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Träume oder Schäume?


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LIFT - epaper ⋅ Ausgabe 11/2019 vom 26.10.2019

IM KESSEL KÖNNTEN BESONDERE ORTE ENTSTEHEN – ABER WIE REALISTISCH SIND DIE UTOPIEN?


Eine stillgelegte Brücke als öffentlicher Park? Was New York hat, könnte es auch in Stuttgart geben – die Stadt muss es nur wollen. Auch bei manch anderen visionären Ideen für den Kessel liegt es in der Hand der Politik, aus Utopien Wirklichkeit werden zu lassen.

„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Man kann aber auch auf das Helmut Schmidt-Zitat pfeifen und so lange beharrlich bleiben, bis man auch den letzten von seiner Vision überzeugt hat.
So wie Peter Mielert zum Beispiel. Schon 1998 hatte der Architekt und ...

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Bildquelle: LIFT, Ausgabe 11/2019

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„Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen.“ Man kann aber auch auf das Helmut Schmidt-Zitat pfeifen und so lange beharrlich bleiben, bis man auch den letzten von seiner Vision überzeugt hat.
So wie Peter Mielert zum Beispiel. Schon 1998 hatte der Architekt und Bezirksbeirat in Bad Cannstatt die Idee, dieRosensteinbrücke über dem Neckar zu einem Park umzufunktionieren. Die wird jetzt nach der Fertigstellung von S21 und der Inbetriebnahme der neu gebauten Eisenbahnbrücke tatsächlich nutzlos – und könnte von der Bahn abgerissen werden. Für Mielert eine vertane Chance, zumal der geplante Steg für Fußgänger und Radfahrer unter der neuen Brücke keine Alternative ist: „Ein 4,5 Meter breiter Steg, über dem Züge fahren, bietet keinerlei Aufenthaltsqualität“, sagt Mielert.
Sein Vorschlag: Die Stadt kauft der Bahn die Rosensteinbrücke ab und ermöglicht so nicht nur eine Verbindung zwischen dem Schlossgarten und Bad Cannstatt, sondern auch einen Ort zum Verweilen über dem Fluss–mit einer Länge von 320 Metern und 16 Metern Breite böte die Brücke die einmalige Gelegenheit, einen besonderen Ort für Stuttgart zu schaffen.
Lange stieß Mielert mit seiner Idee auf Skepsis. Erst 2014 kam wieder Bewegung in die Sache, als der Ingenieur Frank Schächner, dessen Büro die neue Eisenbahntrasse plant, dieselbe Idee hatte und die „Initiative Rosensteinbrücke“ ins Leben rief. Als Vorbild für ihre Vision nennen beidedie „High Line“ in New York – auch hier wurde eine alte Güterbrücke zu einembeliebten öffentlichen Ort umfunktioniert. „Man spürt mitten in der lauten Stadt die Ruhe, es ist wirklichein Knaller“, schwärmt Schächner.
Die Rosensteinbrücke könnte ihr Vorbild aber sogar übertreffen. Ideen für eine zukünftige Nutzung gibt es viele – neben der Begrünung ist von Gastronomie, wie etwa einem Stadtstrand oder einer Bar in einem Eisenbahnwaggon, einem Spielplatz, einer Skateranlage oder sogar einem Basketballplatz alles denkbar. Das gilt auch für einen Zugang zum Neckar: „Wenn man den Bogen öffnet und Treppen baut, könnte man direkt ans Wasser“, so Schächner. Theoretischsei es sogar möglich, einen an der Mittelinsel festgemachten „schwimmenden Pool“ in den Neckar zu bauen, wie es beispielsweise in Berlin realisiert wurde.
Eine Chance bieten auch die beiden in Zukunft ungenutzten Tunnel hinter der Brücke. In einem können sich die Vordenker eine gastronomische oder kulturelle Nutzung vorstellen – etwa eine Neuauflage der „Röhre“. Der zweite würde sich dagegen ideal für einen Radschnellweg geradewegs zum Hauptbahnhof anbieten, angefangen beim Cannstatter Bahnhof.


Illustration: Paulina Eichhorn