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TORFERSATZSTOFFE IN DER PRODUKTION


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Taspo Garten-Design - epaper ⋅ Ausgabe 4/2022 vom 22.07.2022
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Die Erdenbranche macht einen Paradigmenwandel durch ? in der Produktion funktioniert der Torfersatz nur, wenn alle Beteiligten mitmachen.

Auch wenn der GaLaBau sich seit Jahren um Torfreduktion bemüht – spätestens, wenn es um die Pflanzenbeschaffung geht, hat er oft keine Wahl. Denn in der Pflanzenproduktion findet der Torfersatz nur Schritt für Schritt statt. Einen guten Einblick in den aktuellen Stand der Entwicklungen bei torfreduzierten Substraten bot ein Journalistentag bei Substrathersteller Gramoflor in Vechta.

Torfersatz bedeutet zum einen eine große Umstellung in der Kultur und funktioniert auch nicht bei jeder Pflanzenart gleich gut, zum anderen bereitet die Sicherung der langfristigen Verfügbarkeit von Ersatzstoffen viel Kopfzerbrechen bei allen Beteiligten.

Die Erdenbranche macht gerade einen Paradigmenwechsel durch, erläuterte Josef Gramann, Inhaber des Substratunternehmens. Ganz salopp formuliert er es so: „Mittlerweile hat auch der Letzte es verstanden, dass die Umstellung weg vom Torf nur dann funktioniert, wenn alle ...

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... – Kunden, Gärtner, Hersteller – bereit sind, sich darauf einzulassen.“ Torfersatzzahlen, die man vor Jahren noch vorsichtig genannt habe, seien heute schon längst erreicht und überholt. Wo in der Zusammenarbeit bisher allerdings die Grenzen lagen, das hat laut Gramann beispielsweise das seit vielen Jahren laufende „Niedersächsische Torfersatzforum“ zur Entwicklung von Alternativen zur Torfnutzung im Gartenbau gezeigt, an dem alle Akteure aus dem Gartenbau, der Land- und Forstwirtschaft, der Wissenschaft, der Wirtschaft sowie Vertreter von Verbänden und Behörden an einem Tisch saßen. Irgendwann, sagt Gramann, habe man sich hier nur noch im Kreis gedreht, unter anderem auch durch die Tatsache, dass hier Wettbewerber an einem Tisch saßen. Auch heute, so kritisiert der Unternehmer den Wettkampf zwischen den Erdenwerken, sei die Branche weit von ehrlichen und gemeinsamen Fortschritten entfernt: „Leute stellen sich in den Medien als jahrzehntelange Verfechter der Nachhaltigkeit dar, in solchen Foren kämpfen sie aber um jedes Prozent Torf“, kritisiert er. Dieses Hauen und Stechen, der Druck, unter den sich viele setzen, haben weder der Glaubwürdigkeit der Branche noch dem Verband gut getan. „Ich hätte mir für unsere Branche eine geordnete Torfminderungsstrategie gewünscht statt Aktionismus“, sagt er. Denn wenn der Lebensmitteleinzelhandel vorpresche, stände die Branche vor großen Problemen: „Dann drohen aufgrund der dann schnell geforderten Torfersatzmengen schlechte Qualitäten“, warnt er.

Treiber in Sachen Torfreduktion ist bekanntlich das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), und das sei wichtig, sagt Gramann: Denn dadurch passiere viel in Branche und Öffentlichkeit. Seit das BMEL das Ziel der Torffreiheit für Hobby- und Erwerbsgartenbau für 2026 beziehungsweise 2030 gesetzt hat, habe ein regelrechter Run stattgefunden.

Mittlerweile träten immer mehr Gärtner mit der Botschaft auf: „Ich bin torffrei, also gehöre ich zu den Guten.“

Die Verbände hingegen nähern sich den Zielen des BMEL nur sehr vorsichtig. So nennt der Industrieverband Garten (IVG) als Vertreter der Substratbranche das Jahr 2030 als Ziel für 30 Prozent Torffreiheit, der Zentralverband Gartenbau (ZVG) als Vertreter des Gartenbaus 70 Prozent. Das eine sei zu vorsichtig, das andere zu ambitioniert, sagt Gramann. 70 Prozent sei aber auch nur unter sehr genau definierten Vorgaben wie ausreichender Verfügbarkeit von Ersatzstoffen und anderem gesetzt worden, schränkt er ein. Hier wurde der Unternehmer sehr deutlich: Auch das BMEL und die Behörden müssten endlich „liefern“: Reaktionen auf Vorschläge und Anfragen dauerten dort aus seiner Sicht oft Jahre und damit viel zu lange, langwierige Genehmigungsverfahren ständen einer Umsetzung zur mehr Torfersatz an vielen Stellen im Wege. „Das BMEL muss auch ran“, so Gramann.

Das Unternehmen Gramoflor hat für sich eine eigene Strategie zum Torfersatz gefunden, wie es in Vechta erläuterte. Zum einen versucht es, die eigenen Produktionsstandorte an die neuen Gegebenheiten anzupassen. So eröffnete es beispielsweise ein Werk in Spanien genau da, wo die Produzenten ansässig sind und gleichzeitig Reststoffe aus der spanischen Reisverarbeitung anfallen, somit dieser Torfersatzstoff ohne lange Wege intensiv eingesetzt werden kann. In Deutschland setzt Gramoflor auf drei Grundstoffe für den Torfersatz: Holz, Kompost und Kokos. „Torfersatzstoffe werden immer eine Mischkalkulation sein, immer vorausgesetzt, man bekommt ausreichend Rohstoffe in guter Qualität“, ergänzt auch Ulrike Fockenberg, Gramoflor-Vertriebsleiterin für Deutschland.

NACHGEFRAGT

Holzfasern – heute ein sehr sicherer Rohstoff

Nach den Erfahrungen von Ulrike Fockenberg, Leiterin Vertrieb Deutschland Gramoflor, sind die Zeiten, in denen der produzierende Gartenbau dem Rohstoff Holzfaser gegenüber Vorbehalte hatte, längst vorbei. „Sicher war das in den Anfängen – also vor zehn bis 15 Jahren – so. Aber die Probleme von damals gibt es mittlerweile in der Form nicht mehr. Heute haben wir einen sehr sicheren Rohstoff, der ganzjährig in einer konstant homogenen Qualität verfügbar ist.

Der Ausgangsstoff, die Holzhackschnitzel, stammen beispielsweise bei uns aus regionalen Sägewerken und sind dort ein Reststoff, der entsteht, wenn Bäume zu Brettern aufgeschnitten werden. Wir haben es also zu 100 Prozent mit reinem unbehandeltem Holz zu tun.

Zudem wird in Deutschland nur so viel Holz geschlagen, wie auch neu angepflanzt wird beziehungsweise nachwachsen kann. Wir beziehen also unseren Ausgangsstoff Holz aus nachhaltiger Forstwirtschaft.“

Wie lässt sich die Stickstoff-Immobilisierung schon im Vorfeld ausgleichen?

In den Anfängen der Holzfaserproduktionen wurde vielfach im Auffaserungs-Verfahren ein organischer Dünger zugesetzt, um der Stickstoff-Immobilisierung entgegenzuwirken. Wir haben inzwischen jedoch unser Verfahren so spezifiziert, dass das bei unserer Holzfaserproduktion nicht mehr nötig ist. Wir kennen unsere Lignofibre-Typen im Detail und können genau berechnen, welche Komponenten die Volumenbildner, wie beispielsweise Holzfaser und Kompost, und die Dünger in ein Substrat mitbringen.

Der eigens dafür entwickelte Nährstoff-Kalkulator berechnet daraus, wie viel N-Immobilisierung gegebenenfalls ausgeglichen werden muss.

Wie sichern Sie sich für Kompost verlässliche Bezugsquellen?

Im Zuge der weiteren Torfreduzierung werden natürlich alle organischen und mineralischen Substratrohstoffe eine stärkere Nachfrage erfahren. Somit geht kein Weg an einer soliden Rohstoffsicherung vorbei. So pflegen wir schon seit mehreren Jahren feste Partnerschaften mit regionalen Kompostieranlagen, die sukzessive weiter ausgebaut werden. Momentan nehmen wir feste Kontingente an Substratkomposten in gütegesicherter Qualität ab, die bei uns weiter aufbereitet werden. Ob wir in der Zukunft die Kompostierung selber in die eigene Hand nehmen, ist offen. Ausschließen würde ich jedoch in diesen schnelllebigen Zeiten nichts.

Der von Ihnen in der Zukunft verwendete Torf soll kein Importtorf sein, sondern unter kontrollierten Bedingungen von Ihren heimischen Flächen geerntet werden.

Unter welchen Bedingungen können Sie auf Dauer noch heimischen Torf abbauen?

Momentan kaufen wir auch anteilig Torfe aus dem Baltikum zu, weil wir den Torfbedarf für unsere Erden und Substrate nicht mit Torfen aus eigener Ernte decken können.

Von unseren derzeit genehmigten eigenen Flächen werden wir noch bis 2038 Torf ernten können. Außerdem laufen noch weitere Torfabbauanträge, die wir hoffentlich auch genehmigt bekommen werden. Hier sind wir optimistisch, da wir durch die parallel zum Abbau verlaufende Renaturierung im Ober- und Unterfeld-Verfahren allgemein als vorbildlich gelten. So entstehen durch die Torfgewinnung auf vormals landwirtschaftlich genutzten Flächen wieder lebende Moore. Natürlich ist unsere Art der Torfgewinnung etwas teurer, da sie arbeitsintensiver ist. Aber gleichzeitig haben wir den Torf vor unserer Haustür und teure Transportkosten entfallen somit. Mit steigender Torfersatzquote sinkt unser Bedarf an baltischen Torfen.

Sie hatten beim vorletzten Journalistentag sehr viele Aktivitäten in Richtung nachwachsende Rohstoffe wie Miscanthus und Torfmoos vorgestellt. Was ist daraus geworden?

Leider haben sich Miscanthus und Co. nicht als substrattauglich und wirtschaftlich herausgestellt. Vor allem die extrem hohe N-Immobilisierung war neben den hohen Erzeuger- und Aufbereitungskosten ein KO-Kriterium.

Es zeigt sich hier erneut, dass wir in der Substratindustrie weiter unsere Augen nach nachwachsenden Rohstoffen, die bestenfalls Reststoffe einer Wertschöpfungskette sind, aufhalten sollten.

Hat das Unternehmen um Kompost lange Zeit einen Bogen gemacht, hat es mittlerweile Wege gefunden, verlässlich gute, zertifizierte Qualitäten zu bekommen, und hat klare Erfahrungen damit, wie sich welche Mengen davon zugeben lassen, ohne dass der Gärtner in seiner Erdenqualität Abstriche machen muss.

Seit Januar 2021 liefert Gramoflor kein Substrat mehr aus, das nicht mindestens zehn Prozent torfreduziert ist.

Seine weiteren Ziele: Bis 2030 im Schnitt nur noch maximal 50 Prozent Torf in allen seinen Substraten zu haben. Da das Ausland (Export) hier teilweise weit weniger ambitioniert ist, wird der Torfanteil in Deutschland hier weitaus niedriger, der Torfersatzanteil weitaus höher sein müssen, um dieses Ziel zu erreichen.

Massiv belasten die stetig steigenden Rohstoffpreise die Erdenhersteller: Dünger sei teilweise ausverkauft, so dass man ständig mit Krisenmanagement und der Suche nach Düngeralternativen beschäftigt sei. Die Preise für Holzhackschnitzel seien um 140 % gestiegen, mehr als weitere 20 % Steigerung seien zu erwarten. Die Kosten für Cocopeat seien bis April um 77 % gestiegen, bis Oktober werden weitere 6,6 % erwartet. „Es herrscht einfach eine große Rohstoffkonkurrenz auf dem Markt“, so Gramann – teilweise auch durch die Verpackungsherstellung aufgrund des immer höhere Versandaufkommens.

Weitere Probleme: Torfmangel durch eine schlechte Ernte im letzten Jahr, dazu steigende Preise auch durch teurere Folien- und Logistikkosten und Fahrermangel. Da sich der Bedarf an Substraten bis 2050 weltweit vervierfachen, europaweit verdoppeln wird, wie eine Studie der Universität Wageningen errechnet hat, dürfte das Knappheitsproblem weiter anwachsen: „Wo soll das ganze Material herkommen?“, fragt Gramann.

Rohstoffe werden der limitierende Faktor sein, der Gartenbau wird umdenken müssen – vielleicht eher hin zum Anbau unter kontrollierten Bedingungen statt im Boden. „Eines unserer Ziele ist es deshalb, immer mehr auch zur Wiederverwertbarkeit zu kommen“, sagt der Erdenfachmann. Ein sichtbares Zeichen dafür: Gramoflor errichtet gerade eine große neue Halle, die Raum für 18 Lagerplätze für Substratrohstoffe bietet und in der auch verfügbare Reststoffe ge- und zugemischt werden können. Statt in neue Abbaugebiete im Baltikum zu investieren, hat sich Gramoflor als Unternehmensziel gesetzt, gemeinsam mit seinen Kunden den Weg der Torfreduzierung immer weiter zu gehen und Importtorfe auf Dauer gar nicht mehr einzusetzen, erläuterte Ulrike Fockenberg: „Der Weg der Zukunft lautet: guter, verantwortungsbewusst gewonnener, eigener Torf plus gute Alternativen anderer Rohstoffe“, sagt sie ganz klar. Eingesetzte Holzfasern, Kokos und Substratkompost sind bei Gramoflor alle gütegesichert (RAL, FIBL), Substrate des Unternehmens sind vor allen in der schon sehr viel mehr biologisch produzierenden Schweiz sehr erfolgreich.

Torfersatz in Baumschulen?

Laut Folker Bohlen, Fachberatung und Vertrieb Gramoflor, gibt es auch im Baumschulbereich viele Möglichkeiten, alternative Rohstoffe einzusetzen.

Die Kulturzeit ist bei Baumschulgehölzen besonders lang.

Während der gesamten Kulturzeit muss eine entsprechende Strukturstabilität im Substrat gewährleistet sein.

Bauschulbetriebe, die bisher wenig Erfahrungen mit Torfalternativen gemacht haben, nähern sich dem Thema Schritt für Schritt über Kulturversuche mit prozentual unterschiedlichen Anteilen an Torfalternativen, bestenfalls nachwachsenden Rohstoffen, wie Holzfasern, Kokosmark, Substratkompost oder Rindenhumus. Grundsätzlich nehmen diese Versuche aufgrund der längeren Kulturdauer in Baumschulen entsprechend viel Zeit in Anspruch. Wichtig ist laut Bohlen auch hier die Sicherstellung der Verfügbarkeit von Torfersatzstoffen in ausreichender Menge und gleichbleibend hoher Qualität. Auch die pH-Wert-Stabilität über den charakteristisch langen Kulturzeitraum, insbesondere bei weichem Wasser, ist ein wichtiger Faktor für den Baumschulbereich. „Entscheidend ist, dass die Betriebe mit Wohlwollen die Versuche angehen und sich mit unserer Unterstützung auf den Weg machen“, sagt der Experte.

Holzfaser sei auch hier der wichtigste Leitersatzstoff, vor allem in Kombination mit weiteren Rohstoffen wie Pinie, Kokos, Perlite und Substratkompost. kla

NEUE HOLZFASERN ALS „BOOSTER“

Neu im Portfolio von Gramoflor sind zwei Holzfasern mit besonderen Stärken: Die sehr feine Faser „Lignofibre extrafein+“ und die sehr grobe Faser Lignofibre coarse. Letztere dient vor allem dazu, grobe Torfstrukturen zu ersetzen, beispielsweise im Containerbereich, und ist laut Fockenberg ein wesentlicher neuen Bestandteil der Torfersatzstrategie. Denn die Faser ist grob strukturiert und eignet sich deshalb gut für grobe Strukturen, ist eine gute Alternative zum Weißtorf und ist homogen ohne harte, unerwünschte Holzsticks. Sie leistet im Boden einen wichtigen Beitrag zur Strukturstabilität, heißt es, vermeidet Staunässe, unterstützt eine gesunde Wurzelbildung, verbessert Wiederbenetzbarkeit und Luftkapazität des Substrates und sorgt dabei für trockene Substratoberflächen und weniger Verunkrautung und Moosbildung auf der Containeroberfläche. Genauso wie seine Neuheit „Lignofibre extrafein+“ propagiert Gramoflor diese Fasern als „Torfersatz-Booster“, da sie sich mit anderen Holzfasern kombinieren lassen. Die neue „Lignofibre extrafein+“ ist eine vorgezogene Neuheit, die das Unternehmen aufgrund der eigene Rohstoffsituation vorzeitig auf den Markt gebracht hat. Die Vorteile dieser extrafein+-Faser gegenüber der extrafeinen Faser: Sie ist noch feiner ausgefasert und hat deutlich kürzere Fasern, eine hohe Wasseraufnahme, eine bessere Maschinengängigkeit – und eignet sich für feine und superfeine Substrate. Versuche im Vermehrungsbereich mit Trays und Presstöpfen haben gezeigt, dass sie in solchen Substraten bis zu 30 Prozent betragen kann: Kulturversuche in Presslingen zeigten bei bis zu 30 Prozent Anteil im Substrat keine erkennbaren Wachstumsunterschiede der Sämlinge.

Das Unternehmen verfügt über eine besondere Holzfaseranlage, die über eine sogenannte Refiner-Technik die Holzhackschnitzel (aus heimischen Sägewerken) thermisch-mechanisch auffasert und ausbläst, was laut Fockenberg homogenere und feinere Fasern erzeugt als die übliche Extrudertechnik. Die Technik ist keine Standardtechnik, erfolgt über alte Maschinen aus der Papierindustrie, die heute kaum noch erhältlich sind. Ende 2022 wird Gramoflor eine zweite davon in Betrieb nehmen. Die Leitfaser für diese Verfahren heißt bei Gramoflor „Lignofibre“ und stammt aus Weichhölzern wie Kiefern und Fichten aus regionalen Sägewerken.

Holzfasern sind bei Gramoflor der Leitrohstoff für den Torfersatz. Neben den beiden neuen genannten Fasern setzt Gramoflor noch die normale Holzfaser Lignofibre, auch in gefärbt, sowie die kleinstrukturierte „Lignofibre xtrafein“ ein. Alle Holzfasern sind miteinander kombinierbar, der Gesamtgehalt im Substrat sollte laut Fockenberg maximal 50 Prozent erreichen. „Das Substrat der Zukunft wird aus mehreren – mindestens drei bis fünf – Rohstoffen bestehen“, ist sich Ulrike Fockenberg sicher. Es gelte, die vielen chemischen und physikalischen Eigenschaften des Torfs möglichst optimal zu ersetzen – das schafft kein einzelner Ersatzstoff allein. Durch die neue, grobe Holzfaser sei der Schwarztorfanteil in Substraten weiter reduzierbar. Noch benötige der Einsatz von Holzfasern sehr viel Überzeugungsarbeit beim Kunden. Das Unternehmen kann Holzfaser aufgrund der eigenen Aufbereitung derzeit sogar günstiger als Torf anbieten und deshalb Preiserhöhungen durch ein Drehen an der Rezeptur teilweise ein wenig auffangen.

SUBSTRATKALKULATOR ENTWICKELT

Um seinem Außendienst und damit den direkten Ansprechpartnern der Gärtner die richtige Substratzusammensetzung torfreduzierter Substrate zu erleichtern, hat das Unternehmen einen Nährstoffkalkulatur, das „Grano NutriConcept“, entwickelt. Denn die Zusammensetzung des richtigen und passenden torfreduzierten Substrates erfordere viel Erfahrung und Fingerspitzengefühl, dieses gesammelte Wissen ist in den Kalkulator eingeflossen. Bei Eingabe der betriebsspezifischen Daten und Wünsche und abhängig von den gewählten Zuschlagstoffen errechnet er für jeden Betrieb und jeden Einsatzbereich die geeignete Rezeptur inklusive Vordüngung und spätere Düngeempfehlungen. Damit dies praxistauglich funktioniert, muss der Rechner auch die tatsächlichen aktuellen Qualitäten der Zuschlagstoffe kennen. Grund, warum Gramoflor eine eigene Rohstoffhalle betreibt, in der Zuschlagstoffe gemischt, homogenisiert, beprobt und die Werte in die Datenbank tagesaktuell eingetragen werden. „Die Stickstoffimmobilisierung durch Holzfaserzusatz ist händelbar“, weiß Fockenberg: „Wir kennen unsere Faser, wissen, wie sie einsetzbar ist und mit welchen Düngerzugaben die Immobilisierung kompensierbar ist.“

Kokos – besser als sein Ruf?

Laut Ulrike Fockenberg ist Kokos als Substratrohstoff sowie seine Aufbereitung besser als sein Ruf. Bei steigenden Torfersatzquoten steige auch die Notwendigkeit nach tragfähigen Substituten. „Mit unseren vier Holzfasertypen können wir heute schon den Torfanteil bis zu 50 Prozent ersetzen, trotzdem benötigen wir auch Volumenbildner, die eine auskömmliche Wasserhaltekraft mitbringen.“ Und da komme Kokosmark, also „Cocopeat“, ins Spiel, das mit seiner Wasserhaltekraft in die Richtung von Torf kommt. Cocopeat sei ein Reststoff der Kokosnuss aus der Lebensmittelproduktion. Es werden somit keine Ur- oder Regenwälder für die Substratindustrie zerstört. „Unsere Partnerbetriebe in den Herkunftsländern arbeiten nach dem Sozialstandard SA 8000. Hier wird das Kokosmark, welches wir beziehen, lediglich getrocknet und komprimiert, sodass der Transport per Schiff maximal ausgenutzt wird. In Vechta angekommen, wird das Kokosmark unter kontrollierter Zufuhr von Wasser expandiert. Selbst der danach nötige Waschvorgang zur Entfernung unerwünschter Begleitsalze erfolgt unter kontrollierten Bedingungen bei uns im Werk. Eine ergänzende Pufferung ist nicht mehr notwendig. Das aufbereitete Material wird anschließend gemäß den Vorgaben der RAL-Gütesicherung in Typ 30, Typ 60 und Typ 100 klassifiziert. Die Typen geben an, mit welcher Prozentzahl Cocopeat gemäß Gütesicherung ins Substrat eingemischt werden darf. Mit all diesen Maßgaben möchten wir zeigen, das Cocopeat besser ist als sein Ruf. Kokosmark ist ein nachwachsender Reststoff, der in auskömmlichen Mengen verfügbar und gartenbaulich erprobt ist. Wir benötigen zudem Kokosmark, um die Rohstofflücke zu schließen, die durch den „Torfausstieg“ zwangsläufig entstehen wird.“ Eine realistische Ökobilanz für Kokos zu erstellen, darum wurde jetzt die Fachagentur für Nachwachsende Rohstoffe gebeten.