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Trading in harten Zeiten


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Traders - epaper ⋅ Ausgabe 8/2022 vom 28.07.2022

COVERSTORY

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Bildquelle: Traders, Ausgabe 8/2022

Keine Frage, Trading war in den vergangenen Jahren ziemlich einfach. Man musste so gut wie nichts tun, denn die Aktienmärkte liefen fast kontinuierlich nach oben. Es sollte aber jedem Börsianer klar sein, dass ein Aufwärtstrend nicht ewig dauern kann. In den vergangenen Jahren haben die großen Notenbanken mit ihrer Nullzinspolitik die Märkte künstlich angetrieben. Es gab praktisch keine zyklischen Tiefs mehr, die aber zu einem gesunden Wirtschaftssystem dazugehören.

Ständig wurden neue Krisen entdeckt, die Argumente für Zinssenkungen boten. Das konnte nicht ewig so weitergehen. Es könnte sein, dass die Notenbanken mit ihrer Zinswende den Finanzmärkten einen neuen Schub verpassen. Die Tendenz geht jetzt in Richtung steigende Leitzinsen und wird den Aktienmärkten üblicherweise Liquidität entziehen.

Vor nicht allzu langer Zeit waren die Schritte auf dem Weg zu einem erfolgreichen Aktientrader ...

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... folgende:

• Eröffne ein Konto.

• Kaufe Hightechaktien.

• Warte, bis die Aktie sich mindestens verdoppelt hat.

• Verkaufe die Hightechaktien.

• Wiederhole die Schritte zwei, drei und vier.

Seit dem Hoch vom September 2021 hat sich die Situation verändert. Schon damals zeichnete sich ab, dass die große Technologiehausse in engem Zusammenhang mit der Nullzinspolitik der Notenbanken stand. Nun kommt die Zeitenwende: Eine Erhöhung der Zinsen verändert immer die Rahmenbedingungen. In den nächsten Jahren wird sich das auch im Verhalten der Marktteilnehmer widerspiegeln. Buy-and-Hold-Strategien sollten kaum noch Renditen erwirtschaften können. Es wird vermutlich eine Zeit der aktiven Swingtrader kommen.

Börsen und Brokerfirmen dürften jedenfalls nicht unter mangelndem Interesse leiden. Die Handelsumsätze werden vermutlich mindestens auf dem Durchschnittsniveau der vergangenen drei Jahre bleiben, wenn nicht sogar ansteigen. Für aktive Trader wird es enorme Gewinnchancen gehen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass einige Aktien ungerechtfertigt an Wert verlieren. Unternehmen, die niedrig bewertet sind und eine hohe Qualität besitzen, könnten schnell zu Übernahmezielen werden. Vielleicht wird es sogar eine große Übernahmewelle geben, denn die niedrigen Zinsen haben auch viele Zombieunternehmen am Leben gehalten. Nicht jedes davon bietet schlechte Produkte oder Dienstleistungen.

Auch nach den vielen Bullenjahren gibt es immer noch neue Marktteilnehmer, die sich erstmals mit der Börse beschäftigen werden. Das ist gar nicht mal schlecht, denn in schwankungsfreudigen Börsenzeiten gibt es viel zu lernen. Trader, die sich flexibel auf neue Rahmenbedingungen einstellen können, haben viel zu gewinnen.

Die anderen werden die harte Börsenrealität kennenlernen. Für einen Kurs gibt es drei mögliche Richtungen: aufwärts, seitwärts und abwärts. Nur weil es jahrelang fast nur aufwärts ging, heißt es nicht, dass seitwärts und abwärts für immer abgeschafft wurden.

Realismus ist gefragt

Realismus ist kein Gewächs, das in Boomjahren an der Börse wächst. Die weisen Sprüche von Altmeistern wie André Kostolany haben sich auch gegen Ende des letzten Jahrtausends bestätigt. Was wir damals gesehen haben, war eine „Milchmädchenhausse“; heute, 20 Jahre später, ist es wieder eine. Wer als erfahrener Fondsmanager auf Partys geht, der muss sich den einen oder anderen Spruch wegen seiner schlechten Performance anhören. Vielleicht gibt es sogar noch ein paar Tipps von Amateuren, doch vermutlich ist das genau der Zeitpunkt, bei der eine Börse nach oben übertreibt. Übertreibungen sind typisch für die Endphase einer Hausse.

Man muss sich nur vergegenwärtigen, dass es seit 2009 praktisch keine längere Kurskorrektur mehr gab. Einen so einen langen Aufwärtstrend hat es noch nie gegeben. Jede Wirtschaft durchläuft Zyklen. Das ist ein ganz natürlicher Prozess und wenn dieser Prozess künstlich ausgesetzt wurde, dann sollten bei jedem Anleger die Alarmglocken schrillen. Die Börsenwelt strebt immer nach einer Balance.

Das Ausmaß einer Übertreibung in einer Euphoriephase kann sich in das genaue Gegenteil verkehren. Genau wie die Kurse zu weit nach oben jagten, können sie nun tief fallen – man nennt so was das Gummibandprinzip. In schlechten Börsenzeiten sind nur noch die Trader erfolgreich, die sich mit der Realität des Marktes auseinandersetzen können.

Sie verstehen es, die sich bietenden Chancen mit entsprechenden Instrumenten zu nutzen. Eigentlich erstaunlich, warum nicht mehr Börsianer die Möglichkeit verschiedener Handelsinstrumente nutzen.

Die psychologische Neigung

Studien der US-amerikanischen Börsenaufsicht SEC zeigen, dass 80 Prozent aller Anleger bei ihren Wertpapiergeschäften auf steigende Kurse setzen. Nur 20 Prozent wollen also von fallenden Kursen profitieren. Es wäre durchaus interessant zu sehen, ob die Zahlen auch mit dem deutschen Börsenhandel zu vergleichen sind.

Zumindest ist es so, dass die Brokerhäuser Banken mittlerweile sehr viele Möglichkeiten bieten, um von fallenden Kursen zu profitieren.

Ohne Zweifel gibt es weltweit einen langfristigen technischen Fortschritt, der immer für Wachstum an den Börsen sorgen sollte. So gesehen ist es naheliegend, dass sich Aktienkurse irgendwann immer nach oben bewegen müssten. Dadurch entsteht die psychologische Neigung, Aktien zu kaufen. Selbst in den Medien werden Märkte nur dann positiv gesehen, wenn sie steigen. Dabei wird noch nicht einmal inhaltlich unterschieden, um welche Märkte es sich handelt. Wenn gleichzeitig Aktien, Anleihen, Öl und Gold steigen, dann sollte man sich fragen: Wie passt das zusammen? Die psychologische Neigung der Anleger ist durchaus seltsam, denn sie sieht Börsenkurse nur dann positiv, wenn sie steigen.

Wahrscheinlich ist es der erste Schritt zu mehr Börsenerfolg, wenn man die harten Zeiten nicht als solche definiert.Man muss einfach die Scheu davor B1 Airbus-Aktie im verlieren, short zu gehen, um auch in fallenden Märkten Geld zu verdienen.

Es ist weder gut noch schlecht, wenn Kurse steigen – und das Gleiche gilt auch für fallende Kurse. Manche Trader behaupten, Seitwärtsmärkte seien unattraktiv. Auch dieses Argument gilt nur eingeschränkt, denn inzwischen gibt es auch dafür passende Spekulationsprodukte. Für den klassischen Optionshändler ist es zum Beispiel normal, dass er Positionen in schwankungsarmen Seitwärtsmärkten aufbaut. Besonders Optionen offerieren eine Vielzahl von Strategien, mit denen man von schwankender Volatilität profitieren kann. Das ursprüngliche Stop verschoben werden. We Eine neutrale Betrachtung von Kursbewegungen erlaubt es dem Trader, menten unterfüttert, um tappen und sich selbst die eigene Psychologie so zu beeinflussen, dass es keine Barrieren mehr gibt. Hat er hingegen eine festgefahrene Einstellung, wird er unterbewusst immer nach Hinderungsgründen suchen, um nicht in einem Abwärtstrend hinein investieren zu dürfen.

Die technischen Möglichkeiten, um an den Börsen zu spekulieren, sind ausgereift und auf breiter Basis vorhanden. Sie sind jedem zugänglich und ermöglichen Börsengewinne in jedem Marktzustand.

Die Realität handeln heißt sich an einen Markt anzupassen

Was können kurzfristige Trader tun, um dauerhafte Erfolge an der Börse zu erreichen? Zwar ist es wichtig, flexibel zu sein. Dennoch gibt es eine Menge Dinge, die nicht beeinflusst werden können. Die Lösung des Problems heißt stets Risikokontrolle. Sie muss immer im Hintergrund laufen. Wer mit seinem gegenwärtigen Marktumfeld nicht umgehen kann, sollte zum Beispiel seine Positionsgröße zurückfahren. In gefährlichen Börsenzeiten zeigt sich es sich, wer ein wahrer Künstler des Stoppmanagements ist. Übrigens gilt es als besonders töricht, erlittene Verluste durch aggressives Trading ausgleichen oder Verlustpositionen mit neuen Käufen rechnerisch verbilligen zu wollen. Zu den anderen Schlüsselelementen erfolgreichen Tradings gehören Disziplin, Planung, Vorbereitung und natürlich ausreichendes Kapital.

In Vorbereitung zum Artikel hat TRADERS´ mit verschiedenen Börsianern gesprochen und sie nach ihren Erfolgsrezepten befragt. Hier sind die Antworten auf harte Börsenzeiten.

1. Risikominimierung, wenn Märkte verrückt werden

Eines der wichtigsten Kriterien, um langfristig erfolgreich an den Börsen agieren zu können, ist es, das Risiko so gering wie irgend möglich zu halten. Die Risikominimierung ist sogar viel wichtiger, als ständig darüber nachzudenken, wie man den Gewinn möglichst maximieren könnte. Wenn man die Verluste gering halten kann, dann ergeben sich mit der Zeit automatisch Börsengewinne.

Da man aus spieltheoretischer Sicht eine 50:50-Chance auf Erfolg hat, genügt es vollkommen, auftretende Verlusttrades möglichst gering zu halten. Die Erfolge stellen sich fast schon automatisch ein, weil sie ja zu 50 Prozent von alleine entstehen. Die Strategie eines Traders sollte also immer so gestaltet sein, dass das Kapital erhalten bleibt – insbesondere deshalb, weil hohe Verluste nur schwer wieder auszugleichen sind. Wenn man zum Beispiel zehn Prozent seines Kontos verliert, dann muss man nur etwas mehr als elf Prozent Gewinn erzielen, um wieder den Gleichstand zu erreichen. Verliert man hingegen 50 Prozent seines Anlagekapitals, so muss man schon sagenhafte 100 Prozent Gewinn erzeugen, um die Verluste wieder aufzuholen. Das schaffen nur die wenigsten Trader. Sogar auf psychologischer Ebene kommt der Trader in einen hohen Leistungsdruck, denn er möchte nicht als Verlierer dastehen. Es ist also nicht nur mathematisch schwer, sein Kapital zu verdoppeln, sondern auch emotional.

2. Konsequentes Stopp-Loss-Management umsetzen

Kurse können nun mal mehrere Richtungen tendieren. Weil der Trader mit seiner eigenen Aktienposition nur auf einer Seite stehen kann, ist es unerlässlich, die jeweils andere Seite des Marktes mit einem Stopp abzusichern. Objektiv betrachtet stellt das Stopp-Loss Management kein großes Problem dar, es lässt sich sogar auf rein mechanischer Basis in fast jede Handelsstrategie integrieren. Die realen Probleme entstehen meistens bei der Umsetzung der zuvor definierten Regeln. Hierzu bedarf es Disziplin und die damit verbundene mentale Stärke.

Um die psychologischen Fallen zu erkennen, wurde ein Beispiel mit der Airbus-Aktie ausgewählt (siehe Bild 1). Zwischen Mitte 2020 und Oktober 2021 gibt es im Kursverlauf einen klaren Aufwärtstrend. Als Trader muss man deshalb davon ausgehen, dass nach einer Konsolidierungsphase die Kurse weiter ansteigen werden. Wir sehen ein relatives Hoch bei 120 Euro. Anschließend fällt der Kurs zurück und bremst bei 100 Euro. Der Trader könnte jetzt annehmen, dass diese Marke ein wichtiges Level wäre und dort eine Unterstützung liegen müsste. Im November 2021 prallt der Kurs prompt von der 100-Euro-Unterstützung nach oben ab – das war also anscheinend die Bestätigung. Der Trader nimmt nun an, dass ein guter Stopp wohl bei 95 Euro liegen müsste. Die Stopp-Loss-Order setzt er allerdings nicht über seinen Broker um, sondern nur als mentalen Stopp. Wie gewünscht, läuft nun der Kurs aufwärts und erreicht sogar Anfang März 2022 ein neues Hoch. Die nachfolgende stramme rote Candlestick (siehe Pfeil) zeigt einen unerwarteten Zusammenbruch des Kurses, wobei mehr als 20 Prozent in einer Handelswoche verloren gehen. Dabei wird sogar der mentale Stopp-Loss gebrochen. Weil der Trader von der Heftigkeit der Abwärtsbewegung überrascht ist, fühlte er sich ein wenig paralysiert. Er kann sich nicht zum sofortigen Verkauf der Position entschließen und hofft einfach, dass das Unterstützungslevel von 100 Euro noch irgendwie funktioniert. Er hat recht, der Kurs kann sich tatsächlich wieder kurzfristig erholen. Er bekommt nun etwas mehr Vertrauen in seine Long-Position. Deshalb setzt er sich einen neuen Stopp-Loss, um der Aktie mehr Spielraum zu geben. Dieser liegt nun bei 90 Euro. Der Trader ist der Meinung, dass er den Markt durchschaut hat. Dieses kleine Beispiel soll zeigen, wie ein mentaler Stopp-Loss mit individuellen Argumenten verschoben wird.

Subjektiv macht der Trader alles richtig, doch objektiv zeigt er damit Disziplinlosigkeit. Wir wissen nicht, wie sich die Kurse in Zukunft entwickeln werden. Nehmen wir an, der Kurs gibt jetzt weiter nach, dann könnte der Trader seinen ursprünglichen mentalen Stopp bei 90 Euro vielleicht erneut mithilfe der Fibonacci-Levels verändern. Nehmen wir an, der Kurs durchbricht ein weiteres Mal den Stopp und fällt unter 90 Euro. In diesem Fall könnte sich eine weitere psychologische Falle aufbauen, sobald der Trader zum Beispiel Fibonacci-Levels einfügt.

Er wird dann feststellen, dass bei ungefähr 84,55 Euro ein 50-Prozent-Level kommt. Eine typische Korrekturbewegung erreicht sehr häufig die 50-Prozent-Marke, ehe sich der übergeordnete Aufwärtstrend fortsetzt.

Dementsprechend könnte der Trader auf die Idee kommen, wiederholt seinen mentalen Stopp abzusenken – unter das 50-Prozent-Niveau. Zweifelsohne bietet die Technische Analyse unglaublich viele Ansätze – so finden sich zu jedem Stopplevel immer neue Argumente, um es nach oben oder unten zu verschieben.

Beim Stoppmanagement gibt es verschiedene Techniken. Der erste Stopp zu jeder Positionseröffnung sollte ein schützender sein, der das Kapital gegen einen unerwartet hohen Verlust schützt. Der nächste Schritt könnte ein Break-Even-Stopp sein: Er schließt die Position, wenn sie auf das Niveau des Einstandskurses zurückfällt. Der Stopp sollte dabei auch die Handelskosten mit einbeziehen. Dann gibt es noch den nachlaufenden (Trailing-)

Stopp, der im Gewinnfall die aufgelaufenen Gewinne zumindest teilweise absichert. Das Stopp-Loss-Management muss in jedem Fall an die Höhe des eigenen Kontos angepasst werden. Das lässt sich gut über verschiedene Orderarten umsetzen.

3. Short-Positionen auf bauen

Orientieren Sie sich an Trends. Wenn der Markt in einen Trend übergeht, dann ist jede Position gegen die Trendrichtung gefährlich. Deshalb darf es in einem Abwärtstrend keine Vorbehalte gegen Short-Positionen geben.

Es gibt grundsätzlich mehrere Möglichkeiten, um Trends zu identifizieren. Die einfachste wären Gleitende Durchschnitte. In diesem Zusammenhang sind Durchschnitte mit höherer Periodeneinstellung sinnvoll.

Eine oft genutzte Kombination ergibt sich zum Beispiel aus 20, 50 und 100 Perioden. Wenn alle drei Gleitenden Durchschnitte gleichzeitig abwärtsgerichtet sind, ist ein Abwärtstrend sehr wahrscheinlich.

Das direkte Shorten von Aktien (Leerverkauf) kommt immer mehr in Mode. Dabei leiht sich der Trader von seinem Broker die gewählte Aktie und verkauft sie dann zum aktuellen Marktkurs. Wenn nun im weiteren Verlauf die Aktie fällt, kann der Trader sie zu einem günstigen Preis wieder zurückkaufen und gibt die geliehenen Aktien an den Broker zurück. Die Differenz zwischen Verkaufspreis und dem späteren günstigen Rückkaufpreis verbleibt als Gewinn auf dem Konto des Traders. Mit diesem Handelsansatz verdient man an fallenden Kursen. Deshalb ist es so wichtig, die Börse neutral zu sehen und sich nicht ausschließlich auf Long-Positionen festzulegen.

4. Absicherung des Depots

Wenn man mit seinen Wertpapieren an der Börse Gewinne erzielt hat, ist die Möglichkeit interessant, sein Depot mit einer Versicherung (Hedging) auszustatten. Man weicht dazu auf andere Wertpapiermärkte aus, vorzugsweise Optionen oder Futures, um solche Versicherungen aufzubauen. Die Erfahrung mit entsprechenden Hedgefonds zeigt, dass eine Absicherung kein Selbstläufer ist. Die Performance eines Hedgefonds ist nicht zwangsläufig höher als die eines konventionellen Depots. Man muss alle Eigenschaften mit einbeziehen. In den meisten Fällen weisen die Depots von Hedgefonds eine geringere Volatilität auf. Denn die Absicherungen kosten Geld und mindern so die Höhe der Depotrendite. Auf der anderen Seite sorgen die Absicherungen dafür, dass in Abwärtstrends Hedgefondsdepots besser abschneiden, weil sie Gewinne erzeugen und diverse andere Positionsverluste ausgleichen können. Das gilt natürlich nur pauschal; im Einzelfall muss immer die strategische Ausrichtung des Hedgefonds einbezogen werden.

5. Eventuell neue Handelsstrategien in Betracht ziehen

Keine Handelstechnik funktioniert immer, jeder Ansatz geht naturgemäß auch durch Verlustperioden. Wichtig ist zu erkennen, ob der aktuelle Handelsansatz nur eine normale Verlustperiode durchläuft oder ob er im aktuellen Marktumfeld schlichtweg nicht funktioniert. Ist Letzteres der Fall, sollte man aktiv nach einem anderen Handelsweg suchen.

Möchte man normale Verlustperioden beurteilen, dann ist die eigene Handelsstatistik der Maßstab. Als professioneller Trader sollte man immer die eigene Statistik kennen und mit den laufenden Ergebnissen vergleichen.

Es ist irrelevant, welche Ergebnisse andere Trader gerade erzielen. Es geht immer nur um die eigene Sichtweise und das Wissen, ob es normal läuft oder nicht. Gute Trader lassen sich niemals von außerordentlich guten oder schlechten Handelsergebnissen anderer beeindrucken. Sie schauen nur auf sich selbst und versuchen ihre Trades bestmöglich umzusetzen.

6. Gehen Sie manchmal einen Schritt zurück

Ob die Märkte gerade gute oder schlechte Handelszeiten anbieten, können Sie nicht beeinflussen. Es gibt nichts, was Sie davon abhalten sollte, ab und zu einmal eine Pause einzulegen. Wenn die Dinge nicht funktionieren, dann lehnen Sie sich einfach zurück. Beschäftigen Sie sich mit Research oder entwickeln Sie andere Methoden.

Niemand zwingt Sie, immer zu traden. Wenn Sie einen neuen Handelsansatz entwickelt haben, dann gewöhnen Sie sich langsam an den Markt und den neuen Ansatz. Verinnerlichen Sie die Traderregel: Wenn es keinen guten Grund zum Handeln gibt, dann sollte man auch nicht handeln.

7. Akzeptieren Sie den Markt, wie er ist

Trader haben in den letzten 100 Jahren immer irgendwie Geld verdient. Genauso wird es in den nächsten 100 Jahren sein. Selbst wenn DAX oder Dow Jones nie wieder einen Bullenmarkt sehen werden, gibt es unendlich viele gute Tradinggelegenheiten.

Fazit

Gute Trader bleiben immer realistisch und passen ihre Erwartungen dem Markt an. Sie schauen niemals nach rechts oder links oder vergleichen sich mit anderen. Der Vergleich der eigenen Rendite mit der von anderen ist der erste Ansatz zum Unglücklichsein. Denken Sie daran, dass es immer irgendjemanden gibt, der etwas besser kann als Sie selbst. Genauso wird es immer jemanden geben, der schlechter ist als Sie. Na klar, rückblickend könnte eine Rendite immer höher sein, wenn man sich in der einen oder anderen Situation anders entschieden hätte – aber das ist Schnee von gestern.

Nur weil Ihre Rendite nicht jedes Jahr automatisch ansteigt, bedeutet es nicht, dass Ihr Handelssystem schlechter wird. Trading ist ein Geschäft. Es unterliegt den üblichen Zyklen wie alle anderen Geschäfte auch. Seine eigenen Gewohnheiten zu verändern mag für den Trader vielleicht besonders unbequem sein. Für den langfristigen Börsenerfolg ist es jedoch unabdingbar, sich neuen Bedingungen anzupassen. Trading ist immer eine Gratwanderung. Auf der einen Seite darf man nicht flatterhaft seine Meinung wechseln, auf der anderen Seite muss man flexibel bleiben, wenn die Märkte sich grundlegend verändert haben. Wenn man das beherzigt, ergeben sich immer wieder völlig neue Tradingchancen.