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TOP STORY DER WOCHE: DAS HUAWEI-DR AMA: WAS SOLL ICH TUN?


Computer Bild - epaper ⋅ Ausgabe 13/2019 vom 07.06.2019

Per Dekret stoppt die US-Regierung die Geschäfte zwischen US-Firmen und Huawei.Deutsche Kunden sind verunsichert.


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Fotos: iStock; Montage: COMPUTER BILD

Das war nicht die erste Bombe, die US-Präsident Trump platzen ließ: Am 15. Mai untersagte er per Dekret US-Firmen Geschäftsbeziehungen mit Huawei. Die Folgen sind drastisch: Huawei-Handys und -Tablets bekommen keine Lizenz mehr für Google Android, auch Chips und Patente sind betroffen, künftig eventuell auch Notebooks. COMPUTER BILD beantwortet die Fragen von Huawei-Nutzern.

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... Huawei-Smartphones und -Tablets sind vom Dekret nicht betroffen. Google versichert, dass diese Geräte den vollen Zugriff auf alle Dienste, Programme und Apps des US-Konzerns behalten werden. YouTube, Google Maps und neue App-Installationen über den Google Play Store funktionieren also weiter.

Kann ich noch neue Geräte kaufen?

Zunächst ja. Zum einen gilt das Dekret nicht für Geräte, die bereits beim Händler lagern. Zum anderen hat das US-Handelsministerium das Dekret schon wenige Tage später, am 20. Mai, für bestehende Hardware für eine Frist von 90 Tagen außer Kraft gesetzt. Bis dahin darf Huawei also weiter Bauteile, Dienste und Software für die Produktion seiner Smartphones von US-Firmen beziehen und neu in den Handel bringen. Das bedeutet: Mindestens bis zum 19. August läuft der Verkauf weiter wie gewohnt, danach werden die Lager abverkauft.

Neue Handys, die bis zum 15. Mai noch keine Android-Lizenz von Google bekommen haben, darf Huawei aber weltweit nicht in den Handel bringen. Das erste Opfer ist das Smartphone Honor 20 Pro, das die Huawei-Tochter am 20. Mai in Paris vorstellte. Auch das für Sommer erwartete Falthandy Mate X ist betroffen – ob es überhaupt auf den Markt kommt, ist fraglich. Die brandneue P30-Serie von Huawei ist dagegen nicht betroffen, denn ihr Verkaufsstart war bereits im April.

Das heißt: Auch wenn Sie jetzt noch ein neues Huawei-Smartphone kaufen, gelten dafür dieselben Spielregeln wie für ältere Geräte des Herstellers. Sie können das neue Gerät also über Ihr Google-Konto aktivieren, Apps installieren und Google-Dienste nutzen.

Bekomme ich noch Updates?

Nur zum Teil. Google hat versprochen, die monatlichen Sicherheitsupdates weiterhin zur Verfügung zu stellen. Anders sieht’s mit den großen Android-Updates aus: Die darf Huawei nicht von Google beziehen. Ihr Huawei-Handy bekommt somit wohl zumindest kein vollwertiges Update auf das kommende Android 10 mit Codenamen „Android Q“.

Allerdings gibt’s eine Lücke: Das Kernsystem von Android stellt Google als „A ndroidO penS ourceP roject“ (AOSP) kostenlos für jedermann zur Verfügung. Huawei könnte also auf dieser Basis ein eigenes Android-10-Update stricken, dem jedoch wichtige Google-eigene Funktionen wie Google Cast fehlen.

Laufen Huaweis bald ohne Android?

Das ist unklar. Auf Basis der Open-Source-Version von Android könnte Huawei sich auch ohne Google-Lizenz ein eigenes Android-System stricken. Das ist schwierig, aber nicht unmöglich: Amazons Fire Tablets sowie Fire TV Sticks basieren ebenfalls auf der Open-Source-Variante von Android. Weil dem System aber alle Google-Dienste fehlen, erfordert es einen eigenen App Store.

Sollte Google die Lizenz dauerhaft verweigern (müssen), ist eine andere Lösung wahrscheinlicher: Schon seit Jahren arbeiten die Chinesen unter dem Codenamen „Project Z“ an einem eigenen Betriebssystem, für Deutschland hat Huawei bereits die Markenrechte für den Namen „Ark OS“ angemeldet (weitere Infos siehe Kasten rechts).

Update auf Android 10 „Q“: Für Huawei-Smartphones wird es möglicherweise nie erscheinen.


Betrifft die Sperre nur Software?

Nein. Betroffen sind auch Bauteile und Technologien, die amerikanischen Firmen (oder auch Firmen mit US-Filialen) zuliefern. So dürfen Huawei-Smartphones kein kratzfestes Gorilla Glass mehr verwenden, das gilt auch für andere Bauteile von US-Firmen (siehe Kasten unten).

Hinzu kommt: Da die Lizenzen für SD-Speicherkarten von der US-basierten SD Card Association vergeben werden, darf Huawei keine neuen Handys mit microSD-Speicherkarten-Schacht mehr bauen. Davon sind vor allem Einsteigerund Mittelklasse-Modelle betroffen. Für seine Spitzengeräte der P- und Mate-Serie nutzt Huawei seit 2018 bereits einen eigenen Speicherkartenstandard, dieN anoM emory Card (NM Card) in Größe einer Nano-SIM.

Ein größeres Problem sind die Prozessoren. Bislang nutzen sämtliche Smartphone-Hersteller Prozessoren-Technologien der Firma ARM, so auch die Huawei-Tochter HiSense in ihren Kirin-Prozessoren. Doch jetzt musste auch ARM die Zusammenarbeit mit Huawei beenden. Deshalb muss Huawei nun seine eigene Prozessor-Architektur entwickeln – doch das dauert eher Jahre als Monate. Mögliche Alternative: Huawei kauft Prozessoren bei der Konkurrenz, zum Beispiel bei Samsung.

Funktioniert WhatsApp noch?

Im Internet kursieren Meldungen, nach denen US-Dienste wie Facebook, WhatsApp und Instagram bald nicht mehr auf Huawei-Geräten funktionieren. Doch dafür gibt es bislang keine Hinweise. Zwar spricht der Trump-Erlass auch von Diensten. Doch bei WhatsApp besteht die Geschäftsbeziehung nicht zwischen WhatsApp und Huawei, sondern zwischen Whats-App und dem jeweiligen Nutzer.

Welche Huawei-Handys lohnen?

Erst nach Ablauf der 90-Tage-Frist Ende August ist klar, wie’s weitergeht für Huawei. Bis dahin ist nur der Kauf eines technisch herausragenden oder besonders günstigen Modells sinnvoll. Wer etwa das beste Smartphone für Fotos sucht, kommt um das Huawei P30 Pro nicht herum – einen so guten Zoom gibt es sonst nicht. Und mit dem Mate 20X hat Huawei eines der wenigen Top-Smartphones mit langer Akkulaufzeit (siehe Test Seite 76). Unter 200 Euro wiederum gehören die Huawei-Modelle Mate 20 Lite und P20 Lite zu den Geräten mit der besten Leistung.

US-TECHNIK IN HUAWEI-HANDYS

Das Beispiel Huawei P30 Pro zeigt exemplarisch, welche Bereiche vom Lizenzentzug durch US-Firmen betroffen sind.

YouTube

Ohne die YouTube-App wäre ein Zugriff auf You-Tube-Filme nur noch über den Browser oder eine eigene Huawei-App möglich.

Play Store

Wer Android-Apps installieren oder aktualisieren will, braucht den Play Store. Ohne Google müsste Huawei hier eine Alternative entwickeln.

Google Assistant

Zur Sprachsteuerung von Smartphone-Funktionen, der Google-Suche oder fürs Smarthome daheim benötigen Nutzer den Google Assistant

Google Drive

Google Drive ist der Standard-Speicher für Android-Smartphones in der Cloud. Essenziell ist er unter anderem für die Backup-Funktion von WhatsApp-Chatverläufen.

Gorilla Glass

Alternative: „Dragontrail“-Glas vom japanischen Hersteller AGC Asahi Glass. Das wird zum Beispiel im Google Pixel 3a verwendet.

Micron Speicher-Chips

Alternative: Chips von Toshiba oder Samsung. Langfristig könnte Huawei-Tochter HiSilicon eigene Speicherchips entwickeln.

Mobilfunkmodule

Das P30 Pro nutzt UMTS- und LTE-Module von Skyworks und Qorvo. Alternative: Huawei ist führend bei 5G-Technologie und könnte neben Sendeanlagen auch Mobilfunkmodule für Handys bauen.

Und natürlich hat das Trump-Dekret die Geräte nicht schlechter gemacht. Nur ein Update auf Android 10 steht in den Sternen. Bemerkenswert: Auf Anfrage von COMPUTER BILD registrierten weder der Preisvergleich Idealo noch Ebay Ende Mai einen ungewöhnlichen Preisverfall für Huawei-Geräte.

Was steckt hinter dem Dekret?

Offiziell geht es um Sicherheitsbedenken von nationalem Interesse. Die US-Behörden verdächtigen Huawei, seine unternehmerischen wei, Aktivitäten zur Spionage für China zu nutzen – oder im Krisenfall von der chinesischen Führung gezwungen zu werden, Daten herauszugeben oder die Mobilfunk-Infrastruktur in den USA zu sabotieren. Huawei widerspricht diesem Vorwurf, Chef Richard Yu zeigte sich im Interview besonders erstaunt über das Vorgehen gegen Android-Smartphones: „Es fällt mir schwer zu glauben, dass die US-Regierung den Zugriff auf Android einschränkt. Es ist ein Consumer-Produkt, das in keiner Verbindung zu den Debatten um die Sicherheit von Netzwerken steht.“

Tatsächlich geht es in dem Streit um Huawei für die USA nicht nur um Sicherheitsfragen – zumal bislang kein Fall von Spionage nachgewiesen wurde und Huawei anders als etwa ZTE nicht dem Staat gehört. Hintergrund sind wirtschaftliche Kontroversen etwa um die hohen Exportüberschüsse Chinas oder staatliche Hilfen. Huawei dient dabei als Druckmittel auf die chinesische Staatsführung.

Wie geht es für Huawei weiter?

Das hängt davon ab, was nach Auslaufen der Frist am 19. August passiert. Zwei Szenarien sind denkbar:
Variante 1: China gibt Trump nach. Sollte China der US-Regierung in Handelsfragen nachgeben, könnte Trump das Dekret zumindest für Smartphones und Tablets aufheben.
Variante 2: Das Dekret bleibt in Kraft. In diesem Fall steht das Smartphone-Geschäft von Huawei in Europa und den USA zumindest vor einer längeren Zwangspause. Huawei darf in diesem Fall selbst die bereits eingeführten Modelle wie das P30 nicht mehr neu produzieren und an Händler ausliefern. Huaweis einzige Chance: Die Entwicklung neuer Geräte, die komplett auf US-Technik verzichten. Dabei steht Huawei vor enormen Herausforderungen:
Hardware: Neue Smartphone-Modelle müssten ohne Bauteile aus den USA neu konzipiert werden. Theoretisch möglich, aber das dauert! Der Marktstart der eigentlich zur IFA erwarteten Huawei-Mate-30-Serie sowie Huaweis erstes Falthandy Mate X dürfte sich damit verzögern. Eine noch größere Herausforderung: Spätestens 2021 braucht Huawei neue Smartphone-Prozessoren.
Software: Huawei müsste sein Betriebssystem komplett von Google-Lizenzen und -Diensten befreien und etwa einen eigenen App-Store bereitstellen. Wobei der Huawei-Chef in einem Interview meinte, das neue System könnte schon im September 2019 fertig werden. Das US-Magazin „The Information“ will aber aus Unternehmenskreisen erfahren haben, dass das System weit entfernt von einer Marktreife sei.

Wie auch immer der Streit zwischen Trump und China ausgeht, eines steht schon jetzt fest: Das System der globalisierten Smartphone-Industrie ist angeschlagen, langfristig aber ohne echte Alternative.[cj]

ARK OS: NEUES SYSTEM FÜR HUAWEI-HANDYS

Unter dem Code-Namen „Project Z“ arbeitet Huawei schon seit Jahren an einem eigenen Betriebssystem – angeblich nicht nur für Smartphones, sondern auch für Tablets und sogar die Automobil-Industrie. Der Clou: Bestehende Android-Apps sollen damit ebenfalls laufen – angeblich aber erst nach erneuter Bearbeitung, die Installationsdatei (APK) allein reicht offenbar nicht. Technisch ist das kein Problem, doch die Entwickler müssen jede App neu einstellen. Damit dürfte es schwierig werden, dieselbe App-Auswahl zu erreichen wie im Google Play Store. Spannend aber: Huawei-Chef Richard Yu soll im Gespräch mit chinesischen Medien versprochen haben, dass bestehende Apps unter dem neuen System bis zu 60 Prozent schneller laufen werden.

Diese im Internet kursierenden Screenshots zeigen angeblich das Betriebssystem „Ark OS“ von Huawei.