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TOW TRUCK DRIVER: DRIVE IT LIKE YOU STOLE IT: GESCHICHTEN AUS DEM MUSCLE-CAR-ALLTAG


Träume Wagen - epaper ⋅ Ausgabe 4/2019 vom 12.04.2019

Lassen Sie mich raten – Sie sind männlich, zwischen 20 und 60, leben in Deutschland und interessieren sich für Autos? Kunststück, das hier ist ein Autoenthusiastenmagazin, und eventuell handelt diese Geschichte von IHNEN, auch wenn Sie das bisher noch niemand erzählt haben…


Artikelbild für den Artikel "TOW TRUCK DRIVER: DRIVE IT LIKE YOU STOLE IT: GESCHICHTEN AUS DEM MUSCLE-CAR-ALLTAG" aus der Ausgabe 4/2019 von Träume Wagen. Dieses epaper sofort kaufen oder online lesen mit der Zeitschriften-Flatrate United Kiosk NEWS.

Bildquelle: Träume Wagen, Ausgabe 4/2019

Sönke Priebe: Chef v on Oldsch oo l Cu stom Works in Weinstadt


Vor etwa 30 Jahren, lange bevor ich einen Führerschein hatte, aber nicht lange vor meiner ersten Autofahrt, habe ich ein Foto gesehen, das einen Pickup-Truck aus Kalifornien zeigte, der ein bemerkenswertes Kennzeichen trug, eines, das Amerikaner „Vanity Plate“ nennen, mit ...

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... frei gewähltem Text anstelle einer zugewiesenen Zahlen-Buchstabenkombination, in diesem Fall eine „Blue Plate“, gelbe Schrift auf blauem Grund: STOLEN. Vielleicht kann nicht nur ich mich an dieses Bild erinnern, vielleicht können SIE das auch, zumindest wenn Sie in den Achtzigern aufgewachsen sind und wenigstens ein Grundinteresse an Automobilen hatten, denn das Bild, soweit ich mich erinnerte, war Teil einer Werbeschrift eines großen Herstellers von Spielzeugautos.

Fun and Games: Autos klauen war schon immer ein Traumberuf. Bargeld und leichtbekleidete Mädchen sind nur zwei der vielen Nebenvorteile des Jobs.


Ich weiß nicht warum, aber das Bild des Kennzeichens STOLEN hat mich viele Jahre durch jugendlich-revolutionären Leichtsinn begleitet, als die ultimative Idee des passiven Widerstands gegen Staat, Gesetz, Ordnung und Anstand, was aus jugendlich-leichtsinniger Perspektive (und eventuell darüber hinaus) eine gar nicht so schlechte Grundhaltung darstellt. Vergleichen Sie das mit der Idee, eine Kerze bei sich zu tragen, zum einzigen Zweck, sie bei starkem Wind anzuzünden. (Das, geschätzer Leser, ist jetzt keine Achtziger- sondern eine Neunziger-Referenz, eine, die mir bis heute am Herzen liegt, und eine, die Sie vielleicht ebenfalls erkennen.)
Erst sehr viel später, als ich längst einen Führerschein besaß und Kalifornien aus der Nähe und im Detail kennengelernt hatte, ist mir klar geworden, dass das System keinen Spaß versteht. Das kalifornische Kennzeichen STOLEN hat wirklich existiert. Was ich mir nicht hätte träumen lassen, und was offenbar keiner der kalifornischen Fahrzeughalter auch nur im Ansatz vermutet hätte, ist der Umstand, dass kalifornische Polizisten im täglichen Einsatz häufig Autos ohne Kennzeichen begegnen, und dass kalifornische Strafzettel wie alle Strafzettel auf der Welt aus Formularvordrucken entstehen, auf denen der Beamte das Kennzeichen des beanstandeten Automobils eintragen muss, was er unter Umständen so ausführt, wie es ihm gerade passt.

Rockstar: HEMI, Amphetamine und die Mädchen gleich von vornherein unbekleidet. Wie konnten SIE Ihre Zeit mit einer seriösen Karriere verschwenden?


International Towers: Maindrian Pace, ich gebe es zu, ist am Ende davon gekommen. Vielleicht, weil er der einzige echte Autodieb unter den Leinwandhelden gewesen ist.


Die beiden wahrscheinlich legendärsten Filmautos der bisherigen Kinogeschichte, „Eleanor“ im Vrdergrund, und… und… und wer? Niemand erinnert sich an One Baker Eleven, den Mercury im Hintergrund. Das allein spricht Bände.


Absolut sicher: Mindestens die Hälfte aller Autodiebe sind eigentlich Diebinnen, wilde, leichtbekleidete Diebinnen selbstverständlich, wie dieses absolut glaubwürdige australische Musikvideo beweist. (Ok, das ist semi-mainstream Drum & Bass-Zeug aus den Neunzigern, aber das Video ist trotzdem gut. Puretone – Addicted to Bass).


Tatsächlich sind wahrscheinlich drei Viertel aller Autodiebe Frauen, und diese sehen unweigerlich hervorragen aus, sonst würde das in Film und Fernsehen sicher nicht so dargestellt, da stimmen Sie mir sicher zu.


Shopping. Dieses Shopping. Nicht das mit dieser impertinenten blonden Frauperson.


Wo immer zum Beispiel „wild“ entsorgte Fahrzeuge auftauchen, an denen kein Kennzeichen montiert ist, trägt der Beamte vielleicht N-O-N-E („Keins“) in das Kennzeichenfeld ein, wenn sich Autofahrer ohne Kennzeichen auf Verlust oder Diebstahl berufen, und keine Fahrzeugpapiere vorweisen können, wird möglicherweise L-O-S-T („verloren“) oder eben (mein eigenes Wunschkennzeichen), „S-T-O-L-E-N“ („gestohlen“) vermerkt. Andere heiße Favoriten sind NO TAG oder NO PLATE, MISSING oder sogar VOID („Ungültig“) – je nach Kreativität des ausfüllenden Beamten. Dumm nur, dass alle diese Buchstabenkombinationen-einschließlich STOLEN - zu einem oder einem anderen Zeitpunkt irgendwo in den USA als Wunschkennzeichen ausgegeben wurden.
So. Können Sie sich vorstellen, was ein findiger Polizeicomputer mit hunderten von nicht-zuordbaren Strafzetteln unter dem Kennzeicheneintrag STOLEN tut? Er stellt sie völlig humorlos dem einen einzigen legitimen Halter des Wunschkennzeichens STOLEN zu.
Zwischen 300 und 3000 Bußgeldbescheide jährlich wollen verschiedene Halter verschiedener leichtsinniger Kennzeichen-Kombinationen erhalten haben, kein Wunder insbesondere in einem Bundesstaat wie Kalifornien mit 45 Millionen Einwohnern, und beinahe immer mussten die findigen Buchstabierer jedem Einzelnen einzeln widersprechen. Ganz plötzlich, da werden Sie mir zustimmen, ist das systemwidrige Wunschkennzeichen bei Weitem nicht mehr so attraktiv.
Vielleicht, wenn Ihnen daran gelegen ist, das System abzuschütteln, versuchen Sie es doch lieber mit der Kerze im Wind, oder bauen Sie sich ein Gestell aus gehärteten Trägern und Verstrebungen, und rüsten Sie es mit einer Million kleiner Sonnen aus, und wenn diese Referenz jetzt immer noch nicht angekommen ist, kann ich auch nichts mehr für Sie tun.
Angeblich soll der erste Fall der verfänglichen Vanity Plates 1979, nach anderen Quellen auch 1986, in Kalifornien stattgefunden haben, als eine Zulassungsstelle mehr oder weniger versehentlich das Wunschkennzeichen NO PLATES zugeteilt hat – und bis heute ist das Problem nicht im Griff, da sowohl der Fantasie der Kennzeichenwünscher auf der einen, als auch der Kreativität der Bußgeldbescheidaussteller auf der anderen Seite offenbar keine Grenzen gesetzt sind, zuletzt in einem kleinen Ort an der Ostküste, in dem Beamte das Kennzeichenfeld ihrer Formulare bei fehlenden Kennzeichen ausstreichen, was dann ungefähr so aussieht: XXXXXXX. Dumm nur, dass eben jener Bundesstaat irgendwann das Wunschkennzeichen „XXXXXXX“ ausgegeben hat… Sie sehen, das wird so nichts. Wenn Sie schlauer sein wollen als das System, müssen Sie VIEL schlauer sein, denn sonst wird Ihnen mindestens die numerische Wahrscheinlichkeit, dass sich unter den restlichen 325 Millionen Amerikanern (oder 82 Millionen Deutschen) jemand befindet, der exakt so schlau ist wie Sie, einen dicken Strich durch die Rechnung machen. Und trotzdem bleibe ich ein glühender Fan von California STOLEN, denn das Wort, die Idee, hat noch eine andere Bedeutung für mich: „Drive it like you stole it“ ist ein Phrase, die Sie im Zusammenhang mit schnellen Autos relativ häufig hören. Mir ist dieser Satz zum ersten Mal in Australien begegnet, da war ich vielleicht 19, und habe für den legendären Ford-Spezialisten Peter James gearbeitet. Ebenfalls für Peter James gearbeitet hat damals ein entsprungener Irrer namens Scott F., lassen Sie es mich aus etlichen Gründen bei dieser Abkürzung belassen, und während ich von Peter James gelernt habe, wie man Autos repariert, hat mir Scott F. beigebracht, wie man Autos stiehlt. Scott hat Autos geklaut, wie andere Menschen den Bus nehmen, und wenn Sie jetzt an glamoröse Gone-in-60-Seconds-Nummern denken, vergessen Sie es, der Mann hatte eine bizarre Persönlichkeitsstörung, die ihn dazu gezwungen hat, japanische Mittelklasseautos aus den Achtzigern zu entwenden.

England in den Neunzigern war kein angenehmer Ort. Möglichweise ist der eine Film, der den Zeitgeist wirklich mitgenommen hat, deshalb bis heute kaum bekannt. Vielleicht liegt es auch am geringen Budget des Ramraider Streifens, anschauen lohnt sich trotzdem.


„That invincible shit don‘t work“, wenn Sie mir ein weiteres Tracy-Marrow-Zitat gestatten.


Als Kanada auf die Idee gekommen ist, Street Racern beim kleinsten festgestellten Verstoß die Autos wegzunehmen und einzustampfen, sah Autos klauen zum ersten Mal seit den Neunzigern wieder aus wie eine gute Idee.


„The Police have radios“. Glorreiche Verfolgungsjagden sind… nun, glorreich. 17 Anklagen wegen versuchtem Mord, eine für jedes Auto, dem unterwegs die Vorfahrt genommen wurde, sind dagegen die absolut nicht glorreiche juristische Realität.


Trotzdem, öffentlichkeitswirksam ist die Idee allemal…


„The CHP will give chase, no matter what“. Mit dem extrem schnellen LT1-Caprice wurde in blutigen Verfolgungsschlachten die Hoheit über das US-Straßennetz zurückerkämpft. So brutal, daß Fahrzeugeinsatz und Schußwaffengebrauch im Polizeigebrauch seitdem auf einer rechtlichen Stufe stehen.


Stellen Sie sich das so vor: Es ist Montag Morgen, kurz vor Sechs, und Scott F. holt Sie auf dem Weg zur Arbeit ab, in einem Datsun, den Sie nie zuvor gesehen haben, und dessen Zündschloß losgebrochen ist. Begleitet wird Scott F. von seinem Pitbull, der ebenfalls an einer Persönlichkeitsstörung leidet, wegen der er sich für einen Schmusekater hält, und einem weiteren Peter James-Angestellten namens Danny, dessen Nachnamen ich tatsächlich nicht mehr weiß, und der permanent, ohne Unterlass, 24 Stunden am Tag, von Pink Floyd-Alben und deren tiefen Bedeutung für sein Leben spricht. Er, erklärt Scott, sei noch viel zu betrunken zum Autofahren, weshalb SIE jetzt fahren müssen, und dann steuern Sie den Datsun, dabei wehren Sie sich gegen permanente Zuneigungsbezeugungen des Pitbulls, der auch mal ans Steuer möchte, während Danny von der Rückbank aus in ernstem Tonfall über „Dark Side of the Moon“ referiert. Der Pitbull fällt versehentlich in den Fußraum und gerät zwischen Bodenblech und Bremspedal, weshalb Sie eine rote Ampel überfahren, was die gesamte Datsun-Besatzung nur mit viel Glück überlebt, zum totalen Amusement von Scott F. auf dem Beifahrersitz, der vor Lachen fast erstickt und permanent den besten Ratschlag wiederholt, den er in dieser Situation zu bieten hat: „Drive it like you stole it man, drive it like you stole it!“.
Dort, am Steuer von einem von Scotts Datsuns, Nissans und Sonstigem, habe ich die vielleicht wichtigste Lektion meines Lebens gelernt: Wenn Sie außerhalb des Systems leben wollen, werden Sie zwangsläufig einer Menge Außenseiter begegnen, die in den allermeisten Fällen nicht aus freiem Willen sondern infolge ihrer hochgradig individualisierten geistigen Gesundheit zu Außenseitern geworden sind, und die Sie bestimmt nicht zu sich nach Hause einladen würden, weil sonst hinterher der Fernseher fehlt, oder der Hund, oder die Pink Floyd-Alben oder sonstwas. Ich habe Autodiebe auf vier Kontinenten kennengelernt, und jeder einzelne hatte einen Selbsterhaltungstrieb, der deutlich unter dem für mich noch erträglichen Schwellenwert lag.
Ich weiß, Sie sind Autofan, und natürlich haben auch Sie sehr wahrscheinlich irgendwo vor Ihrem geistigen Auge ein Bild, das „Auto“ und „Freiheit“ verbindet, und ich wette, in diesem Bild kommen weder Tempolimits noch Anschnallgurte vor. Vielleicht träumen Sie von organisiertem Rennsport, aber vielleicht ist Ihre heimliche Ambition ein Job als Fluchtwagenfahrer. Vielleicht sind auch Sie dem Image des gutaussehenden, erfolgreichen, frischgewaschenen Extrem-Autodiebs oder Extrem-Autofahrers erlegen, welches in Kinofilmen und allen sonstigen Medien eine andauernde Popularität genießt. Ich bin in den späten Achtzigern und Neunzigern groß geworden, als man in Deutschland den Begriff „Crash Kids“ erfunden hat, ich war in Australien, als eine alte Diebstahlstechnik zum populären Volkssport wurde (besonders in England) und die Bezeichnung „Ram Raider“ nach 60 Jahren erstmals Eingang in den Alltagssprachgebrauch gefunden hat, und ich habe Australien während der WRX-Kriege verlassen. Ich kann einen ganze Menge Autos binnen 60 Sekunden entwenden, und jetzt denken Sie nochmal an das glorreiche Bild vom frauenumschwärmten, warmherzigen, frischgewaschen Glamour-Autodieb, und dann lassen Sie mich unseren alten Bekannten Tracy Marrow zitieren: „You know… Shit ain‘t like that“. Sorry. Die überwiegende Mehrheit der Typen, die mir in dieser „Szene“ begegnet sind, gehörten zu der Sorte Mensch, die irgendwann in einer Elendsbehausung an ihrem eigenen Erbrochenen erstickt, unter Drogeneinfluß ihre schwangere Freundin erschießt oder irgendwann wegen unzähligen allgemeinen Straftaten schlicht weggesperrt wird.

SSP Mustang. Ausnahmsweise hat das Polizei Pony heute sogar einen eigenen Bezug zur Story: Mit dem SSP begann d ie „Rückeroberung“ der amerikanischen Straßen, über d ie d ie Polizei im „Jahr des Hundes“ die Kontrolle verloren hatte.


Port of Seattle. Wenn ihnen die Atmosphäre von „Shopping“ gar zu finster vorkommt, nehmen Sie mal die nächste Zeitmaschine nach 1998 und schauen Sie sich in einer Freitagnacht im Winter einmal sorgfältig da unten am Ufer um.


Wunschkennzeichen: AVADER5 im Hafen von Richmond. Bis heute habe ich keine Ahnung, was dieses Kennzeichen bedeuten soll – es war schon montiert, als ich das Auto bekommen habe.


Greengate Hotel, Killara, NSW: In den späten Neunzigern Hangout einer Gruppe von Freizeit-Autodieben, von denen einer merkwürdiger Weise aussah wie Richard Gere. Vielleicht war es sogar wirklich Richard Gere. Manchmal verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fiktion.


Zürich. Warum auch immer. Wenn ihnen am Bahnhof ein langhaariger Typ Mitte 40 begegnet, der aus einem geklauten Porsche steigt, schauen Sie genau hin. Das ist der eine, der davongekommen ist.


„Turn on a million blinding brilliant white incendiary lights, a beacon in the night“


Bestimmt haben Sie „Vanishing Point“ von 1971 gesehen, und vielleicht auch das Vanishing Point-Remake von 1997. Vergessen Sie die Detailunterschiede der späteren Version, erinnern Sie sich an den wesentlichen Bruch mit dem Original? Richtig. 1997 fährt Kowalski ohne Rücksicht auf Leib und Leben, um seine sterbende, hochschwangere Frau im Krankenhaus zu erreichen. Der Original-Kowalski hingegen… erinnern Sie sich? Der hatte keine Frau. Der ist ohne jeden Grund so gefahren, oder vielleicht für eine handvoll Amphetamin. „No reason is a good reason“, sagt P. Paul Fenech, und da kann er recht haben, und vielleicht ist Vanishing Point deshalb einer der besten „Car Theft“-Filme, denn am Ende ist Kowalski tot und das grundlos. Grundlos ist auch das Verhalten (und das Schicksal) der meisten Protagonisten des Ramraider-Signature-Films schlechthin, „Shopping“ von 1994.
Schauen Sie den mal an, und fragen Sie sich, ob Sie so leben wollen würden. In meiner eigenen, begrenzten Erfahrung, in einem vergangenen Jahrtausend, ist das der Preis der Freiheit. Die glamourösen, erfolgreichen, gutaussehenden Autodiebe, die mir begegnet sind, die können Sie an einer Hand abzählen, selbst wenn Ihnen ein bis zwei Finger fehlen, und nur von einem weiß ich, daß er noch am Leben und in Freiheit ist, und auch heute noch, 25 Jahre später, hin und wieder einen Stuttgarter Sportwagen stiehlt und damit nach Zürich fährt.
Glauben Sie mir bitte, ich habe keine Ahnung warum… Ausgerechnet Zürich.