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TOP 10: HELDEN FÜR EINEN KAMPF


BoxSport - epaper ⋅ Ausgabe 4/2020 vom 04.03.2020

Am 1. Juni 2019 kocht der Madison Square Garden in New York. Eigentlich sollte das US-Debüt von Schwergewichts- Champ Anthony Joshua (23-1, 21 K.o.) ein Spaziergang werden. Sein eigentlicher Gegner, Jarrell Miller, wurde beim Doping erwischt, Kontrahent Andy Ruiz jr. (33-2, 22 K.o.) ist „nur“ Ersatzgegner. Der haushoch favorisierte Joshua sucht den frühen K.o. in diesem Duell, schlägt Ruiz jr. in der Dritten nieder. Doch kurz darauf wendet sich das Blatt: Der Underdog kommt wuchtig zurück, verpasst „AJ“ zwei Knockdowns in der gleichen Runde. Nach einem weiteren Niederschlag in der Siebten ist die ...

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Bildquelle: BoxSport, Ausgabe 4/2020

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... Sensation perfekt: Ringrichter mi chael Griffin bricht den Kampf ab, Ruiz jr. wird zum Sieger durch T.K.o. erklärt und nimmt Joshua die Weltmeistergürtel der WBA (Super), IFB, WBO sowie der IBO ab.

NÄCHSTES ONE-HIT-WONDER?

Doch der Sensations-Champ ruht sich auf den Lorbeeren seines Überraschungserfolgs aus, lässt das Training schleifen und verbringt viel Zeit mit Partys und gutem Essen. Als es am 7. Dezember des gleichen Jahres zum Rematch kommt, hat Ruiz jr. 16 Pfund mehr auf den Rippen und präsentiert sich in schlechter Form. AJ dagegen hat sich akribisch auf das Match vorbereitet, nutzt vor allem seine Distanz aus, dominiert das Ringgeschehen praktisch zu jeder Zeit und fährt einen haushohen, einstimmigen Punktsieg ein. Weil „Box-Klops“ Ruiz meilenweit von dem entfernt war, was ihn im ersten Duell noch so stark machte, musste sich Joshua im Rematch nicht einmal groß verausgaben.

Damit kehrte der smarte Brite zurück auf seinen Schwergewichts- Thron - und Ruiz jr.? Der vermeintliche „Destroyer“ hat nach dieser Nicht-Leistung das Potenzial, zu einer Eintagsfliege des Boxens erklärt zu werden. „Joshua ließ Ruiz jr. als One-Hit- Wonder in die Boxgeschichte eingehen“, hielt US-Boxjournalist Dan Rafael schon kurz nach dem Fight in der Wüste Saudi- Arabiens fest. Grund genug für BOXSPORT, einmal nach- zuschauen, wer denn wirklich die größten One-Hit-Wonder der Boxgeschichte sind. Zumal sich das legendärste Upset aller Zeiten eben zum 30. Mal jährte. Hier das Ranking unserer zehn größten One-Hit-Wonder:

Legendär: Außenseiter James „Buster“ Douglas (r.) knipst Mike Tyson nach 1:22 Minuten der 10. Runde die Lichter aus


#1

PLATZ 1 JAMES „BUSTER“ DOUGLAS (37-6-1, 24 K.O.)

Vor rund 30 Jahren passierte die Sensation, die für viele als das größte One-Hit-Wonder der Boxgeschichte bestimmte - auch für uns. Der bis dato unbesiegte Mike Tyson (50-6, 44 K.o.) trat als haushoher Favorit, mit einer Quote von 42 zu 1, am 11. Februar 1990 im Tokyo Dome gegen seinen unbekannten Kontrahenten James „Buster“ Douglas (37- 6-1, 24 K.o.) an. Allerdings hatte Tyson kurz zuvor seinen Trainer Kevin Rooney gefeuert, kämpfte mit ersten persönlichen Problemen (darunter die Scheidung von seiner Frau Robin Givens) und hatte sich weitaus schlechter auf den Kampf vorbereitet als Douglas, der zuvor Oliver McCall und das frühere Tyson- Opfer Trevor Berbick besiegt hatte. Douglas bot dem legendären Schwergewichtler Paroli, überstand einen Knockdown in der achten Runde und machte die Sensation mit einem K.o. in der Zehnten perfekt, mit dem er Tyson die Gürtel des WBC, der WBA und IBF abnahm.

Es folgte der Fluch des (einmaligen) Erfolgs: Douglas ließ sich gehen, trat in schlechter Verfassung und mit 15 Pfund mehr auf den Rippen zum nächsten Kampf gegen Evander Holyfield an. „The Real Deal“ schlug den Tyson-Bezwinger in der dritten Runde k.o. - Douglas’ Stern sank daraufhin so schnell, wie er gestiegen war: Das One-Hit-Wonder ruhte sich mit den 24,6 Millionen Dollar, die es an dem Fight gegen Holyfield verdient hatte, aus, legte noch mehr Gewicht zu und starb beinahe an einem diabetischen Koma. Daraufhin begann Douglas, wieder zu trainieren, und kehrte nach sechsjähriger Pause in den Ring zurück. Von den noch folgenden neun Fights seiner Karriere verlor er zwar nur einen, aber kein einziger davon war ein Titelkampf oder gegen einen bedeutenden Gegner.

Am 15. Februar 1978 besiegt Leon Spinks (l.) „The Greatest“ sensationell in Las Vegas, wird Champion der Verbände WBA und WBC - aber nur für kurze Zeit


#2

PLATZ 2 LEON SPINKS (26-17-3, 14 K.O)

Zum Zeitpunkt seines Kampfes im Hilton Hotel in Las Vegas am 15. Februar 1978 befand sich Muhammad Ali (56-5, 37 K.o.) in den Abendstunden seiner Boxkarriere und war nicht mehr in der besten Form. Sein Gegner „Neon“ Leon Spinks (26-17-3, 14 K.o) allerdings war ein Newcomer, der als Amateur zwar 1976 Gold bei Olympia gewann, als Profi aber gerade einmal sieben Kämpfe bestritten hatte. Ali wollte eigentlich einem vierten Kampf gegen Ken Norton entgehen und entschied sich für den Bruder des Halbschwergewichtlers Michael Spinks. Der 10-zu- 1-Underdog boxte jedoch den Sieg gegen „The Greatest“ bei einer Split Decision der Punktrichter heraus und gewann damit die WM-Gürtel der WBA und WBC.

Da Sensationssieger Spinks als Nächstes nicht gegen seinen Pflichtherausforderer Ken Norton antreten wollte, sondern den Rückkampf gegen Ali bevorzugte, erkannte die WBC ihm den Titel wieder ab. Doch damit verzockte sich Spinks: Ali besiegte das One-Hit-Wonder im Rematch am 15. September 1978 eindeutig nach Punkten. Es wurde nicht besser für „Neon“: Bei seinem nächsten Fight gegen den späteren WBA-Champion Gerrie Coetzee am 24. Juni 1979 wurde er von dem Südafrikaner noch in der ersten Runde ausgeknockt. Seinen WM-Titelkampf gegen Larry Holmes zwei Jahre später verlor Spinks auch, durch T.K.o. in der Dritten. Ein Wechsel ins Cruisergewicht brachte ebensowenig den gewünschten Erfolg, denn sein einziger Titelkampf in dieser Gewichtsklasse (gegen Dwight Muhammad Qawi, 22. März 1986) endete mit einer T.K.o-Niederlage in der Sechsten. 1988 ging Spinks erst in den Ruhestand, startete dann 1991 ein wenig erfolgreiches Comeback.

PLATZ 3 RA NDOLPH TURPIN (66-8-1, 45 K.O.)

Ein Duell mit dem legendären Sugar Ray Robinson (174-19-6, 109 K.o.) sollte Randolph „Randy“ Turpin (66-8-1, 45 K.o.) kurzzeitig zu Ruhm verhelfen. Der amerikanische Superstar, seines Zeichens Weltmeister im Mittelgewicht, hat zu diesem Zeitpunkt in 131 Kämpfen nur ein einziges Mal verloren und befand sich auf einer Europareise. Obwohl krasser Außenseiter, gelang es Turpin am 10. Juli 1951, das Aufeinandertreffen mit Sugar Ray in der Earls Court Arena von London für sich zu entscheiden. Der Brite setzte dem Champ frühzeitig zu und sammelte Punkte für den Sieg, der ihm schließlich den Weltmeistertitel einbrachte.

Da Turpin seine Chance unter der Bedingung eines Rückkampfes innerhalb von 90 Tagen bekommen hatte, bestritt er sein nächstes Match am 12. September erneut gegen Robinson. Dieses Mal ließ sich Sugar Ray nicht überraschen, sondern sorgte für ein frühzeitiges Ende des Fights (T.K.o. in der 10. Runde). Damit endete Turpins Zeit als Weltmeister nach nur 64 Tagen. In der Folgezeit schlug sich der „Leamington Licker“ passabel und sammelte noch einige britische und europäische Titel ein, schaffte es aber nie wieder in die Weltspitze. 1964 verabschiedete sich Turpin schließlich in den Ruhestand. Doch finanzielle Probleme folgten. 1966 - mit nur 37 Jahren - beging Randy Turpin Selbstmord.

PLATZ 4 HASIM RA HMAN (50-9-2, 41 K.O.)

2001 hatte Lennox Lewis (41-2-1, 32 K.o.) eine Gastrolle in Steven Soderberghs „Ocean‘s Eleven“, in dem er vor der Kamera gegen Wladimir Klitschko boxte. Den Dreh in Las Vegas verband der Schwergewichts-Champ mit der Vorbereitung auf seinen Kampf gegen Hasim Rahman (50-9- 2, 41 K.o.) aus Baltimore. Der Kampf am 22. April des Jahres in Brakpan, Südafrika, wurde zu Rahmans großer Stunde. Als 20:1-Favorit Lewis gegen Ende der fünften Runde seinen Gegenüber noch verhöhnte, landete „The Rock“ plötzlich eine krachende Rechte, die den Champ ausknockte. Mir einem einzigen Schlag erlangte der 28-jährige Underdog die Weltmeistergürtel des WBC und der IBF im Schwergewicht. Für Lewis war es übrigens eine von nur zwei Niederlagen in seiner Karriere.

Rahmans weiterer Karriereverlauf ähnelt dann dem von Spinks oder Turpin: Das Rematch gegen Lewis knapp sieben Monate später verlor er durch einen K.o. in der vierten Runde. Es folgten noch einige Titelchancen, doch waren die Auftritte des On-Hit-Wonders nie wieder von einem Erfolg in vergleichbarer Größe gekrönt. Am 7. November 2005 wurde Rahman noch einmal Champion des WBC - allerdings kampflos, da Vitali Klitschko verletzungsbedingt für zwei Jahre in den Ruhestand ging. Den Titel konnte Rahman zunächst mit einem knappen Punktsieg gegen James Toney am 18. März 2006 verteidigen, eher er ihn am 12. August des gleichen Jahres durch einen T.K.o. in der Zwölften an Oleg Maskaev verlor.

Am 10. Juli 1951 schockt Randy Turpin (r.) die Box-Welt, als er den legendären Sugar Ray Robinson nach Punkten bezwingt


#3

Mit seinem K.o.-Sieg über Lennox Lewis 2001 ging Hashim „The Rock“ Rahman (l.) in die Box-Geschichte ein


#4

Montell Griffin (l.) landete 1997 gegen Roy Jones jr. ein One-Hit-Wonder der besonders kuriosen Art


#5

@Nach drei Niederschlägen in Runde eins für Tommy Morrison wird Außenseiter Michael Bentt (l.) zum Sieger per T.K.o. erklärt


#6

PLATZ 5 MONTELL GRIFFIN (50-8-1, 30 K.O.)

Montell Griffin (50-8-1, 30 K.o.) war ein aufstrebender Contender, als er am 21. März 1997 im Taj Majal Hotel & Casino in Atlantic City gegen Roy Jones jr. (66-9, 47 K.o.) um den WBC-Titel im Halbschwergewicht antrat. Griffins Überraschungssieg ist ein besonders kurioser Fall eines One-Hit- Wonders, denn dieser gelang ihm nicht aus eigener Kraft. Jones jr. schlug „Ice“ erst in Runde sieben nieder, danach erneut in der Neunten. Als der damals 28-jährige Champ versehentlich noch einen Treffer bei Griffin landete, als dieser in Folge des zweiten Knockdowns am Boden war, wurde er disqualifiziert - und verlor das Duell und Titel an den Herausforderer.

Griffins nächster Kampf war ein Rematch gegen den deklassierten Champ, knapp fünf Monate später. Jones jr. entschied diesen in beeindruckender Eindeutigkeit für sich, indem er den Fighter aus Chicago noch vor Ende der ersten Runde ausknockte. Im Laufe seiner weiteren Profikarriere verlor Griffin sämtliche Eliminators und WM-Kämpfe, unter anderem gegen WBO-Champ Dariusz Michalczewski am 28. August 1999 in Bremen sowie gegen Antonio Tarver am 26. April 2003 in Mashantucket (USA). Ende 2011 bestritt er seinen letzten Fight, doch da hatte der einstige Bezwinger von Roy Jones jr. längst den Status eines Journeyman.

PLATZ 6 MICHAEL BENTT (11-2, 6 K.O.)

Tommy Morrison (48-3-1, 42 K.o.) hatte als aufstrebender Contender 1993 George Foreman den WBO-Gürtel abgenommen und diesen erfolgreich gegen Tim Tomashek verteidigt. Dann traf „The Great White Hope“ am 29. Oktober des Jahres auf Michael Bentt (11-2, 6 K.o.). Der galt als junger „Prospect“, war mit 10 zu 1 allerdings der klare Underdog bei den Buchmachern. Umso überraschender das Ergebnis des Kampfes im Civic Center in Tulsa (USA): Morrison deckte Bentt schon früh mit Schlagkombinationen ein, wurde dann aber von einem Konter erwischt und kassierte danach eine Kombination nach der anderen. Das Ergebnis: Nachdem er Morrison drei Knockdowns beigebracht hatte, siegte Bentt per T.K.o. in Runde eins.

Danach trat der Sensationssieger am 19. März 1994 zur Titelverteidigung gegen den ungeschlagenen Herbie Hide an - und gegen die Empfehlung seines Arztes, denn Bentt war schon im Sparring k.o. gegangen. Hide versetzte dem chancenlosen Bentt im Fußballstadion des FC Millwall in der siebten Runde den K.o. Mit schlimmen Folgen für den Kurzzeit-Champ: Bentt lag mit Hirnblutungen vier Tage lang im Koma. Zum Glück entging der Londoner bleibenden Schäden, musste aber vom Boxen Abschied nehmen. Für ihn gab es ein Happy End auf anderem Wege. Während sein Ex-Gegner Tommy Morrison, ein Großneffe der Film-Legende John Wayne, sich als Schauspieler versucht hatte, aber außer der Rolle als Tommy ‚Machine‘ Gunn in „Rocky V“ nicht viele Parts ergatterte, konnte Bentt eine kleinere Karriere vor der Kamera aufbauen. Seine wohl größte Rolle war jene als Sonny Liston in Michael Manns Biopic „Ali“.

PLATZ 7 CORRIE SA NDERS (42-4, 31 K.O.)

Am 14. Oktober 2000 errang Wladimir Klitschko (64-5, 53 K.o.) mit nur 24 Jahren den Weltmeistergürtel der WBO im Schwergewicht und verteidigte ihn mehrfach erfolgreich. Drei Jahre später traf der aufstrebende „Dr. Steelhammer“ auf Corrie Sanders (42- 4, 31 K.o.). Der Rechtsausleger aus Südafrika hatte 1994 den alternden Cruisergewichts-Champ Carlos De Leon in dessen vorletztem Fight besiegt und kurzzeitig den Schwergewichts-Titel der unbedeutenden World Boxing Union (WBU) gehalten, diesen aber am 20. Mai 2000 an Hasim Rahman verloren. Von daher ging Klitschko als klarer Favorit in den Fight in der Hannoveraner Preussag- Arena am 8. März 2003. Doch Sanders, zu diesem Zeitpunkt bereits 37 Jahre alt, verpasste dem Champ vier Knockdowns in den ersten zwei Runden. Darauf brach Ringrichter Genbaro Rodriguez den Fight ab und erklärte den Ringveteranen zum Sieger durch T.K.o.

Bitteres Aus: Wladimir Klitschko (r.) kann es noch gar nicht begreifen, dass Corrie Sanders ihn soeben entthront hat


#7

Wie viele andere One-Hit- Wonder musste Sanders den errungenen Gürtel im nächsten Kampf wieder hergeben - an einen Klitschko, allerdings an Wladimirs älteren Bruder Vitali. Der stellte die Familienehre wieder her, indem er „The Sniper“ durch T.K.o. in der Achten besiegte. Sanders boxte danach nur noch vier Kämpfe, von denen er zwar drei gewann, aber seinen letzten, um den südafrikanischen Meistertitel im Schwergewicht 2008, verlor. Vier Jahre nach diesem Fight starb der Ex-Polizist einen tragischen Tod: Als Sanders an der Feier zum 21. Geburtstag seines Neffen teilnahm, wurde das Restaurant zum Schauplatz eines bewaffnetem Raubüberfalls. Als Kugeln flogen, beschützte der 46-Jährige seine Tochter, wurde getroffen und starb an den Schusswunden im Krankenhaus.

5. April 1915: In der 26. Runde gelingt Jess Willard der Lucky Punch - und Champion Jack Johnson liegt im Ringstaub


#8

Noch mehr „Eintagsfliegen“

Einige Underdogs sind an unsere Top 10 nur knapp vorbeigeschrammt. Dazu gehört etwa John Tate, der am 20. Oktober 1979 überraschend den WBA-Gürtel gegen Gerrie Coetzee gewann, diesen aber im nächsten Fight direkt wieder verlor und danach nie wieder einen Titelkampf bestritt. Außerdem im Rennen waren Alfredo Layne mit seinem T.K.o. gegen Wilfredo Gomez am 24. Mai 1985; „Fireman“ Jim Flynn, der dem legendären Jack Dempsey am 13. Februar 1917 den einzigen K.o. in dessen Karriere beibrachte; Billy Backus, der Jose Napoles am 3. Dezember 1970 die WBA- und WBC-Gürtel durch T.K.o in der Vierten abnahm; und Tomas Molinares mit seinem umstrittenen Sieg über Marlon Starling am 29. Juli 1988, als er diesen nach dem Rundengong der Sechsten k.o. schlug.

Im Schnelldurchgang schickt Oliver McCall (l.) den Champion Lennox Lewis zu Boden - und wird 1994 sensationell Weltmeister im Schwergewicht


#9

#10

PLATZ 8 JESS WILLARD (22-5-1, 20 K.O.)

Zumindest den Namen nach war es ein Kampf der Giganten. Jack Johnson (56-11-8, 35), der „Galveston Giant“, gegen Jess Willard (22-5-1, 20 K.o.), den „Pottawatomie Giant“, am 5. April 1915 im Oriental Park in Havanna (Kuba). Johnsons letzte Niederlage war schon rund zehn Jahre her, als die lebende Legende mit 29 auf den drei Jahre jüngeren Willard traf, dessen Boxer-Karriere dagegen überhaupt erst 1911 begonnen hatte. Nach Punkten lag Johnson auch vorn, als Willard ihn in der 26. Runde (von 45 angedachten) k.o. schlug.

Während Johnson nach dieser überraschenden Niederlage elf Jahre lang keine weitere kassierte, blieb für Willard nur der Status als Eintagsfliege. Den Weltmeistertitel im Schwergewicht, den er Johnson abgenommen hatte, konnte er 1916 noch gegen Frank Moran verteidigen. Doch im nächsten Fight verlor er ihn spektakulär an eine andere Ring-Legende, Jack Dempsey. Der schlug Willard allein in der ersten Runde sieben Mal nieder, ehe der Kampf in der Dritten gestoppt wurde. Daraufhin fightete Willard noch zwei Mal, gewann erst gegen Floyd Johnson, verlor danach bei der „Battle of the Giants“ gegen Luis Angel Firpo und setzte sich zur Ruhe. Es folgten Auftritte in Vaudeville- Shows und Filmen, mit denen Willard eine bescheidene Schauspielerkarriere bestritt.

PLATZ 9 OLIVER MCCA LL (59-14, 38 K.O.)

Lennox Lewis besiegte Größen wie Evander Holyfield, Mike Tyson und Vitali Klitschko. Vor Hasim Rahman (siehe Platz 4) war es ironischerweise ebenfalls ein One-Hit-Wonder, das ihm die andere Niederlage seiner Karriere beibrachte. Sein Fight gegen den Pflichtherausforderer Oliver McCall (59-14, 38 K.o.) in der Wembley Arena am 24. September 1994 erschien eher wie eine Beschäftigungstherapie für den damals 29-Jährigen, ehe er sich seinem eigentlichen Ziel, einem Kampf gegen Riddick Bowe, widmen konnte. Doch in der zweiten Runde seines Duells mit dem „Atomic Bull“ kassierte Lewis einen Konter. Der WBC-Champion kam nur unsicher wieder auf die Beine, weshalb der Ringrichter den Fight abbrach und McCall zum Sieger durch T.K.o. erklärte. „The Lion“ verlor nicht nur seinen WM-Gürtel im Schwergewicht und die Chance auf einen Kampf gegen Bowe, sondern auch die Beherrschung: Lewis behauptete nach dem Match, der Ringrichter habe das Duell voreilig abgebrochen und ihm so den Sieg gestohlen. McCall seinerseits erklärte, er wolle aufgrund dieser Kränkung keinen Rückkampf gegen Lewis - trotz eines Angebots von zehn Millionen Dollar. So verteidigte McCall den Titel gegen einen gealterten Larry Holmes, ehe er ihn am 8. April 1995 an Frank Bruno verlor. Am 7. Februar kam es doch zum Rematch Lewis vs. McCall, als er erneut um den (seinerzeit vakanten) WBC-Titel ging. Dieser bizarre Fight fand seinen Höhepunkt, als der „Atomic Bull“ in der vierten Runde immer wieder apathisch mit hängender Deckung vor Lewis fortlief und in der folgenden Ringpause in Tränen ausbrach. Als sich seine Verfassung auch in der Fünften nicht besserte, brach Ringrichter Mills Lane den Kampf ab und erklärte Lewis zum Sieger durch T.K.o. Oliver McCall errang noch einige unbedeutende Gürtel, hatte aber nie wieder einen WM-Titelkampf. Als härtester Gegner des immer noch aktiven, mittlerweile 54-jährigen Boxers stellte sich seine Drogensucht heraus, die ihm mehrere Reha- Aufenthalte und Verurteilungen einbrachte.

„Upset of the Year 1982“: Kirkland Laing (kl. Foto) gelingt ein Punktsieg nach Split Decision gegen Ring-Legende Roberto Duran (großes Foto)


PLATZ 10 KIRKLAND LAING (43-12-1, 24 K.O.)

Roberto Duran (103-16, 70 K.o.) hatte zu Beginn der 80er-Jahre zwei Enttäuschungen zu verkraften: 1980 verlor er den WBCTitel im Weltergewicht an Sugar Ray Leonard, und am 30. Januar 1982 wurde er von Wilfred Benitez im Duell um dem WBC-Gürtel im Halbmittel bezwungen. Als Duran am 4. September des gleichen Jahres auf den damals 28-jährigen Kirkland Laing (43- 12-1, 24 K.o.) traf, war er dennoch ein Boxer in Topform. Doch Laing schockte in diesem Nicht- Titelkampf im Halbmittel die Box-Welt: Am Ende des Zehnrunders in der Detroiter Cobo Hall ging der Brite als Punktsieger hervor und gewann nach einer Split Decision. Das „Ring Magazine“ krönte das Match als „Upset of the Year 1982“.

Während Durans Formkurve danach wieder anstieg und er sich noch spektakuläre Ringschlachten mit Größen wie Marvin Hagler und Thomas Hearns lieferte, konnte Sensationssieger Laing nie wieder etwas Vergleichbares leisten. Der in Jamaika geborene Engländer boxte noch um einige Titel als Britischer oder Europameister, gewann einige davon und verlor andere, bekam aber nie die Chance auf einen WM-Titel. Ein Grund dafür dürfte Laings ausschweifender Lebensstil mit Alkohol, Drogen und Frauen gewesen sein. Auch nach seinem Sieg über Duran verschwand „The Gifted One“ für rund ein Jahr von der Bildfläche, um seine Einnahmen aus dem Kampf zu verprassen. Am Ende seiner Karriere 1994 ging er als Eintagsfliege in die Boxgeschichte ein.


Fotos: Getty Images (10), imago images/ Colorsport (1)/ Contrast (1), pa/ Joe Kennedy (1)