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Tragende Rolle


Golfpunk - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 03.09.2021

FANNY SUNESSON

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Bildquelle: Golfpunk, Ausgabe 4/2021

E igentlich sollte es unmöglich sein, eine Legende des Golfsports zu werden, ohne auf dem Weg dorthin auch nur einen einzigen Schlag selbst gespielt zu haben. Aber Fanny Sunesson ist dieses Kunststück ohne Zweifel gelungen – oder wie es ihr letzter Langzeitarbeitgeber und Landsmann Henrik Stenson verriet: „Fanny ist in Augusta definitiv berühmter, als ich es bin. Wann immer wir gemeinsam beim Masters antraten, musste sie mehr Autogramme schreiben und für mehr Selfies posieren als ich. Nicht dass mich das stören würde...“

In unzähligen legendären Fernsehübertragun gen der Golfgeschichte ist die Schwedin min destens so präsent wie Forrest Gump in wegweisenden Momenten der US-amerikanischen Zeitgeschichte. Nick Faldos Triumphmarsch in St. Andrews 1990: Fanny ist dabei. Greg Normans epischer Kollaps beim Masters 1996: Fanny trug die Tasche des Siegers. Hen rik Stensons 66 am Sonntag auf ...

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... dem Weg zum Sieg in Sawgrass 2009: Fanny hatte gehörigen Anteil daran. Und dann wären da natürlich noch der „War on the Shore“ 1991 auf Kiawah Island und mehrere Kontinentalkämpfe in „The Belfry“: Sunesson war als Caddie bei insgesamt sechs Ryder Cups am Bag eines Spielers.

Als wir die mittlerweile 54-Jährige in ihrer Heimat zum Interview treffen, ist sie absolut tiefenentspannt. Schließlich zog sie sich bereits 2012 aus gesundheitlichen Gründen aus dem Caddie-Business zurück und ließ sich seither nur noch von Adam Scott für die Open 2018 und von Henrik Stenson für das Masters und Bay Hill 2019 dazu überreden, noch einmal „inside the ropes“ ihre Arbeit zu verrichten. Um ihren Hals baumelt eine filigran gearbeitete Miniatur der Claret Jug. „Kurz nach meinem 50. Geburtstag feierte Nick seinen 60. und lud mich zur Party in England ein, wo er mir dieses wundervolle Geschenk überreichte. Seither trage ich es jeden Tag.“

Es sind die insgesamt neun Spielzeiten zwi schen Ende 1989 und 1999 an der Tasche des damals besten Golfers der Welt, die Fan ny Sunesson zu einem Star nicht nur in der Caddie-, sondern auch in der Sportwelt machten. Zwei Masters-Siege und zwei Open- Tri umphe Faldos fallen in dieses gemeinsame Jahrzehnt – nicht zu vergessen 16 weitere Profisiege in aller Welt. Eine beeindruckende Bilanz für eine Karriere, die eigentlich ganz anders geplant war. „Als Jugendliche schaffte ich es in den erweiterten Kreis der schwedischen Nationalmannschaft und ich wollte eigentlich ans College in Amerika gehen, um dort Golf zu spielen.“ Eine Verletzung vereitelte diese Pläne, doch das soll Fanny besser selbst erzählen.

Während wir zum Abschluss unseres gemeinsamen Tages im Bokskogens Golfklubb noch einige gemeinsame Löcher Golf spielen, wird schnell klar, warum die damalige Nummer eins der Welt 1989 eine bis dahin beinahe unbekannte Schwedin als seine Vertraute an der Tasche haben wollte und unzählige Weltklassespieler später ebenfalls um ihre Dienste buhlten. Worte wie „etwa“ oder Sätze wie „Das sollte passen“ existieren in Fanny Sunessons Welt nicht. Selbst hier und heute bei einer kurzen Feierabendrunde überlässt sie nichts dem Zufall und nimmt erst die Ansprechposition über dem Ball ein, wenn die Entfernung zur Fahne exakt bestimmt und der Wind richtig einkalkuliert sind.

Auf der malerischen Teebox von Loch 15 direkt an einem friedlich ruhenden See quakt plötzlich eine Ente. Doch das Geschnatter kommt erstaunlicherweise nicht aus Richtung des Wassers, sondern aus Fannys Hosentasche. „Oh, entschuldigt bitte! Das ist mein Handy“, lacht sie. „Ich habe Entengeschnat - ter als Klingelton, um niemanden zu stören, sollte ich auf dem Golfplatz einmal vergessen, auf lautlos zu stellen.“ Auf solch ein Detail muss man erst mal kommen.

In welchem Alter bist du zum Golf gekommen und wer war dafür verantwortlich?

Meine Eltern spielten Golf, und als ich sechs Jahre alt war, schenkten sie mir meine ersten Golfschläger. Es hat einfach Sinn gemacht, dass ich sie begleitet habe, wenn sie spielten. Ernsthaft angefangen, Golf zu spielen, habe ich aber erst als Teenager und von diesem Moment an habe ich nichts anderes mehr getan.

Du hattest vor, ans College zu gehen. Woran ist das gescheitert?

Ja, alles war bereits in trockenen Tüchern, doch dann habe ich mich am Knie verletzt. Ich konnte eine Zeit lang nicht Golf spielen und damit war auch das College in den Vereinig ten Staaten hinfällig. Ich wollte das Jahr Zwangspause aber trotzdem sinnvoll nutzen und mehr über mein eigenes Golfspiel lernen. Da ich nicht trainieren konnte, entschied ich mich, für dieses eine Jahr Caddie in Europa zu werden. Aus diesem einen Jahr wurden dann 25... [lacht]

Für wen hattest du denn deinen ersten Caddie-Job?

Meinen ersten Caddie-Job hatte ich in Schweden. Ich war bereits bei den Scandinavian Enterprise Open als Zuschauer gewesen und damals gab es noch nicht viele professionelle Caddies. Ein Freund verdiente sich als Local Caddie ein bisschen Geld nebenher und ich dachte mir, das ist ziemlich cool! Man kann „inside the ropes“ miterleben, wie Spieler die unterschiedlichsten Schläge meistern. Das könnten wertvolle Erfahrungen sein – also schrieb ich mich für das folgende Jahr als Local Caddie ein.

Du hattest die unterschiedlichsten Charaktere als Arbeitgeber. Was sind die wichtigsten Golflektionen, die du von deinen verschiedenen Arbeitgebern gelernt hast?

Die erste Lektion, die ich lernte, war 1987, als ich für José Rivero, einen spanischen Pro, arbeitete. Er hat in seiner Jugend ebenfalls als Caddie gearbeitet und war deshalb brillant darin, Situationen einzuschätzen und den richtigen Schläger zu wählen. In der Mitte unserer gemeinsamen Saison spielten wir ein Turnier in York. Als wir die Länge ermittelt hatten, dachte ich: „Eisen 7“, doch José sagte: „Ein Eisen 5 sollte hier richtig sein.“ Ich sagte nichts und dachte: „Oh Gott, ich bin ein wirklich schlechter Caddie, ich habe mich um zwei Schläger vertan.“ Er zückte das Eisen 5, spielte einen exzellenten Schlag, der über die Fahne, über das Grün, über das Rough und tief in die Bäume segelte. Das Eisen 7 wäre richtig gewesen und ich hatte mich nicht getraut zu sagen, was ich dachte. Meine Ge danken, ich wäre ein schlechter Caddie, trafen in diesem Moment tatsächlich zu, weil ich nicht laut gesagt hatte, wovon ich überzeugt war. Als ich an diesem Tag nach Hause fuhr, habe ich beschlossen, zukünftig immer zu sagen, was ich in der jeweiligen Situation denke, egal wie weit meine Meinung von der meines Spielers abweicht. Das war die wichtigste Lektion für meine Caddie-Karriere. Ein weiteres wichtiges Rüstzeug lern te ich von einem anderen Caddie: Als ich begann, auf der Tour zu arbeiten, gab es zwar Yardage-Books, aber die waren nicht wirklich gut. Deshalb musste ich meine eigenen Entfernungen ermitteln, ich hatte allerdings keine Ahnung, wie das funktioniert. Malcolm Ma son, Sam Torrance’ langjähriger Caddie, der leider nicht mehr unter uns ist, half mir ausgiebig dabei, mein eigenes Yardage-Book zu erstellen. Das war eine riesige Hilfe und sehr wichtig für mich, denn ich habe für die meiste Zeit meiner Karriere meine eigenen Yardage-Bücher zusammengestellt.

Wenn der Druck am Sonntag hochkocht, bekommst du dann auch als Caddie Nervenflattern oder warst du immer cool auf dem Platz?

Ich war immer bestens vorbereitet und war mir sicher, den Platz in- und auswendig zu kennen. Ich wusste stets, wie mein Spieler drauf ist, und war mir immer sicher, bereit zu sein, mein Bestes zu geben. Deshalb habe ich nur äußerst selten meine Nerven auf dem Golfplatz gespürt. Wenn es dann doch mal vorkam, habe ich immer versucht, mich auf das Hier und Jetzt zu konzentrieren. Als ich 2009 für Henrik Stenson gearbeitet habe, ertappte ich mich bei der Players Championship am Sonntag dabei, wie ich, während wir noch auf Bahn 16 waren, bereits über die berühmte 17 und das Inselgrün nachdachte. Im Golf ist es sehr schädlich, dem Spiel voraus zu sein, und ich habe mich in dieser Situati - on sofort ermahnt, um wieder in die Gegenwart zurückzukommen.

„Während der Finalrunde in Sawgrass steckte die Fahne auf der 17 vorne rechts im Grün. Wir lagen zu diesem Zeitpunkt in Führung und haben auf die Mitte des Grüns gezielt. Hauptsache mit einem Par vom Grün gehen, war unsere Devise. Zufällig trugen Henrik und ich an diesem Sonntag beide Hellblau. Als Nick die Open in St. Andrews und Muirfield gewann, trugen wir beide, ohne es zu wissen, ebenfalls dieselbe Farbe.“

PLAYERS CHAMPIONSHIP 2009 TPC SAWGRASS

FANNY

„Ich hatte viele großartige Momente in meiner Karriere, aber dieser bei der Open in St. Andrews ist mein liebster. Wir hatte gerade das Road Hole gemeistert, und als Nick auf der 18 einen guten Drive geschlagen hatte und wir das Fairway hinunterliefen, drehte er sich um und sagte: ,Genieße diesen Moment!‘ Wir wussten, dass wir gewinnen würden, vor uns lag St. Andrews und die voll besetzten Tribünen. Ich bin ihm für immer dankbar, dass er mir das damals sagt, denn ich hätte die Situation im Eifer des Gefechts wohl nicht so genossen, wie es mir dann möglich war.“

OPEN CHAMPIONSHIP 1990 ST. ANDREWS

Was sind deine Lieblingsaspekte des Lebens auf der Tour?

Ich liebe es, draußen zu sein, und ich liebe Golfplätze. Die Chance auf den Sieg am Sonntag ist ebenfalls eine Sache, die mich immer angetrieben hat.

Als du angefangen hast, wurden Caddies oft noch als Bürger zweiter Klasse auf der Tour behandelt. Als Frau warst du in Caddie-Kreisen darüber hinaus eine sin - guläre Erscheinung. Wie hast du das damals wahrgenommen?

Es ist ein hartes Leben auf der Tour, man ist ständig auf Reisen und man wurde nicht immer nur gut behandelt, das stimmt. Vielleicht wurde ich stellenweise aber auch bevorzugt behandelt, weil ich eine Frau bin – ich weiß es nicht. Die Tatsache, dass ich eine Frau unter vielen männlichen Caddies bin, hat mich nie sonderlich interessiert. In meinen Augen war ich einfach ein Caddie und machte dieselbe Arbeit wie die Männer.

Betrachtest du Golf als Teamsport?

Ja. Heutzutage ist das Team eines Golfers abseits des Platzes riesig mit dem Athleten als Zentrum. Auf dem Platz bilden Spieler und Caddie ebenfalls ein Team und ich habe dieses Team immer als Wir oder Uns betrachtet, obwohl ich keine Schläge gemacht habe.

„Mir war klar, dass Nick eine fantastische Runde spielen musste, und es wurde tatsächlich eine der besten Runden, die ich je gesehen habe. Die Grüns waren hart wie Beton und unter diesen Bedingungen ein 67 zu spielen ist unglaublich. Am Ende haben wir mit fünf Schlägen Vorsprung gewonnen, es war also ein Swing von elf Schlägen. Hätte Nick nicht so brillant gespielt, hätte Greg das Turnier sicher gewonnen.“

THE MASTERS 1996 AUGUSTA NATIONAL

Als du angefangen hast, für Nick Faldo zu arbeiten, war er bereits die Nummer eins der Welt. Wie geht man eine solche Arbeitsbeziehung, die an der Spitze des Sports beginnt, mental an?

Ja, als Nick mich fragte, war er die Nummer eins der Welt und ich dachte als Erstes über all die verschiedenen Plätze in aller Welt nach, die ich sehen würde, wenn ich seine Tasche übernehme, Augusta zum Bei spiel. [lacht] Ich wollte unbedingt nach Augusta, denn zu jenem Zeitpunkt hatte ich den Platz noch nicht einmal im Fernsehen gesehen.

Er war damals der Beste und ich hatte erst drei Jahre zuvor als Caddie angefangen. Aber ich hatte eine recht simple Logik: Wenn ich mein Bestes gebe und das nicht gut genug ist, dann kann ich auch nichts dagegen tun. Also habe ich einfach hart gearbeitet. Wir haben uns von Beginn an sehr gut verstanden. Er war ein Perfektionist und ist es immer noch, genau wie auch ich. Als Team haben wir sehr gut funktioniert und ich habe es geliebt, für ihn zu arbeiten.

In der Zusammenarbeit mit Nick Faldo warst du schnell mehr als ein Caddie und hast auch Coaching-Aufgaben übernommen. Wie schafft man es, sich zu trauen, dem besten Spieler der Welt Schwungtipps zu geben?

Gleich in meiner ersten Woche mit Nick sind wir fünf Tage lang zu David Leadbetter gefahren, bei dem ich alles über Nicks Schwung lern te, was man in fünf Tagen lernen kann. Ich wusste, was Nicks Status war, wo seine Schwächen lagen und wohin er schwungtechnisch gerne wollte. Also wurde ich so etwas wie Leadbet ters rechte Hand und sein zweites Paar Au gen, schließlich war ich diejenige, die immer mit Nick unterwegs war und seinen Schwung aus nächster Nähe einschät - zen konnte. Ich war immer schon am Golfschwung interessiert und wollte meinen Spielern auch in dieser Hinsicht helfen. Mir hat das großen Spaß gemacht und ich denke, es war auch ein Vorteil für unser Team.

Caddie zu sein ist harte körperliche Arbeit. Welche körperlichen Spuren hat dein Job in 25 Jahren hinterlassen?

Das stimmt, Tourbags sind wirklich ziemlich schwer. Ich habe mich am Rücken verletzt, als ich 2011 für Henrik Stenson in der Schweiz gearbeitet habe und über einen Marshall ge stolpert bin. Das hatte zur Folge, dass ich sozusagen in Caddie-Rente gehen musste und mehr als acht Jahre lang keine Tasche mehr getragen habe, bevor ich für Adam Scott bei der Open 2018 in Carnoustie noch einmal aus dem Ruhestand gekommen bin, was sich großartig angefühlt hat.

War es der Wettkampfgedanke, der dich Tag für Tag motiviert hat, zur Arbeit zu gehen?

Ja, sportlicher Wettkampf ist eine großartige Sache. Ich kann mich noch an meine erste Woche an der Tasche von Mark Hensby beim Scandinavian Masters 2005 erinnern. Es war eine herausfordernde Woche, da es die gan ze Zeit geregnet hatte und keine einzige Probe - runde möglich war. Am Sonntagnachmittag liefen wir dann die zehnte Spielbahn hinunter mit einer Chance auf den Sieg. Ich sagte zu ihm: „Das ist doch, worauf es wirklich an - kommt im Golf. Wir haben noch neun Löcher vor uns und eine Chance auf den Sieg. Besser geht es nicht!“ Er antwortete nicht und lä chel te nur. Am Ende gewannen wir das Turnier im Play-off gegen Henrik Stenson und spä ter im Clubhaus meinte Mark, dass ihn mein Kommentar auf der zehnten Bahn angespornt habe, auf den Back Nine alles zu geben. Man weiß im Golf nie, was die anderen Spieler machen, deshalb kann man nie von einem Sieg ausgehen. Aber die Chance auf einen Triumph zu spüren ist ein großartiges Gefühl.

Hast du Buch geführt darüber, an wie vielen Turnieren du teilgenommen hast und wie viele du gewonnen hast?

Ich war an vier Major-Siegen beteiligt, habe insgesamt 25 Profiturniere gewonnen, an sechs Ryder Cups, einem Presidents Cup und als Beraterin auch an einem Solheim Cup teilgenommen. Insgesamt denke ich, dass ich während meiner Karriere bei etwa 750 Turnieren als Caddie unterwegs war, 91 davon waren Majors.

FANNY

„Es ist eine Menge Vertrauen von Seiten des Spielers nötig, um mit dem Caddie über schwungtechnische Aspekte zu sprechen. Von meiner Seite brauchte es viel Fingerspitzengefühl, denn in der Hitze eines Turniers gibt es Momente, in denen man technische Sachen ansprechen kann, und es gibt Situationen, in denen man das besser bleiben lässt.“

U.S. OPEN 1991 HAZELTINE GOLF CLUB

Du warst hautnah dabei während der legendären Masters-Finalrunde 1996, in der sich Nick und Greg Norman ein Duell für die Ewigkeit lieferten. Was sind deine Erinnerungen an diesen Tag?

Das Masters 1996 war das einzige Event, in dem ich für den Sieger gearbeitet habe und gleichzeitig jede Menge Trauer für den Go l- fer verspürte, den wir gerade geschlagen hatten. Ich war absolut aus dem Häuschen, dass wir gerade gewonnen hatten, gleichzeitig aber auch unendlich traurig für Greg, denn diese Runde war ein harter Schlag für ihn. Mir war klar, dass die Presse ihn durch den Fleischwolf drehen würde, was die Sache nicht einfacher gemacht hat.

Während der Runde warst du sicherlich total fokussiert auf deinen Job. Bekommt man in solch einer Situation mit, welches Drama sich gerade beim direkten Gegner abspielt?

Ich wusste von Beginn an, dass wir trotz unserer sechs Schläge Rückstand auf Greg eine Chance hatten, das Grüne Jackett zu ge winnen. Auf dem achten Grün lochte Nick einen wirklich tollen Putt. Ein Loch später ließ Greg seinen Schlag ins Grün zu kurz, was auf Loch 9 in Augusta äußerst kostspielig ist. Das war der Wendepunkt der Runde.

Wir müssen über die Strampelanzüge in Augusta sprechen: Wie bist du damit zurechtgekommen?

In den Dingern wird es ziemlich heiß. [lacht] Als ich das erste Mal nach Augusta kam, gab es nur einen großen Raum, in dem sich alle Caddies umzogen. Zum Glück bin ich schwedisch und nicht prüde. Ich dachte mir, dass ich am Strand auch einen Bikini trage, also kann ich mich hier auch bis auf den Sport- BH und den Schlüpfer ausziehen. Es hat mir also nichts ausgemacht und kurze Zeit später wurde ein Umkleideraum für weibliche Caddies eingerichtet. Die Overalls sind leider für Männer geschnitten und ich habe Kurven. Ich habe also die größte Größe genommen, einen Gürtel getragen und die Ärmel hochgekrempelt. Das hat schon funktioniert.

Wann kamst du zum ersten Mal selbst mit dem Ryder Cup in Berührung?

1987 war meine erste komplette Saison als Caddie auf der Tour mit José Rivero und wir qualifizierten uns tatsächlich fürs Ryder Cup Team. Wenn ich „wir“ sage, meine ich leider ihn, denn als es nach Muirfield Village ging, entschied er sich, nicht mich, seinen regulären Caddie, mit zum Ryder Cup zu nehmen, sondern seinen Bruder. Das war ein echter Schlag für mich, denn ich hatte mich nicht nur darauf gefreut, in die Staaten zu fliegen und am Ryder Cup teilzunehmen, ich wollte vor allem Ben Crenshaw putten sehen. Es hat mich sehr gefreut, dass Team Europa die sen Ryder Cup gewinnen konnte, aber in ner lich war mein Herz gebrochen. Ich habe José die Woche nach dem Ryder Cup wieder getroffen und für ihn beim Dunhill Cup gearbeitet, doch ich habe schnell gespürt, dass ich zu ver letzt war, dass er mich nicht mitgenommen hatte, und habe unsere Arbeitsbeziehung beendet.

Zwei Jahre später an der Tasche von Howard Clark war es dann endlich so weit…

Ja, Tony Jacklin gab Howard einen seiner drei Captain’s Picks und wir fuhren gemeinsam nach „The Belfry“. Es war eine unvergessliche Woche und wir sind heute noch gute Freunde. Howard ist ein echter Gentleman. Ich arbeitete noch für Howard, als Nick Faldo mir seine Tasche anbot. Howard zögerte kei ne Sekunde, mir grünes Licht zu geben, und meinte: „Fanny, du hast gar keine ande - re Wahl. Du musst diesen Job annehmen.“

Welche Erinnerung an einen deiner Ryder Cups ist dir die liebste?

Meine Lieblingserinnerung an den Ryder Cup ist unser erster Sieg auf amerikanischem Boden in Oak Hill 1995. Als ich das Highlight-Video unseres Matches gegen Curtis Strange zum ersten Mal im Fernsehen sah, hörte ich auf dem 18. Grün die Jubelschreie einer Frau und bemerkte erst Tage später, dass ich das war, die dort so feierte. Der Ryder Cup ist absolut einzigartig. Wir haben ja bereits darüber gesprochen, dass Golf ein Teamsport ist, und das meint normalerweise kleine Teams. Doch alle zwei Jahre findet sich ein großes Team zusammen und daran beteiligt zu sein ist unglaublich cool!

Hat es für deinen Job als Caddie einen Unterschied gemacht, ob in Amerika oder in Europa gespielt wurde?

Nicht wirklich. Die Golfplätze in Amerika und Europa unterscheiden sich allerdings grundsätzlich. Der wirkliche Unterschied besteht eher zwischen „normalen“ Turnierwochen und einer Ryder-Cup-Woche. Die Singles am Sonntag ähneln noch am ehesten einer regulären Turnierwoche. Doch in den Fourballs spielen treten zwei Spieler und zwei Caddies gemeinsam als Einheit an und als Caddie liest man wahrscheinlich nie so viele Grüns wie während eines Ryder Cup.