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TRAINING OPTIMIEREN: Ohne Muckis geht es nicht


Mein Pferd - epaper ⋅ Ausgabe 80/2018 vom 13.07.2018

Bauch, Beine, Po – für dieseProblemzonen werdenspezielle Kurse in Fitnessstudios angeboten. Auch bei der Ausbildung des Pferdes gibt es bestimmte Bereiche des Körpers, auf die ein besonderer Fokus gelegt werden sollte. Dazu ist wichtig zu wissen,wie Muskelketten zusammenarbeiten und wie ein effektives Training aussieht


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Bildquelle: Mein Pferd, Ausgabe 80/2018

Muskeln arbeiten nicht isoliert, sondern synergetisch in Muskelketten. Gibt es Schwachstellen in dieser Kette, dann werden einzelne Muskeln überbelastet, was sich auf Bewegung und Gesundheit des Pferdes auswirkt


UNSERE EXPERTEN

BARBARA WELTER-BÖLLER
ist Reiterin, Trainerin, ...

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BARBARA WELTER-BÖLLER
ist Reiterin, Trainerin, Humanphysiotherapeutin sowie Pferde osteopathin und unterrichtet seit 1997 in ihrer Fachschule für Osteopathische Pferdetherapie Anatomie, Biomechanik, Exterieuranalyse, Ganganalyse, Reitlehre, Sitzanalyse des Reiters. Sie hat für die Trainer und Ausbilder den Weiterbildungslehrgang zum OsteoConcept Coach entwickelt.
www.welter-boeller.de

MAXIMILIAN WELTER
ist Tierarzt, Pferdeosteopath nach Welter Böller und hat die Weiterbildung zum OsteoConcept Coach absolviert. Er ist Dozent für Anatomie, Pathologie, Biomechanik und Neurologie in der Fachschule für Osteopathische Pferdetherapie und reitet seit seinem zehnten Lebensjahr.
www.welter-boeller.de

Wenn ein gut und korrekt bemuskeltes Dressurpferd schwungvoll durch das Viereck trabt, zieht es staunende Blicke auf sich. Ebenso imposant ist die Energie eines Spring- oder Westernpferdes und das Tempo eines Galoppers. Bei allen Disziplinen gilt: Ohne Muckis geht es nicht. Allein zum Tragen des Reiters braucht das Pferd Kraft, die durch entsprechendes Training aufgebaut werden muss. Dabei spielen Muskelketten eine entscheidende Rolle. „Muskeln arbeiten nie isoliert, sondern immer synergistisch in Muskelketten, um eine bestmögliche Wirkung zu erzielen“, schreiben Barbara Welter-Böller und Maximilian Welter in ihrem Buch „Gutes Training schützt das Pferd“ und geben ein Beispiel: „Wenn Sie sich auf die Zehenspitzen stellen, werden Sie die Muskelanspannung nicht nur in der Fußsohle, sondern bis zu Ihrem Gesäßmuskel spüren.“ Beim Pferd gibt es zum einen die Streckerkette, die sogenannte dorsale Kette oder Oberlinie. Das sind alle Muskeln, die vom Kopf an die gesamte Wirbelsäule strecken. Zum anderen die Beugerkette, die sogenannte ventrale Kette oder Unterlinie. Alle diese Muskeln krümmen oder beugen die Wirbelsäule, am Kopf beginnend. Gibt es jedoch Schwachstellen in den Muskelfunktionsketten, dann laufen sozusagen koordinative Notfallprogramme im Organismus ab, und einzelne Glieder der Kette werden überlastet. Was mit Muskelverkrampfungen beginnt, kann auf Dauer fatale Folgen für das Pferd haben.

Fitnessstudio fürs Pferd

Mit dem Bild der einzelnen Muskelketten vor Augen wird deutlich, wie wichtig es ist, nicht nur auf die Stärken des Pferdes zu setzen, sondern auch mögliche Schwächen zu erkennen und auszugleichen. Fragt man Reiter nach den Problemzonen des Pferdes, dann stehen Hals, Rücken, Bauch und Hinterhand ganz oben auf der Liste. Während Sportler im Fitnessstudio an Geräten ihre Kraft verbessern und Muskulatur aufauen können, ist es Aufgabe des Reiters, das Pferd zu stärken. Dazu ist neben dem Verständnis der Anatomie und Biomechanik auch ein Trainingskonzept wichtig. Neue Mitglieder bekommen im Fitnessstudio eine Einweisung und einen Trainingsplan. Nach einer gewissen Zeit werden die Übungen entsprechend angepasst, um gesetzte Ziele zu erreichen. Dabei wird zudem darauf geachtet, dass einzelne Muskelgruppen nicht überbeansprucht werden. Kein Gewichtheber würde jeden Tag nur den Bizeps trainieren. Bevor Sie mit dem Krafttraining des Pferdes beginnen, sollten Sie die Hinweise unsere Experten beachten, dass eine gewisse Grundlagenausdauer vorhanden sein muss. „Die Herzfrequenz des Pferdes muss nach einer fünfminütigen Pause unter 50 Prozent der errechneten Maximalfrequenz fallen. Der Grund: „Die Muskelkraft wächst ansonsten schneller als das übrige Stützgewebe, die Faszien, zu denen auch die Sehnen gehören. Ein starker Muskel mit einer schwachen Sehne kann zu Sehnenproblemen führen.“

Was sitzt wo: Diese Muskeln sind beim Reiten besonders wichtig


BUCHTIPP

Barbara Welter-Böller und Maximilian Welter zeigen in ihrem Buch „Gutes Training schützt das Pferd“ Wege auf, wie Sie das Skelett-, Faszien- und Muskelsystem des Pferdes systematisch und schadensfrei für die sportartspezifische Anforderung vorbereiten können. Zusätzlich geben die Autoren Lösungsvorschläge zur Korrektur von falschen Bewegungsmustern und zur Hilfe bei orthopädischen Problemen. Cadmos, 176 Seiten, 29,95 Euro, ISBN 978-3-8404-1069-7

Maximal und schnell

Beim Krafttraining wird zwischen den Kraftqualitäten Maximal- und Schnellkraft sowie der Kraftausdauer unterschieden. „Die Maximalkraft ist die größtmögliche Kraft, die das Pferd gegen einen Widerstand willkürlich aufwenden kann“, beschreiben Barbara Welter-Böller und Maximilian Welter und fügen hinzu: „Sie ist schwer zu trainieren. Selbst bei den Zugleistungsprüfungen der Kaltblüter werden nur 20 Prozent ihres Körpergewichts als zu ziehendes Gewicht erwartet. Sonst würde man den Pferden körperlich und psychisch schaden.“ Unter Schnellkraft hingegen versteht man die Fähigkeit, einen möglichst großen Impuls in einer kurzen Zeit zu entfalten. „Das Pferd soll also sein Körpergewicht, und auch das des Reiters, durch einen hohen Impuls beschleunigen. Das geschieht beispielsweise beim Springen, im Renngalopp, bei den fliegenden Galoppwechseln, in der Working Equitation oder beim Cutting“, so die Experten. Zu den Unterformen der Schnellkraft gehören die Startkraft, die Rennpferde entwickeln müssen, und die Reaktivkraft. Bei letzterer ist ein schneller Wechsel zwischen exzentrischer und konzentrischer Muskelaktion typisch. Solch ein Zyklus von Dehnung und Verkürzung entsteht zum Beispiel in einer Springreihe, bei der Cavaletti-Arbeit im Galopp oder im Sprunggalopp des Rennpferdes. Barbara Welter-Böller und Maximilian Welter betonen, dass das Training der Schnellkraft nur mit orthopädisch gesunden Pferden in nicht verbrauchender Haltung trainiert werden sollte, da der High Speed sonst zu Gelenkverletzungen führe. Das Pferd könne in diesen Tempi nämlich nicht mehr kompensieren.

Eine Frage der Ausdauer

Beim Muskelaufau und Training des Pferdes kommt es nicht einzig darauf an, das Pferd für bestimmte Lektionen zu stärken, um diese abrufen zu können. Eine entscheidende Rolle spielt auch die Kraftausdauer. Darunter versteht man die Fähigkeit, eine bestimmte Kraft zur Bewältigung von Lasten über einen längeren Zeitraum durchzuhalten. Als Last kann man hier auch den Reiter verstehen. Barbara Welter-Böller und Maximilian Welter beschreiben in ihrem Buch, wie zunächst in drei aufeinanderfolgenden Stufen die Grundlagenausdauer trainiert werden kann. Mit einem jungen oder untrainierten Pferd sollte stets so begonnen werden. „In den Stufen eins bis zwei der Grundlagenausdauer wird so viel Kraftausdauer trainiert, dass das Pferd den Reiter mithilfe seiner Muskeln tragen kann“, erklären die Experten. „Mit dessen Gewicht leistet es dann ein Kraftausdauertraining, das je nach Gewicht des Reiters und Trainingszustand des Pferdes länger oder kürzer ausfallen sollte.“ Anzeichen einer Überlastung seien das Wegsacken des Rückens und ein geringeres Federn in den Fesselgelenken. Kraftausdauer und Schnellkraft könne in einem Zeitrahmen von acht bis zehn Wochen antrainiert werden. Dabei empfehlen Barbara Welter-Böller und Maximilian Welter folgendes: „Das Kraftausdauertraining sollte drei- bis viermal in der Woche stattfinden, je nach Belastung mit einer 24 bis 48 Stunden andauernden Pause. Bei maximalen explosiven Kontraktionen wie beim Springen oder nach dem Training der Reaktivkraft, das bei entsprechend genutzten Pferden zweimal in der Woche stattfinden sollte, müssen Pausen von 72 Stunden eingehalten werden.“

PROBLEMZONEN UNTER DER LUPE

Hals, Rücken, Bauch und Hinterhand – wenn es in einzelnen Bereichen zu muskulären Defiziten kommt, wirkt sich das auf den gesamten Körper und den Bewegungsablauf des Pferdes aus. Barbara Welter-Böller und Maximilian Welter geben einen Einblick, worauf es bei der schonenden Ausbildung nach osteopathischen Grundsätzen ankommt.

Vor allem bei Pferden mit einem langen Hals sollte auf ein gutes Training geachtet werden.


HALS- UND RUMPFMUSKULATUR

Halslänge:Natürlicherweise entspricht die Halslänge der Beinlänge des Pferdes. Rassespezifisch kann der Hals gerade oder mehr oder weniger aufgerichtet gehalten werden. Zu den Besonderheiten gehört die hoch aufgerichtete Haltung des Friesen mit durchgedrücktem Unterhals. Pferde mit einem langen Hals müssen gut in der Halsmuskulatur auftrainiert werden, denn bei wenig Bemuskelung neigt dieser zur Instabilität. Bei Pferden mit kurzem Hals ist es wichtig, die Anlehnung fein zu dosieren, da sie meist eng in der Ganasche sind und den Schub der Hinterhand in der Länge und Schwingung des Halses nicht auffangen können. So wirkt der Schub des Hinterbeins „ungebremst“ an das Gebiss.

Halsansatz und Rumpftrageapparat:Die Höhe des Halsansatzes definiert, in welcher Höhe der Hals aus der Schulter herauskommt. Kommt er hoch heraus, ist das ein positives Zeichen, da der Rumpftrageapparat und die Brustmuskulatur den Rumpf gut von unten stabilisieren. Der Rumpftrageapparat ist so stabil, dass das Pferd den Reiter tragen kann. Bei einem schwachen und untrainierten Rumpftrageapparat scheint der Brustkorb des Pferdes tief zwischen seinen Schulterblättern zu hängen. Als Rumpftrageapparat wird die fasziale und muskuläre Befestigung des Rumpfes an den beiden Vorderbeinen bezeichnet. Das Pferd hat kein Schlüsselbein, und so hängt das Gewicht des Rumpfes, nur mit Faszien und Muskulatur stabilisiert, dynamisch an den beiden Schulterblättern.

Reitergewicht und Equipment:Durch das Reitergewicht wird der Rumpftrageapparat noch mehr zwischen die Schulterblätter gedrückt. Der Reiter hat dann das Gefühl, dass der Widerrist zwischen den Schultern verschwindet und er bergab reitet. Durch den Aufbau des Rumpftrageapparats kann auch der Halsaufsatz positiv verändert werden. So entsteht mit der Zeit ein „Bergaufgefühl“. Barbara Welter-Böller und Maximilian Welter empfehlen dazu vor allem das Training im Trab ohne einschnürendes Equipment hinter dem Widerrist wie Longiergurt oder unpassendes Sattelkopfeisen.

DER BAUCH

Ein tragfähiger Pferderücken braucht Bauchmuskeln, die ihn von unten gegen die Schwerkraft und gegen das Gewicht des Reiters stützen. Meist ist ein schlaffer Bauch kombiniert mit einer mehr oder weniger starken Tendenz zum Senkrücken. Der hochgeschürzte Bauch ist das Gegenteil eines zu schlaffen Bauchs. Er kommt bei Pferden vor, die viel Stress haben, dadurch zu hoch im Sympathikotonus stehen und ein zu hartes Training absolvieren müssen. Durch die Volumenverengung des Darms ist bei solchen Pferden eine erhöhte Kolikgefahr gegeben. Die Bauchform kann sich auch aufgrund von blähender Fütterung verändern. Das Pferd muss dann den schweren Bauchpendel mit seinen Beinen ausbalancieren. Ein geblähter Blinddarm, der auf der rechten Seite liegt, erschwert dem Pferd die Rechtsbiegung und kann diese sogar unmöglich machen. Hier sind Bauchmuskeltraining und eine andere Fütterung angezeigt.

Ohne entsprechende Bauchmuskeln ist der Rücken des Reitpferdes nicht trag fähig. Galopp - arbeit ist eine Möglichkeit, Bauch und Rücken zu stärken


Zusammenspiel von Bauch und Rücken:Zu stark angespannte Bauchmuskeln können die Rückenlinie ansteigen lassen. Sind diese übertrainiert, entwickelt sich eine Rückenlinie wie die eines Windhundes. Der starke gerade Bauchmuskel zieht von unten an der vierten Rippe bis zum Schambein des Pferdes, wo er ansetzt. Durch die Anspannung dieses Muskels wird der Rücken besonders im hinteren Teil der Lendenwirbelsäule gewölbt, da die Brustwirbelsäule durch die Rippen fester ist. Hinzu kommt, dass der gerade Bauchmuskel das Schambein nach vorne zieht und so die gesamte Kruppe kippt. Die Aufwölbung des Rückens führt dazu, dass die Rückenlinie im Verhältnis zu den Beinen kürzer wird. Dadurch muss das Pferd hinten breitbeinig treten, oder es tritt sich laufend mit den Hinterbeinen in die Vorderbeine. Hingegen kommt es in der Längsbiegung und in den Seitengängen durch die vermehrte diagonale Fußung der Hinterbeine gut zurecht. Diese Pferde bieten häufig die Längsbiegung an, während ihnen das Geraderichten schwerfällt. Unsere Experten empfehlen, dann auf ein „entsammelndes“ Training zu setzen und das Pferd in einem Tempo geradeaus zu arbeiten, in dem die Rückenmuskulatur, die dorsale Kette, anspringt. Beim Reiten sollten die Bauchmuskeln nicht mit den Schenkeln stimuliert werden.

DER RÜCKEN

Trabarbeit am Boden hilft vor allem bei jungen oder untrainierten Pferden, den Rumpftrageapparat zu stärken


Die Rückenlinie:Die Widerristform ist abhängig von der Bein- und dadurch von der Halslänge. Laut unseren Experten sollte die Rückenlinie gerade sein. Eine ansteigende Rückenlinie kann verschiedene Ursachen haben, die erkannt und auf die das Training individuell abgestimmt werden muss. Eine Ursache liegt in den Wachstumsschüben des Pferdes. Sie wachsen nicht gleichmäßig, sondern einmal in der Vorhand, dann wieder in der Hinterhand. Wächst die Hinterhand, ist das Pferd in diesem Moment überbaut, und das zeigt sich in einer ansteigenden Rückenlinie. Als Reiter ist es wichtig zu wissen, dass das junge Pferd in diesem Moment durch die veränderte Stellung und Wirbelsäulenbeweglichkeit sehr empfindlich im Rücken ist. Es lässt sich auf einmal ungern satteln, klemmt und galoppiert gern im Kreuzgalopp. Barbara Welter-Böller und Maximilian Welter empfehlen, das Pferd in dieser Phase wenig bis gar nicht reiterlich zu belasten, sondern vom Boden aus über Trabarbeit den Rumpftrageapparat zu kräftigen. So kann sich die Brustwirbelsäule aufrichten und den Wachstumsschub hinten kompensieren. Das kann sechs bis acht Wochen dauern. Eine weitere Ursache für eine ansteigende Rückenlinie ist ein zu schwacher Rumpftrageapparat, wobei auch hier der Rumpfträger auftrainiert werden sollte, um die Wirbelsäule tragfähig zu machen.

Senkrücken:Fehlende Bauchmuskulatur oder zu starke Spannung der Rückenlendenbinde können die Ursache eines Senkrückens sein. Verspannungen entstehen zum Beispiel durch einen unpassenden Sattel, einen unausbalancierten Reiter oder durch eine zu starke Spannung des breiten Rückenmuskels. Das Training des Pferdes in der Dehnungshaltung und in Längsbiegung hilft, Faszie und Muskel zu dehnen. Eine fehlende Bauchmuskulatur sollte durch Längsbiegung und, wenn möglich, durch Galopparbeit auftrainiert werden. Hier ist es ratsam, zuerst vom Boden aus zu arbeiten. Der Tiefpunkt eines Senkrückens liegt fast immer unter dem Schwerpunkt des Reiters. Gerade hier gibt es Stauchungen zwischen den vorderen und hinteren Wirbeln. Das Pferd wird zum Schenkelgänger, da es seine Rückenmuskulatur verspannt und jegliches Mitschwingen der Wirbelsäule in den Bewegungen verhindert. Zwar bewegen sich die Beine des Pferdes, jedoch wird der Rücken starr gehalten. Nicht jeder Reiter spürt dieses Problem, da er das Gefühl hat, angenehm und erschütterungsfrei zu sitzen. Solche Pferde zeigen aber eine Empfindlichkeit im Rücken, neigen zum Kreuzgalopp und Passgang und treten mit der Hinterhand nicht richtig unter.

DIE KRUPPE

Die Kruppenform des Pferdes ist unter anderem abhängig von der Spannung der Bauchmuskeln und der Sitzbeinmuskeln, den sogenannten Hosen


Gerade Kruppe:Die Kruppenform ist abhängig von dem Bauchumfang des Pferdes, der Spannung der Bauchmuskeln und der Sitzbeinmuskeln, den sogenannten Hosen. Eine gerade Kruppe weist auf eine verspannte oder dominante Oberlinie hin. Bei arabischen Pferden ist ein gerader Rücken, eine gerade Kruppe und ein hoch getragener Schweif rassetypisch. Da der Darm von den Bauchmuskeln gehalten wird, die von der Lendenwirbelsäule und vom Hüfthöcker entspringen, kann auch ein hohes Darmgewicht zu einer geraden Kruppe führen. Bei einem Ungleichgewicht von zu viel Darmfüllung und schlechter Bauchmuskulatur hängt das Gewicht an der Lendenwirbelsäule. Mit ihr wird auch der vordere Rand des Kreuzbeins nach unten gezogen. Das geschieht besonders bei Weidepferden ohne Training.

Runde bis abschüssige Kruppe:Sie entsteht durch Spannung des geraden Bauchmuskels, da dieser vorne am Schambein ansetzt und bei Anspannung den gesamten Beckenring kippt. Aber auch die Muskeln, die am Becken hinten an den Sitzbeinhöckern ansetzen, können mit ihrer Spannung den Beckenring nach unten ziehen. So erscheint die Kruppe rund bis abgeschlagen. Eine abgeschlagene Kruppe ist bei Friesen hingegen rassetypisch.

Reitergewicht und Training:Die Kruppenform des Pferdes kann sich auch durch einen zu schweren Reiter verändern. Eine schwache Bauchmuskulatur kann dazu führen, dass die Lendenwirbelsäule in Streckung nachgibt und sich die Kruppe dadurch geraderichtet. In diesem Fall hängt das Reitergewicht am lumbosakralen Übergang, der muskulär nicht gut geschützt ist. Meist werden diese Pferde dann beim Reiten sehr schnell, um über die erhöhte Rückenspannung das Gewicht aufzufangen: Ein erhöhtes Tempo erhöht auch die Spannung der Rückenmuskulatur. Manche Pferde mit derselben Problematik versuchen, den Beckenring durch die Spannung der Hosen zu kippen. So können sie die Lendenwirbelsäule über das Rückenband mit einem Zug nach rückwärts stabilisieren. Durch ein entsprechendes Training kann die Kruppenform verändert werden. Gleichzeitig lässt sich an der Kruppe auch ein Ungleichgewicht zwischen dorsaler und ventraler Kette erkennen. Nicht selten kommt es gerade in der Kruppenmuskulatur zu Verletzungen: Dazu zählen sowohl Schlagverletzungen als auch Muskelprobleme unter dem Schenkelbrand, da sich die darunterliegende Unterhautfaszie und der darunterliegende Muskel zusammenziehen. Bei Belastung kommt es an dieser Stelle schneller zu Einrissen.


Fotos: Christiane Slawik (3), Holger Schupp (1), Rolf Rosecki (1), Constatin Gross (1), GettyImages/anakondasp (1), PR