ema unter Hunden. Womöglich sollte ich als Mensch auch mal Raum nehmen und schauen, wie reagiert mein Hund darauf? Mag er mich womöglich sogar noch lieber, wenn ich ihn auch konkret führe? Ich finde, Hunde brauchen ihre Regeln und Grenzen, sonst suchen sie und suchen und bleiben führungslos.“ Natürlich ist nicht jeder Mensch als Führungspersönlichkeit geboren worden, dennoch kann man sich viel erarbeiten. „Wenn ich mir ein Tier anschaffe, habe ich eine Verantwortung“, so die erfahrene Trainerin, „und das bedeutet, ihm Sicherheit zu geben, ihm zu zeigen, dass ich verlässlich bin, fair zu bleiben, ihn nicht für dumm zu verkaufen, ernst zu nehmen und Glanz in seine Augen zu bringen.“ Die Frage, die Perdita Lübbe-Scheuermann bei allem umtreibt, lautet: Was macht es mit dem Hund? „In was für Situationen bringe ich ihn, wenn ich ihn auf der Hundewiese von fünf anderen Hunden herumscheuchen lasse? Je mehr man sich mit Hunden beschäftigt, desto mehr kann man reinfühlen und schauen, was sie brauchen. Zudem lassen sich ein paar Techniken lernen. Es ist wie bei einem Puzzle – es braucht verschiedene Teilchen, bis viele kleine Bausteine zu einem großen Ganzen werden.“

Perdita Lübbe- Scheuermann

Mit ihrer Hunde-Akademie in Darmstadt begleitet sie Menschen und Hunde zu einem harmonischen Miteinander. Ihr besonderes Herzblut gehört ihrem Projekt „Start ins – neue – Leben“, in dem sie Tierheimhunden zu einer neuen Chance verhilft.www.startinsneueleben.eu


FOTOS: SHUTTERSTOCK (2), SILKE GIESING (5)