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Topthema: Vor Gericht? Besser nicht!


Lea - epaper ⋅ Ausgabe 13/2019 vom 20.03.2019

Wie Sie auch ohne Richter zu Ihrem Recht kommen


Manuela Reibold-Rolinger hat 25 Jahre Erfahrung und weiß: Bei Konflikten ist es in Deutschland leider Routine, dass die Parteien vor Gericht ziehen. Dabei gibt es oft sehr viel bessere Alternativen

Artikelbild für den Artikel "Topthema: Vor Gericht? Besser nicht!" aus der Ausgabe 13/2019 von Lea. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Lea, Ausgabe 13/2019

Unsere Expertin Verbrauche-nwältin Manuela Reibol-olinger

Kein Grund zur Klage – oder?

■ Ein Prozess kostet Zeit, Energie und viel Geld. Manuela Reibold-Rolinger weiß: Das unterschätzen die allermeisten Menschen stark. „Viele Mandanten denken:‚Machen Sie mal, Frau Anwältin! Und sagen Sie mir dann bitte Bescheid, wie es ausgegangen ist.‘ So geht das aber leider ...

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■ Ein Prozess kostet Zeit, Energie und viel Geld. Manuela Reibold-Rolinger weiß: Das unterschätzen die allermeisten Menschen stark. „Viele Mandanten denken:‚Machen Sie mal, Frau Anwältin! Und sagen Sie mir dann bitte Bescheid, wie es ausgegangen ist.‘ So geht das aber leider nicht“, erklärt die Anwältin. Und weiter:„Der Gang vor Gericht ist eine anstrengende Sache, die gut überlegt sein will.“ Also: Was erwartet einen Mandanten bei einem Gerichtsverfahren genau?

→ Kosten

In vielen Fällen geht ein Gerichtsverfahren nicht mit einem „Gewinner“ und „Verlierer“ aus – beide Parteien müssen zahlen. Für Gerichtskosten, das Anwaltshonorar, für Sachverständige, Gutachter, Zeugen. Reibold-Rolinger: „Bei einer Bausache liegt der Streitwert zum Beispiel bei 42.000 Euro im Schnitt. In erster Instanz sind mit Gesamtkosten von 20.000 Euro zu rechnen, in zweiter Instanz ist die 30.000-Euro-Marke schnell überschritten.“

→ Zeitaufwand

Es gibt enorme Zeitfresser, die ein Verfahren über viele Jahre hinziehen können. Beispiel: Einer der Beteiligten ist krank oder im Urlaub, schon verlängert sich der Prozess um Wochen. Oder der Prozessgegner spielt auf Zeit. Und: Auch der Zeitaufwand für Kläger und Beklagte ist erheblich.

→ Risiko

Manuela Reibold-Rolinger erklärt: „Niemand kann vorher wissen, was genau Zeugen aussagen und wie der Richter ihre Glaubwürdigkeit bewertet. Daher ist der Ausgang jedes Prozesses unsicher.“

Eskalation vermeiden

■ „Ein Verfahren kommt nie aus heiterem Himmel. In vielen Fällen sindfehlerhafte oder nicht existierende Verträge der Grund für gerichtliche Auseinandersetzungen“, weiß die Verbraucher-Anwältin. Das Problem ist:Erst ein schriftlich fixierter Vertrag sorgt für Sicherheit. Blindes Vertrauen, Nachlässigkeit und Emotionalität sind in Bezug auf wichtige Abmachungen leichtsinnig – und führen häufig zu Ärger.

→ Emotionalität

Wut, Eitelkeit, aber auch positive Emotionen wie Vorfreude sorgen oft für unüberlegte Entscheidungen – die dann nicht mehr so einfach rückgängig gemacht werden können. Das kann ein vermeintliches Sonderangebot sein, das man haben will, oder auch die spontane Kündigung aus Wut über den Arbeitgeber. „Wenn der Chef dann nicht mitzieht, gibt es kein Zurück mehr. Und auch die gesetzliche 14-tägige Widerspruchsfrist bei Kauf-, Bau-, Leasing- und Darlehensverträgen bietet nur eine gewisse Schonfrist. Manchmal dauert es länger, bis einem aufgeht, dass man einen Fehler gemacht hat“, sagt Manuela Reibold-Rolinger.

→ Blindes Vertrauen

„Manche Menschen gehen enorm freigiebig mit ihrer Unterschrift um und unterzeichnen mit großer Naivität einen Vertrag, ohne ihn genau gelesen zu haben“, berichtet Manuela Reibold-Rolinger. Besser: Lassen Sie Verträge vorher (!) prüfen. Von Verbraucherschutzverbänden oder einem Anwalt.

→ Nachlässigkeit

Je präziser ein Vertrag, desto weniger Streit gibt es. Alles, was den Vertragsparteien wichtig ist, muss hier auch festgehalten werden.

Welche Alternativen gibt es?

■ Muss es immer ein Gerichtsverfahren sein? In vielen Fällen sind tatsächlich außergerichtliche Streitschlichtungen die günstigere und schnellere Alternative. Hier gibt es verschiedene Verfahren, die sich unterscheiden, aber im Grundsatz gleich sind: Das Ziel von Mediation, Schlichtung und Schiedsverfahren ist es, durch einen objektiven Vermittler ohne Entscheidungsgewalt, einen Konsens für beide Seiten zu finden. Die Kosten liegen, je nach Fall, bei 50 bis 500 Euro die Stunde.

→ Die Mediation

Ein unparteiischer Dritter bietet den Streitenden einen Raum und Rahmen, in dem sie sich einigen können. Die Mediation ist vor allem für zwischenmenschliche Themen gedacht. „Es geht hier nicht um fachliche Kenntnisse, sondern um ein Konfliktmanagement auf persönlicher Ebene“, erklärt unsere Expertin Manuela Reibold-Rolinger.

→ Die Schlichtung

Der Unterschied zur Mediation liegt darin, dass der ausgebildete Schlichter eingreift und objektive Vorschläge für eine Einigung macht.

→ Das Schiedsverfahren

Bei einem Schiedsverfahren verpflichten sich beide Parteien, den Schiedsspruch anzuerkennen. So gibt es häufig den Fall, dass bereits im Vertrag festgehalten wurde, dass es im Fall eines Streits ein Schiedsverfahren geben wird. Eine schnelle und kostengünstige Alternative.

So funktioniert’s:

Die Streitschlichtungstermine sind nichtöffentlich – und: Beide Parteien entscheiden gemeinsam über die Modalitäten.

1. Wer ist mit dabei?

„Wer mit am Tisch sitzt, wird zwischen den Parteien verhandelt“, so Manuela Reibold-Rolinger. Es sollte ausgeglichen, die Teilnehmerzahl nicht zu groß sein.

2. Wo findet es statt?

Auch das kann ganz individuell abgesprochen werden. Ein neutraler Ort ist gut. Häufig bieten sich die Räumlichkeiten des Schlichters an.

3. Wie läuft es ab?

Der Termin teilt sich in 6 Phasen. Wichtig: Es gelten Regeln für ein wertschätzendes Miteinander.

Streitthema Nr. 1: Zwischenmenschliche Konflikte

Manuela Reibol-olinger im Gespräch mit Mandanten. Sie leistet Beratungs- und Aufklärungsarbeit


■ Abgesehen von fehlenden oder mangelhaften Verträgen sindpersönliche Streitigkeiten einer der Hauptgründe für Gerichtsverfahren. Manuela Reibold-Rolinger kann aus ihrer 25-jährigen Erfahrungvier Strategien ableiten, die viele Konflikte vermeiden könnten.

→ Offenheit

Das Problem: Viele Erwartungen werden nicht offen angesprochen – sie werden so zu einem schwelenden Konflikt mit zwei verfeindeten Lagern. Und landen vor Gericht, ohne dass jemals eine Aussprache stattgefunden hat.

→ Sofort handeln

„Es wird viel zu lange ausgesessen, geschwiegen und geduldet“, sagt Manuela Reibold-Rolinger. Das Problem: Konflikt-Vermeidung hat oft den gegenteiligen Effekt. Deshalb: besser sofort handeln und so beginnende Eskalationen schon im Keim ersticken.

→ Konfliktbereit sein

Die Verbraucher-Anwältin erklärt: „Wer es vermeidet, Konflikte anzusprechen, lässt sie unkontrolliert wachsen. Dahinter steckt meist der Wunsch, keine ‚schlafenden Hunde zu wecken‘. In Wirklichkeit aber scheut man die Auseinandersetzung.“ Und wieder gilt: Diese Vermeidungsstrategie macht viele Eskalationen erst möglich.

→ Sachlich bleiben

Eines der größten Probleme jedoch ist es, wenn Auseinandersetzungen persönlich genommen werden. Die Anwältin weiß: „Je emotionaler jemand mit einer Auseinandersetzung umgeht, desto weniger ist es ihm möglich, das Geschehene souverän und mit dem nötigen Abstand einzuordnen.“ Ein weiterer Nachteil: „Mit dem ‚Der andere will mir etwas antun‘ begibt man sich automatisch in die Opferrolle. Und die ist immer eine Sackgasse.“

UNSER BUCH-TIPP:

Ausführliche Infos und Tipps in: „Kein Grund zur Klage!“.

18 Euro. Gütersloher Verlagshaus


Fotos: Gütersloher Verlagshaus/Stefan Höning