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To bee or not to be


DOCMA - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 15.09.2021

MONTAGEPROJEKT APOKALYPSE

Artikelbild für den Artikel "To bee or not to be" aus der Ausgabe 4/2021 von DOCMA. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: DOCMA, Ausgabe 4/2021

Nach einem Besuch im Weltkulturerbe „Völklinger Hütte“ hatte ich Lust bekommen, aus all den dort fotografierten Elementen ein post-apokalyptisches Szenario zu basteln. Mir fehlte jedoch noch ein Hingucker. Ich experimentierte mit qualmenden Flugzeugen, waffenstrotzenden Cosplay-Modellen und verschiedenen Vogelarten, die ich zu Cyborgs umbauen wollte. Inspiriert wurde ich dann aber unerwartet beim Fotografieren von Makros im heimischen Garten, in dem gerade erstaunlich viele Bienen herumwuselten. Das wunderte mich, weil ich in den Jahren zuvor tatsächlich immer weniger Insekten bemerkte. Früher musste ich nach jeder längeren Autofahrt die Frontscheibe von unzähligen Insektenleichen befreien – heute ist das selbst bei schönem

Wetter kaum noch nötig. Das Thema ging unter der Schlagzeile „ Bienensterben“ auch eine Zeit lang durch die Medien, ist aber nicht wirklich im ...

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... öffentlichen Bewusstsein. Ganz klar sind die Ursachen für den starken Rückgang der Populationen seit den 1990er-Jahren nicht. Der Hauptgrund dafür ist aber wahrscheinlich der Mensch, seine Industrie und die intensive Landwirtschaft. Mit der Biene bekam mein Bild nicht nur einen Blickfang, sondern auch eine tiefere Bedeutung.

MEHR INFORMATIONEN ÜBER DAS BIENENSTERBEN FINDEN SIE UNTER FOLGENDEN LINKS:

NABU: www.docma.info/22197

01 Aimmeltausch per KI versus Freistellen

Die Fotos für den Hintergrund nahm ich mit einer Brenn-schen«-Funktion von Photoshop 2021 fast für die perfekte Freistellmaske ausgereicht (a). Leider lagen viele freizustellende Bereiche unterhalb des blauen Himmels (b). In diesem Fall bieten zur Zeit noch keine Algorithmen künstlicher Intelligenz eine wirkliche Hilfe. Da ist nach wie vor Handarbeit angesagt! Das heißt: »Zeichenstift« (»P«) aktivieren, Konturen nachzeichnen, diese per Rechtsklick in eine Auswahl umwandeln und als Maske anwenden und die Maske durch leichtes Weichzeichnen optimieren. Also genauso, wie man es die letzten 20 Jahre tun musste. Wahrscheinlich wird auch in den nächsten zwanzig Jahren kein Algorithmus entscheiden können, welche Bildelemente Sie tatsächlich behalten und welche Sie ausschließen möchten. Aber es wird hoffentlich eine automatische Vorab-Bildsegmentierung geben, sodass die anschließende Element-Auswahl einfacher wird.

02 Husgangsfotos für den Hintergrund

In diesem Fall hätte die »Bearbeiten > Himmel austau-weite von 14 mm im Weltkulturerbe „Völklinger Hütte“ auf. Das extreme Weitwinkelobjektiv sorgt für eine perspektivische Verkürzung und dadurch für eine ausgeprägt wirkende Bildtiefe.

Hier ist nur das Hauptmotiv des Fotomontage-Hintergrunds abgebildet. Ich kann aber jedem Fotoenthusiasten nur empfehlen, diesem ehemaligen Eisenwerk im Saarland mal einen Besuch abzustatten. Die stillgelegte Fabrik ist wirklich beeindruckend und bietet unzählige interessante Foto-Sujets. Für geschichtlich Interessierte ist das Ganze noch spannender: Wie laut und heiß war es dort wohl mitten in der Produktion? Wie hat es wohl gestunken?

Das Atmen fiel sicher deutlich schwerer, als ich es bei meinem Besuch mit der wegen COVID-19 im Jahr 2020 obligatorischen, medizinischen Schutzmaske erlebt hatte. Die riesigen Stahlkonstruktionen befeuern jedenfalls das Kopfkino. Und mein Bienen-Bild war ein Ergebnis davon.

WEITERE INFOS UNTER: www.docma.info/22199

03 Weitere Schornsteine im Hintergrund

In erster Linie glätten diese hinzugefügten Elemente die Horizontlinie, indem sie deren große Lücken auffüllen – hier durch die Umrahmungen hervorgehoben.

Das originale Eisenwerk ist tatsächlich riesiger als man es aufgrund dieses einen Fotos vielleicht vermutet. Noch größer wirkt es in der Montage durch das Hinzufügen von Details im Bildhintergrund. Dafür benutzte ich weitere freigestellte Fabrik- und Schornstein-Elemente, die ich unter der Ebene aus Schritt 2 platzierte.

04 Vordere Plattform verdecken

Die Laufbrücke links im Vordergrund (a) störte durch ihre Kleinteiligkeit, die vom Rest des Bildes ablenken könnte. Deshalb verdeckte ich sie mit einem großen Metallrohr aus einem anderen Foto (b), das den Bereich einheitlicher wirken lässt.

Auf einer Ebene im Modus »Multiplizieren« dunkelte ich die untere Seite des Rohres durch Malen mit einem weichen Pinsel mit schwarzer Farbe ab (c). Durch eine Vignette wurden die Bildecken später noch weiter abgedunkelt, so dass die Aufmerksamkeit des Betrachters zur Bildmitte und auf die Biene gelenkt wird.

05 Himmel einfügen

Die dramatischen Wolken fotografierte ich kurz vor Sonnenuntergang aus einem Flugzeug heraus. Es ist immer gut, bei Flugreisen einen Fensterplatz zu buchen und eine Kamera dabei zu haben. So können Sie eindrucksvolle Wolken wie diese aus Perspektiven fotografieren, die vom Boden aus unmöglich sind. Aktuelle Smartphones haben ebenfalls eine so hohe Fotoqualität, dass sie für solche Fotos geeignet sind. Von Vorteil ist es, auch damit im Raw-Format zu fotografieren, um den größtmöglichen Dynamikumfang aus dem kleinen Sensor zu kitzeln.

Da das Licht in der fertigen Montage von oben rechts kommt, spiegelte ich den Himmel vertikal und platzierte ihn als unterste Ebene in der Bilddatei.

06 Luftperspektive

Schmutzige Luft schluckt natürlich stark das Licht. Entsprechend kräftig muss hier die Luftperspektive ausfallen, also der Kontrast mit zunehmender Entfernung abnehmen. Ich nutzte hierfür Farbflächen mit grauer Farbe (a) im Modus »Normal«. Mit einer Schnittmaske (b) begrenzte ich deren Wirkung auf die einzelnen Ebenen mit den Fabrikelementen. Ebenenmasken (c) sorgen für einen weichen Übergang in Richtung Boden, wo der kontrastmindernde Effekt geringer ausfallen sollte. Der Trick ist dann, bei weiter vorn liegenden Bildteilen den Farbflächen-Ebenen eine geringere Deckkraft (d) zuzuweisen und bei den weiter hinten liegenden Elementen die Deckkraft der Farbflächen zu erhöhen.

07 Rauchschwaden Mittelgrund

Für die Schwaden hinter dem Vordergrund benutzte ich dasselbe Foto wie für den Himmel (siehe Schritt 5) – nur ungespiegelt. Dadurch passt die Beleuchtung der Wolken durch die zu einem späteren Zeitpunkt rechts oben eingefügte Lichtquelle. Mit einer Ebenenmaske sorgte ich für ein weiches Überblenden der „Wolken“ nach oben hin. Die Elemente des Vordergrundes duplizierte ich, stellte sie mit dem Zeichenstift frei und platzierte sie als Ebene oberhalb der eingefügten Rauchschwaden.

08 Rauchschwaden Vordergrund

Wie auch die in Schritt 4 beschriebenen Plattformen störten mich im Vordergrund die vielen kleinen Details aus Streben und Geländern. Außerdem waren diese vom harten Licht der Sonne beschienen, sollten aber später im Schatten liegen. Nach etwas Herumexperimentieren entschied ich mich zu guter Letzt, auch diesen Bereich mit Wolken zu verdecken. Dafür verwendete ich wiederum den in Schritt 5 gezeigten Himmel, nur mit einem anderen Bildausschnitt. Die weichen Übergänge erzeugte ich auch hier durch Malen in einer Ebenenmaske mit einer weichen Pinselspitze.

09 Vordergrundanpassungen

Mit einer grauen Farbfläche (a) fügte ich auch für die Vordergrundelemente eine Luftperspektive hinzu. Da deren Sättigung im Vergleich zum Rest des Bildes zu hoch war, reduzierte ich die Farbigkeit mit einer Einstellungsebene vom Typ »Farbton/Sättigung« (b). Das große Rohr im linken Vordergrund und die rechte Kuppel dunkelte ich durch Malen auf einer Ebene im Modus »Multiplizieren« (c) ab. Aufgrund des harten Sonnenlichts waren die Schatten unterhalb des dreibeinigen Abzugs sehr dunkel und störten den späteren Bildeindruck. Deshalb hellte ich sie mit einer »Gradationskurve« (d) etwas auf.

10 Rauchende Schlote

Den Rauch auf den Vordergrundwolken (a) und den der Schornsteine im Hintergrund (b) malte ich mit einer Wolkenpinselspitze. Eine solche müssen Sie nicht einmal selbst anlegen.

Mit den Suchbegriffen „Cloud“ oder „Smoke“ sowie „ Photoshop Brush“ finden Sie im Netz viele passende, kostenlose ABR-Dateien.

Sollten Sie allein durch Malen zu keinem zufriedenstellenden Ergebnis kommen, können Sie auch eine alternative Vorgehensweise probieren: Suchen Sie sich ein Foto mit echtem Rauch (c) und wählen Sie diesen mit »Auswahl > Farbbereich« möglichst genau aus. Erzeugen Sie eine neue leere Ebene und füllen Sie die Auswahl mit Schwarz. Diese Ebene fügen Sie dann in Ihr Bild ein und passen durch »Frei transformieren« die Größe an. Die Ebene können Sie auch mehrfach im Bild verwenden, allerdings nur in verschiedenen Größen, da Strukturwiederholungen leicht auffallen.

11 Farbtonung

Für eine postapokalyptische Bildwirkung fügte ich eine kräftige Rotfärbung hinzu. Mit einer Einstellungsebene vom Typ »Farbbalance« verschob ich die Farben in den »Mitteltönen« (a) und den »Lichtern« (b) in Richtung Rot und Gelb. Den Vordergrund dunkelte ich mit einer Einstellungsebene vom Typ »Gradationskurve« (c) ab – mit dem »Verlaufswerkzeug« sorgte ich dabei für einen weichen Übergang zur oberen Bildhälfte.

12 Die Biene

Nach kläglichen Versuchen, eine Biene im passenden Win-kel im Flug zu fotografieren, und weil das realistische Modellieren in 3D zu viel Zeit gekostet hätte, nutzte ich ein Bild von Adobe Stock (a). Da das Insekt auf weißem Hintergrund abgebildet ist, lässt es sich leicht freistellen. »Auswahl > Motiv« und anschließendes Kante-verbessern in »Auswählen und maskieren« sorgte schnell für eine brauchbare Maske (b). Die im Bild platzierte Biene wirkte dort zunächst wie ein Fremdkörper, da Helligkeit, Kontrast, Farbe und Beleuchtungsrichtung nicht passten (c). Mit »Gradationskurven« dunkelte ich die linke Seite der Biene ab und hellte die dem Licht zugewandte auf. Für die Farbangleichung duplizierte ich die in Schritt 11 erzeugte »Farbbalance«-Ebene und wendete sie mit einer Schnittmaske auf die Biene an (d).

13 Partikel/Fall-out

Die rauchgeschwängerte Luft sollte im Licht sichtbare Partikel enthalten (a). Dafür überlagerte ich eine geeignete Textur (b) im Modus »Negativ multiplizieren«.

TIPP: Eine solche Textur mit natürlichen Variationen können Sie selbst erzeugen, indem Sie nachts bei Regen mit einem Blitz und mit geringem Fokusabstand fotografieren. Durch die kurze Abbrennzeit des Blitzes behalten die das Licht reflektierenden Regentröpfchen in der Schärfeebene ihre Kugelform.

Die unscharfen Reflexe werden in der runden Blendenform abgebildet („Orbs“).

14 Licht-Effekte

Für den Schein von rechts (a) und die Lampen an den Fabrikgebäuden (b) nutzte ich die Software „ LensFlare Studio“. Dort gibt es eine Auswahl an Sonnen-Flares und anamorphen Lichtreflexen, die man auf einem schwarzen Untergrund positionieren und dann kopieren und in Photoshop als Ebene einfügen kann. Durch die Wahl des Ebenenmodus »Negativ multiplizieren« blendet man den schwarzen Hintergrund aus.

An mehreren Stellen im Bild fügte ich einen sanften Lichtschein ein. Dafür und auch für die mystisch wirkende Aufhellung im Bereich der vorderen Nebelschwaden (c) malte ich mit Orange beziehungsweise Rot auf Ebenen im Modus »Farbig abwedeln«. Damit das funktioniert und das Leuchten nicht überstrahlt, sollte man keine zu helle Farbe auswählen und mit geringer Deckkraft malen.

15 Finish im Camera Raw-Filter

A ls Experimental-Labor zur finalen Abstimmung meiner Bilder nutze ich regelmäßig den »Camera Raw-Filter«. Damit das non-destruktiv geschieht, fasse ich vor der Filteranwendung alle Ebenen mit »Strg/Cmd-Alt-Shift-E« zusammen und konvertiere die resultierende Ebene in ein Smartobjekt. Im Dialog erhöhte ich in diesem Fall den Kontrast, fügte eine Vignette zur Randabdunklung hinzu und variierte mit Weißabgleich und den »Color Grading«-Rädern die Farbigkeit des Bildes. Mit dem »Radial-Filter« veränderte ich selektiv die Bildhelligkeit. Hervorzuhebende Elemente wie die Biene hellte ich auf, eher unwichtige Elemente dunkelte ich ab. Selbst subtile Eingriffe können die Bildwirkung deutlich beeinflussen. Und der »Camera Raw-Filter« macht das spielerische Ausprobieren verschiedener Varianten sehr einfach. Sie können diese Varianten sogar als Schnappschuss abspeichern und so schnell miteinander vergleichen.