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Top Thema: Die weiße Gefahr


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Lisa - epaper ⋅ Ausgabe 5/2019 vom 23.01.2019

Was als Wintermärchen begann, hat sich zur lebensbedrohlichen Lage entwickelt: Schon 12 Menschenleben haben die Schneemassen bislang gefordert. Hier finden Sie Infos, Fakten und Experten-Interviews


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Bildquelle: Lisa, Ausgabe 5/2019

Was romantisch aussieht, kann problematisch werden: Im Salzburger Land in Österreich waren Mitte Januar 41 000 Menschen von der Außenwelt abgeschnitten


In Bayern waren Bereitschaftspolizei, Bundeswehr, Technisches Hilfswerk und Feuerwehr aktiv


Ein bis zwei Dächer konnten die Hilfstrupps pro Tag räumen. Experten warnen davor, allein aufs Dach zu klettern


Gut versichert, Vorräte im Haus und umsichtig in der freien ...

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... Natur: Dann lässt sich der Winter auch genießen


Der Schnee ist fest wie Beton“, sagte Anton Riblinger dem TV-Team vor Ort. Er ist Kreisbrandrat im Landkreis Miesbach. Mit seinen Kollegen von der Feuerwehr fällte er Bäume, die die Last des Schnees nicht mehr tragen konnten und binnen Stunden zur tödlichen Gefahr wurden. Auch für einen Neunjährigen, der Anfang Januar vor seiner Haustür von einem schneeschweren Baum erschlagen wurde.

Zu schwer Riblinger beschreibt ein Problem, das bei einem Wetterchaos wie diesem nicht nur Bäume betrifft. Meterhoch türmte sich das Weiß auf Dächern, blockierte Straßen und sorgte dafür, dass Einheimische und Touristen in Hotels und Berghütten gefangen wa-ren. Die meisten von ihnen zumindest mit reichlich Verpflegung. Auch wenn die Menschen südlich von München nicht zimperlich und auf Schnee eingestellt sind, so etwas hatten sie lange nicht gesehen. Zuletzt im Lawinenwinter 1999. Dächer trügen hier eine Last von 100 bis 110 Kilo pro Quadratmeter, weiß Norbert Gebbeken, Professor für Baustatik an der Bundeswehr-Uni in Neubiberg. Zeitweise galt sogar Katastrophenfall – neben Feuerwehr und Technischem Hilfswerk konnte so auch die Bundeswehr helfend ausrücken.

Niederschläge Was die Lage besonders dramatisch machte – und noch macht – ist eine Abfolge von Schnee und Regen, von kalten und warmen Temperaturen. „Entscheidend ist der Wassergehalt des Schnees. Bei nassem Schnee können 20 Zentimeter auf dem Dach bis zu 40 Kilogramm pro Quadratmeter wiegen“, sagt Norbert Gebbeken. Experten sprechen hier von Nassschnee. Aus ihm kann man im Gegensatz zu Pulver- oder Feuchtschnee Wasser herausdrücken. Und er erhöht zusätzlich die Lawinengefahr am Hang!

5 000
Helfer waren in Bayern im Einsatz, um Dächer und Straßen freizuschaufeln

Wer mit Schneemassen auf dem Haus rechnen muss, sollte eine Elementarschadenversicherung abschließen!


Hier ging es nicht weiter! Orte wie Balderschwang im Allgäu waren Mitte Januar von der Außenwelt abgeschnitten. Urlauber und Wirte saßen auf Hütten in Bayern fest – zum Glück waren die meisten mit genug Essen bevorratet, Gäste halfen beim Schneeschippen


Unachtsam auf Ski In Bayern und Österreich beschäftigten die Leute darum auch sorglose Skifahrer. Lawinenwarnstufen von vier oder fünf bedeuten gesperrte Pisten. Was oft ignoriert wird. So kamen vier deutsche Skifahrer im österreichischen Lech ums Leben. Nach einem von ihnen konnte nicht gleich gesucht werden, da die Gefahr für die Retter zu hoch war.

Doch was, wenn man einen Skiurlaub geplant hat? „Ob die Reise erheblich gefährdet oder beeinträchtigt ist, hängt immer von der Lage vor Ort und nicht etwa von der persönlichen Einschätzung des Reisenden ab“, sagte der Bundesverband der Verbraucherzentralen.

Was nun? Während der Katastrophenfall in den bayerischen Gemeinden nach und nach aufgehoben wurde, bleibt die Lawinengefahr hoch. Zudem kündigte sich eine neue Naturgewalt an. Meteorologen sagten bei Redaktionsschluss zwar ruhigeres Wetter voraus. Doch in niedrigen Lagen stiegen schon die Pegel der Flüsse. Die Lage bleibt also angespannt.

Südlich von München ging nichts bei der Bahn


Infos und Fakten

Klimawandel und Urlauber-Rechte

*Klimaextreme „Extremwetterlagen sind das, was wir mit dem Klimawandel erwarten“, sagt der Klimaforscher Prof. Dr. Hans Peter Schmid vom Karls ruhe Institute of Technology. „Wir erwarten vor allem solche Extreme, die länger anhalten. Das kann auf beiden Seiten sein. Es kann lange, schöne Trockenperioden geben. Die Wetterlagen werden beständiger und dabei extremer.“ Ob das aktuelle Einzelereignis ursächlich auf den Klimawandel zurückzuführen ist, könne er dagegen nicht sagen. Verwundert ist der Professor darüber aber nicht.

*Tauwetter Angesichts der aktuellen Bilder ist es kaum zu glauben, aber die Messungen sind eindeutig: Seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts nehmen Schneefälle, die Ausmaße der Schneedecke und die Dauer der Schneesaison kontinuierlich ab. Alle zehn Jahre wird die Schneesaison um mehr als fünf Tage kürzer, stellt der jüngste Bericht des Weltklimarates fest. Aber: Schlägt der Winter dann doch mal wieder zu, so wie jetzt, dann tut er das mit eisiger Faust: mit extremen Schneefällen und mit niedrigen Temperaturen bis ins Frühjahr hinein.

*Darauf müssen Urlauber achten! Arbeitnehmer haben grundsätzlich die Pflicht, an ihrem Arbeitsplatz zu erscheinen. Sitzt man in einem Skigebiet fest, sollte man darum umgehend seinen Chef informieren. Dann lässt sich klären, ob Urlaubstage oder Überstunden angerechnet werden können, andernfalls können Lohnkürzungen oder sogar eine Abmahnung drohen.

Kann man wegen offiziell gesperrter Straßen sein Hotel nicht erreichen, dann muss man es nicht bezahlen. Sitzt man in Hotel oder Ferienwohnung fest, dürfen Vermieter diese Tage aber in Rechnung stellen. Hat man eine Pauschalreise gebucht, muss der Reiseveranstalter anfallende Mehrkosten alleine tragen und auch anfallende Hotelkosten für drei Tage übernehmen.


Fotos: BRK BGL, dpa (4), Fotolia (2), Imago