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TOTAL FX


Beat - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 06.03.2019

VERFEINERN. VEREDELN, VERFREMDEN. TRACKS VOLLENDEN MIT EFFEKTEN


Keine Frage, ein pfiffiger Effekteinsatz kann Tracks so richtig zum Leben erwecken. Ob Sie Ihre Sounds subtil veredeln, auf originelle Weise verfremden oder so richtig durch die akustische Mangel drehen möchten: In unserem großen Spezial erfahren Sie, wie Sie mehr aus Freeware-Plug-ins sowie den Bordeffekten Ihrer DAW herausholen und diese kreativ einsetzen. Darüber hinaus zeigen wir Ihnen, wie Sie Delay, Hall, Dynamikprozessoren, Modulationseffekte, Verzerrer & Co. geschickt kombinieren, um aufregende Spezialeffekte zu erzeugen.

Moderne DAWs ...

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Leseprobe: Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Beat. Alle Rechte vorbehalten.

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... bringen bereits von Haus aus einen riesigen Fundus hochwertiger Effekt- Plug-ins mit. Das Angebot reicht dabei von Equalizern, Filtern und Dynamikprozessoren über Delay, Hall, Modulationseffekte und Psychoakustikprozessoren wie Exciter und Enhancer bis hin Verzerrern, Soundzerstörern und Kreativ-Tools. Falls Ihnen das nicht ausreicht, gibt es eine gigantische Auswahl frei erhältlicher und kommerzieller Effekt- Plug-ins von Standards bis hin zu experimentellen Klangverbiegern und -zerstörern. Ein wenig Knowhow und die richtige Idee ist dabei alles, was man braucht, um Tracks zu veredeln und mit packend inszenierten Sounds zu garnieren. Auf den folgenden Seiten erfahren Sie nicht nur, welche Effektkombinationen Sie unbedingt einmal ausprobieren sollten, sondern erhalten auch zahlreiche Tipps und Tricks, wie Sie mehr aus Effektstandards herausholen. Wir wünschen viel Spaß beim Experimentieren!

Seriell vs parallel

Wie bei klassischen Mischpulten lassen sich Effekte in der DAW auf zwei verschiedene Weise einbinden: Bei Insert-Effekten durchlaufen Audiosignale den Effekt komplett. Das Originalsignal wird bei dieser seriellen Signalführung ganz durch das bearbeitete Material ersetzt. Typische Vertreter von Insert-Effekten sind z. B. Dynamikprozessoren wie Kompressor, Limiter und Expander. Bei Send-Effekten wird der bearbeitende Effekt dem Original beigemischt. Diese parallele Signalführung ist für Effekte sinnvoll, die das Original nicht ersetzen, sondern nur klanglich erweitern oder ergänzen sollen, wie alle Arten von Modulations- und Verzögerungseffekten. Es lohnt sich, mit verschiedenen Effektverschaltungen zu experimentieren: Wenn Sie z. B. ein Hochpass und ein Tiefpassfilter in Serie schalten, erhalten Sie ein Bandpassfilter. Schalten Sie diese parallel, resultiert daraus ein Kerbfilter (Notch-Filter). Auch kann es einen großen Unterschied machen, ob man Delays verhallt, oder ein verhalltes Signal in einen Delay-Effekt schickt. Sehr beliebt ist auch die sogenannte Parallelkompression oder auch New-York-Kompression: Bei dieser wird der Kompressor, ein klassischer serieller Effekt, parallel eingebunden, um gleichermaßen Druck und Transparenz des Audiomaterials zu bewahren.

Multiband-Bearbeitung

Auch eine Multiband-Bearbeitung eröffnet ein großes Spielfeld für kreative Anwendungen: Dafür wird das Audiosignal in mehrere Frequenzbänder unterteilt, die sich unabhängig voneinander bearbeiten lassen. Eine klassische Anwendung ist die Multibandkompression. Durch eine individuelle Kompression der verschiedenen Frequenzbänder wie Bässe, Mitten und Höhen lassen sich Pegel und Dynamik, aber auch das Frequenzbild eines Signals sehr flexibel anpassen. Aber nicht nur bei der Kompression spielen Multiband-Prozessoren ihre Stärken aus: Mittlerweile gibt es auch ein wachsendes Angebot an Transienten- Tools, Verzerrer und Sidechain-Prozessoren, die eine separate Bearbeitung verschiedener Frequenzbänder gestatten. Die Software-Schmiede Melda Production überträgt das Multiband-Konzept sogar auf Delay, Hall- und Modulationseffekte und vieles mehr. Vielschichtige Kreativeffekte sind so ein Kinderspiel.

M/S-Bearbeitung

Sie möchten bei dem Hallanteil einer Instrumentenaufnahme die tiefen Frequenzen absenken oder das Mitten- und Seitensignal eines Stereo-Mixes individuell mit einem Equalizer oder Kompressor bearbeiten? Dies sind nur zwei der vielfältigen Anwendung des M/S-Verfahrens. Bei diesem wird das Stereosignal nicht in einen linken und einen rechten, sondern in Mitten- und Seitenkanäle aufgeteilt. Somit lassen sich üblicherweise in der Mitte platzierte Sounds wie Kick, Bass oder Vocals gezielter bearbeiten als bei der Stereosumme. Ebenso können extreme Stereoeffekte über die Seitenkanäle eingedämmt oder noch erweitert werden, ohne die Mitte zu beeinflussen. Dazu benötigen Sie nicht zwingend spezialisierte M/S-Plug-ins wie den Equalizer brainworx bx_digital v3. Mit dem frei erhältlichen Voxengo MSED [1] können Sie das Stereosignal ganz einfach in die Mitten- und Seitenkanäle aufsplitten und diese separat mit den Plug-ins Ihrer Wahl bearbeiten.

Bewegung im Klanggeschehen

Ein weiterer bewährter Weg, um mehr aus bewährten Effekten herauszuholen, ist die Modulation ausgewählter Parameter. Steuert man z. B. die Cutoff- Frequenz eines Tiefpassfilters mit einem LFO, Step-Sequenzer oder Envelope-Follower, ist eine große Bandbreite an Effekten möglich: von fließenden Filterfahrten über Auto-Wah- und Wobble-Effekten bis hin zu aggressiven Bitcrusher-artigen Effekten. Viele Plug-ins bringen bereits entsprechende Modulatoren mit, wie z.B. der Filtereffekt Sugar Bytes WOW2, der Distortion-Spezialist Fab- Filter Saturn oder das auf rhythmische Modulationen spezialisierte Kreativwerkzeug Output Movement. DAWs wie Ableton Live, Bitwig Studio und Propellerhead Reason erlauben sogar, Plug-in-Parameter Ihrer Wahl mit bordeigenen Modulatoren wie Hüllkurven, LFOs, Envelope-Follower und Step-Sequenzer zu steuern. Falls Ihre DAW keine entsprechende Funktionalität mitbringt, können Sie sich mit Plug-ins wie MuTools Mux Modular [2] behelfen: In diesem Werkzeug können Sie beliebige VST-Plug-ins laden und diese nach Belieben verknüpfen und modulieren. Besonders empfehlenswert sind das frei erhältliche Plug-in VCV Rack [3] sowie das kommerziell erhältliche Kreativkraftwerk Voltage Modular [4]. In diesen virtuellen Modularsystemen können Sie nicht nur den Effektprozessor Ihrer Träume basteln, sondern auch Plug-ins von Drittanbietern einbinden. Dass sich die Plug-in-Parameter bei beiden Modularsystemen auch modulieren lassen, ist natürlich Ehrensache! Dabei sind sogar wilde Modulationen im Audiobereich möglich.

Victor Ruiz: Dreidimensionale Synthesizer-Sounds

“Was den Effekteinsatz anbetrifft, gibt es bei mir keine geheime Kombinationen oder magische Tricks. Ich mag es gerne einfach und setze dabei vor allem auf Reverb, Delay und Distortion. Um laute und kraftvolle Drums zu erzielen, nutze ich in erster Linie Equalizer. Es kommt nur selten vor, dass ich Drums komprimiere. Mein bevorzugter Equalizer ist der FabFilter Pro-Q 3. Er lässt sich auch als dynamischer Equalizer einsetzen, was einfach wunderbar ist. Der einzige Weg zu originellen Klängen ist kreativ zu sein und etwas anders zu denken. Ich schichte gerne Effekte wie Reverb, Distortion, Delay, Chorus, Flanger. Für einen dreidimensionalen Sound ist es wichtig, verschiedene Effektreihenfolgen und Panoramapositionen auszuprobieren. Manchmal klingen Synthesizer-Sounds zunächst einmal nicht so besonders, insofern ist das Hinzufügen von Effekten sehr wichtig. Ich füge fast immer ein wenig Distortion hinzu, um Synth-Sounds neue Obertöne zu spendieren und sie ein bisschen dreckiger klingen zu lassen.“

SeeB: Einzigartige Effekte für Club-Tracks

Das norwegische Duo SeeB ist bekannt für seine unverschämt eingängigen EDM-Hymnen und Remixe und ein sicheres Händchen für mitreißende Vocal-Chops.

„Wir lieben den Sound von Old-School-Reverbs! Dafür verwenden wir sehr gerne die Plug-ins Valhalla VintageVerb und Relab Development LX480. Darüber hinaus experimentieren wir gerne mit trippigen Klangtexturen. Mit ein wenig Sättigung, Delay und Sidechaining kann man damit einen wunderbar verwaschenen Sound erzeugen. Es wäre großartig, wenn jemand die Effekte des Pioneer-900-Mixers in einem VST-Plug-in nachbauen würde, denn einige dieser Effekte funktionieren einfach hervorragend auf Club-Mixen.“

Infuze: Packende Gesangseffekte

Infuze ist zweifelsohne ein musikalisches Chamäleon, das eine Vielzahl von Einflüssen in seiner wuchtigen und experimentierfreudigen Bass Music verarbeitet.

„Da ich ein großer Fan alter UK-Rave-Platten sowie von Jungle und Drum & Bass bin, setze ich auf Vocals gerne Effekte ein, die einen Vintage-Sample-Charakter erzeugen. Ich liebe Pitch-Plugins wie Waves SoundShifter und Soundtoys Little Alterboy, die Vocals im Handumdrehen einen Retro-Rave- Anstrich verleihen. Logic X hat auch eine bemerkenswerte Pitch-Engine, die eine kreative Bearbeitung von Audio-Regionen ermöglicht. Außerdem stehe ich total auf Hall: Ich habe ungefähr 20 verschiedene Reverb-Plug-ins, die ich für verschiedene Dinge benutze. Auf Vocal-Samples verwende ich gerne das UAD AMS RMX16 und Valhalla VintageVerb, neben dem Eventide-Blackhole-Plug-in, das ich für unendliche Hallfahnen einsetze. Darüber hinaus ist es aus meiner Sicht besonders wichtig, Vocal-Samples auf musikalische und erfrischende Weise zu zerschnippeln und wenn möglich Melodien daraus zu kreieren.“

[1] ; [2]www.mutools.com ; [3]www.vcvrack.com ; [4]www.cherryaudio.com