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Topthema: Große Serie: Einfach besser leben!: „Das Glück liegt in uns, nicht in den Dingen.“ (Buddha): Weniger ist mehr


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 37/2018 vom 05.09.2018

Der Satz ist nicht neu. Doch immer mehr Menschen füllen ihn mit Inhalt – und trennen sich von allem, was mehr Last als Lust geworden ist


24. Teil

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Bildquelle: Lea, Ausgabe 37/2018

Von allen Seiten werden wir zum Konsum aufgefordert. Mehr, mehr, mehr, schallt es uns entgegen. Klamotten, Möbel, Urlaubsreisen – immer müssen wir uns fragen: Da lässt sich doch sicher noch was Besseres finden? Wir müssen sondieren, auswerten, stets auf der Jagd nach dem Besten. Was wir dabei verlieren, ist unersetzlich: Zeit. Nicht wir haben die Dinge, sondern die Dinge haben uns. Immer mehr Menschen lassen dieser Einsicht Taten folgen, Share-Economy etwa, das ...

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... Teilen statt Kaufen, boomt; ebenso die bewusste Beschränkung aufs Wesentliche. Weil es das Leben reicher macht.

Bernd Vonhoff
Vorsitzender Berufsverband deutscher Soziologen, Geschäftsführer einer Unternehmensberatung
www.bds-soz.de, www.fsv.de

Was bringt immer mehr Menschen dazu, bewusst auf etwas zu verzichten?
„Das sind die Komplexität und der Überkonsum, die in unserer Gesellschaft herrschen. Ein Beispiel: Heute gibt es 1.500 verschiedene Studiengänge. Das überfordert die jungen Menschen. Aber viele von uns wollen selbstbestimmt handeln, wollen entscheiden, wann sie wo sind und was machen. Eine Fremdbestimmtheit sorgt bei den Menschen für den größten Stress. Und je deutlicher man reduziert, desto einfacher ist das Leben.“

Was kann dieser bewusste Verzicht bei den Menschen bewirken?
„Ich habe häufiger mit Burnout-Klienten in Firmen zu tun. Wenn diejenigen eine Woche auf alle Medien, aufs Handy, Internet und auch auf Bücher verzichten und einfach nur bei sich selbst sind, kann das schon wahre Wunder wirken. Dann sind sie einfach mal wieder ganz bei sich und sorgen für sich selbst.“

Ist Verzicht eine Mode-Erscheinung oder eine bleibende Entwicklung?
„Ich glaube, es ist eine nachhaltige Entwicklung, auch wenn es immer nur eine Teilgruppe sein wird, die sagt: Mir reicht’s! Wir können nicht allem hinterherrennen und mit jedem konkurrieren. Ein Zuviel ist nie gut. Etwas zu reduzieren, ist die beste Methode, um selbst in Balance zu bleiben. Jeder sollte schauen, wo es in seinem Leben ein Zuviel gibt. Man muss ja nicht gleich eine Religion daraus machen.“

Hannah Frey (30) aus Hamburg: „Durch die neue Ernährung habe ich meine Balance gefunden“

→ In ihrem Elternhaus wurde immer auf gesunde Ernährung und viel Bewegung geachtet. Doch als Hannah Frey nach dem Abitur auszieht, stehen jede Menge Fertigprodukte auf dem Speiseplan. Das hinterlässt Spuren. „Ich fühlte mich schlapp und war oft müde“, erinnert sie sich. Zu dieser Zeit ist sie schon mitten im Studium der Gesundheitswissenschaften – und nimmt einfach mal ihre eigene Ernährung unter die Lupe.

Hannah entscheidet sich, auf verarbeitete Lebensmittel zu verzichten, und später auch noch auf Zucker. Sie verbringt viele Stunden im Supermarkt und studiert die Zutatenlisten. „Total spannend“, sagt sie. Als sie in ihr zuckerfreies Leben startet, schreibt sie darüber auf ihrem Blog (www.projekt-gesund-leben. de). Schon sehr bald ist sie viel leistungsfähiger und fühlt sich topfit – Heißhunger und Naschattacken bleiben aus. Seitdem lebt sie nahezu zuckerfrei. Ihren Blog-Lesern bietet sie zweimal im Jahr eine 40-Tage-Zuckerfrei-Challenge an. Start der nächsten: 10. September.

Hannah kocht am liebsten selbst


Fit und frisch: Seit sie auf Zucker verzichtet, geht es Hannah besser


Thea Welland (44) aus Witzenhausen: „Ich muss die Natur spüren können“

→ Ich könnte nie in einem Büro arbeiten“, sagt Thea Welland. Es sind das Draußensein, die Natur, ihre Schafe, die ihr Ruhe geben. Es hat gedauert, bis sie das erkannte. Kindheit und Jugend hat sie in Hannover verbracht. Nach dem Abitur weiß sie nicht, was sie tun soll. Ihr Leben ist bestimmt von Partys, Alkohol, Drogen, ihre Beziehungen erfährt sie als oberflächlich. „Ich habe einfach den Sinn in meinem Leben nicht erkannt. Eine fürchterliche Zeit, die ich nicht wieder erleben möchte.“ Irgendwann erkennt sie: Ich muss raus hier. Raus aus diesem Leben und irgendwann raus aus der Stadt. Ich mache eine Ausbildung in der Landwirtschaft.

Sie setzt noch ein Studium der ökologischen Landwirtschaft drauf – und dann kauft Thea ihr erstes Schaf. Immer mehr Tiere kommen dazu. Thea zieht an den Ortsrand, mit vielen Wiesen für die Schafe direkt vor der Haustür. „Manchmal fehlt mir der Kontakt zu Menschen, auch gesellschaftliches Leben gibt es hier wenig. Aber wenn ich draußen bei den Schafen bin, weiß ich: Hier bin ich richtig.“ Inzwischen hat sie ein kleines Unternehmen aufgebaut, aus der Schafmilch produziert sie Seifen: www.schafmilch-naturseifen.de

Ute Blindert (46) aus Köln: „Ein Jahr nichts kaufen war schon echt hart“

→ Ute nervte das Problem, das viele von uns kennen: vor einem vollen Kleiderschrank zu stehen, aber nichts anzuziehen zu haben. Irgendwann erkannte die Beraterin und Autorin: Das ist doch Verschwendung von Ressourcen. Nach und nach begann Ute Blindert mit der Entwicklung einer „Capsule Wardrobe“, also einer Art Kern-Garderobe: nur wenige Kleidungsstücke, die sich prima kombinieren lassen. Doch das reichte ihr nicht. „Am 20. April 2016 habe ich beschlossen, ab sofort ein Jahr lang nichts mehr zu kaufen.“

Sie gestattet sich eine Ausnahme: Auf Flohmärkten darf sie mal ein Schnäppchen machen. Doch die Saison für die Märkte ist im Herbst beendet. „Da habe ich gemerkt: Jetzt fehlt es mir doch“, erzählt sie. Aber genau in dem Moment erwacht ihre Kreativität: Sie nimmt die Stücke aus ihrem Kleiderschrank noch einmal genau unter die Lupe. Was kann man noch anders kombinieren? Am schwersten fällt es ihr, keinen Nagellack kaufen zu können. Doch dafür genießt sie es, auf einmal viel mehr Zeit zu haben, etwa für ihre Tochter. Ihre Rastlosigkeit ist verschwunden und einer neuen Ruhe gewichen. „Die früheren Shoppin-ouren brauche ich nicht mehr.“


„Heute fühle ich mich jedes Mal wie erschlagen vom Ware-ngebot“


Ute hat nur noch wenige, aber gute Kleidungsstücke


Alle Teile in ihrem Schrank lassen sich gut kombinieren


Nächste Woche, 25. Teil: Tauschen, teilen, reparieren


Fotos: Tania Deuß/knusperfarben.de (3), Privat (2), Moritz Christoph Ullrich