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Torf- und Humustag, Teil II: Torffreie und torfreduzierte Baumschulsubstrate


Deutsche Baumschule - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 15.01.2019

Die Branche will gern ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten und auf Torf verzichten – so weit dies möglich ist. Genau dies wird an der LVG Bad Zwischenahn erforscht: Wie reagieren unterschiedliche Kulturen auf den Einsatz von Substraten, die deutlich torfreduziert oder torffrei sind?


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Bildquelle: Deutsche Baumschule, Ausgabe 1/2019

Für Treibhausgasemissionen verantwortlich: Torfabbau.


An der LVG Bad Zwischenahn werden seit 2014 mit Förderung des Niedersächsischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Versuche zum Einsatz stark torfreduzierter und torffreier Substrate durchgeführt, ein Teil davon im Rahmen des Projekts „TeiGa“ ...

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... (Torfersatzstoffe im Gartenbau), das Ende Februar 2019 zu Ende geht.

2 kg CO2-eq pro Kopf aus Baumschulsubstraten

Baumschul-Substrate sind zwar nicht für die größten Emissionen von Treibhausgasen verantwortlich, die Betriebe wollen aber durchaus ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten. Zahlen des Statistischen Bundesamts (2017) zufolge bewirtschaften Baumschulen rund 19.000 ha Kulturfläche, davon rund 2.000 ha mit Containerpflanzen.

Der IVG (2018) gibt an, dass im Jahr 2013 jährlich etwa 8,5 Millionen Kubikmeter Substrate produziert wurden, von denen 59 Prozent in den Erwerbsgartenbau gelangten, die zu 92 Prozent aus Torf bestanden. 410.000 Kubikmeter wurden dem IVG zufolge an Baumschulen geliefert, das entspricht fünf Prozent der Gesamtmenge beziehungsweise acht Prozent der Menge für den Erwerbsgartenbau.

Von den 909 Millionen Tonnen an Treibhausgasen (pro Kopf 11.000 kg CO2 -eq), die 2016 in Deutschland emittiert wurden (Umweltbundesamt 2018), stammen laut IVG (2018) etwa 0,2 Prozent aus Substraten für den Erwerbsgartenbau. Wenn die Baumschulen für acht Prozent davon verantwortlich sind, entspricht das 0,016 Prozent oder 145.000 Tonnen (2 kg pro Kopf). Das ist zwar keine große Menge, aber Politik, Verbraucher und das eigene Gewissen der Baumschuler fordern, diese Klimabelastung durch eine möglichst große Verringerung des Torfeinsatzes zu senken.

Herausforderung durch vielfältige Gehölzkulturen

Ein Problem beim Einsatz stark torfreduzierter oder gar torffreier Substrate ist die große Vielfalt an Kulturen in den Baumschulbetrieben. Dort werden insgesamt rund 17.000 Gehölzarten und -sorten herangezogen. Unter Berücksichtigung der vielen Alters- und Größenstufen ergeben sich daraus 300.000 Artikel (BdB 2018). Substrate für Containerpflanzen müssen also für Tausende von Arten/ Sorten von Pflanzen und außerdem für Kulturgefäße mit Volumina von wenigen Millilitern bis über einen Kubikmeter geeignet sein.

Beispiele für die Vielfalt an Substratausgangsstoffen, die Torf teilweise ersetzen sollen.


Standardsubstrate aus Torf

Mit den bisher üblichen Substraten, die ganz oder zumindest überwiegend aus Torf bestehen, gibt es wenig Probleme: Der pH-Wert wird durch Kalkung je nach Bedarf eingestellt, meist auf verhältnismäßig niedrige Werte zwischen 4,0 und 5,5. Durch die Kalkung wird auch der Pflanzenbedarf an Kalzium und Magnesium gedeckt.

Dünger versorgen die Pflanzen bedarfsgerecht mit Stickstoff, Phosphor, Kalium und Spurenelementen. Durch den nährstoffarmen Substratausgangsstoff Torf und eine bedarfsgerechte Düngung ist die Gefahr von Überversorgung und von Salzschäden gering. Da sowohl Torf als auch Dünger kaum Chlorid und Natrium enthalten, sind auch die Risiken von Schäden durch diese beiden Stoffe gering. Die Baumschulbetriebe können also mit den bewährten torfbasierten Substraten gut und relativ sicher kultivieren.

Torfersatzsubstrate im Versuch

Da aber sowohl von Politik als auch Kundengruppen der Wunsch nach stark torfreduzierten oder gar torffreien Substraten geäußert wird und es im Interesse der Baumschulen ist, möglichst umweltfreundlich zu kultivieren, wurde in der LVG Bad Zwischenahn 2014 mit einer Versuchsreihe begonnen, in der stark torfreduzierte (maximal 50 % Torfanteil) und torffreie Substrate getestet wurden.

Die Pflanzen wurden in der Regel in Töpfen und Containern mit 0,5 bis 5,0 Litern Inhalt kultiviert. Über die Jahre wurde ein breites Spektrum unterschiedlicher Gehölze eingesetzt, und um mögliche Probleme und deren Lösungen zu suchen, waren auch sehr empfindliche dabei. So wurden zum Beispiel kalkempfindliche wieCalluna ,Gaultheria undRhododendron einbezogen, aber auch salzempfindliche wieAcer palmatum ,Hypericum oderThuja , und Pflanzen, die empfindlich auf Staunässe reagieren, wieSkimmia undTaxus .

Zehn Substrathersteller beteiligt

Zehn namhafte Substrathersteller beteiligten sich an den Versuchen und stellten Fertigsubstrate zur Verfügung, die entweder jetzt schon den Praxisbetrieben angeboten werden oder für praxisreif gehalten wurden. Sie enthielten neben Torf (bis zu 100 % in Kontrollvarianten) Kokosmaterialien (bis zu 80 %), Holzfasern und -chips (20 – 50 %), Rindenhumus und Pinienrinde (meist 15 – 30 %), Substratkompost (20 – 30 %), Xylit (20 – 40 %), Vermiculit (30 %), Perlit (meist 10 – 25 %), Ton (5 – 10 %), Blähton (10 – 20 %) und Biokohle (meist 3 – 8 %). Darüber hinaus wurde in Eigenmischungen der LVG Sphagnummoos (50 – 100 %) getestet.

Da die chemischen und physikalischen Eigenschaften der Substratausgangsstoffe sehr unterschiedlich sind, wurde in den Versuchen deutlich, dass es „das“ torffreie oder stark torfreduzierte Substrat nicht gibt, sondern dass die Substrate je nach Ausgangsstoffen und deren Anteil in der Mischung völlig unterschiedlich sein können.

Vorteile der Testsubstrate

In den Versuchen wurden einige Vorteile deutlich, die stark torfreduzierte oder torffreie Substrate bieten können (aber nicht müssen): Häufig besaßen sie eine sehr lockere Struktur mit hohem Luftporenvolumen, das sich günstig auf die Wurzelbildung zum Beispiel beiTaxus auswirkte. Viele Testsubstrate waren sehr gut benetzbar, so dass sie das Gießwasser leichter annahmen als ein reines Torfsubstrat.

In manchen der Testsubstrate keimten weniger Unkräuter und breiteten sich Moose schwächer aus als im reinen Torfsubstrat. In einem Versuch brachte eine hohe Spurenelementversorgung durch ein torffreies Substrat Vorteile fürLigustrum . Außerdem schien eine Reduzierung der Phosphat- und Kaliumdüngung in Substraten möglich, die hohe Gehalte der genannten Nährstoffe, zum Beispiel durch Kompostanteile, besitzen.

Manche Kulturen reagierten empfindlich auf erhöhte Salzgehalte.


Nachteile der Testsubstrate

In vielen der Versuche wurden mit stark torfreduzierten und selbst mit torffreien Substraten Kulturergebnisse erzielt, die genauso gut waren wie im Vergleichssubstrat aus reinem Torf – oder sogar noch etwas besser. Allerdings waren auch viele Varianten dabei, in denen die Pflanzenqualität deutlich schlechter war als im reinen Torfsubstrat. Für die Praxis ist wichtig, den Anteil solcher Minderqualitäten sehr gering zu halten, denn schon ein kleiner Anteil unverkäuflicher Pflanzen kann für die Baumschule den finanziellen Ruin bedeuten.

Ein relativ häufig auftretendes Problem war Stickstoffmangel der Pflanzen. Vor allem Holzchips und -fasern (aber auch andere Substratausgangsstoffe) werden bekanntlich im Substrat schnell von Mikroorganismen besiedelt, die Stickstoff aus der Düngung immobilisieren können. Dieses Problem trat in den Versuchen unerwartet häufig auf, auch trotz einer vom Substrathersteller vorsorglich eingemischten Ausgleichsdüngung.

Außerdem zeigte sich, dass in manchen der Testsubstrate erhebliche Mengen an Nährstoffen ausgewaschen wurden. Bei phosphatund kaliumreichen Substraten war die Auswaschung dieser Nährstoffe wesentlich höher als im reinen Torfsubstrat. In einigen Versuchen traten Salzschäden durch die in den Substraten vorhandenen Nährstoffe oder durch Natrium und Chlorid auf. Kalkempfindliche Pflanzen reagierten häufig negativ auf pH-Werte, die entweder von Anfang an zu hoch oder aber zunächst in Ordnung waren und später unerwartet stark anstiegen. Die geringere Wasserhaltekraft vieler torffreier Substrate bereitete weniger Probleme als erwartet. In mehreren Versuchen zeigten die Pflanzen auch bei Shelflife-Tests, die die Situation später im Gartencenter nachahmen, keine schlechtere Haltbarkeit als die in Torfsubstraten. Die Sackung und Verpilzung der Substrate im Topf waren ebenfalls nicht so schlimm wie erwartet und bereiteten im Versuch keine nennenswerten Probleme.

Angemessene Pflanzenpreise

Aus den bisherigen Ergebnissen der Versuche lässt sich ableiten, dass der Einsatz stark torfreduzierter oder torffreier Substrate deutliche Kulturrisiken birgt, mit denen ein Kultivateur rechnen muss. Auch wenn sich die Pflanzen in vielen Fällen problemlos sogar torffrei anziehen lassen, ist bei Pflanzen, die zum Beispiel empfindlich auf Stickstoffmangel, hohe pH-Werte oder hohe Salzgehalte reagieren, Vorsicht angesagt.

Außer den Kosten, die für die anderen Substratausgangsstoffe in der Regel höher als für den relativ preisgünstigen Torf sind, steigen auch die finanziellen Risiken. Pflanzen in torffreien oder stark torfreduzierten Substraten müssen daher am Markt höhere Preise erzielen als Pflanzen im reinen Torfsubstrat, damit deren Produzenten wirtschaftlich dauerhaft existieren können.

Auf Substrateigenschaften einstellen

Wenn die Hoffnung auf angemessene Preise und gute Absatzmärkte besteht, ist es durchaus sinnvoll, eine deutliche Reduzierung des Torfanteils im Kultursubstrat zu erwägen. Aufgrund der dadurch veränderten Substrateigenschaften und Kulturführung sollte die Reduzierung aber nur in enger Absprache mit Lieferanten und Beratern erfolgen.

Zunächst ist zu erkunden, welche Substratausgangsstoffe von den Kunden gewünscht beziehungsweise akzeptiert werden. Kokosmaterialien zum Beispiel besitzen zwar herausragend gute Kultureigenschaften, werden aber von der Umweltorganisation BUND heftig kritisiert und daher von manchen Kunden ebenso abgelehnt wie Torf.

Für eine hohe Kultursicherheit sollten Substratausgangsstoffe eingesetzt werden, die nach RAL oder RHP gütegesichert sind. Die Empfindlichkeit der Gehölze, die kultiviert werden, gegenüber pH-Wert, Salz etc., muss bekannt sein oder geprüft werden. Die Gießwasserqualität (besonders Karbonathärte, Salzgehalt, Natrium- und Chloridgehalt) muss bekannt sein, damit abgeschätzt werden kann, wie sich die Werte im Substrat während der Kultur verändern können, und berücksichtigt werden.

In einigen stark torfreduzierten oder -freien Substraten traten Probleme durch Stickstoffimmobilisierung auf (Spirea, 2. Reihe).


Fotos: Beltz

Es muss geprüft werden, ob häufiger bewässert werden kann, und ob die Düngung an die Substrate angepasst werden sollte, besonders ob eine Stickstoffnachdüngung nötig sein könnte. Um die Umwelt zu schonen, muss beim Einsatz nährstoffhaltiger Substrate sichergestellt werden, dass das ablaufende Wasser mit seinen erhöhten Nährstoffgehalten nicht direkt ins Oberflächengewässer oder Grundwasser gelangt, sondern aufgefangen und wiederverwendet wird.

Heinrich Beltz, Landwirtschaftskammer Niedersachsen, LVG Bad Zwischenahn

Statistisches Bundesamt: Baumschulerhebung 2017.
IVG (2018):www.warum-torf.info/torf-gartenbau/gartenbau-torfeinsatz .
Umweltbundesamt (2018):www.umweltbundesamt.de/daten/klima/treibhausgas-emissionenin-deutschland#textpart-1
BdB (2018):www.gruen-ist-leben.de/themen-produkte/nachhaltigkeitvielfalt/