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Transparenz und Leichtigkeit


Atrium - epaper ⋅ Ausgabe 4/2021 vom 17.06.2021

Meike Harde

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Passioniert: Meike Hardes (*1987) Leidenschaft gilt Textilien in konstruktiver Verwendung.

Mit der Bezeichnung «Jungdesignerin» identifiziert sie sich nicht – zu Recht. Den Status einer Newcomerin in der Möbelbranche hat Meike Harde längst hinter sich gelassen. Das Kundenportfolio der 33-jährigen Gestalterin, die gleich nach dem Produktdesignstudium an der HBKsaar 2013 ihr eigenes Studio gründete, umfasst zahlreiche renommierte Hersteller. In ihrem Studio in Köln konzipiert Meike Harde Leuchten, Möbel und Wohnaccessoires unter anderem für Bolia, Freistil Rolf Benz, Pode, Prostoria, Pulpo Products, Schönbuch und Woud. Alle ihre Entwürfe eint dabei eine visuelle Leichtigkeit und intelligente Konstruktion. Ihr profundes handwerkliches Wissen, insbesondere um Textilien und ihre Verarbeitung, führt zu einer Formgebung jenseits von Stereotypen. Dekorative Effekte, etwa bei Polstern oder Kissen, ergeben sich dabei meist als Konsequenz aus der Konstruktion und handwerklich ...

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... anspruchsvoller Materialanwendung.

Beim Besuch in deinem Studio fällt auf, wie detailverliebt die Zeichungen und Modelle deiner Entwürfe sind, und wie präzise du im 1:5- oder 1:10-Modell arbeitest. Da steht eine ganze Armada von fix und fertig gepolsterten und bezogenen Mini-Sofas und Sesseln.

MAIKE HARDE: Ja, in meiner Arbeitsweise bin ich in der Tat sehr akribisch (lacht). Jeder Entwurf entsteht aus Handskizzen, die dann als 3-D-Zeichnung im Rechner überarbeitet werden. Daraus wird ein 3-D-Druck generiert, etwa eines Sessels oder Sofas. Steht die Grundform, teste ich diese mit einem Textil. Also auch der Bezug wird schon im massstäblichen Modell 1:10 oder 1:5 angewandt und getestet – und eventuell noch im 1:1-Modell überprüft. Meine Kunden schätzen es sehr, dass sie meine Entwürfe als perfekt durchdachte Vorlage bekommen. So haben wir etwa das charakteristische schräge Rückenkissen des Sofas «Collar» für Woud komplett hier im Studio entwickelt, vom komplexen Polsteraufbau bis zum fertigen Bezug. Die Polsterei hat das Kissen dann als Prototyp in Originalgrösse zum Nachbauen erhalten.

Wie hast du dir das technische Wissen, insbesondere im Bereich Textilien und Polsterstoffe, angeeignet?

MH: Ich setze mich seit vielen Jahren mit Textilien, ihrer Verarbeitung und Anwendung auseinander. Das war schon im Studium eines meiner Schwerpunktthemen. Über die Jahre habe ich mir in der Auseinandersetzung mit dem Material nach und nach ein empirisches Wissen angeeignet. Heute kenne ich die spezifischen Eigenschaften der unterschiedlichsten Textilien, weiss, wie man sie einsetzt, und mache den Herstellern entsprechende Vorschläge.

Du entwirfst Vasen und Spiegel, Tische und Leuchten, aber der inhaltliche Schwerpunkt deiner Arbeit liegt ganz offensichtlich auf Polstermöbeln. Wie kommt das?

MH: Es liegt mir einfach, textile Entwürfe zu gestalten, die ungewöhnlich oder anders sind. Durch mein Wissen über Schnitte und Schnittführung, die man in einem Möbelstück anwenden kann, entstehen neuartige Formen. So basiert der Entwurf fürs Sofa «Impression» für Prostoria, dessen Lehnen aussehen wie geklappt, auf einem durchdachten Detail am Kissen: Der Bezugsstoff ist von vorne eingezogen. So entsteht ein Entwurf mit freundlichen, weichen Rundungen. Jenseits von opulenten Formen strahlt das Sofa eine gewisse Neutralität aus, und ist somit im Privat- wie im Objektbereich einsetzbar. Meine Kunden nehmen es dankbar an, dass ich über den Schnitt an einen Entwurf gehe und nicht wie sonst üblich über den Korpus und das Volumen. Über hochwertige Details und ihre anspruchsvolle handwerkliche Verarbeitung vermitteln die Möbel Wertigkeit. Mein Entwurfsziel ist immer eine kommerzielle Form, die sich gut verkauft und in gewisser Weise zeitlos ist, dabei dennoch mit Stereotypen bricht. Das erreiche ich beispielsweise mit einem handwerklich anspruchsvollen Bezug, der dem Sofa einen ganz eigenen, unverwechselbaren Charakter gibt.

Wie man als Designerin eine zeitgenössische Interpretation von Handwerklichkeit schaffen kann, war auch das Thema deiner Glasserie «Potpourri» für Pulpo, richtig?

MH: Glas als Material fasziniert mich sehr, denn es birgt so viele Möglichkeiten der Gestaltung. Ob transparent oder transluzent, matt oder glänzend, farbig oder farblos – Glas bietet sowohl beim eigentlichen Herstellungsprozess als auch bei der Nachbearbeitung zahlreiche gestalterische Möglichkeiten. Das finde ich super spannend. Diese Vielfalt in der Formgebung, Farbgebung und Oberflächenbearbeitung in einer Serie widerzuspiegeln, war die Grundidee zu «Potpourri» für Pulpo. In der Serie gibt es beispielsweise ein Gefäss, dem man mit dem finalen Schliff eine scheinbar willkürlich entstandene Asymmetrie verleiht. Auf einmal sieht das Glas aus wie ein weiches Material, das man mit dem Messer angeschnitzt hat.

Gibst du uns zum Abschluss noch einen Ausblick darauf, womit du dich in deiner Arbeit als Designerin in Zukunft befassen möchtest?

MH: Künftig möchte ich mich noch mehr auf das Thema Polstermöbel konzentrieren, als das ohnehin schon der Fall ist – und dabei vor allem auf das Thema Konstruktion. Ich würde wahnsinnig gerne ein Sofa oder einen Sessel gestalten, bei dem Bezug und Polsterung aus einem einzigen Material hergestellt ist, das sich nach seiner Verwendung komplett recyceln und dem Materialkreislauf wieder zuführen lässt.

www.meikeharde.com

MEIKE HARDE

«FREISTIL 131»: Das Sofa «freistil 131» für Rolf Benz wurde für Menschen entworfen, die zu Hause auf der Suche nach ihrem inneren Ich sind. Seine Form strahlt Ruhe aus und seine geometrischen Ziernähte in der Mitte des Rückens setzen das Sofa auf den Weg zur zentrierten Gelassenheit.

«POTPOURRI»: Die vielfältigen gestalterischen Möglichkeiten des Werkstoffs Glas spiegelt Meike Harde mit ihren Entwürfen zu der Serie «Potpurri» für Pulpo – ein Ensemble von Gefässen für den gedeckten Tisch.

«OVA» UND «UNDA»: Als dynamisches Duo, aber auch als erfolgreiche Solokünstler präsentieren sich Beistelltisch «Ova» und Pouf «Unda» für Pode. Auch die Namen der beiden Designstücke geben Aufschluss über deren besondere Beziehung zueinander. «Unda» findet bequem Platz unter den höheren Varianten von «Ova».

«KIMO»: Der Spiegel «Kimo» für Schönbuch spielt mit dem 3D-Effekt. Auf den ersten Blick scheint der Wandspiegel einen tiefen Rahmen zu haben – erst bei genauerem Hinschauen entpuppt sich dieser als plane Form des Rahmens und dessen optische Zweiteilung.

«IMPRESSION»: Der Entwurf für das Sofa «Impression» für Prostoria – hier in der Variante als Daybed – dessen Lehnen aussehen wie geklappt, basiert auf einem Einzugdetail am Kissen.

«COLLAR»: Das charakteristische schräge Rückenkissen des Sofas «Collar» für Woud entwickelte Meike Harde als Prototyp in Originalgrösse, vom komplexen Polsteraufbau bis zum fertigen Bezug.