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Trailern wie die Profis


segeln - epaper ⋅ Ausgabe 90/2021 vom 16.08.2021

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Ein Hafentrailer bleibt, wie der Name schon sagt, auf den Hafen beschränkt

Für Trailerboot-Skipper beginnt der Urlaub damit, dass die Kurslinie der Mittelstreifen und die Fahrwasserbetonnung die Begrenzungspfähle am Straßenrand sind, bevor das Wasser endlich den Kiel umspült. Damit die Anreise ins Revier gut und sicher klappt, ist es aber sinnvoll, auch an Land die gute Seemannschaft walten zu lassen und mit Sach-, Fach- und Revierkenntnis die Untiefen der Vorschriften und der Physik beim Slippen und beim Bootstransport zu umschiffen.

Das Gespann

Wer sein Boot auf der Straße transportieren möchte, muss die drei Komponenten des Gespanns – Zugfahrzeug, Trailer und Boot – aufeinander abstimmen. Die zulässige Anhängelast, die Stützlast, Motorleistung und auch der Antrieb des Zugfahrzeuges müssen zum Einsatzzweck passen. Fahrzeuge mit Heckantrieb können in der Regel vergleichsweise höhere Lasten ziehen als solche mit Frontantrieb. Wird beispielsweise auf steilen, schlüpfrigen ...

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... Rampen oder in unbefestigtem Gelände geslippt, kann unter Umständen auch ein Allradantrieb sinnvoll sein.

Ein kräftiges Zugfahrzeug ermöglicht das Ziehen von Anhängelasten mit bis zu 3,5 Tonnen Gesamtgewicht

Ein kräftiges, allradgetriebenes Zugfahrzeug ermöglicht das Ziehen von Anhängelasten mit bis zu 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht und das Slippen auf steilen Rampen und in unbefestigtem Gelände

Spezifizierung des Trailers

Bauart, Größe und Ausrüstung eines Bootstrailers hängen von der Größe des Bootes und davon ab, wie, wo und wie oft das Boot geslippt und genutzt werden soll.

Gewicht: Für die Auswahl des Trailers ist das tatsächliche Transportgewicht des Bootes ausschlaggebend. Die Gewichtsangaben der Werften berücksichtigen keine Ausrüstungsgegenstände, Batterien, optionale Zusatzausstattungen oder volle Tanks.

Länge: Abstand zwischen letzter Kielrolle und Buganschlag plus ausreichende Länge der Deichsel. Heckklappen und Türen sollten sich öffnen lassen, auch wenn der Trailer angekuppelt ist.

Salzwasser kann den Verschleiß von Bremsen, Radlagern und beweglichen Teilen stark beschleunigen

Eine Tempo 100 Zulassung ist sinnvoll, wenn lange Fahrten geplant sind. Sie gilt aber nur in Deutschland. Eine Doppelachse kann im Falle eines hohen Bootsgewichtes notwendig sein und gibt mehr Sicherheit im Falle eines Reifen-oder Radlagerschadens. Allerdings sind nicht nur die Anschaffungs-, sondern auch die Wartungskosten deutlich höher, da die entsprechenden Posten zum Beispiel für Reifen und Bremsen immer doppelt zu Buche schlagen. Zudem lässt sich so ein Trailer schlechter von Hand rangieren, und es ist schwieriger die Stützund Achslasten einzustellen.

Salzwasser kann den Verschleiß von Bremsen, Radlagern und allen beweglichen Teilen stark beschleunigen. Mit speziellen Rollensystemen oder kippbaren Quertraversen können einige Boote schon bei geringer Wassertiefe geslipt werden, ohne Bremsen oder Radlager zu „versenken“. Auch das Material des Trailers, wasserdichte oder zu spülende Radnaben können langfristig lohnende Investitionen sein. Manchmal ist ein Kran dennoch die einfachste und schonendste Methode sein Segelboot zu wassern.

Bootstrailer-Bauarten

„Amerikanischer“ Trailer

– nur Langauflagen

– zusätzlich mit Zentrierstangen

– Boot muss mit Trailer ins Wasser gefahren werden, bis es schwimmt

„Deutscher“ Trailer

– Kielrollen und höhenverstellbare Langauflagen

– zusätzlich Stützrollen (wenn Langauflagen runtergekurbelt sind)

– zusätzliche Zentrierhilfe

– Sonderform Rollen statt Langauflagen (keine Stützrollen notwendig)

 – Boot kann vom Trailer ins Wasser gekurbelt werden – Boot kann mit Trailer ins Wasser gefahren werden, bis es schwimmt

Ausstattung des Trailers

Die Ausstattung ist entscheidend dafür, wie gut sich das Boot lagern und unter verschiedenen Bedingungen slippen lässt.

Kielrollen sollten leicht laufen, einen stabilen Metallkern haben und höhenverstellbar sein. Das Material sollte abriebfest sein und nicht auf den Rumpf abfärben.

Langauflagen sollten zum Slippen durch Kurbeln absenkbar sein, um den Rumpf auf den Kielrollen rollen zu lassen und nicht durch die Gummiauflagen der Langauflagen abzubremsen.

Stützrollen verhindern ein seitliches Kippen des Bootes, wenn keine Langauflagen verbaut sind oder diese zum Slippen runtergekurbelt sind. Es sind die gleichen Eigenschaften, wie bei Kielrollen wichtig.

Zentrierhilfen / Sliphilfen führen den Rumpf beim Ausslippen auf die letzte Kielrolle und verhindern so Beschädigungen am Rumpf durch Kontakt mit anderen Bauteilen des Trailers.

Winden renommierter Marken mit automatischer Bremse sind sicher und komfortabel in der Bedienung, Billigprodukte sind oft qualitativ minderwertig und deshalb unter Umständen gefährlich in der Handhabung. Bei weichen Windengurten besteht eine geringere Verletzungsgefahr als bei harten Stahlseilen.

Zurrpunkte wie Haken oder Ösen am Rahmen, an denen Zurrgurte eingehakt werden können, erleichtern die Ladungssicherung.

Der Laufsteg erleichtert das Ein- und Aushängen des Windengurtes an der Bugöse des Bootes beim Slippen und reduziert die Verletzungsgefahr durch Herumklettern auf nassen Trailerrahmen erheblich und vermeidet auch nasse Füße.

Ein Steckerhalter der den Stecker der zum Slippen abgenommenen Lichtleiste am Trailer hält und ihn vor Wasserkontakt schützt wird möglichst hoch auf einem Kotflügel angebracht.

Unterlegkeile verhindern das Rollen des abgestellten Trailers oder sichern das Gespann an steilen Rampen.

Eine Zubehör-Box nimmt wie Wagenheber, Werkzeug, Ersatzgurte, Handschuhe auf.

Ein Ersatzrad ist sinnvoll aber nur mit einem geeigneten Wagenheber und Werkzeug auch nutzbar.

Einachser oder Doppelachs-Trailer?

Wenn das Bootsgewicht nicht sowieso den Einsatz eines Doppelachs-Trailers erfordert, sollte man abwägen, ob er wirklich Vorteile bringt:

Einachser

– Leichtere Rangierbarkeit

– Leicht einzustellen (nur Stützlast)

– Gleichmäßige Belastung der Reifen

Doppelachser

– Sicherheit bei Reifen - und Radlagerschäden

– Doppelte Wartungskosten Bremsen und Radlager

– Doppelte Reifenkosten (Für Tempo-100 km/h = 4 neue Reifen alle 6 Jahre)

– Schwer einzustellen (Stützlast und Achslasten)

– Ungleichmäßige Belastung der Reifen an erster und zweiter Achse

Einstellung des Trailers

Ein Trailerboot muss beim Einslippen leicht ins Wasser und beim Ausslippen zuverlässig und ohne Beschädigungen wieder zurück auf den Trailer kommen. Die sorgfältige Einstellung des Trailers ist die Basis dafür.

Auflagen & Rollen: Das Bootsgewicht soll vollständig vom Kiel über die Kielrollen auf den Trailer übertragen werden. Seitliche Langauflagen oder Stützrollen sollen das Boot nur gegen seitliches Kippen sichern, dürfen aber kein Gewicht aufnehmen! Bedenken Sie, dass das Boot an diesen Stel- len nicht darauf ausgelegt ist, das eigene Gewicht zu tragen. Den Kiel des Bootes deshalb über die seitlichen Stützen nicht von den Kielrollen abheben! Kielrollen, Stützrollen und Langauflagen müssen daher höhenverstellbar sein, um ihre Position der Rumpfkontur anpassen zu können.

Position: Achten Sie darauf, dass der stabile Heckspiegel des Bootes idealerweise auf der letzten Kielrolle liegt und so das Gewicht von Motor und Antriebstrang auf den Trailer übertragen kann. Die Transportposition des Bootes auf dem Trailer wird so üblicherweise von der Position der letzten Kielrolle am Trailer vorgegeben. Der Vorsteven des Bootes soll voll am Bugbeschlag anliegen. Windenstand und Buganschlag müssen daher verschiebbar und höhenverstellbar sein, um entsprechend der Position von Bug und Bugöse montiert zu werden.

Druck: Überprüfen Sie den Reifendruck an Trailer und Zugfahrzeug.

Auf der Straße

Ladungssicherung Wer ein Boot auf der Straße transportiert, ist verpflichtet es entsprechend zu sichern. Dazu heißt es in derStVO § 22: „(1) Die Ladung einschließlich Geräte zur Ladungssicherung sowie Ladeeinrichtungen sind so zu verstauen und zu sichern, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen, hin- und herrollen, herabfallen oder vermeidbaren Lärm erzeugen können. Dabei sind die anerkannten Regeln der Technik zu beachten…“ > siehe auch: Richtlinie VDI 2700 (Verein Deutscher Ingenieure) „Ladungssicherung auf Straßenfahrzeugen“.

Sichern des Bootes gegen Bewegungen in allen Raumrichtungen NUR mit zugelassenen Zurrmittel nach DIN EN 12195-2 (überprüfe Etikett an jedem Gurt-Teil!) in geeigneter Stärke und Ausführung (siehe LC = Lashing Capacity / Belastungsgrenze des Gurtgewebes auf dem Etikett / Faustformel: Bootstransportgewicht = LC pro Gurt im geraden Zug).

Zurrmittel ohne Etikett nach DIN EN 12195-2 wie Seile, Leinen, Ketten, Stahlseile sowie beschädigte oder verknotete Gurte sind nicht zulässig.

Windenstände sind nicht zur Ladungssicherung ausgelegt!

Guter Formschluss zwischen Boot und Trailer durch V-förmigen Buganschlag und Kielrollen, seitliche Stützrollen und Langauflagen mit hoher Reibung durch Gummiauflage.

Nieder- und Diagonalzurren des Bootes auf dem Trailer mit mindestens vier Ratschengurten

Geeignete Zurrpunkte an Boot und Trailer suchen (Ösen an Bug und Heck, keine scharfkantigen Umlenkpunkte, ggf. Zurrpunkte nachrüsten, Festmacherklampen sind eventuell nicht ausreichend stabil verankert!)

Propellerschutzhülle am Motor sicher befestigen (> StVO § 32(2)

Maße, Gewichte und Lasten

Ein Bootstrailer ist in der Regel steuerbefreit und mit einem grünen Kennzeichen versehen. Es dürfen aber keine anderen Lasten als Boote befördert werden. Der Trailer muss alle zwei Jahre zur Hauptuntersuchung vorgeführt werden.

Bis zu einer Breite von maximal 2,55 Metern dürfen Trailer-Gespanne ohne Sondergenehmigung auf deutschen Straßen gezogen werden. Über 2,55 Meter bis maximal drei Metern ist eine Sondergenehmigung der Zulassungsstelle für Überbreite

notwendig. Boote über drei Meter Breite sind nur noch mit erheblichem Aufwand zu transportieren.

Das zulässige Gesamtgewicht addiert sich aus dem Eigengewicht des leeren Trailers + Nutzlast, also Boot + Motor, Ausrüstung, Tankinhalt. Bei Überschreitung erlischt die Betriebserlaubnis für das gesamte Gespann und entfällt damit auch der Versicherungsschutz! Beachten Sie auch das zulässige Gesamtgewicht des Zugfahrzeuges beim Transportieren der Ausrüstung!

Die Stützlast ist die vertikale Kraft, mit der das Gesamtgewicht des Anhängers auf die Anhängerkupplung drückt. Sie kann am Trailer überprüft werden, indem ein kräftiger Holzklotz auf eine

Personenwaage gelegt und darauf die Kugelkupplung des beladenen Trailers ablegt wird. Dafür wird das Stützrad eingefahren, bis es den Bodenkontakt verliert und die Stützlast auf der Waage abgelesen. Bei unterschiedlichen Stützlasten von Trailer und Zugfahrzeug gilt immer der niedrigere Wert!

Die maximale Anhängelast des Zugfahrzeuges geht aus den Fahrzeugpapieren hervor. Sie beträgt bei ungebremsten Anhängern maximal ½ des Eigengewichtes des Zugfahrzeuges oder maximal 750 Kilogramm und bei gebremsten Anhängern abhängig vom Eigengewicht und der Bauart des Zugfahrzeuges maximal 3,5 Tonnen.

Auf der Rampe

Wer eine Sliprampe nutzt, sollte ein paar Regeln beachten:

• Alle Vorbereitungen wie Abbau der Lichtleiste, lösen der Gurte usw. geschehen außerhalb des Bereiches der Sliprampe, um diese nicht für andere Wassersportler zu blockieren.

• Gegenseitige Rücksichtnahme beim Rangieren und beim Parken des Gespanns

• Keinen Schwell an Sliprampen verursachen > Rumpf / Antrieb können aufsetzen!

• Sliprampe zügig wieder frei machen

• Steganlage nach Parken des Gespanns zügig wieder frei machen

Einslippen

• Stecker Trailer-Pkw + Stecker Lichtleiste ausstecken und Lichtleiste + Propellerschutz entfernen

• Boot auf dem Trailer mit Leine sichern

• Lenzstopfen schließen, Boot einräumen + fahrbereit machen (Hauptschalter, Benzinhahn, Schlüssel, Quickstopp)

• Zurrgurte entfernen

• Motor in Slipposition hochfahren

• Bug- + ggf. Achterleine bereitlegen

• Trailer ins Wasser fahren

• Sicherung des Zugfahrzeugs an steilen, glatten Rampen durch Gummikeile

• Sicherungsleine aushaken

• Wassertiefe unter dem Propeller mit Bootshaken überprüfen.

• Eventuelle Querströmung beachten und beim Abslippen das Boot möglichst von einer zweiten Person mit Bug- + Achterleine Leine gegen vertreiben sichern lassen

• Boot evtl. ein Stück von Trailer ins tiefere Wasser kurbeln

• Motor warmlaufen lassen

• Bugleine durch zweite Person halten oder am Trailer befestigen

• Boot komplett ins Wasser kurbeln + Windengurt aushaken

• Boot festmachen / sichern, um das Gespann zu parken

Ausslippen

• Windengurt/-draht etwas länger als benötigt abwickeln und bereitlegen + Trailer ins Wasser fahren

• Sicherung des Zugfahrzeugs an steilen, glatten Rampen durch Gummikeile

• Stellung des Antriebs kontrollieren – Flachwasserstellung, wenn das Boot mit Motor gegen Trailer gefahren wird – Slipstellung, wenn Boot per Leine gegen den Trailer gezogen wird

• Boot in Zentrierhilfe bis gegen die letzte Rolle fahren / ziehen

• Gurt stramm kurbeln und das Boot so weit hochkurbeln, bis es sauber zentriert ist

• Motor aus und in Slipstellung hochfahren

• Boot komplett auf den Trailer kurbeln

• Boot auf dem Trailer mit Leine sichern

• Lenzstopfen öffnen und das Gespann von der Rampe fahren

• Boot mit Gurten fachgerecht auf dem Trailer sichern, Lichtleiste anschließen, Propellerschutz anbringen Text: Christian Schneider