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TOUR: Unbezahlbar!


daheim - epaper ⋅ Ausgabe 1/2019 vom 07.12.2018

Hamburg muss nicht teuer sein. Ein Besuch, der wenig kostet und trotzdem einzigartig ist


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Bildquelle: daheim, Ausgabe 1/2019

Im teuersten Gebäude Hamburgs gibt es etwas umsonst: den Blick von der Plaza der Elbphilharmonie über die Stadt


1. Free Tour durch St. Pauli: Man schließt sich der Stadtführung einfach an und zahlt, was angemessen scheint.


Ein Backsteinspeicher als Sockel, die Fassade wie Kristall, darüber ein Dach, das wie Meereswellen wogt – so erhebt sich die Elbphilharmonie über Hamburg. Sie zählt zu den weltweit kostspieligsten Bauwerken und passt damit trefflich in eine Stadt, die dank ihres Hafens früh zu Wohlstand kam und als ...

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... Deutschlands Reichenhauptstadt gilt. Hamburgs Oberschicht residiert in den noblen Villen von Blankenese oder schicken Hafenlofts, jeweils mit Blick auf die Elbe.

Elbphilharmonie: Der Blick von der Plaza ist gratis

Und doch muss nicht vermögend sein, wer Hamburgs Pracht erleben will. Ausgerechnet in der sündhaft teuren Elbphilharmonie soll eine Reise beginnen mit dem Ziel, möglichst viel von der Hansestadt zu sehen und dabei möglichst wenig Geld auszugeben.

Im Innern des Konzerthauses vollführt eine Rolltreppe einen kunstvollen Bogen entlang eisweißer Wände, auf denen Tausende Pailletten funkeln. So gelangt man zur Plaza, einem Außenrundgang mit blank geputzten Glasvorhängen. Durchlässe erlauben es, ganz nach draußen zu treten. „Steife Brise!“, ruft eine Frau. Ihr blondes Haar zerzaust der Wind im Nu, die Freundin schlägt den Mantelkragen hoch.

2. Alter Elbtunnel : Einmal muss man die 400 Meter unter der Elbe abradeln oder hindurchspazieren.


3. Planten un Blomen: Ob konstruierter Japangarten (Foto) oder Dschungel im Tropenhaus – der Eintritt kostet keinen Cent


Entschädigt werden sie von einem 360- Grad-Blick über die Stadt: auf die goldene Turmuhr der Barockkirche St. Michaelis, auch als Michel bekannt, die Elbe und ihre Landungsbrücken, tanzende Flaggen an den Masten alter Frachtensegler. Und, bis zum Horizont, Hafenkräne und Containerbrücken mit ihren stählernen Krallen. Dieser Blick von der Elbphilharmonie ist kostenlos. Während Besucher des Berliner Fernsehturms oder des Pariser Eiffelturms tief in die Tasche greifen müssen, gewährt Hamburgs neues Wahrzeichen freien Zugang zur Plaza.

Die Landungsbrücken sind nur einen Spaziergang entfernt. An den schwimmenden Schiffsanlegern starten die Hafenrundfahrten, ein- bis zweistündige Touren, die meist zwi- schen 15 und 30 Euro kosten. Für die Sparvariante genügt ein Einzelfahrschein oder das Tages ticket der Hamburger Verkehrs betriebe. Ihre Fährlinien schippern ebenfalls die Elbe hinauf. Sie bieten zwar keine Erläuterungen aus Lautsprechern, aber dieselben faszinierenden Hafeneinblicke – und sogar ein luftiges Oberdeck.

Die Fähre legt ab, schlägt rauschend Wellen. Am gegenüberliegenden Ufer blickt von sonnengelber Fassade ein Löwenkopf mit prächtiger Mähne. Das Theater am Hafen spielt den „König der Löwen“, das am besten besuchte der vielen Hamburger Musicals.

St. Pauli ist schillernd, bunt und laut. Einfach mal hindurchzuschlendern ist schon eindrucksvoll


Wie eine Kulturstätte wirkt auch der opulente Kuppelbau aus Kupfer und grobem Stein am Westende der Landungsbrücken.

Er ist der Zugang zum Alten Elbtunnel. Ratternde Aufzugskäfige und gusseiserne Wendeltreppen führen 24 Meter unter die Erde zu zwei gekachelten Röhren. Der Tunnel wurde vor mehr als 100 Jahren gebaut. Ein Heer von Hafenarbeitern strömte darin zu Fuß von der Stadt zu den Werften und Umschlagplätzen am anderen Ufer. Touristen sollten die gut 400 Meter unbedingt ablaufen. Man kann nicht unter vielen Flüssen spazieren gehen. Hier sogar bei freiem Eintritt.

St. Pauli: Amüsierviertel mit kostenloser Stadtführung

Die Fähre tuckert nach Altona, am Kai baut sich die Fischauktionshalle auf. Ihre Ausmaße und ihr dreischiffiges Dach erinnern an eine Basilika, die Fassade aus Ziegelwerk kennzeichnet sie als typisch hamburgisch. Wie die Lagerstätten der Speicherstadt stammt sie aus einer Zeit, als die Fracht noch in Säcken, Kisten, Ballen und Fässern auf Schiffen über die Meere gelangte. Inzwischen übernehmen den Transport riesige Containerschiffe. Eines schiebt sich gerade wie ein schwimmender Hochhauskomplex an der Fähre vorbei, auf der man sich plötzlich ziemlich winzig fühlt. Der Koloss transportiert locker mehrere 1000 Container, darunter weiße Kühlbehälter, in denen etwa Bananen den Ozean kreuzen. In Hamburg werden exotische Früchte nicht nur umgeschlagen, sie Credits@wachsen auch an Bäumen: im Tropenhaus des Botanischen Gartens Planten un Blomen. Der Eintritt ist frei. Besucher schlüpfen als Erstes aus ihren Jacken, denn die Luft ist feucht und warm. Dann werden sie von einem üppigen Dschungel verschlungen. Über den Köpfen hängen die Kugelfrüchte des Schraubenbaums mit Wurzeln wie die Tentakel eines Kraken. Am plätschernden Wasser gedeiht das afrikanische Elefantenohr, es sprießen Beeren und Kakao, die Wedel einer Bananenpalme, groß wie ein kleines Segel, streicheln die Glasdecke. Planten un Blomen liegt am Rand von St. Pauli. Der berüchtigte Stadtteil lässt sich per Free Walking Tour erkunden.

Das sind Stadtführungen zu Fuß, denen man sich ohne Anmeldung einfach anschließt und am Ende den Preis zahlt, der einem angemessen scheint. Mit knallgelbem Schirm marschiert der Stadtführer voran, lotst die Gruppe zur Reeperbahn. Reep, das sei Platt für Seil, erklärt er. „Die Reepschläger brauchten zum Herstellen ihrer Taue viel Platz, und St. Pauli lag damals noch vor den Stadtmauern.“ Bald blühte hier ein Amüsierviertel für Hafenarbeiter. Es existiert bis heute.

Strand von Övelgönne: ein Platz an der Abendsonne

Lastwagen parken vor Trinkhallen und Nachtklubs, die Susis Showbar oder Dollhouse heißen, die Fahrer bugsieren Sackkarren voller Bierkästen hinein. „Das wichtigste Tagesgeschäft auf der Reeperbahn ist Getränke nachliefern“, sagt der Stadführer. Die Tour endet an Deutschlands wohl berühmtester Polizeistation, der Davidwache, gleichzeitig jene mit dem kleinsten Revier. Doch der sündige Kiez lässt die Ordnungshüter selten Däumchen drehen. Zurück zu den Landungsbrücken und mit der Fähre der Linie 62 hinüber nach Övelgönne. Im Museumshafen liegen alte Krabbenkutter, ein Feuerschiff und der Dampfeisbrecher Stettin.

Die Sonne senkt sich über den Segelmasten und dem alten Leuchtturm, die Ufer flackern golden, die Elbe schimmert rot. Die besten Plätze für dieses Schauspiel bietet der weiche Sand des Övelgönner Strands. Auch sie kosten keinen Cent. Der Blick ist ohnehin unbezahlbar.

WENN’S EIN BISSCHEN MEHR SEIN DARF

FAHREN & SPAREN

DieTageskarten des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) für 6,40 Euro (Erwachsene) und 12 Euro (Gruppen bis fünf Personen) berechtigen ab neun Uhr zur Fahrt mit Bus, U- und S-Bahn sowie mit den Hafenfähren. Mit derHamburg Card (10,50 €) bekommt man zur freien Fahrt beim HVV zusätzlich Rabatte für zahlreiche Angebote.

SCHLAFEN & TRÄUMEN

Wer am Tage spart, darf sich für die Nacht etwas Besonderes gönnen. Schlummern kann man in den Kabinen desMuseumsfrachters Cap San Diego (DZ ab 98 €) und deshistorischen Feuerschiffs (DZ ab 120 €). Beide Schiffe liegen attraktiv zwischen Landungsbrücken und Elbphilharmonie. Festen Boden unter den Füßen, dazu eine üppige Hausbibliothek, bietet dasKünstlerhotel Wedina in St. Georg (DZ ab 125 €). Hier nächtigten Schriftsteller wie Martin Walser und Henning Mankell.

ESSEN & TRINKEN

Nichts gegen ein ehrliches Fischbrötchen, aber aus den Gaben der Nordsee lässt sich viel mehr zaubern. DasFischrestaurant Hoppe am Strand von Övelgönne serviert Hamburger Aalsuppe und gegrillten Seeteufel. In einem reetgedeckten Fachwerkhaus im Alstertal kochtSternekoch Heiko Stock Labs kaus mit hausgebeiztem Lachs sowie Fisch vom heißen Stein.

HÖREN & SEHEN

Der Besuch eines Musicals zählt zu den unverzichtbaren Hamburg-Erlebnissen. Mit etwas Risikofreude lassen sich auch hier Schnäppchen machen. An derAbendkasse spart man Vorverkaufs- sowie Systemgebühren und damit bis zu 20 Euro pro Ticket – sofern noch welche erhältlich sind. Tagsüber bekommt man teils stark vergünstigteRestkarten im Büro des Veranstalters Stage Entertainment in der Speicherstadt (Kehrwieder 6) sowie an der Musicalkasse im Hauptbahnhof.

SCHIPPERN & GONDELN

Über die Elbe schippern und Wissen zum Hafen sammeln: Die Barkassen derMaritime Circle Line machen die große Runde mit acht Stationen zum Aus- und Einsteigen.Gregors unternimmt Abendfahrten durch das Lichtermeer der Speicherstadt. Die Busse derFirma Jasper erkunden ein Hafenterminal mit seinem Labyrinth aus Containern und Krananlagen. DK