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Torffreie und torfreduzierte Baumschulsubstrate im Test


TASPO - epaper ⋅ Ausgabe 51/2018 vom 22.12.2018

Ergebnisse aus einem Langzeitversuch auf Torf- und Humustag vorgestellt. VonHeinrich Beltz , LVG Bad Zwischenahn

Der 53. Torf- und Humustag des Industrieverband Garten (IVG) am 18. Oktober in Bad Zwischenahn bot den rund 200 Teilnehmern ein breites Spektrum an Fachvorträgen. Ein Thema waren Versuche zu torffreien und torfreduzierten Baumschulsubstrate an der Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau (LVG) Bad Zwischenahn, die der Autor vorstellte.

An der LVG werden seit 2014 mit Förderung des Niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums solche Versuche durchgeführt, ein Teil davon im Rahmen des Projektes ...

Artikelbild für den Artikel "Torffreie und torfreduzierte Baumschulsubstrate im Test" aus der Ausgabe 51/2018 von TASPO. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: TASPO, Ausgabe 51/2018

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... „TeiGa“ (Torfersatzstoffe im Gartenbau), das Ende Februar 2019 zu Ende geht.

In einigen stark torfreduzierten oder -freien Substraten traten unerwartete Probleme durch Stickstoffimmobilisierung auf, wie hier bei Spiraea in der zweiten Reihe von links.


Foto: Heinrich Beltz

Zehn Substrathersteller beteiligen sich

Zehn namhafte Substrathersteller beteiligten sich an den Versuchen und stellten Fertigsubstrate bereit, die entweder jetzt schon den Praxisbetrieben angeboten werden oder für praxisreif gehalten wurden. Sie enthielten nebenTorf (bis zu 100 Prozent in Kontrollvarianten):
Kokosmaterialien (bis zu 80 Prozent),
Holzfasern und -chips (20 bis 50 Prozent),
Rindenhumus undPinienrinde (meist 15 bis 30 Prozent),
Substratkompost (20 bis 30 Prozent),
Xylit (20 bis 40 Prozent),
Vermiculit (30 Prozent),
Perlit (meist 10 bis 25 Prozent),
Ton (5 bis 10 Prozent),
Blähton (10 bis 20 Prozent) und
Biokohle (meist 3 bis 8 Prozent).
◼Darüber hinaus wurde in Eigenmischungen der LVGSphagnummoos (50 bis 100 Prozent) getestet.

Da die chemischen und physikalischen Eigenschaften der Substratausgangsstoffe sehr unterschiedlich sind, wurde in den Versuchen deutlich, dass es „das“ torffreie oder stark torfreduzierte Substrat nicht gibt, sondern die Substrate je nach Mischung völlig unterschiedlich sein können.
(bel)

Versuchsreihe zum Torfersatz an LVG Bad Zwischenahn

2014 wurde in der LVG Bad Zwischenahn 2014 mit einer Versuchsreihe begonnen, in der stark torfreduzierte (maximal 50 Prozent Torfanteil) und torffreie Substrate getestet wurden (siehe Kasten). Kultiviert wurden in der Regel in Töpfen und Containern mit 0,5 bis fünf Litern Inhalt.

Über die Jahre wurde ein breites Spektrum unterschiedlichster Gehölze eingesetzt, und um mögliche Probleme und deren Lösungen zu suchen, waren auch sehr empfindliche dabei. So wurden etwa kalkempfindliche wieCalluna ,Gaultheria undRhododendron einbezogen, aber auch salzempfindliche wieAcer palmatum ,Hypericum oderThuja und Pflanzen, die empfindlich auf Staunässe reagieren, wieSkimmia undTaxus .

Einige Vorteile der Testsubstrate wurden deutlich

In den Versuchen wurden einige Vorteile deutlich, die stark torfreduzierte oder torffreie Substrate bieten können (aber nicht müssen). Häufig besaßen sie eine sehr lockere Struktur mit hohem Luftporenvolumen, das sich günstig auf die Wurzelbildung etwa beiTaxus auswirkte.

Viele Testsubstrate waren sehr gut benetzbar, so dass sie das Gießwasser leichter annahmen als ein reines Torfsubstrat. In manchen der Testsubstrate keimten weniger Unkräuter und breiteten sich Moose schwächer aus als im reinen Torfsubstrat. In einem Versuch brachte eine hohe Spurenelementversorgung durch ein torffreies Substrat Vorteile fürLigustrum . Außerdem schien eine Reduzierung der Phosphat- und Kaliumdüngung in Substraten möglich, die hohe Gehalte der genannten Nährstoffe, zum Beispiel durch Kompostanteile, besitzen.

Manche Testsubstrate schnitten besser, andere viel schlechter ab

In vielen der Versuche wurden mit stark torfreduzierten und selbst mit torffreien Substraten Kulturergebnisse erzielt, die genauso gut waren wie im Vergleichssubstrat aus reinem Torf, oder sogar noch etwas besser. Allerdings waren auch viele Varianten dabei, in denen die Pflanzenqualität deutlich schlechter war als im reinen Torfsubstrat. Für die Praxis ist wichtig, den Anteil solcher Minderqualitäten sehr gering zu halten, denn schon ein kleiner Anteil unverkäuflicher Pflanzen kann für die Baumschule den finanziellen Ruin bedeuten.

Ein relativ häufig auftretendes Problem war Stickstoffmangel der Pflanzen. Vor allem Holzchips und Holzfasern (aber auch andere Substratausgangsstoffe) werden bekanntlich im Substrat schnell von Mikroorganismen besiedelt, die Stickstoff aus der Düngung immobilisieren können. Dieses Problem trat in den Versuchen unerwartet häufig auf, auch trotz einer vom Substrathersteller vorsorglich eingemischte Ausgleichsdüngung.

Höhere Auswaschung als im reinen Torfsubstrat

Außerdem zeigte sich, dass in manchen Testsubstrat erhebliche Mengen an Nährstoffen ausgewaschen wurden. Bei phosphat- und kaliumreichen Substraten war deren Auswaschung wesentlich höher als im reinen Torfsubstrat. In einigen Versuchen traten Salzschäden durch die in den Substraten vorhandenen Nährstoffe oder durch Natrium und Chlorid auf.

Kalkempfindliche Pflanzen reagierten häufig negativ auf pH-Werte, die entweder von Anfang an zu hoch oder aber zunächst in Ordnung waren, und später unerwartet stark anstiegen.

Die geringere Wasserhaltekraft vieler torffreier Substrate bereitete weniger Probleme als erwartet. In mehreren Versuchen zeigten die Pflanzen auch bei Shelflife- Tests, die die Situation später im Gartencenter nachahmen, keine schlechtere Haltbarkeit als die in Torfsubstraten. Sackung und Verpilzung der Substrate im Topf waren ebenfalls nicht so schlimm wie erwartet und bereiteten im Versuch keine nennenswerten Probleme.

Voraussetzung sind angemessene Pflanzenpreise

Aus den bisherigen Ergebnissen der Versuche lässt sich ableiten, dass der Einsatz stark torfreduzierter oder gar torffreier Substrate deutliche Kulturrisiken birgt, mit denen ein Kultivateur rechnen muss. Auch wenn sich die Pflanzen in vielen Fällen problemlos sogar torffrei anziehen lassen, ist bei Pflanzen, die zum Beispiel empfindlich auf Stickstoffmangel, hohe pH-Werte oder hohe Salzgehalte reagieren, Vorsicht angesagt.

Außer den Kosten, die für die anderen Substratausgangsstoffe in der Regel höher als für den relativ preisgünstigen Torf sind, steigen auch die finanziellen Risiken. Pflanzen in torffreien oder stark torfreduzierten Substraten müssen daher am Markt höhere Preise erzielen als Pflanzen im reinen Torfsubstrat, damit deren Produzenten wirtschaftlich dauerhaft existieren können.

Bei Reduzierungsabsicht auf Substrateigenschaften einstellen

Wenn die Hoffnung auf angemessene Preise und gute Absatzmärkte besteht, ist es durchaus sinnvoll, ein deutliches Reduzieren des Torfanteils im Kultursubstrat zu erwägen. Aufgrund der dadurch veränderten Substrateigenschaften und Kulturführung sollte die Reduktion nur in enger Absprache mit dem Lieferanten und der Beratung erfolgen.

Zunächst ist zu erkunden, welche Substratausgangsstoffe von den Kunden gewünscht beziehungsweise akzeptiert werden. Kokosmaterialien etwa besitzen zwar herausragend gute Kultureigenschaften, werden aber von der Umweltorganisation BUND heftig kritisiert und daher von manchen Kunden abgelehnt. Für eine hohe Kultursicherheit sollten Substratausgangsstoffe eingesetzt werden, die nach RAL oder RHP gütegesichert sind. Die Empfindlichkeit der Gehölze, die kultiviert werden, gegenüber pH-Wert oder Salz, muss bekannt sein oder geprüft werden. Die Gießwasserqualität (besonders Karbonathärte, Salzgehalt, Natriumund Chloridgehalt) muss bekannt sein, damit abgeschätzt werden kann, wie sich die Werte im Substrat während der Kultur verändern können, und dies berücksichtigt werden kann.

Es muss geprüft werden, ob häufiger bewässert werden kann und ob die Düngung an die Substrate angepasst werden sollte, besonders ob eine Stickstoffnachdüngung nötig sein könnte. Um die Umwelt zu schonen, ist beim Einsatz nährstoffhaltiger Substrate sicher zu stellen, dass das ablaufende Wasser mit seinen erhöhten Nährstoffgehalten nicht direkt ins Oberflächengewässer oder Grundwasser gelangt, sondern aufgefangen und wiederverwendet wird.

Quellen: Statistisches Bundesamt/Baumschulerhebung 2017. (); IVG (2018):https://bit.ly/2Sog2n3 ; Umweltbundesamt (2018):https://bit.ly/2zQ6RWl ; BdB (2018):https://bit.ly/2FMWkQp

Der Autor

Heinrich Beltz
Lehr- und Versuchsanstalt für Gartenbau Bad Zwischena