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Topfpflanzentag 2018: Das Wachstum steuern


GB Gärtnerbörse - epaper ⋅ Ausgabe 5/2018 vom 24.04.2018

Rund 80 Interessierte hatten sich zum Topfpflanzentag 2018 angemeldet, der am 9. Januar im Versuchszentrum Gartenbau (VZG) in Straelen stattfand. Das Motto der Veranstaltung lautete „Pflanzenproduktion und Gewächshaustechnik“.Heinrich Dreßler fasst die Vorträge zur Wachstumssteuerung von Pflanzen, zu Kulturbodensystemen und zu Töpfen zusammen.

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Wuchshemmung: Luftdruckwagen mit Lechler-Spezialdüsen


Das „Air Knife“ legt einen Luftvorhang über die Pflanzen


Fotos: LVG Heidelberg (2), Heinrich Dreßler (2)

Einen Überblick über Klimastrategien zur Wachstumssteuerung gab Gabriele Hack von der LWK NRW.

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... „Negativ-Diff“ ist der Temperatur-Sollwert nachts höher als tagsüber (Beispiel: Heizung Tag/Nacht 14/17 °C, Lüftung Tag/Nacht 16/20 °C). Die Pflanzen wachsen dabei kompakter. Das seit den 1990er-Jahren angewendete Verfahren ist gut untersucht. Es eignet sich nach Hacks Aussage vor allem für die Wintermonate. Im Frühjahr kann die Einstrahlung tagsüber so hoch sein, dass das Verfahren nicht gut funktioniert – laut Hack ist es an 60 bis 80 Prozent der Kulturtage nicht sicher. Erforderlich sind ein dichtes Gewächshaus mit Energieschirmen und eine Zusatzbelichtung.

Bei „Cool Morning/drop“ wird der Temperatur-Sollwert zum Sonnenaufgang abgesenkt, zum Beispiel um 8 °C. Voraussetzung ist ein Klimacomputer. Das witterungsabhängige Verfahren ist nur im Frühjahr und im Herbst anwendbar, im Frühjahr nur an 30 bis 50 Prozent der Kulturtage.

Die Pflanzen wachsen kompakter, bei gut isolierten Gewächshäusern ist das Verfahren energetisch günstig. Bei großen Abteilungen besteht das Problem, dass einzelne Sätze oder Kulturen unterschiedlich reagieren können, erklärte Hack. Aus dem Publikum meldeten sich zwei Gärtner, die Cool Morning bei Pelargonien beziehungsweise Fuchsien anwenden.

Viele Praxiserfahrungen

Bei dem „Weihenstephaner Modell“ werden Cool Morning und Warm Evening kombiniert, wobei die Cool-Morning-Phase kurz oder lang sein kann. In Bayern sollen über 100 Gärtnereien dieses Verfahren anwenden, sodass viele Praxiserfahrungen vorliegen. Die Pflanzen wachsen kompakter und es lassen sich 25 bis 40 Prozent Energie einsparen, so Hack. Das Verfahren ist witterungsabhängig und es kann eventuell Probleme mit der Luftfeuchte geben. Warm Evening kann nachts dieBotrytis -Gefahr erhöhen, lautete denn auch eine kritische Anmerkung aus dem Publikum. Außerdem hieß es, der optimale Einsatz von Warm Evening sei kompliziert.

Piet Rutten (rechts) erläuterte das ErfGoed-Bodensystem auf einer Musterfläche


Trockenstress ist eine weitere Möglichkeit der Kultursteuerung, um kompaktere Pflanzen zu erzielen. Optimal für die Pflanzen ist eine Saugspannung von 40 bis 120 Hektopascal (hPa). Bei manchen Pflanzen zeigt Trockenstress erst bei hohen Saugspannungswerten Wirkung (Pelargonien über 200 hPa, Petunien über 105 hPa). Setzt der Kultivateur seine Pflanzen einem Trockenstress aus, ist anschließend eine gleichmäßige Bewässerung wichtig, da sonst Wachstumsunterschiede im Bestand auftreten. Insofern berge dieses Verfahren ein Risiko. Bei hoher Einstrahlung kann es zu Blattverbrennungen kommen. Auch seien hinsichtlich der Wiederbenetzung torfreduzierter Substrate noch Fragen offen, so Hack.

„Het nieuwe telen“ (HNT, Neues Kultivieren) ist ein Konzept aus den Niederlanden, bei dem es um die Reduzierung der Kohlendioxid-Emissionen auf Basis des Wertes von 2015/16 geht – jährlich sollen es zwei bis drei Prozent weniger CO2 sein. Dies will man durch technische Innovationen und den Ersatz fossiler Brennstoffe erreichen. Die Wachstumsbedingungen werden auf der Basis von Verbrauchsbilanzen optimiert. Aus einer Evaluierung in Betrieben abgeleitete Rezepte sollen über den Klimacomputer umgesetzt werden.

Im Prinzip sei HNT eine Weiterführung des Zineg-Konzepts, aber mehr auf die Pflanze ausgerichtet, sagte Hack. Die Frage sei, wie sich HNT in Deutschland umsetzen lasse und wie hoch eventuelle Investitionen seien.

Hemmstoff-Einsparungen

Fazit der Referentin: Durch eine Kombination von Sortenwahl, Temperaturund Bewässerungsstrategien sind nennenswerte Hemmstoff-Einsparungen möglich, vor allem in spezialisierten Betrieben. Ein kompletter Verzicht auf Hemmstoffe ist nach Hacks Ansicht derzeit oft noch mit zu hohen Risiken beziehungsweise Investitionen verbunden und von daher nicht realisierbar. Fazit von Elke Mattheus-Staack (LWK NRW), Moderatorin der Veranstaltung: Einige der von Gabriele Hack vorgestellten Methoden sind mit geringem Aufwand umzusetzen.

LED-Technologie

Das Pflanzenwachstum lässt sich auch mit Licht beeinflussen. Dr. Dirk Ludolph von der LVG Ahlem befasste sich in seinem Vortrag mit der LED-Technologie, an die der Gartenbau Erwartungen in Bezug auf Streckungswachstum, Ausfärbung und Inhaltsstoffe habe.

Bei den Effekten kann man nicht klar zwischen Photosynthese und Photoperiode trennen, sagte Ludolph. Bei Versuchen in Ahlem mit Topfpflanzen (Poinsettien, Begonien) hätten die Pflanzen in den LED-Varianten gegenüber den Varianten mit Natrium-Hochdruckdampflampen kein besseres Wachstum gezeigt. Effekte in anderen Versuchen seien zum Teil durch eine höhere Lichtintensität zu erklären. Spezifische photosynthetische Wirkungen gebe es nicht.

Spektralwirkung

Da die LED-Module wenig Wärme abstrahlen, kann man sie nahe am Bestand platzieren. Vorteile der LED sind die Energieeffizienz und die spezifische Spektralwirkung, so Ludolph. Kulturtechnisch interessant sind Weiß (Mischlicht), Blau (440 nm), Hellrot (dark red, 660 nm) und Dunkelrot (far red, 730 nm). Blaulicht fördert eher das Streckungswachstum, Hellrotlicht hemmt es überwiegend und Dunkelrotlicht fördert das Streckungswachstum stark, sagte Ludolph.

Dunkelrot ist für Langtagpflanzen notwendig, für Kurztagpflanzen (wie Petunien,Calibrachoa und Poinsettien) nicht. Petunien zeigten unter Dunkelrotlicht starkes Streckungswachstum, unter Hellrotlicht waren sie sehr kompakt. Blaulicht förderte die Streckung leicht. BeiHedera sorgte Hellrotlicht für kürzere Internodien und kürzere Triebe. Bromelien zeigten unter Blaulicht eine stärker ausgeprägte rote Laubfärbung, bei Erdbeeren waren die Blütenstiele stärker gestreckt.

Streckung gefördert

Bei Poinsettien förderte Dunkelrotlicht die Streckung – eventuell nutzbar bei der Produktion von Stämmchen. Auch in der Tulpentreiberei können längere Stiele durch Dunkelrotlicht-Gaben von Vorteil sein. Poinsettien waren nach Hellrotlicht-Gabe zwischen 17.00 Uhr und 17.30 Uhr kompakter („End-of-day-Effekt“).
Eventuell lässt sich bei Poinsettien ein Teil der Hemmstoffe einsparen – ganz ohne werden sie oft zu breit, sagte Ludolph. Zum Beispiel könne man zwei Hemmstoffgaben zum Kulturstart mit einer einstündigen Hellrot-Belichtung ab Sonnenuntergang kombinieren.

Bei Chrysanthemen und anderen Sommerkulturen habe eine LED-Belichtung keinen Einfluss auf das Wachstum, da im Sommer für LED-Effekte zu viel natürliche Einstrahlung herrsche. Sinnvoll sei der LED-Einsatz vor allem im Herbst und im Frühjahr.

Insgesamt bieten LED nach Ludolphs Aussage vielfältige Steuerungsmöglichkeiten. Die Technik sei ausgereift, die Lichtausbeute gut. Wegen der notwendigen Investitionen lohne sich diese Technologie aber eher für spezialisierte Betriebe, meinte Ludolph. Zu achten sei darauf, welches Spektrum eine LED-Lampe tatsächlich abgibt, weil davon der Einfluss auf die Pflanzen abhängt. Einfache „Baumarkt“-Lampen enthalten meist eine blaue LED plus Weißfilter, teurere Spezial-Lampen enthalten zwei bis drei LED und bieten damit ein breiteres Spektrum.

Wie sich mit mechanischen Reizen der Pflanzenwuchs bremsen lässt, prüfte die LVG Heidelberg in mehrjährigen Versuchen bei verschiedenen Topfpflanzen. Ziel der Projekte sei die Einführung in die Praxis, erklärte Versuchsleiterin Ute Ruttensperger.

Unterschiedliche Effekte zeigten sich nach dem Überfahren der Pflanzen mit Gewebestreifen (Vileda-Vlies) – teilweise gab es Schäden, beiHelianthus wirkte die Behandlung kaum. Nach dem Umstieg auf Tangentiallüfter stellte sich heraus, dass diese für festere Pflanzen wie Poinsettien zu schwach waren. Basilikum zeigte reduzierten Wuchs und stabilere Triebe, Falscher Mehltau wurde leicht gefördert. Aufgrund von Verwirbelungen ist die Luftgeschwindigkeit bei diesem Verfahren schwer zu bestimmen, so Ruttensperger.

Der nächste Schritt war ein zusammen mit den Unternehmen Knecht und Lechler entwickelter Luftdruckwagen mit einer modifizierten Knecht-Gießwagensteuerung. Die Lechler-Spezialdüsen verbreiten einen fächerartigen Luftstrom. Dieser Wagen kann mit einem zweiten Düsenstrang weiterhin zur Bewässerung genutzt werden, auch ist die Einbindung in eine RAM-Steuerung möglich.

Kompakter und stabiler

In Versuchen war bei Tomaten die Anzahl der Blüten gegenüber der Kontrolle reduziert, der Wuchs war kompakter und stabiler. BeiKalanchoë waren einige Sorten durch die Behandlung kompakter, andere nicht. Ruttensperger wies auf einen möglichen Ausbringungseffekt durch unterschiedlichen Druck in einzelnen Reihen hin.

In der Praxis ist dieses Gerät im Betrieb Fleischle (Vaihingen/Enz) bei der Produktion des „Pet Snack“ (Callisia repens ) im Einsatz, Ziel ist hierbei der Bio-Anbau. Dabei zeigte sich, dass der auftretende Druckluftstoß eine seitliche Stabilisierung erfordert. Die Mehrkosten abzüglich der Einsparungen bei Hemmstoffen beliefen sich auf 2,5 Cent pro Topf, das sehe der Unternehmer als tragbar an. Allerdings fehle die Druckluft an anderer Stelle im Betrieb.

Versuche mit dem Air Knife

Für 2018 kündigte Ruttensperger Versuche in Heidelberg mit dem „Air Knife“-System an, das eine Art Luftvorhang über die Pflanzen legt. Ein Zentrifugalgebläse drückt die Luft mit weniger als 0,25 bar durch einen bis zu fünf Millimeter breiten Schlitz in einem Balken über dem Tisch.

Ein generelles Problem bei den druckluftgestützten Verfahren ist die hohe Lautstärke, die ein Betreten des Gewächshauses nahezu unmöglich macht. Die Behandlungen lassen sich aber auf den Morgen oder Abend legen. Zu empfehlen seien Zeiten, zu denen bei einer Störung jemand eingreifen kann – nachts sollte man also besser nicht behandeln. Zu klären ist, wie viel Reiz eine Pflanze benötigt und wie viel Zeit demnach für die Überfahrten einzuplanen ist, gerade in großen Gewächshäusern.

Ein weiterer Ansatz zur Wuchshemmung ist das Rütteln der Pflanzen. Hierzu liefen an der Humboldt-Universität in Berlin Versuche mit einem verbiegungsfesten Tisch mit Vibrationsunterbau. Eine Hemmwirkung war zu beobachten. Die Pflanzen vibrierten aber nicht immer gleichmäßig, die Kraftübertragung sei offenbar schwierig. Zu prüfen wären laut Ruttensperger die mechanische Beanspruchung der Tische und die Kosten einer stabilen Montage.

Bei der Berechnung der Wirtschaftlichkeit der alternativen Verfahren sind die geringeren Arbeitskosten für die Ausbringung von Hemmstoffen zu berücksichtigen. Die Kosten der Nachrüstung eines vorhandenen Gießwagens bezeichnete Ruttensperger als moderat. Müsse dafür ein Gießwagen erst installiert werden, sei es aber relativ teuer. Beim Einsatz von Druckluft entstehen Betriebskosten.

Der Bioanbau ist ein mögliches Einsatzgebiet der beschriebenen Verfahren, ebenso Systemkulturen oder Vertical Farming. Im konventionellen Anbau lasse sich der Hemmstoffeinsatz reduzieren, so Ruttensperger. Ein begrenzender Faktor der mechanischen Verfahren sei bei manchen Pflanzen die notwendige Behandlungsintensität. Technisch seien die Verfahren realisierbar, die Umsetzung in der Praxis scheitere aber zumeist an den Investitionskosten.

Beim Topfpflanzentag präsentierten sich einige Zulieferer den Fachbesuchern


Zwei Bodensysteme

Um Kulturbodensysteme ging es in zwei Vorträgen beim Topfpflanzentag. Alwin Geelen vom Lohnunternehmen Gebr. Geelen aus Straelen stellte die Ebbe-Flut-Systemplatte vor, Piet Rutten von ErfGoed aus Moerkapelle/NL den ErfGoed-Kulturboden.

Vor der Verlegung der Geelen-Platten wird der Untergrund im Gewächshaus planiert und verdichtet. Für die Dränage werden Profile eingefräst. Anschließend verlegt Geelen eine Folie und die Dränrohre für Be- und Entwässerung. In der Mitte der Fläche befindet sich eine Sammelleitung. Auf die vorbereitete Fläche kommen die Systemplatten, die mit einem Gewebetuch abgedeckt werden. Dieses wird mit Aluminium-Winkeln befestigt. Die Einfassung der Fläche kann aus Kunststoff, Holz oder Beton bestehen. Eine Gummilippe am Rand erleichtert das Befahren. Der Einbau einer Bodenheizung ist möglich.

Als einen Vorteil der Platten nannte Geelen die sofortige Befahrbarkeit, die fertige Fläche lässt sich also direkt nutzen. Außerdem sei ein späterer Rückbau der Fläche einfach. Die Platten sind insgesamt drei Zentimeter hoch, sie stehen auf 1,5 cm hohen Füßen. Luftschicht plus Topf erfordern eine Anstauhöhe von circa drei Zentimeter pro Quadratmeter.

Standzeit ist einstellbar

Die Standzeit des Wassers ist einstellbar – sie sollte nicht zu lang sein, empfahl Geelen. Je nach Pumpenleistung kann die Größe einer Bewässerungseinheit zwischen 150 und 500 Quadratmeter liegen. Die Luftschicht zwischen Folie und Platte verhindert in der Regel eine Algenbildung, erklärte Geelen. Bei einem Lavaunterbau sei eher mit Restfeuchte zu rechnen. Manche Dünger fördern die Veralgung, die Fläche lasse sich aber gut reinigen.

Die Platten kosten nach Geelens Angaben etwa 16 Euro pro Quadratmeter, das Gesamtsystem etwa 28 bis 30 Euro. Der Preis liege damit auf einem ähnlichen Niveau wie bei einer Betonfläche, die Fläche mit den Platten sei aber genau waagerecht. Zur Haltbarkeit der Fläche sagte Geelen, dass Nager ferngehalten werden sollten. Sinnvoll sei eine Schulung der Staplerfahrer, da hartes Bremsen auf der Fläche zu Schäden führen kann. Das Unternehmen hat nach Geelens Angaben bereits rund 15 Hektar Systemplatten verlegt.

Auch als Komplettpaket

ErfGoed befasst sich seit den 1990er-Jahren mit Kulturböden, erklärte Piet Rutten, Kundenberater Deutschland. Das Unternehmen bietet alle Arbeiten auch als Komplettpaket an, sodass der Gärtner auf Wunsch nur einen Ansprechpartner hat.

Basis des ErfGoed-Systems ist eine Schotterschicht aus porösem Gestein, die auf einer Antikondensfolie liegt. Darüber befindet sich eine Matte, die die Stabilität und die Wasserverteilung verbessert. Als Abschluss dient ein Tuch. Das Wasser wird durch Rohre zu- und abgeführt, nicht durch Schläuche.

Der waagerechte Boden wird zur Bewässerung etwa 20 Minuten geflutet, das Wasser steigt dabei durch das Tuch gleichmäßig nach oben. Die Pflanzen werden einheitlich mit Wasser und Dünger versorgt und wachsen deshalb uniform, so Rutten. Beim Abfließen des Wassers bleiben keine Pfützen zurück. Staunässe kann durch den Schotter-Unterbau nicht auftreten. Der Krankheitsdruck soll dadurch gering sein. Durch Befeuchtung des Schotters lässt sich ein Kühleffekt nutzen, auch die Verlegung von Heizschläuchen ist möglich.

Gleichmäßigeres Wachstum

Das Wachstum der Pflanzen ist nach Ruttens Angaben auch deshalb gleichmäßiger, weil die relative Luftfeuchte tagsüber – vor allem mittags – nicht so stark abfällt. Im Sommer könne der Gärtner die Steine anfluten, um die Luftfeuchtigkeit im Gewächshaus zu erhöhen. Zum Befahren gibt es Schienen in drei Breiten, die mit einer Brücke an den Betonweg anschließen. Durch eine aushärtende Schicht Beton-Mix lässt sich die Fläche befahrbar anlegen.

Die Kosten des ErfGoed-Bodens ohne Heizung bezifferte Rutten auf etwa 25 Euro pro Quadratmeter. Den Nutzen belegte er mit einigen Zahlen. So verringere sich der Arbeitsaufwand um circa fünf Prozent, da es weniger Ausfall gebe und der Sortieraufwand dank der uniformen Bestände geringer sei. Der Energieverbrauch sinke um etwa zehn Prozent, der Verbrauch von Wasser und Dünger durch das Recycling um etwa 20 Prozent. Auch könnten die Erlöse durch einen größeren Anteil von Pflanzen der besten Qualitätsklasse höher liegen.

Am Versuchszentrum Gartenbau in Straelen ist in einem Gewächshaus eine Musterfläche mit dem ErfGoed-Boden angelegt.

Zur IPM 2018 kündigte das Unternehmen eine neue Abdecktuch-Version an, die im Hinblick auf Lichtreflexion, Gleichmäßigkeit des Wasserdurchgangs sowie Lebensdauer verbessert sein soll. Das Tuch ist grau statt schwarz und heizt sich deshalb nicht so stark auf. Dadurch sei das Klima im Bestand besser, die Pflanzen seien kräftiger, so der Hersteller. Die Farbe Grau habe sich in Versuchen bei den meisten Kulturen als optimal bezüglich der Lichtreflexion erwiesen.

Weitere Beiträge zum Straelener Topfpflanzentag finden Sie auf Seite 64 und 80.