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Top-Story: Gegensätze ziehen sich an


Top in Sport MotoGP - epaper ⋅ Ausgabe 1/2020 vom 29.11.2019

Zwei Namen beherrschten die MotoGP-Saison 2019 wie niemand sonst: Marc Marquez sowieso – und zur allgemeinen Überraschung auch ein Rookie namens Fabio Quartararo.


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Bildquelle: Top in Sport MotoGP, Ausgabe 1/2020

Imago (1)

Top-Story

So unzweifelhaft dem alten und neuen Weltmeister Marc Marquez die Favoritenrolle für die Saison 2019 zustand, so sehr war klar, dass der erste Verfolger Andrea Dovizioso sein würde. Das bewahrheitete sich zwar – aber umso bemerkenswerter, dass die Piloten hinter Ducatis Aushängeschild dennoch für mehr Aufsehen sorgten. Das betraf den am Ende viertplatzierten Suzuki-Piloten Alex Rins noch mehr als den im Gesamtklassement vor ...

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... ihm liegenden Maverick Vinales, weil dessen Erfolgserlebnisse zum einen spektakulärer waren (Stichwort letzte Kurve in Silverstone), zum anderen für Suzuki nach wie vor besonderer sind als für Yamaha, deren Werksfahrer Vinales bekanntlich ist. Aber ausgerechnet das Schlusslicht der Top Five war der Mann, der über weite Strecken der Saison allen vor sich zeitweise die Show gestohlen hat – ja, manchmal sogar dem höher denn je über allem schwebenden Marc Marquez.

Rasender Rookie

Mit Freude am Kämpfen: Marquez vs. Quartararo.


Vor der Saison deutete nichts daraufhin, dass ausgerechnet der junge Franzose aus dem Stand zum strahlenden Shooting-Star und zu einer, wenn nicht überhaupt der größten Nachwuchshoffnung der letzten und wohl auch kommenden Jahre werde würde. Auf dem Papier waren die gerechtfertigten Erwartungen an ihn überschaubar: Gerade mal als Zehnter beendete er die letzte Moto2-Saison vor seinem Aufstieg in die Königsklasse, was nicht unbedingt wie ein Signal anmutete, reif für die große Liga zu sein. Dass er dort bei Yamaha anheuerte, war zwar von vornherein eine sinnvolle Wahl, da diese Maschine als die umgänglichste im ganzen Feld gilt. Nur eben derzeit auch als nicht gerade die schnellstmögliche, was in Kombination mit der Tatsache, dass sich mit Petronas ein ganz neues Team um die Kunden-Yamahas herum formiert hatte, eine Saison unter ferner liefen schon als einen mittelprächtigen Etappenerfolg hätte dastehen lassen. Wie anders sich die Situation entwickeln würde, deutete sich schon bald an, als sowohl Fabio Quartararo als auch sein nicht minder grünschnäbeliger Teamkollege Franco Morbidelli in den Qualifyings zunehmend starke Startplatzierungen bis hin zur Pole-Position herausfahren konnten. Dass derartige Top-Platzierungen in den Rennen keinen Bestand hatten, verwunderte nicht, änderte sich aber dennoch mit dem Grand Prix von Katalonien in Barcelona: Diesmal ließ Quartararo seinem ersten Startplatz eine famose Renndistanz folgen und gönnte sich mal eben sein erstes Podest – keine drei Sekunden hinter Marc Marquez. Und das war kein Strohfeuer, sondern vielmehr ein geplatzter Knoten: zwei dritte und vier weitere zweite Plätze folgten, bei denen der 20-jährige Nizzaer sich zudem engagierte Duelle mit Marquez lieferte. So auch beim letzten Rennen in Valencia, als Quartararo abermals vom Platz an der Sonne aus den Grand Prix in Angriff nehmen durfte und sich dem da schon feststehenden Weltmeister Marquez um nur eine Sekunde geschlagen geben musste.
Auch wenn Werks-Pilot Vinales in der Endabrechnung zwei Plätze vor Quartararo landete, steht das Ergebnis dieses Saisonfinales exemplarisch für diese Saison. Insbesondere gegenüber Valentino Rossi, allein durch die Stralkraft seines Namens nach wie vor Yamahas Aushängeschild, ist das Zeichen deutlich: Die junge Generation steht in den Startlöchern, das Zepter zu übernehmen, was auch die Yamaha-Verantwortlichen mit Wohlwollen zur Kenntnis nehmen werden. Dass der Neue in der Yamaha-Familie mit einer Kundenmaschine 18 Punkte mehr als der neunfache Weltmeister auf dem Werks-Bike, war zwar auch Rossis Schwäche in diesem Jahr geschuldet. Aber umso drängender ist der Verdacht, dass die Führungsrolle auf der YZR-M1 in neue Hände übergeht. In Valencia wurde Rossi nur Achter.

Diese Erfolgsserie gleich im ersten MotoGP-Jahr freut den Rookie in Petronas-Diensten umso mehr, wo sie – wie bereits erwähnt – nicht unbedingt vorhergesehen wurde. „Im vergangenen Jahr bekam ich viele negative Kommentare mit, in denen behauptet wurde, dass ich nicht bereit bin und mir die Erfahrung für die MotoGP fehlt“, bezieht sich der Franzose rückblickend auch selbst noch einmal auf seinen zehnten Platz in der vergangenen Moto2-Saison. „Aber ich arbeitete im Winter bei den Tests sehr hart. Die Ergebnisse zeigen, dass wir unseren Platz verdienen.“ So mag sich in Valentino Rossis betont lobenden Worten über den Yamaha-Nachwuchs zwar auch ein bisschen eigene Ehrenrettung zwischen den Zeilen verstecken. Aber natürlich vor allem eine Einschätzung, der wohl niemand, der Quartararo in dieser Saison hat fahren gesehen, widersprechen mag: „Ich glaube, dass Quartararo um den Titel kämpfen kann, weil er sehr, sehr schnell ist“, so Rossi auf den jungen Wilden angesprochen. „Also warum nicht?“ Tatsächlich fällt einem auf diese Frage kaum eine gute Antwort ein. Außer vielleicht einer: Weil Marc Marquez auch 2020 wieder für Repsol Honda an den Start geht und stärker zu sein scheint als je zuvor.

Ronny Lekl (1), Picture Alliance (2)

In voller Blüte

Selbst gemessen an den Erwartungen, die man nach fünf Königsklassentiteln in sechs Jahren, die er nun in dieser Liga an den Start geht, hat, war 2019 ein herausragendes Highlight des Spaniers. Die Hoffnungen auf eine spannende Saison, nachdem er in den ersten drei Rennen nur einmal gewinnen konnte und dabei bei dritten Grand Prix des Jahres in Texas gar einen Sturz sowie eine daraus resultierende Nullnummer fabrizierte, hatten keinen Bestand: Von den abzüglich Texas 18 Rennen der Saison gewann Marquez 12 – die anderen sechs beendete er als Zweiter. Gigantische 420 WM-Zähler waren der gerechte Lohn, deren gegenüber die 269 Punkte seines Haupt“verfolgers“ Andrea Dovizioso so verblassen, dass es kaum noch für Ehrerbietungen für die dritte Vizeweltmeisterschaft in Folge reicht. Was aus Sicht des Italieners auch damit zu tun hat, dass sich er und seine Ducati-Mannschaft nach der vielversprechenden Saison 2018 eher einen weiteren Schritt in Hondas Windschatten als eine größere Distanz erhofft hatten. Und damit, dass sich Dovizioso mit jedem Jahr, das er älter wird, ein Stück weiter von der Erfüllung des WMTraums entfernt. Und vor allem, weil aus dem Hintergrund neue Jäger nachrücken, die Dovizioso, wenn schon nicht auf dem Papier, zumindest in Sachen Aufmerksamkeit seit diesem Jahr den Rang abgelaufen haben –Stichwort Quartararo. Marc Marquez muss das alles nicht sorgen, so lange er das Level der abgelaufenen Saison halten kann. Mit 26 ist er ohne Frage auf dem Höhepunkt seiner Kunst. Jung genug, um körperlich und geistig das Rüstzeug und den Hunger zu haben, um kompromisslos auf Angriff zu gehen. Und routiniert genug, um besser denn je zu wissen, was er mit der Maschine und auch seinen Widersachern machen muss und machen kann. Dass er auch in den Trainings eine geringere Sturzquote denn je hatte, spricht eine klare Sprache. Aber mit Fabio Quartararo war schon in diesem Jahr ein Rookie in der Lage, mehr als einmal mitzuhalten – ein deutliches Zeichen, dass selbst ein Großmeister sich nicht in Sicherheit wiegen darf. Auf der anderen Seite hielt diese Gefahr aus dem Yamaha-Lager aber auch eine gute Erkenntnis für MM93 bereit: Denn eben dieser Quartararo (und auch Alex Rins und Maverick Vinales) sind für Dovizioso eine noch viel größere Gefahr als für ihn selbst – und wenn diese vier (und wer weiß, wer 2020 noch alles) sich um den Posten des ersten Verfolgers balgen und sich gegenseitig die Punkte wegnehmen, stehen Marquez‘ Chancen, die Führungsposition zu behalten, ziemlich gut.


Imago (1), Ronny Lekl (21), Picture Alliance (1)