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Törnplanung mit Kleinkreuzern


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 90/2021 vom 16.08.2021

Artikelbild für den Artikel "Törnplanung mit Kleinkreuzern" aus der Ausgabe 90/2021 von segeln. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Ja, mach nur einen Plan, sei nur ein großes Licht. Und mach dann noch ’nen zweiten Plan – geh’n tun sie beide nicht“, so singt Bettlerkönig Jonathan Peachum in der Dreigroschenoper von Bertolt Brecht und Kurt Weill. „Was ist denn das?“, fragt Polizeichef „Tiger“ Brown am Anfang. „Das Lied von der Unzulänglichkeit. Kennen Sie nicht?“, antwortet Peachum, „da können Sie was lernen.“ Das gilt nicht nur für Londoner Polizeichefs, sondern auch für Fahrtensegler, besonders auf Kleinkreuzern.

Denn Peachums eingängiger Vers lässt sich gut als Maxime der Törnplanung verwenden: Man braucht eine, aber man kann sich nicht darauf verlassen. Auf kleinen Booten gilt das ganz besonders, weil sie weniger Schutz vor den Elementen bieten, denen man als Segler ausgesetzt ist. Insofern ist der Begriff der Törnplanung etwas irreführend, weil es eigentlich um ganz andere Dinge geht als darum, einen Plan abzuarbeiten: Es ...

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... geht um Vorbereitung, Aufmerksamkeit und Entscheidungsfreude.

Flexible Routenplanung aufstellen

Ein Tagesziel ist eine schöne Sache, reicht aber nicht. Das gilt im Grunde unabhängig von der Bootsgröße. Allerdings kann auf Kleinkreuzern der Fall schneller eintreten, dass man vom ursprünglichen Plan abweichen muss. Das kann damit zusammenhängen, dass das segelbare Windfenster kleiner ist. Es kann sich auch negativ auswirken, dass die Crew weniger oder kleinere Schutzräume hat. Es gilt also, sich vor dem Auslaufen nicht nur einen Plan B, sondern auch die Pläne C und D zurechtzulegen.

Das spricht dafür, ein Revier zu wählen, in dem es viele Häfen, Inseln und Küsten gibt. So kann man in fast jeder Situation kurzfristig Schutz unter einer Luvküste suchen und dann in den nächsten Hafen beziehungsweise zum nächsten Ankerplatz ablaufen. Beispiele für solche Reviere sind etwa die Dänische Südsee, das Ijsselmeer oder die Kornaten. Je mehr kurzfristig erreichbare Ziele es gibt, desto eher kann man nach der Regel „Nicht vorlicher als Halbwind“ in den Urlaub starten.

Nicht gegenan segeln

Was für alle befristeten Törns gilt, bei denen man zu einem bestimmten Stichtag in einem bestimmten Hafen sein möchte oder muss, gilt für Kleinkreuzer erst Recht. Einen Törn, der in einer Linie von A nach B immer weiter vom Ursprung wegführt, sollte man möglichst vermeiden. Selbst die Regel „Ein Drittel hin, zwei Drittel zurück“ kann einem mit Kleinkreuzern unangenehm auf die Füße fallen. Sei es, weil der Wind einfach zu stark ist, sei es, weil sich das Boot in der kurzen Ostseewelle festbolzt und keine Fahrt mehr macht.

Kleine Boote bieten der Crew weniger Schutz und reagieren zugleich empfindlicher auf Wind und Seegang. Die Folge: Die Mannschaft erreicht ihre Leistungsgrenze schneller. Das Tückische daran ist, dass sich Erschöpfung oft spät, aber schlagartig zeigt. Eine lange Kreuz am Ende eines Törns sollte man daher möglichst unterlassen. Eine entspannter Urlaubstörn kann sich auf der Seekarte später auch als ein Knäuel von Kurslinien kreuz und quer über das Gewässer darstellen – wenn man nicht krampfhaft an Zielen festhält.

Die ganze Saison nutzen

Was tun, wenn man stressfrei weiter entfernte Ziele erreichen möchte? Die Glücklichen besitzen Trailerboote und fahren einfach über Land ins passende Revier. Wer diese Option nicht hat, kann ver-

suchen, den Sommertörn in die ganze Saison einzubetten. Ein paar Wochenenden zum Verholen freizuhalten, kann ein neues Revier erschließen. Ein Nachteil sind die anfallenden Hafengelder, während das Boot auf die Crew wartet. Aber vielleicht findet man ja Platz in einem günstigen Hafen, viel Komfort braucht das Boot alleine nicht.

Ein Vorteil einer solchen schrittweisen Überführung liegt darin, dass man sich dem Urlaub schon Wochenende für Wochenende annähert. Man sollte darauf achten, dass die Zwischenstopps mit der Bahn erreichbar sind. Das spart viel Zeit gegenüber der Variante mit zwei Autos, die man am Start- und am Zielhafen abstellt. Alternativ kann man natürlich auch nur die Hin- oder Rückreise auf Wochenenden verteilen und die andere Strecke in seinem Urlaub zurücklegen.

Wetter hören und beobachten

Für manche Yachten und Crews ist Windstärke sechs noch gut segelbar. Kleinkreuzer gehören in der Regel nicht dazu. Darum sollte man dem Wetterbericht noch größere Aufmerksamkeit schenken als ohnehin schon. Außerdem ist es hilfreich, sich selbst in der Beobachtung und Interpretation der Wettererscheinungen zu schulen. Auf fremden Revieren ist es zusätzlich ratsam, Hafenmeister oder Stegnachbarn nach lokalen Besonderheiten zu fragen: Gibt es Düseneffekte? Fallböen?

Über die Zuverlässigkeit von Wetterberichten lässt sich trefflich streiten, aber sie ist hier nicht das Thema. Klar ist in jedem Fall: Jeder Wetterbericht ist eine Prognose und die tatsächliche Entwicklung ist immer im Auge zu behalten. Das Wetter ist ständig in Bewegung. Es lohnt sich, genau hinzuhören. Phrasen wie „später zunehmend“, „drehend“ oder „im Tagesverlauf Gewitter“ deuten Richtungen an, die in die Tagesplanung integriert werden sollten. Am besten verzichtet man auf eine lange Kreuz am Ende des Segeltages.

Vorteile des Kleinkreuzers ausspielen

Bis hierher haben wir so viel gewarnt, dass man sich fragen kann, ob man überhaupt mit Kleinkreuzern auf lange Törns gehen sollte. Ja! Denn es gibt auch unschlagbare Vorteile. Zum Beispiel den geringen oder vielleicht sogar variablen Tiefgang. Der Hafen der schönen Insel Lyø beispielsweise ist im Sommer oft voll. Mit wenig Tiefgang kann man auch in der Bucht ankern und an Land waten. Auch flache Zufahrten und Ankerbuchten wie etwa hinter der Halbinsel Albuen im Nordwesten von Lolland sind kein Problem, anders als für die Großen.

In steinfreien Gegenden kann man außerdem gegebenenfalls einfach das Schwert hochziehen, auf den Strand fahren und an einer menschenleeren Küste spazieren gehen. Ein weiterer Vorteil der Kleinkreuzer ist ihre Einfachheit. Ohne große Ver- braucher an Bord ist vielleicht gar kein Landstrom nötig. Dann kann man möglicherweise auch an einem einsamen Fischersteg festmachen oder eine Sportbootliegestelle nutzen.

Kleines, aber feines Ankergeschirr

Nur weil das Boot klein ist, heißt das nicht, dass das Ankergeschirr unwichtig ist. Im Gegenteil: Man ankert ja manchmal auf der gleichen Wassertiefe wie die Großen und bräuchte entsprechend viel Kette. Und auch wenn die Kette im Vergleich dünn ist: Ein Batzen davon in der Vorpiek oder Backskiste kann sich beim Segeln sehr ungünstig auf den Trimm auswirken. Deswegen empfiehlt sich für Kleinkreuzer eine Kombination von Kettenvorlauf und Leine mit einem Reitgewicht.

Das Reitgewicht wird auf der Leine bis zum Vorlauf abgefiert, hält die Kette am Boden und sorgt so für einen flachen Zugwinkel am Anker. Wer Glück hat, findet irgendwo einen alten Snatchblock, mit dem er das Gewicht an einer Sorgleine auf die Ankerleine setzen kann. Reitgewichte gibt es im Fachhandel. Man kann aber auch improvisieren und zum Beispiel einen Klappdraggen oder eine Pütz mit Steinen per Palstek an die Ankerleine hängen und abfieren. Das sorgt für ruhigen Schlaf, auch wenn es nachts aufbrist.

Intelligent bevorraten

Wer keinen Tank an Bord hat, muss sich Gedanken über Trinkwasser machen. In der Regel ist Flaschenwasser eine gute Lösung. Große Kanister sind erstens sperriger und zweitens mit etwas Vorsicht zu genießen. Beim Öffnen und Trinken können Mikroorganismen an oder in die Öffnungen geraten, und sich vermehren, wenn die Behälter länger geöffnet im Warmen stehen. Aus großen Kanistern sollte also niemand direkt trinken und das Wasser sollte möglichst schnell verbraucht werden.

Ohne Kühlschrank braucht man zwar weniger Strom, aber man muss sich mehr Gedanken über die Lagerhaltung machen. Niemand muss auf einem Kleinkreuzer auf frisches Obst und Gemüse verzichten. Allerdings ist es ratsam, auch für ein paar Gerichte einzukaufen, die sich aus Konserven und Trockenbeilagen wie Reis und Nudeln kochen lassen. Pasta mit Oliven und Fisch funktioniert zum Beispiel auch mit Konserven hervorragend. Dann ist immer etwas an Bord, auch wenn die frischen Vorräter verbraucht sind oder es mit dem Einkauf unterwegs nicht geklappt hat.

Text: Jan Maas