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TRAGBARE GÄRTEN


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florieren! - epaper ⋅ Ausgabe 5/2022 vom 03.05.2022

Mit dem Ziel, „tragbare Gärten“ zu gestalten, sind an der Staatlichen Fachschule für Blumenkunst Weihenstephan Sträuße entstanden, die das besondere Lebensgefühl wiedergeben, mitten im Garten oder in der freien Natur zu sein. Ihre Grundlage sind ethische und ästhetische Prinzipien wie Achtsamkeit, Einfachheit, Nachhaltigkeit und Lebendigkeit.

Kennzeichnend sind scheinbar mühelose Anordnungen

Das kontrastreiche Nebeneinander von hellen und dunkel schillernden Blüten, Ranken und Grün, aber auch wiederkehrende Formen und Farben erzeugen den Eindruck von Fülle und Reichtum. Bei aller Vielfalt entsteht in den Sträußen eine scheinbar lockere, mühelose Einheit, die aber nicht in einer gleichmachenden Harmonie endet. Sie zeigt im Gegenteil eine Ordnung, die Unterschiede wie Bewegung, Textur und spezifische Eigenarten des pflanzlichen Werkstoffs betont. Nicht streng zusammengebundene Blumen, sondern bewegte ...

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Dominik Brenner trägt den schwungvollen und eleganten Strauß von Andreas Speth. Eine bewegte Fülle aus weißen Fliederzweigen, Pfingstrosen, Lilienblütigen Tulpen, Fritillaria acmopetala und ausschwingenden Persischen Fritillarien.
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... Anordnungen mit wilder Anmutung kennzeichnen den Gestaltungsstil der „tragbaren Gärten“.

JUTTA HARMS ist Absolventin der Staatlichen Fachschule für Blumenkunst Weihenstephan und studierte an der Freien Akademie München Kulturpädagogik. Seit 2006 ist sie Fachlehrerin, seit 2022 Fachbetreuerin für künstlerisch-gestalterische und designorientierte Fächer in Weihenstephan, außerdem Dozentin an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf. Im Mai 2015 veröffentlichte sie mit Susanne Sommer das Buch „Lebewohl – Trauerrituale mit Blumen“. Kontakt: jutta. harms@hswt.de

Literarische Botanik

Im späten 18. Jahrhundert kommt die Idee einer geheimen Sprache der Blumen auf. In Istanbul entdeckte die englische Schriftstellerin Lady Montagu (1689 bis 1762) eine besondere Blumensprache: Jeder Blüte wurde eine besondere Eigenschaft zugesprochen. Durch ihre Briefe in die Heimat wurde die sogenannte Selamik im viktorianischen Europa schnell zur Mode. Zur damaligen Zeit konnten insbesondere junge Liebende nicht klar aussprechen, was sie dachten, und Zuneigung und Abneigung verbal nicht Ausdruck verleihen. Die Blumensprache wurde daher zu einem wichtigen Mittel der nonverbalen Kommunikation. Dies war der Ausgangspunkt für die Entwicklung eines umfangreichen Zeichensystems mittels Blumen – anfangs mit Sträußen aus einer einzelnen Blumenart, später dann durch komplizierte Mischungen zum Ausdruck von Feinheiten. Jede Blume und ihre Farbe, die Anzahl und das Alter der Blüten, jedes Kraut und jede Schleife hatten eine Bedeutung und selbst die Weise, wie ein Strauß getragen wurde.

Farben sehen lernen

Feingefühl für die Farbgebung kann man durch das Aufschlüsseln von Farben in seine Bestandteile lernen: Pflaumenfarbenviolett besteht aus Berliner Blau mit viel Karmesinrot, ein klein wenig Braun und einem kaum merklichen Hauch von Schwarz. Lange bevor Pantone-Farbfächer existierten, die heute Hersteller und Designer bei der Bestimmung, Kommunikation und Realisierung von Farben unterstützen, entwarf der deutsche Geologe und Mineraloge Abraham Gottlob Werner 1774 ein Farbsystem, das 54 Farbtöne mit einzelnen Mineralien in Beziehung setzte.

Diese Farbnomenklatur entwickelte der schottische Pflanzenmaler Patrick Syme weiter. Er ergänzte dessen Farbbezeichnungen mit Beispielen aus der Tier- und Pflanzenwelt und erweiterte die Zahl der Farbtöne auf das Doppelte. Im Jahre 1814 erschien die erste Auflage von Patrick Symes Schrift „Werners Nomenklatur der Farben“. Systematisch in Tabellen mit Farbbezeichnungen, Farbmustern und kolorierten Zeichnungen zeigt Patrick Syme Bezüge zu Farben in der Natur und schaffte damit eine verlässliche Referenz zur Farbbestimmung. Zwei Beispiele:

► Kaiserviolett: wie der Herbst-Krokus, wie im Gefieder des ausgewachsenen Weberstars, wie das Mineral Fluorit.

► Schneeweiß: wie die Brust einer Lachmöwe, wie ein Schneeglöckchen, wie Carrara-Marmor.

Die heutige Farbreferenz zum Farbton Violettrot von Abraham Gottlob Werner und Patrick Syme wird bei Malfarben zum Beispiel Permanent Mauve oder Karmesinaubergine genannt. Bei Pantone trägt dieser Farbton die Nummer 2355U und bei Wandfarben von Little Greene wird mit dem Namen Adventurer geworben.

Projektschau im Mai

Der nächste zweijährige Lehrgang an der Staatlichen Fachschule für Blumenkunst beginnt im September 2022. Im Rahmen der Munich Creative Business Week wird eine Projektschau 2022 veranstaltet: am 14. und 15. Mai sowie 20. und 21. Mai. Nähere Infos: blumenkunst-weihenstephan.de, Tel. 08161/713373