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TRAUERFLORISTIK: Wandel in der Trauerkultur – neue Ideen für Floristen


Friedhofskultur - epaper ⋅ Ausgabe 6/2019 vom 03.06.2019

Viele Floristen klagen über ausbleibende oder nur noch kleine Aufträge bei Trauerfeiern. Um Kunden mit neuen Ideen zu überzeugen, hat der der Fachverband Deutscher Floristen für das Blumenbüro Holland eine Bilderstrecke ent wickelt, die dem Wandel Rechnung trägt und auch in Publikumsmedien veröffentlicht wird.


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Fotos: Carina Wendland/Hamburg

Das Farbenspiel der Blütenkette, die über Äste gelegt, von Bäumen abgehängt werden kann.


Trauerrituale sind heute viel persönlicher und fallen weniger standardisiert aus als in früheren Zeiten. Brüche mit Traditionen und neue Freiheiten sind die Anzeichen der modernen ...

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... Bestattungskultur. Schmerz, Erinnerung, Zuneigung und Trauer in der Verlustsituation suchen nach neuen Bildern und Ausdrucksformen, erklärt der Fachverband Deutscher Floristen (FDF) zu seinen Werkstücken „Blüten-Designs in neuer Symbolik“, die FDF-Kreativ-Direktor Manfred Hoffmann (Düsseldorf) kreiert hat.

„Eine persönliche, individuelle und auf die Menschen abgestimmte Floristik von uns als Floral-Designern hilft den Angehörigen, die Trauer zu verarbeiten“, zeigt Hoffmann auf und beobachtet immer wieder, dass sich Kunden gegen die „vermeintlich vorgeschriebenen“ Rituale entscheiden und neue eigene Wege suchen. „Dann sollten Sie als Florist neue Ideen parat haben“, unterstreicht Hoffmann.

Blütenkette

Eines seiner Beispiele ist eine florale Baumkette als emotionales Schmuckstück für eine Baumbestattung. Es ist eine moderne Variation eines Trauerarrangements, die den Bestattungsort Baum zu einem individuell floral geschmückten Denkmal für den Verstorbenen macht. Die über 2,5 Meter lange Blütenkette wird über Äste gelegt, von Bäumen abgehängt. Aber auch an anderen Gedenkorten kann sie ihre Wirkung entfalten, erklärt Hoffmann und beobachtet in seiner Praxis, dass Trauerzeremonien in Bestattungsgärten, am Strand, am Lieblingsplatz des Verstorbenen oder sogar in privaten Gärten stattfinden.

Aus unzähligen, auf Draht aufgereihtenPolyantha -Rosen, Deko- Chrysanthemen, Pompon-Dahlien, Nelken, Rittersporn, Santini-Chrysanthemen und fliederfarbigemLysianthus ist die Blütenkette gestaltet. Das Peace-Symbol ist ein zusätzlicher Blickfang. Eine kontrastreiche Kombination, die auf moosigem Untergrund und vor hellen Birkenstämmen wirkt.

Traumfänger

Der florale Traumfänger „Catch your dreams and fly!“ erinnert an die traditionelle Kranzsymbolik, bietet jedoch eine komplett neue Ausdrucksform, zeigt der FDF auf. Das Motiv habe ähnlich dem Kranz einen starken Symbolcharakter, knüpfe dabei jedoch nicht an christliche Traditionen an, sondern lässt Raum für freie Assoziationen. Das Werkstück ist dreidimensional mit Holzringen gearbeitet, die flexibel miteinander verknüpft sind, sodass der Wind sie in unterschiedliche Richtungen drehen kann.

„Ein Werkstück, das auch sehr gut am Strand an einem Holzstab befestigt werden kann“, zeigt Hoffmann als Idee auf. Er hatKalanchoe -Blätter, weiße Feder-Gerbera,Abutilon und blühende trichterförmige Mandevilla- Blüten verarbeitet. Perlhuhn- und Fasanenfedern, Terrakotta-Perlen undDiplocyclos palmatus -Ranken ergänzen das Formenspiel.

Blütenstab

Ähnlich dem traditionellen Kranz oder einem Herz kann auch einem Stab in spiritueller Interpretation eine wichtige Bedeutung für die Trauerarbeit zugemessen werden, erklärt Hoffmann. Gilt er doch als Symbol für die Wahrnehmung unsichtbarer Dinge und wird als Stütze zu Beginn einer Reise empfunden. Mit dieser Bedeutung lasse sich der Blütenstab als ausdrucksstarkes florales Motiv in der modernen Trauerarbeit platziere

Ein floraler Traumfänger, dreidimensional gearbeitet, so dass der Wind ihn drehen kann.


Fotos: Carina Wendland/Hamburg

Blütenstab mit Chrysanthemen und Rosen.


Anlehn-Strauß in farbintensiver Kombination.


Fotos: Carina Wendland/Hamburg

Als Beispiel zeigt Hoffmann einen Blütenstab mit geschichteten Blüten in romantischen Farben. Pompon- Chrysanthemen und Polyantha- Rosen in einem Spektrum aus Rosé- Tönen geben diesem floralen Arrangement eine Anmutung von Leichtigkeit. Die Blüten sind mit Floral-Kleber auf einem kautschutierten Rundholz-Stab mehrschichtig aufgebracht. „Das gibt dem Werkstück seine dichte Blüten- Fülle und eine dreidimensionale Wirkung,“ so Hoffmann.

Anlehn-Strauß

Ein Anlehn-Strauß im violett-grünen Farbenspiel ist einseitig/asymmetrisch in pyramidaler Form gebunden. Mit dieser ausgefallenen Binde-Technik eigne er sich für das Anlehnen an einen Baum, er schmiegt sich hier geradezu an den Birkenstamm, erläutert Hoffmann. Das kräftige Farbenspiel soll Kontraste setzen und erinnere bewusst an die Früchte und Beeren des Herbstes. „Das symbolisiert die Natur, ihre Kreisläufe und das Leben“.

Als besonderer Strauß, der in seiner ausgefallenen Inszenierung Verbundenheit symbolisiert und mit fruchtiger Farbigkeit Hoffnung spendet, ist er mit Anthurien, Gerbera, Disteln, Bartnelken, Gräser und Zweige in einer farbintensiven Kombination gebunden. Duftende Nuancen setzen Stiele des ZwiebelblühersPolianthes tuberosa mit betörendem Duft. Damit sei der Strauss auch eine Hommage an das Leben.

Individuelles gewünscht

„Ob Reben-Clematis, Knöterich oder Efeuranken – Sie sollten Ihren Kunden zeigen, welche Materialien sich beispielsweise für Kränze zu den verschiedensten Beerdigungsarten eignen“, zeigt Wilbert Hager (Velbert), Vorsitzender des FDF-Fachausschusses für Umwelt, Friedhof und Floristik, auf. Hager beteiligt sich jedes Jahr an einer Seniorenmesse, bei der er „live“ Werkstücke fertigt. Dabei stellt er immer wieder fest, wie überrascht die Besucher von seiner Präsentation und seinen Materialien sind. Christine Steinbach (Karlsruhe), die auch im FDF-Ausschuss mitarbeitet, sieht bei ihren Kunden, dass der Wunsch nach individuellen Werkstücken stetig zunimmt, nicht nur bei Waldbestattungen. Wichtig sei es jedoch, besonders Bestatter, mit denen man zusammenarbeite, für diese modernen Werkstücke zu sensibilisieren. Das Interesse seitens der Bestatter sei da, beobachtet Wolfram Sommerfeld (Duderstadt), ebenfalls im FDF-Ausschuss für Umwelt, Friedhof und Floristik, bei Präsentationen des FDF auf der Bestatterfachmesse (Befa), wenn die Frage fällt: „Wer kann diese Werkstücke fertigen?“ Eine Chance für die Branche, die sich Floristen mit ihren kreativen Ideen nicht entgehen lassen sollten.
Therese Backhaus-Cysyk, Erkelenz